Dienstag, 19. September 2017

Bitcoins und andere Kryptowährungen - Wann platzt die Blase?

Für Politik begann ich mich bereits vor 16 Jahren zu interessieren. Währungskritische Pamphlete aus dem libertären Umfeld las ich schon damals. Mir ist der Geist, der hinter dem Bitcoin steht, sehr vertraut:

1. Wie beim Gold will man eine Verknappung haben.
2. Es herrscht ein grundsätzliches Misstrauen in den Staat und in die Zentralbanken.
3. Man bildet sich ein, Geld dürfe nicht inflationieren. Um die vermeintlich krasse Geldentwertung zu belegen, werden besonders lange Zeiträume gewählt. Die Inflation im jährlichen Mittel ist aber nicht besonders aufregend. Wohl dem, der rechnen kann.


Ich habe keine Bitcoins und werde auch nie welche kaufen. Auch andere Kryptowährungen lassen mich kalt. Der Gedanken widerspricht den Erkenntnissen der Wirtschaftswissenschaften und der geschichtlichen Empirie: Eine Währung sollte eine leichte Inflation haben, um auf Dauer Früchte zu tragen.

Ich möchte auch keine natürliche Begrenzung, deswegen lehne ich sowohl Gold als auch Bitcoins ab. Warum soll es gut sein, dass die Geldmenge fix zu begrenzen? Schon Bismarck sagte zum Goldstandard: "Der Goldstandard ist wie eine Decke über zweien, die jeder versucht auf sich zu ziehen." - Wenn eine Währung mit leichter Inflation es ermöglicht, dass zwei Decken vorhanden wären und es beide schön muggelig hätten, dann wäre das doch  viel besser.

Geld, wie wir es heute kennen, inflationiert leicht. Es wird mit der Zeit immer weniger Wert. Aber gibt es ein Menschenrecht auf ein Geld ohne Inflation? Alles kann entwerten. Bestes Beispiel sind Lebensmittel. Die stärkste Entwertung dürfte Hackfleisch aufweisen. Warum nicht auch Geld? So wie ein Joghurt kurz vor Ablaufdatum darauf drängt, gegessen zu werden, so treibt die Inflation des Geldes Konsum und Investition an.

Andere Kritiker unseres Geldes, die der Freiwährungen (beispielsweise Chiemgauer), stoßen ins gleiche Horn wie die Goldbugs und Bitcoin-Fanatiker mit ihrer Fundamentalkritik am Währungssystem, kommen aber zu einem anderen Schluss und versehen ihre Freiwährungen mit festgeschriebener Entwertung. Die ist aber wieder schon zu hoch, dass  Sparprozesse gar nicht mehr lohnen. Auch das sehe ich sehr kritisch.

Bitcoins und andere Kryptowährungen sind heute reine Spekulation. Die Leute kaufen in der Hoffnung auf Wertzuwachs, nicht um sich eine Pizza mit Cola davon zu kaufen. Die wären ja schön blöd, angesichts des Kurszuwachses dieser Währungen. Es ist tatsächlich wie bei den Tulpenzwiebeln vor 400 Jahren. Irgendwann wird jemand versuchen, seine Bitcoins in Euro oder Dollar zu tauschen, aber keinen Käufer finden. Dann tritt die Panik ein und die Luft ist aus der Bitcoin-Blase.

Es werden wieder - wie zu Zeiten des neuen Marktes - viele Anleger verprellt werden. Menschen, die zum ersten Mal überhaupt investiert und vielleicht Bitcoins gekauft haben, weil ihnen Aktien nicht geheuer sind, werden bitter enttäuscht sein und hinterher "dem System" die Schuld geben. Das ist ja so problematisch, dass die Naiven sich immer wieder hinten die Fichten locken lassen.

Dabei ist es so einfach: Qualitätsaktien kaufen, Dividenden kassieren, Devidenden reinvestieren.  Am werthalstigen sind doch immer noch die Unternehmen. Die schaffen die essentiellen Güter.  Ich bin zwar kein Freund der Lebemensch-Fraktion, die nicht sparen wollen und gerne den folgenden Spruch auf den Lippen führen: "Ich lebe heute." - Allerdings, man lebt, heute und morgen! Und zum Leben gehören: Essen, Kleidung, Wohnung, Unterhaltung, Mobilität, Energieverbrauch, aber auch unangenehme Themen wie Krankheit usw. Und wenn man sich Teile der Unternehmen kauft, die die entsprechenden Produkte im Portfolio haben, dann ist man auf der sicheren Seite.

Das Auf und Ab der Börse muss man nur aushalten. Dividenden, die aufs Konto eintrudeln, helfen dabei ungemein. Bitcoins werden sich nicht auf Dauer durchsetzen. Hinter normalen Währungen wie Dollar, Pfund, Schekel, Yen und Euro stecken Staaten, die Garantien geben, die man sogar einklagen kann. Staaten mit Armeen, die bereit sind, ihre Nation zu verteidigen, inklusive aller Errungenschaften, wozu eine stabile Währung auch gehört. Bitcoin, zeig mir deine Infanterie!

Ich wage eine Prognose: Da der Erfinder Bitcoins unbekannt ist, werden die Spekulationen um seine Person ins Kraut schießen, wenn die Bitcoin-Blase platzt. Ich bin mir sicher, dass man den Bitcoin auch als jüdische Verschwörung hinstellen wird. Wer heute Bitcoin kauft, ist meistens eher einfach gestrickt, glaubt eventuell an Chemtrails, an die gefälschte Mondlandung und dass die CIA Kim Jong Un an der Macht hält. Mir sind sogar promovierte Leute bekannt, die in diese Richtung denken.

Samstag, 19. August 2017

Der Terroranschlag in Barcelona belegt die deutsche Medienkrise

Und wieder haben sie es getan: Arabische Moslems haben wieder getötet. Mit einem Lieferwagen ist einer der Terroristen im Zickzackkurs über die Flaniermeile "La Rambla" in Barcelona gefahren. 13 Menschen sind schon tot, 119 Menschen sind verletzt. Wie schwer, weiß man nicht, aber man kann davon ausgehen, dass manche so schwer verletzt sind, dass sie in den nächsten Tagen auf der Intensivstation dahinscheiden werden.

