Mittwoch, 26. Dezember 2012

Dummheit kennt keine Grenzen

Ganz emotionslose Berichte wie dieser hier lassen die Emotionen schnell hochkochen. In dem Artikel geht es darum, dass Philipp Rösler (FDP) vorschlägt, Staatsbetriebe zu privatisieren. Ich finde die Forderung richtig und die Bundesrepublik hat damit auch große Erfolge erzielt, vor allem bei der Post, aber auch bei der Telekom. Telekom-Aktionäre, die zum falschen Zeitpunkt eingestiegen sind, sehen das anders, aber es ist doch deren eigenes Problem, wenn sie zum falschen Zeitpunkt einkaufen. Niemand kann leugnen, dass die Telekom leistungsfähiger geworden ist, dass der Service besser ist und dass Gespräche weniger kosten und zwar weil der Markt liberalisiert und privatisiert wurde. Früher musste man etliche Wochen auf einen Telekomanschluss warten, heute kann er ruckzuck aus der Ferne freigeschaltet werden. Der Wettbewerb macht's möglich.

Nun kann man es auch anders sehen und viele Leute sehen es anders. Ich lese sehr gerne Leserkommentare. Der eigentliche Artikel wird oft nur überflogen, aber die Kommentare lese ich sehr aufmerksam. Es ist wie im Zoo. Einige Tiere versuchen durch besonders lautes Gebrüll zu imponieren. Andere Tiere wandeln auf und ab, und sind immer in Angriffsstellung, was sich durch häufiges Schreiben neuer Kommentare und neuer Beleidigungen ausdrückt. Hier ein paar Beispiele: 

"Perverser_Roesler" schrieb am 25.12.2012 um 17:09:
"Hängt das Schwein."
"Der_dreckige_Roesler" am 25.12.2012 um 17:14:
"Diese Sau foltern u. auf den Sondermüll."
"Nichtsnutz_Roesler" am 25.12.2012 um 17:30:
"Warum schlägt man diese Sau nicht einfach tot?"

Ich find's erstaunlich, dass die Handelsblattredaktion Aufrufe zum Mord durchgehen lässt. Beiträge von mir, die nur ein wenig pointiert geschrieben wurden, kommen seltener durch die Zensur. - Wahrscheinlich machen die beim Handelsblatt Urlaub und gelöscht wird ab Donnerstag. Aber mir ist es wichtig, wenn ich diese Ausfälle hier nochmal dokumentiert habe.  Vermutlich steckt hinter allen drei Äußerungen ein und derselbe Schmierfink. Es muss nicht zwangsläufig ein Links- und Rechtsextremist sein. Dem achso netten Familienvater aus dem SPD-Ortsverein traue ich das ebenfalls zu.

"norbert" schrieb am 25.12.2012 um 16:10 Uhr:
"Diese Einrichtungen wurden von MIR bezahlt.
Wenn sie verkauft werden, steht zunächst mal MIR der Erlös zu.
Und nicht dem Dilettantenstadel !!!"

Das ist schon etwas sachlicher, aber die Wut schlägt durch. Tatsächlich sind es Staatsbeteiligungen und sie wurden auch indirekt vom Steuerzahler bezahlt. Aber "norbert" sei gesagt: Indirekt gehören ihm genauso die Staatsschulden und die gehören abgebaut. Außerdem ist es auch nicht die Hauptmotivation von Privatisierung, Privatisierungserlöse zu erzielen. Hauptmotivation ist es, mehr Effizienz in den Laden zu bekommen. Staatsbetriebe sind oft defizitär, weil Politiker keine Unternehmer sind. Da darf man oft nochmal Steuergelder nachschießen. Erst nach der Privatisierung fließt Geld vom Unternehmen an den Staat, z. B. in Form von Dividenden. Und die Steuereinnahmen (Gewinnsteuer!) steigen genauso. Und der nächste logische Schritt ist weitere Entstaatlichung, d.h. Aktien an der Börse feilbieten, denn auch geringe Staatsanteile haben Nachteile. Solange der Staat noch bei der Post dabei ist, wird er das Briefmonopol halten wollen, zum Nachteil der Konkurrenz und der Privatkunden. Und dass das Fernsbusliniengeschäft erst in diesem Jahr freigegeben wurde, hat sehr viel damit zu tun, dass der Bund 100 % Aktien der Bahn AG hält. Wären es nur 10 %, wäre das Gesetz von Hitler, welches die KPD/SED/PDS/Linkspartei als einzige Partei des Deutschen Bundestages erhalten wollte, schon vor 15 Jahren gefallen.

"babsack69" will den "Neoliberalismus" durchschaut haben am 25.12.2012 um 14:11 Uhr:
"Rösler kann einfach nicht anders,er hat den Neoliberalismus mit der Muttermilch eingesogen und wird sich auch von noch so vielen Negativbeispielen keines Besseren belehren lassen.
Privatisierung bringt nur einer Seite etwas,nämlich den Käufern,die die Allgemeinheit,die diese Dienste oder Produkte nutzen,zur Kasse bitten werden,mangels Alternativen."

Meine Erfahrungen sind gänzlich andere. Privatisierung war fast immer erfolgreich. Natürlich darf man kein staatliches Monopol durch ein privates Monopol ersetzen. Das funktioniert nicht, deshalb sollte man immer zugleich auch auch liberalisieren, also Konkurrenzsituationen schaffen. Im Telekommunikationsmarkt war die Liberalisierung äußerst erfolgreich.

"Lincoln" am 25.12.2012 um 15:12 Uhr kann Privatisierung und Liberalisierung nicht unterscheiden:
"Typisch FDP,

der Markt soll' richten.

Ergebnisse sehen wir ja an den privatisierten Versorgungsunternehmen:

schlechte Leistung,

horrende Preise!

Da war selbst Brüderle als Wirtschaftsminister besser :-((((("

In den 1990ern fand eine Liberalisierung statt. RWE und Co. haben seit Jahrzehnten neben staatlichen Aktionären viele Privataktionäre im Boot, d.h. sie waren privatwirtschaftlich organisiert. Viele Stadtwerke werden als GmbH in kommunaler Hand geführt. An den Eigentumsverhältnissen hat sich da im Groben nur wenig geändert. Aber es gab eine Liberalisierung und auch die war erfolgreich. Endlich konnte man den Stromanbieter frei wählen und man konnte fallende Preise beobachten. Dass der Strompreis trotzdem in die Höhe gegangen ist, liegt an dem rot-grünen Wolkenkuckucksheim der "erneuerbaren Energien" und an steigenden Steuern.


Eines ist sicher: Diese Leuchten wählen bestimmt nicht die FDP, was mich darin bestärkt, die FDP erst recht zu wählen. Mich bestärkt das in meinen rückliegenden und in meinen zukünftigen Wahlen.

Anmerkung vom 29.12.2012:

Das Handelsblatt hat am zweiten Weihnachtstag die Kommentare komplett gelöscht und man kann auch keine weiteren Kommentare mehr veröffentlichen. Es ist vernünftig. Das Handelsblatt würde sich nur Ärger einhandeln, wenn sie Morddrohungen stehen lassen würde.

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