Gerd Buurmann fasste gestern ein paar antisemitisch motivierte Straftaten der letzten Tage zusammen. Kommentatoren wiesen ihn darauf hin, dass der Anschlag in Barcelona vor einem koscheren Restaurant passierte, womit auch dieser Anschlag antisemitisch motiviert sein könnte. Da wurde ich hellhörig. Ich begann, zu recherchieren, was die ganzen Medien so schrieben.

Ich habe mir die Artikel bei Spiegel Online, FAZ.net, tagesspiegel.de und welt.de angeschaut. Selbst die konservativ-liberalen Publikationen lassen einem Stich. Den Hinweis auf das jüdische Restaurant findet man nicht, obwohl es eine wichtige Information ist. Ich habe versucht, herauszufinden, woher die Opfer stammen. Logisch, dass deutsche Medien immer erwähnen, wie viele Opfer Deutsche waren. Das ist deutschen Medien nicht vorzuwerfen. Ich weiß aber aus den deutschen Medien, dass 28 der Opfer Franzosen waren und dass die Opfer aus insgesamt 34 Nationen stammen. Ich musste lange nach den Nationalitäten der Opfer suchen und ob auch Israelis dabei waren. Israelische Opfer gibt es allem Anschein nach nicht, aber auf israelnetz.de kann man nachlesen, dass Barcelona ein beliebtes Urlaubsziel von Israelis ist. Ich bin mir sicher, dass die Terroristen genau das wussten und ins Kalkül zogen.

Man muss schon ausländische Medien konsultieren, um an gewisse Fakten zu kommen:

Die Recherche in den deutschen Medien betrübte mich wieder. Es ist ein wenig analytischer Journalismus, es ist ein dummer und oberflächlicher Gesinnungsjournalismus, der wieder einmal weg vom eigentlich Thema führt, um sich dem Lieblingsthema der linken Intelligenzja zu widmen: "Rechte" und "Identitäre". Die eigentlichen Täter waren Moslems. ISIS bekannte sich zu den Anschlägen. Und wie schon nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt geht es wieder nur darum, abzuwehren, dass der Islam kritisiert wird und Muslime unter einen Generalverdacht gestellt werden. SPON schreibt:
Angst oder Offenheit? Nach dem Anschlag müssen sich die Menschen in Barcelona entscheiden, wie sie auf die Tat radikaler Muslime reagieren. Eines scheint klar: Für den Hass der Rechten ist in der Stadt kein Platz.[...]
Die Rechten wollen die Situation für ihre Zwecke nutzen, doch die ganz große Mehrheit der Menschen stellt sich entschieden gegen sie.

Wie in Berlin, als Linke sofort die Situation ausnutzten, um gegen "Rechte" zu demonstrieren, während der deutschen Medienbetrieb dazu applaudierte. Der Hass vieler Moslems gegen die westliche Kultur ist kein Thema. Der Antisemitismus vieler Moslems ist auch kein Thema. Das scheinen wohl beides - ganz im Sinne von Multikulti - als erhaltenswerte kulturelle Eigenschaften der Muslime Schutz zu genießen.

Was ich seltsam finde: Während streng zwischen Islam und Islamismus unterschieden wird, wird das gesamte rechte politische Spektrum in die Nazi-Ecke geschoben, als ob deutsche Konservative Anschläge durchführen. Es wird auch übersehen, dass viele Moslems ideologisch gesehen Rechtsaußen verortet sind, deren Ideologie auf Antisemitismus  und panarabischen Nationalismus beruht. Nicht von ungefähr waren die Araber Hitlers Verbündete, gegen die Briten und Juden. Und auch heute noch gibt es einen Hitler-Kultur im arabischen Raum. In Gaza gibt's eine Boutique namens "Hitler 2", wo es den neuesten Terroristen-Chic zu erwerben gibt. Die schiitische Terrororganisation Hisbollah praktiziert einen Gruß, der mir auch irgendwie verdächtig verkommt.

Interessanter als die eigentlichen Artikel sind dann meistens die Kommentare unter den Artikeln. Beispielsweise in diesem FAZ-Artikel hier. Dort werden Texttafeln einer Demo gezeigt, wo es heißt, Islam sei kein Terrorismus und Muslime seien keine Terroristen. Der Artikel scheint mit der Botschaft zu sympathisieren, denn sie wird nicht kritisiert. Manche Kommentatoren kritisieren aber diese Botschaft scharf. Nun mag es ein Binse sein, dass die meisten Muslime friedliche Menschen sind, aber so eine Botschaft ausgerechnet dann in die Welt zu tragen, wenn gerade Muslime im Namen des Islams gemordet haben, zeugt von einer Menge Chuzpe.
 
Der große Medienskandal dieses Sommers war das Wegschließen der Antisemitismus-Dokumentation durch Arte und WDR, was am Ende nur nach Druck von Außen über die Äther geschickt wurde, aber mit Fußnoten und einem lächerlichen Faktencheck. Eine einmalige Sache im deutschen Medienbetrieb. Der Wert der Dokumentation war groß, und auch ihre Medienkritik traf voll ins Schwarze, wurde durch die Umstände ihrer Veröffentlichung und jetzt noch einmal bestätigt: Es gibt einen weit verbreiteten Antisemitismus, der große Teile der Gesellschaft erfasst, vor allem auch das linke Spektrum, das immer einen Schleier des Schweigens über den Antisemitismus legt, wenn es nicht rechtsextreme Dumpfbacken betrifft. Quo vadis, Deutschland? Wie kann man nur so blind und herzlos sein? Alle Sonntagsreden unter dem Motto "Nie wieder!" werden Lügen gestraft.

Aus den deutschen Medien habe ich aber immerhin die sehr wichtige Information erhalten, dass der Lieferwagen weiß war ("White Pride"). Hätte der Lieferwagen dem "südländischen" Phänotyp entsprochen, wäre dies nie erwähnt worden. Der Attentäter in Virginia war übrigens gar nicht so anders als die islamischen Terroristen. Der Trend geht ganz klar dazu hin, mit Fahrzeugen durch Menschenansammlungen zu brettern. Wurde der Täter in Virginia, Alex Fields Jr., nicht auch einfach nur missverstanden? War er nicht auch ein Israelkritiker? - Komisch, wie man mit zweierlei Maß misst. Multikulti gilt wohl nicht für Rednecks.

Sonntag, 6. August 2017

Die kleine Schwester des Antisemitismus: Antiamerikanismus

Heute jährt sich der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zum 72ten Male. Sicherlich ist es kein schöner Gedanke, dass über 100000 Menschenleben mit einem Fingerschnipp ausgelöscht wurden. Was mir aber tierisch auf eine Senkel geht sind die alljährlichen Betroffenheitsschreiberlinge zum Jahrestag.

Der moralische Furor steht uns nicht zu. Er ist zudem peinlich, zeugt eigentlich davon, dass nicht darüber nachgedacht wurde. Man begibt sich auf die bequeme absolute Position, dass Atomwaffen prinzipiell nicht genutzt werden dürfen. Bequem ist die Position deshalb, weil man selber nie in der Lage war, sich für oder gegen sie entscheiden zu müssen.

Sicherlich bin ich ein gebranntes Kind, der noch ein wenig DDR-Propaganda im Klassenzimmer inhalieren durfte. Man erzählte uns von den bösen Amis, die zwei amerikanische Städte mit Atombomben ausgelöscht haben. Man zeigte uns auch Fotos vom verbombten Dresden. Mir als Kind ist das damals noch nicht aufgefallen, aber im Rückblick muss ich sagen, dass doch eine Menge ausgeblendet wurde, um die Ereignisse seriös bewerten zu können. Dass man aber 7- und 8-jährige Kinder damit konfrontiert, die zu einer seriösen Bewertung gar nicht in der Lage wären, macht deutlich, was bezweckt wurde.

Als Erwachsener habe ich mich einiges über die Atombombenabwürfe gelesen und mir meine Gedanken gemacht. Ich halte die offizielle amerikanische Position für die plausibelste: Die beiden Abwürfe haben den Krieg schnell beendet und den Japanern wie den Amerikanern, sowie in den von Japan besetzten Völkern enorme Verluste erspart. Die Theorien mancher Historiker, wonach wahlweise der Kriegseintritt der UdSSR ausschlaggebend oder die Japaner ohnehin kapitulieren wollten, finde ich äußerst dürftig. Wo haben die ihre Informationen her? Fakt ist doch, dass die Japaner erst nach Nagasaki einlenkten. Fakt ist, dass die UdSSR auch früher hätte eingreifen können, wenn sie gewollt hätte. War das eigentliche Kriegsverbrechen dann nicht, dass die UdSSR so lange zögerten? Hätte Stalin schon 1943 seine Truppen in die Mandschurei geschickt, dann hätte Japan vielleicht schon 1944 kapituliert? Es wäre gar nicht zu den beiden Atombombenabwürfen gekommen.

Nun macht niemand der UdSSR deswegen Vorwürfe, weil die ja schon enorme Arbeit an der Westfront hatten, zum großen Teil selbst verschuldet durch militärische Inkompetenz. Die UdSSR war sogar Mitinitiator des Krieges in Europa. (Ohne den Hitler-Stalin-Pakt wären die Deutschen nicht in Polen einmarschiert.) Die Vorwürfe an die UdSSR fallen sehr bescheiden aus. Man kapriziert sich auf die Amerikaner und erklären kann ich es mir nur damit, dass da antiamerikanische Bedürfnisse gestillt werden müssen.

Wie jener Kommentar. Da werden Hiroshima, Afghanistan und Irak in einen Topf geworfen und er merkt seine Widersprüche nicht einmal. Diese Art des Antiamerikanismus ist es auch, die mich bewogen hat, mich zu diesem Thema zu äußern. Bombardieren die USA ein Land, wirft man es ihnen vor. Bombardieren sie nicht, wirft man ihnen vor, dass sie tatenlos zuschauen. Bei Sanktionen genau das gleiche. Im Kommentar wird sogar das Abschneiden der Japaner von den Rohstoffen als völkerrechtswidrig angeklagt. Das muss man sich mal vorstellen: Die Japaner besetzen und rauben Südostasien aus, aber das einzige, was der Herr Kommentator anklagenswert findet, ist das Abschneiden von den geraubten Rohstoffen durch die Amerikaner.

Den Westallierten wird ja auch vorgeworfen, die Gleise nach Auschwitz nicht bombardiert zu haben. Diese Anklage fällt größer aus als den Sowjets gegenüber (deren Bomberstaffeln den kürzeren Weg gehabt hätten) und den Deutschen, die das eigentliche Verbrechen begingen. Man stelle sich vor, die Westallierten hätten es getan und die Gleise nach Auschwitz bombardiert? Der Kommentator vom Blog "An und für sich" hätte sich darauf versteift, die Amerikaner hätten "völkerrechtswidrig" die Deutschen von der Rohstoffversorgung abgeschnitten: Textilien, Leder und Zahngold.

Das ist zynisch, aber ich führe nur die Gedankengänge jenes Herrn fort. Der Antiamerikaner schämt sich nicht, solche Gedanken zu haben. Sein Ressentiment lädt er mit moralischer Überlegenheit auf, die er nicht besitzt.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Die "rechtswidrige" Besatzung der Golanhöhen

Immer wieder muss ich lesen, Israel sei Besatzer. Wovon eigentlich? Aus Gaza ist Israel schon lange raus, Cisjordanien ist ein umstrittenes Gebiet. Es war mal besetzt, als Jordanien dort einfiel und Israel vertrieb diese jordanischen Besatzer. Aber heute soll es um die Golanhöhen gehen, denn die sind tatsächlich besetzt. Ausschlaggebend für meinen heutigen Artikel war die Äußerung eines Foristen bei "WELT Online":
Wollen wir mal hoffen das sie nicht mal verurteilt werden für etwas was ein anderer getan hat. Wer ein Gebiet rechtswidrig besetzt hält spielt dort mit dem Feuer. Aber ich verstehe man ist sofort antisemit wenn man nicht pro Israel eingestellt ist.

Ich sehe kritisch, dass er von einer rechtswidrigen Besatzung spricht. Die Besatzung ist eine Folge des Sechstagekrieg von 1967. Formell gesehen war der Sechstagekrieg ein Angriff Israels, aber nicht zum Zwecke der Landgewinnung. Es war ein Präventivschlag gegen Syrien, Ägypten und Jordanien. Diese drei Länder hatten ihre Streitkräfte hochgerüstet und in Stellung gebracht. Hätte Israel nicht diesen Präventivschlag vollzogen, es wäre vernichtet worden. Ich wüsste keinen Präventivschlag aus der Geschichte, der rechtlich und moralisch so sauber zu bewerten ist.

Es wurde der Sinai erobert und als Faustpfand war der Sinai sehr nützlich, um Ägypten einen Friedensvertrag abzutrotzen. Eine andere Eroberung waren die Golanhöhen. Die sind militärstrategisch wichtig. Syriens Artillerie nutzte die Golanhöhen, um Israel zu beschießen.

Der Status quo der Golanhöhen ist seit dem Sechstagekrieg unverändert. Eine Rückgabe sehe ich nicht als zwingend notwendig an. Entscheidend ist meines Erachtens, was die dortige Bevölkerung will und wer verantwortungsvoller mit dem Land umgeht. Eindeutig Israel. Zwingend notwendig für eine Rückgabe an Syrien ist aber ein Frieden zwischen Israel und Syrien. Momentan befinden sich beide Parteien immer noch im Kriegszustand. Im regulären Krieg eine Besatzung als rechtswidrig zu deklarieren, ist unlogisch, weil die Besatzung innerhalb eines Krieges, ein rechtmäßiger Zustand ist.

Ein weiteres Problem ist, dass Syrien Israel nicht anerkennt und nicht bereit ist, mit Israel zu verhandeln. Dass die Golanhöhen von Israel besetzt sind, ist eine logische Folge syrischer Außenpolitik. Nun sind die Golanhöhen schon so lange in israelischer Hand, dass ein Zurückdrehen, selbst wenn es zum Frieden zwischen Syrien und Israel kommen sollte, schwer sein dürfte. Das wäre ein Verbrechen gegen die dort ansässige Bevölkerung. Die meisten dortigen Drusen werden lieber israelische Staatsbürger als syrische sein.

Ist der Kommentator ein Antisemit? Ich denke schon. Er misst mit zweierlei Maß, er verkennt die Situation, warum die Golanhöhen besetzt wurden (gewiss nicht aus Bosheit und Gebietsgewinnung, denn Israel hätte bis Damaskus durchmarschieren können, was sie nicht machten) und er begibt sich die Opferrolle, wonach alle Kritiker Israels des Antisemitismus verdächtigt werden.

Sonntag, 23. Juli 2017

Rassismus, Islamophobie und Antisemitismus

Wir leben im antirassistischen Zeitalter. Es gibt "Aufstehen gegen Rassismus", "Internationale Woche gegen Rassismus", "Gemeinsam gegen Rassismus", "Stiftung gegen Rassismus", "Klappe gegen Rassismus", "Amnesty gegen Rassismus", "Wein gegen Rassismus","Aktiv gegen Rassismus" und "Schule gegen Rassismus". Ich habe den Eindruck, dass man möglichst häufig irgendwo das Etikett "gegen Rassismus" draufpappen will, um den schönen Schein zu wahren und um einer ernsthaften Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Es erinnert mich immer mehr an den offiziellen Antifaschismus der DDR, der es nicht vermochte, dem Fremdenhass und dem zunehmenden Rechtsextremismus in der DDR der 80er etwas entgegenzusetzen.

Meine Haltung gegen diese ganzen Maßnahmen erhielt die entscheidende Wende, als in Berlin ein jüdischer Junge eine Schule verlassen musste, weil seine muslimischen Mitschüler ihm das Leben zur Hölle machten. Diese Schule war auch bei der Initiative "Schule gegen Rassismus" dabei. In meinem Wohnort passiere ich auch regelmäßig zwei verschiedene Schulgelände, aber erst nach dem Vorfall in Berlin sind mir die angebrachten schwarz-weißen Schilder aufgefallen. Und irgendwie war ich angewidert, denn die Schule in Berlin hat sich hinter ihrem Schild zu verstecken versucht. Genauso auch die Elternvertretung. Mit anderen Worten: Man wollte den Vorfall so klein wie möglich halten, was ich mich wiederum an einen 15 Jahre alten Vorfall erinnert, als man das Offensichtliche nicht sehen wollte: Glatzköpfige Dumpfbacken jagten eine Gruppe Inder durch die Gassen, aber statt von einem fremdenfeindlichen Angriff sprach man von einer "Wirtshausschlägerei".

Neben dieser ernsthaften Auseinandersetzung mit tatsächlichen Problemen, stört mich noch einiges.

1. Antisemitismus wird immer als eine Spielart des Rassismus abgetan. Ich sehe das anders und ich will begründen. Laut Adorno ist der Antisemitismus das "Gerücht über die Juden", also weit mehr als ein Hass gegen die Juden. Der Rassismus gegen die Schwarzen beinhaltete vor allem die These, die Schwarzen seien minderwertig. Das Gleiche galt gegenüber den Zigeunern. Aber niemand kam auf die Idee, von den "Negern an der Wallstreet" zu sprechen, die alle Fäden in der Hand hätten. Wo sitzen Zigeuner in den Hinterzimmern? Den Juden dagegen unterstellt man dagegen, stets und ständig konspirativ aus Hinterzimmern heraus zu handeln, zu Lasten der restlichen Menschheit. Als am 11. September 2001 die Anschläge auf das World Trade Center vollzogen wurden, dauerte es nicht lange, bis die ersten Verschwörungstheorien auf dem Tisch lagen: Die Juden waren es. Wer auch sonst? Angeblich gab es nicht in einen Juden in den Türmen. Sicherlich stimmt das nicht, aber eher wahrscheinlich ist doch, dass nicht ein einziger Sinti an dem Tag in einen der Hochhäuser arbeitete. Dass sich niemand diese Frage stellt, ist der Grund, warum der Antisemitismus kein Rassismus unter verschiedenen Rassismen sein kann. Und warum soll eine jüdische Weltverschwörung die Anschläge planen und durchführen, aber die Juden vorwarnen, die da arbeiten? Es gibt Verschwörungtheoretiker, die den Rothschilds und der jüdischen Weltverschwörung unterstellen, dass sie Hitler unterstützt hätten, finanziell wie ideell, um hinterher Deutschland jahrzehntelang etwas vorhalten zu können. Ist das nicht verrückt? Man wirft der jüdischen Weltverschwörung beides vor: Einerseits ausschließlich die Juden aus dem WTC vorgewarnt zu haben, andererseits aber hätte sie millionenfachen Mord an den europäischen Juden gebilligt. Der Antisemit wirft dem Juden alles vor, auch das Gegenteil.

Dass Antisemitismus nicht nur ein Rassismus unter vielen ist, sondern eine krankhafte Welterklärungtheorie, die jede Verantwortung einer jeden Unbill den Juden zuschiebt, geht einfach unter.

2. Die Gleichsetzung von Antisemitismus und Hass gegen Muslime finde ich fatal. Islamophobie sei der Antisemitismus von heute, musste ich kürzlich irgendwo lesen. Was Antisemitismus ist, habe ich gerade geklärt. Animositäten gegen Moslems gibt's, aber anders als in den 90ern sehe ich den nicht gesellschaftlich relevant. Problematisch ist dabei, dass man den arabischen und türkischen Zuwandern, die ja meistens islamischen Glaubens sind, eine bequeme Opferrolle anbietet, in die sie gerne schlüpfen. Damit hilft man diesen Menschen nicht. Der türkische Schüler wird sich nicht mit berechtigter Kritik auseinandersetzen, sondern sofort den Vorwurf "Nazi" oder "Rassist" absondern. Eine ängstliche Lehrerschaft und Gesellschaft gibt es dann irgendwann auf, einen verzogenen Jungtürken den Kopf zu waschen.

3. Ich mag auch den Begriff Islamophobie nicht. Er wurde von Ajatollah Khomeini in die Welt gesetzt. Ich komme damit nicht klar, weil eine Phobie eine irrationale Angst ist. Was ist aber, wenn jemand ganz rationale und begründete Ängste gegen die Islamisierung hat? Mit einem Etikett wie Islamophobie wird jede Angst gegen Islamisierung in den Bereich der Irrationalität verwiesen, zusammen mit der Arachnophobie. Da gibt's ja Therapeuten, die setzen ihren Patienten Vogelspinnen auf den Arm. Ob Islamophobie auch so einfach heilbar ist? Die Patientinnen probieren einen Niqab an und schon sind sie geheilt? Ich sehe den Islam mit seinem politischen und gesellschaftlichen Anspruch als höchst problematisch an, der die gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten zweihundert Jahre zunichte machen könnte. Ich habe keine Phobie, sondern eine berechtigte Angst.

4. Ich mag die obigen Organisationen auch nicht, weil sie neben der bisher geschilderten Substanzlosigkeit einen bedeutenden Fehler machen: Sie konzentrieren sich auf den Rassismus der autochtonen Bevölkerung, was sogleich als "rechts" gebrandmarkt wird. Dass Araber und Türken rassistisch sein können, wird schön unter den Teppich gekehrt, sowohl gegen Juden als auch gegen Kurden. Und letztendlich ist auch ein linker Rassismus Manifest geworden: Menschen aus dem türkischen und arabischen Raum wird die Verantwortung für ihr Denken und Handeln vorenthalten, die Opferrolle dürfen sie aber immer ausfüllen.

Die ganzen Antirassismuskampagnen dienen heute vor allem der Manifestation der Opferrolle von Muslimen. Anstatt sich mit einem Phänomen wie Antisemitismus auseinanderzusetzen, fließen Gelder und Energie in Antirassismuskampagnen und dann wird so getan, man tue etwas gegen Antisemitismus. Tatsächlich aber wird Zeit und Geld nur dafür aufgewandt, Muslime als Opfer der Gesellschaft zu präsentieren. Das schafft nebenbei auch noch Arbeitsplätze. Schaut man sich die Seite https://www.aufstehen-gegen-rassismus.de/ genauer an, wird man feststellen, dass es sich eigentlich nur um die AfD dreht. Am 5. Dezember geht's auch um Trump, der als "autoritärer Rassist und Sexist" bezeichnet wird. Den Vogel abgeschossen hat der Beitrag vom 22. Dezember. In Berlin kaperte ein islamischer Terrorist ein Lkw und raste in einen Berliner Weihnachtsmarkt. Aber die Antirassisten haben nur Angst davor, dass die AfD die Vorfall für sich nutzen könnte. Man solle den Generalverdacht nicht zulassen.

Ich bin der Auffassung, man müsse mittlerweile einen Generalverdacht erheben. Jeder, der aus dem arabischen Raum kommt, ob als Asylsuchender oder als anderer Einwanderer, muss darauf abgeklopft werden, wie zum Islam steht, wie er zum Staate Israel steht, wie zur Apostasie und zur Homosexualität. Wenn wir das nicht machen, dann machen wir den wirklich Schutzbedürftigen das Leben in Deutschland zur Hölle. Mitunter werden heute Syrer unterschiedlicher Bürgerkriegsparteien in die selben Flüchtlingsheime gesperrt.

Den ganzen Veranstaltungen gegen Rassismus sollte man skeptisch begegnen.

Sonntag, 2. Juli 2017

Deutschland im Antisemitismusstreit

Deutschland ist mittendrin in der Antisemitismusdebatte. Wer sich im Dunstkreis von "Achse des Guten", "Tapfer im Nirgendwo" oder auch "Lizas Welt" bewegt und informiert, ist nicht überrascht.

Was war passiert? Arte und WDR ließen einen Film über Antisemitismus produzieren, der dann im Giftschrank landete. Die Bild-Zeitung zeigte ihn dann doch und "Das Erste" hat am 21.06.2017 nachgezogen und den Film gezeigt, eingebettet in Fußnoten und mit anschließender Maischberger-Diskussion. Hier ist der Film, an dem sich die Diskussion entzündet hat:



Zum Film: Mir hat er nur wenig neues gezeigt, aber für viele weniger Informierte dürfte es schwer aufstoßen, dass nun "Israelkritik" als antisemitisch gilt. Das ist ja immer wieder das verbreitete Gerücht, dass man Kritik an Israel nicht pauschal mit Antisemitismus gleichsetzen dürfe. Aber macht das jemand? Es gibt Literaturkritik, es gibt eine Filmkritik, es gibt eine Musikkritik und es gibt die Israelkritik. Allen vier gemein ist, dass eine Leidenschaft vorausgesetzt wird, um als entsprechender Kritiker durch die Lande zu ziehen. Der Umstand aber, dass es keine Jordanienkritik und auch keine Ägyptenkritik gibt, sondern Israel das einzige Land der Welt ist, das eine Kohorte von Israelkritikern nach sich zieht, ist Zeugnis einer antisemitischen Obsession, der man auf den Grund gehen muss. Kritik an Israel sollte man immer auf antisemitische Denkmuster abklopfen.

Das hat der Film getan, ich fand ihn deshalb exzellent und bin da in guter Gesellschaft u.a. mit Götz Aly, Michael Wolffsohn und natürlich Henryk M. Broder. Der Film demaskierte die selbstgerechte Kritik an Israel als antisemitische Obsession, von der weite Teile der Gesellschaft betroffen sind, beispielsweise Günter Grass, der Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden deklarierte. Israel! Nicht Russland, nicht Nordkorea, nicht Pakistan, nicht Saudi-Arabien und auch nicht Syrien. Nein, Waffen-GG pickte sich auchgerechnet den jüdischen Staat heraus. Natürlich kokettierte er damit, dass man das nicht laut sagen dürfe, aber er sagte es in der Süddeutschen Zeitung. Ein Widerspruch in sich.

Das Gebahren rund um die Ausstrahlung bestätigte, dass der Film recht hat; der Finger wurde in die offene Wunde gelegt. Ein sogenannter Faktencheck reibt sich vornehmlich an Petitessen. Drei Beispiele:

Filmtext:

Vieles sieht hier aus wie in anderen islamischen Ländern, manches sogar besser. Die Fakten. 74 Jahre ist die Lebenserwartung eines Gaza Bewohners, höher als in Ägypten, der Ukraine und 125 weiteren Staaten. Die Kindersterblichkeit ist auf dem Niveau von der Türkei und damit niedriger als in 97 anderen Staaten, viele davon in Lateinamerika, wie beispielsweise Brasilien. Auf 360 Quadratkilometern leben 1,8 Millionen Menschen. Das entspricht durchschnittlich 5.000 Einwohnern pro Quadratkilometer. In Paris leben mehr als 21.000 Menschen pro Quadratkilometer.

Anmerkungen dazu:

Hier wird der gesamte Gaza-Streifen mit Paris-Stadt verglichen. Der Gazastreifen ist 360 Quadratkilometer groß. Paris-Stadt hat nur eine Fläche von rund 105 Quadratkilometern. Gaza-Stadt hat eine Fläche von 45 Quadratkilometern. Dort leben 12.202 Einwohner pro Quadratkilometer. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Film angegeben.

Meine Meinung dazu: Was ist daran verkehrt, den ganzen Gaza-Streifen mit Paris zu vergleichen? Warum muss sich ein Ballungsraum an Stadtgrenzen halten? Der Faktencheck unterschlägt, dass die Autoren sich gegen Behauptungen von Israelkritikern wendete, die Gaza als Konzentrationslager oder Freiluftgefängnis bezeichnen.

Filmtext:

Palästina, 1920er Jahre. Die britische Kolonialmacht ernennt Mohammed Al-Husseini zum Mufti von Jerusalem. Kurz darauf wird er zum Führer der palästinensisch-arabischen Bewegung, erhält finanzielle und militärische Unterstützung von Hitler und Mussolini.

Anmerkungen dazu:

Mohammed Al-Husseini wurde 1921 zum Mufti ernannt. Bis zu den großen Unruhen ab 1936 war er pro-britisch eingestellt. Erst in diesem Jahr, 15 Jahre nach seiner Ernennung, initiierte er das Hohe Arabische Komitee, das sich für die Unabhängigkeit von den Briten einsetzte.
Im selben Jahr suchte er die Unterstützung von Mussolini gegen die Briten. Erst 1937 gab es die ersten Kontakte zur deutschen nationalsozialistischen Regierung, die sich ab 1940 intensivierten.
Der Kommentartext vermittelt hingegen den Eindruck, als habe es bereits seit den 1920er Jahren eine entsprechende Allianz zwischen Palästinensern und europäischen Faschisten gegeben.
Meine Meinung dazu: Das ist eine Korinthenkackerei sondergleichen. Tatsächlich entsteht der Eindruck, es hätte bereits in den 20ern eine Allianz zu Hitler und Mussolini bestanden; das streite ich nicht ab. Aber ändert sich das Wesen der Dokumentation, wenn man diese Aussage unmissverständlich getätigt hätte?

Filmtext:

In Frankreich werden das erste Mal auch Synagogen angegriffen. Am 13. Juli 2014 ziehen wütende Demonstranten zur Don Isaac Synagoge in Paris. Nur wenige Polizisten sind vor Ort. Während sich die Gläubigen in der Synagoge Stundenlang voller Angst verbarrikadieren, versuchen Mitglieder der jüdischen Gemeinde das Gebetshaus mit Stühlen zu verteidigen. Sie werden von den Antisemiten in die Flucht geschlagen, der wütende Mob umzingelt die Synagoge. Nur dank der nachrückenden Spezialkräfte der Polizei kann ein Blutbad verhindert werden. In der bürgerlichen Presse wird man danach den Juden vorwerfen, sie hätten provoziert. Wehrhafte Juden sieht man in Europa nicht gerne. Für viele französische Juden war dieser Tag eine Zäsur.

Anmerkungen dazu:

Unter den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, die das Gebetshaus mit Stühlen verteidigt haben, waren auch Jugendliche der Jewish Defense League. Dies ist eine Organisation, die in den USA als terroristische Vereinigung erfasst wurde und auch 1994 von Israel als Terrororganisation definiert worden ist. Jugendlichen dieser Organisation wurde in diesem Zusammenhang seitens der Presse vorgeworfen, sie hätten provoziert.

Logisch: Wenn jemand provoziert, dann der Jude. Wie denn? Der Jude provoziert allein dadurch, dass er da ist und deshalb sind die Demonstranten so zielstrebig auf die Synagoge losmarschiert. Eigentlich spielt es keine Rolle, dass darunter auch Leute von der Jewish Defense League gewesen waren, denn auch diese Leute haben das Recht, sich zu verteidigen. Und die restlichen Juden sowieso. Mich erinnert das irgendwie an die Diskreditierung der ukrainischen Freiheitsbewegung, mit dem Hinweis auf die Swoboda, mit der Absicht, glauben zu machen, das wäre ausschließlich Swoboda. Dies ist keine Gleichsetzung von Swoboda und JDL, sondern ein Vergleich der Diskreditierungsversuche berechtigter Anliegen, einerseits das Streben der Ukraine nach Westen, andererseits das Wehren der jüdischen Bevölkerung gegen Angreifer.

Der Faktencheck kritisiert nicht, er bekrittelt unterschiedlichste Dinge. Der WDR geht mit "groben handwerklichen Mängeln" hausieren, die sich aber als Bagatellen herausstellen. Mitunter stellt der Faktencheck seinen Antisemitismus selber unter Beweis, indem er Aussagen von NGOs in Zweifel zieht, nur weil sie vor allem von amerikanischen Juden finanziert werden. Das Eröffnen von tausend Nebenkriegsschauplätzen durch die Kritiker des Filmes zeigt mir, dass der Film richtig liegt.

Auch Norbert Blüm gefällt der Film nicht. "Er [der Film] folgt der Logik der Rache.", hat er in der Maischberger-Sendung gesagt. "Er dreht eine Spirale des Hasses." - Das ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen, denn wie können Tatsachenbeschreibungen der "Logik der Rache" folgen?

Ich bin mittlerweile auf der Hut, wenn jemand etwas fordert, ein Essay oder ein Film habe "ausgewogen" zu sein. Wie irre das ist, kann man sehen, wenn man das auf die Sportberichterstattung überträgt. Wenn der FC Bayern gegen die Rumpelfußballer des HSV antritt, dann wird das eine ziemlich einseitige Seite, mit einem Chancen-Verhältnis von 20:3. Man wird nicht alle Chancen zeigen können, also muss man Abstriche machen. Was heißt nun ausgewogen? Zeigt man 3 Chancen des FC Bayern und 3 des HSV? Letzendlich läuft es darauf hinaus, wenn man die Forderungen der Israelkritikern bzgl. der Berichterstattung ernst nähme. Tatsächlich ist es sogar, dass die Medien uns auftischen wollen, dass der HSV drückend überlegen war. Das sieht man daran, dass wochenlang nichts über Israel berichtet wird, aber sobald Israel sich wehrt, gibt's den Bericht in der Tagesschau.

Es interessiert nur die Wahrheit und die Wahrheit darf nicht zugunsten irgendwelcher Stimmungen, die erzeugt werden können, unter den Tisch fallen. Die Holocaust-Dokumentation wurde in den 70ern auch gezeigt, obwohl sie auf Ablehnung stießen. Hat Blüm auch damals gerufen: "Diese Dokumentation folgt der Logik der Rache."

Und ob Blüm Antisemit ist, kann sich jeder selbst beantworten. Der Herz-Jesu-Sozialist schafft es, Israels Verhalten während eines Massaker der Milizen der christlich-libanesischen Phalangisten an sogenannten "Palästinensern" zu kritisieren. So viel Chuzpe muss man haben! Diese Phalangisten, die eigentlichen Massakrierer, sind nicht nur in Blüms Glaubensverein, sondern sind Mitglied der Christlich Demokratischen Internationalen. Und welche Partei ist da auch noch drin? Richtig, die CDU. Hätte Blüm Verständnis, wenn Kassam-Raketen auf die Stellungen der Phalangisten abgefeuert würden? Sicherlich nicht. Aber die Raketen auf Israel rechtfertigt er so. Und damit ist Blüm aus meiner Sicht ein Antisemit. Auch wenn er jüdische Freunde in Israel hat. Ich habe keine, nicht mal in Deutschland. Nur mal so am Rande.

Die Zusammenstellung der Maischberger-Sendung war aber auch schon ein Gruselkabinett und es ist typisch, dass die Gäste, die den Film gut fanden und auch mit Kompetenz zum Antisemitismus sprechen konnten, in der Minderheit war.  Eine zweite Diskussion war sogar noch viel unfairer zusammengesetzt.

Das Problem des Antisemitismus ist gravierender, als ich gedacht habe; das hat die Dokumentation ganz unfreiweillig gezeigt. Die Reaktionen des Medienzirkus sind höchst aufschlussreich. Anstatt sich inhaltlich mit den Film auseinanderzusetzen, verschanzt man sich hinter seine sehr abstrakte Position, der Film hätte "handwerkliche Mängel". Das ist das typische Ausweichverhalten eines Ertappten, egal ob es sich bei Ladendiebstahl, Steuerhinterziehung, Falschparkens oder Antisemitismus handelt. Ein aufgeklärter Mensch würde seine Denkweise überprüfen und abklopfen, welche Kritik an Israel antisemitisch motiviert war. Ich selber stand Israel mal überwiegend kritisch gegenüber, wenngleich niemals mit der Obsession eines Norbert Blüms oder Jürgen W. Möllemanns. Antisemitismus hat eine jahrtausende alte Tradition und die steckt kulturell in uns. Das lässt sich nicht so leicht abschütteln. Bei den Deutschen gibt's ja noch weitere Ereignisse in der Vergangenheit, derer sie sich nicht immer bewusst sind, die aber ganz entscheiden das Handeln und Denken prägen. Das wäre einerseits der 30-jährige Krieg, der die Deutschen immer wieder dazu bringt, die Unfreiheit zugunsten der Ordnung und des Friedens immer wieder in Kauf zu nehmen, andererseits ist es die Hyperinflation von 1923, die geradezu eine groteske Sorge um das Geld und dessen Werterhalt nach sich zieht. Und mit dem Antisemitismus ist es genauso. Warum wird abgestritten, dass sich da etwas unbewusst in Form von unqualifizierter Kritik an Israel manifestiert? Und was wäre so schlimm daran, den eigenen Antisemitismus anzuerkennen?

Montag, 5. Juni 2017

Grundsätzliches über Kritik - Ausblick II

Eigentlich war es nicht geplant, dass ich nun wenige Tage nach dem letzten Artikel wieder schreibe. Die Situation erfordert es. Ich habe die Reaktionen auf eine Bemerkung bzgl. des Blogs von Florian Günther nicht erwartet.

Zu meiner Kritik: Ich fand sie nicht sehr persönlich, nicht verletztend, sondern schon treffend. Wer mit 32,5 % p.a. hausieren geht, Seminare anbietet und penetrant dafür wirbt (es ploppt ständig so ein Banner hoch, wenn man auf seiner Seite ist), provoziert geradezu die Kritik.

Ich erntete Zustimmung (die mich bestärkt), aber auch Ablehnung, die mich aber auch bestärkt, weil es teilweise sehr vergiftet zuging (getroffene Hunde bellen), wie z. B. bei Richard:

Nur soviel… ich finde es gut, dass so viele Blogs existieren, denn wenn man seine Quelle nur aus einer einzige Seite bezieht (Wikipedia), stagniert man so wie der „Couponschneider“. Gut das war nur eine Mutmaßung, denn meines Erachtens ist Couponschneider kein Blog, sondern ein Tagebuch. Aber wie wird uns wissen eigentlich vermittelt? Natürlich durch das lernen von anderen Menschen, alter… das fängt schon ab den ersten Tag unseres Lebens an. In der Schule wird uns auch das 1×1 beigebracht, da ist auch niemand erbost, wenn er das 1×1 bis zur 10 Klasse und höher beherrschen muss… Warum macht Schneider denn so einen Aufriss bei der 72er-Regel?

Ich weiß nicht, wie er darauf kommt, dass ich mich nur aus der Wikipedia bediene. Ich habe bestimmt schon mehr als zehn Rezensionen erfasst, d.h. ich lese auch Bücher. Die 72er-Regel geht mir deswegen ein wenig auf den Senkel, weil es nur eine Faustformel ist und es wird häufig nur die Faustformel vorgestellt, aber nicht die richtige Formel oder wie man die Faustformel herleitet.
 
Meine Persönlichkeit ist eher so gestrickt, dass ich mir keine große Gedanken mache, ob mich hinterher noch die betreffende Person noch mag. Wenn ich Anlass zur Kritik sehe, dann kritisiere ich. Ich schrecke auch vor Polemik und Sottisen nicht zurück, denn Kritik soll ja auch Spaß machen.

Ich habe auch die Personen Dirk Müller, Friedrich und Weik häufig und hart kritisiert bzw. deren publizistischen Erzeugnisse. Ich bin nicht so harmoniebedürftig, als dass ich darauf angewiesen, keinem Fan dieser drei Leute auf den Schlips zu treten. Ich halte ihre Bücher für ziemlich dümmlich. Sollte ich etwa das Buch empfehlen und dann im Anschluss an Affliate-Links verdienen, auch wenn ich was anderes über diese Bücher denke? Ein Rezensent, der nur gute Kritiken liefert, mag vielleicht bei den Autoren beliebt sein, aber er taugt nichts, denn ein Rezensent hat für den Leser da zu sein. Und ob man nun Bücher rezensiert, oder andere Blogger kritisiert, kommt auf's gleiche hinaus.

Ich werde weiterhin Kritik üben. Ich kann zwar keine 32,5 % p.a. aufweisen, ich bin kein Bestseller-Autor, ich habe noch keinen eigenen Fonds aufgelegt, weder war ich im Fernsehen und noch wurde ich in den Bundestag eingeladen, aber das ist doch nicht das Kriterium, ob man Kritik üben kann oder darf. Ich sag es mit Karl Kraus: "Ich kann auch keine Eier legen, aber ich weiß, wenn eins faul ist."

Ich habe auch geschrieben, dass das Interesse bei mir an den vielen Blogs langsam nachlässt, weil sich vieles wiederholt. Das war eine simple und richtige Feststellung und für mich habe ich die Konsequenz gezogen, dass ich nicht mehr alles lese. Manche Reaktionen leiten aber draus ab, ich wolle andere Blogs verbieten. Sowas ist abwegig.

Den Gefallen, ganz aufzuhören, tue ich manchen Leuten aber nicht, denn die Themen werden schon noch kommen, z. B.
  • Das neue Buch von Friedrich & Weik: "Jetzt knallt's."
  • Die Entwicklung des Horst Lüning. Ich entdeckte ihn für mich vor anderthalb Jahren. Ich fand ihn sehr vernünftig zu manchen Finanzthemen, da gibt's große Schnittmengen zu mir, aber mittlerweile sehe ich ihn sehr kritisch. Sein Unterblog ist zur Werbeplattform für Tesla verkommen und zudem driftet die von ihm transportierte Haltung in das Umfeld von KenFM, Dirk Müller und der beiden Herren Friedrich und Weik. Er lässt sich sogar von den Autoren beschenken und lobt anschließend ihre Bücher in seinem VLOG.
  • Ich könnte mal wieder etwas über Daytrading schreiben, über solche seltsamen Gestalten wie Koko Petkov (fährt AMG u. Lamborghini) und Birger Schäfermeier (fährt Tesla), die uns ihren Lifestyle zeigen, aber doch sehr dünne Inhalte liefern.

"Sachliche Kritik" ist für mich Unwort, das Einfordern hat etwas tyrannisches. Ich lehne es ab, aus historischen Gründen. Im (National)Sozialismus konnte man wegen "Defätismus" ins Gefängnis kommen. Wo will man zwischen sachlich und unsachlich eine Grenze ziehen? Kritik kann man doch gar nicht vom subjektiven Empfinden trennen. Und wo bleibt der Spaß, wenn man auf alle Polemiken und Frechheiten verzichtet? Kritik ist für den Leser da und der soll es auch unterhaltsam haben. Zudem bin ich der Meinung, dass in meinen Kritiken immer argumentiert habe, warum mir eine Sache nicht gefällt oder "nicht koscher" finde.

Mal ehrlich: Literaturkritik ist doch dann interessant, wenn man auch den einen oder anderen Verriss erwarten kann. Das literarische Quartett mit Marcel Reich-Ranicki oder die Büchersendungen mit Denis Scheck waren bzw. sind schon unterhaltsamer als es beispielsweise Elke Heidenreichs Sendung "Lesen!" war. Die hat ja nur Bücher vorgestellt, die ihr gefallen.

Hier ist eine kleine Kostprobe von Denis Scheck: