Mittwoch, 12. Dezember 2012

Für eine deutsche Aktienkultur

Dieser Blog sollte sich – wie angekündigt – auch mit dem Thema Aktien beschäftigen. Dass ich Aktionär geworden bin, habe ich einem Dozenten für Investitionsrechnung an der Universität zu verdanken, der uns Studenten mit Humor sämtliche Produkte der Versicherungsbranche ausgeredet und uns vor sämtlichen sogenannten Beratern gewarnt hat. Er gab auch folgende Redewendung zum besten: „Wer gut schlafen will hat Anleihen. Wer gut essen will, hat Aktien.“ Die Redewendung stimmt ja heute nur noch teilweise (wg. der Anleihen), aber es gibt noch einen weiteren, sehr wahren Kern: Es gibt letztendlich nur zwei Produkte: Aktien und Anleihen, Firmenanteil oder Schuldschein. Alle anderen Produkte basieren letztendlich auf diesen beiden Produkten und dienen nur dazu, den Kunden durch Verwaltungsgebühren das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Da Anleihen in der heutigen Zeit sich von selbst verbieten und für Aktien ein einmaliger Einstiegszeitpunkt besteht, habe ich 2009 meine ersten Aktien gekauft. Zu sehr tiefen Preisen, u. a. SAP für 30 €. Mittlerweile steht sie bei 60 €. Ich bin auch der erste Aktionär in meiner Familie. Mein Vater hätte fast einen Herzinfarkt bekommen, als ich sagte, ich hätte Aktien. Bekanntlich sind viele der Ansicht, Aktien wären so unsicher. Das stimmt. Der Gewinn ist unsicher, der Verlust aber auch. Man kann 100 % gewinnen, man kann aber mehr als 100 % gewinnen. Kapitallebensversicherungen und Riesterenten sind sehr sicher. Man macht mit großer Sicherheit Verlust. Die Kapitallebensversicherung hat eine durchschnittliche Rendite von -13 %. Auf diesen Wert kommt man, wenn man richtig rechnet. Man darf nicht annehmen, dass man jahrzehntelang die Verbindlichkeiten eines solchen Vertrages zu erfüllen. Positive Renditen nur diejenigen, die bis zum Ende durchhalten. Diese sind aber die Ausnahme. Der Beitrag von Plusminus - immerhin 14 Jahre alt - ist sehr aufschlussreich.



Die Konsequenzen, die ich daraus ziehe: Aktien sind die wirksamste und sinnvollste Vorsorge. Riesterrenten, Kapitallebensversicherungen, Anleihen und Derivate lasse ich links liegen. Mit Aktien halte ich Anteile an Unternehmen, in denen Menschen arbeiten, die etwas sinnvolles tun. Da fällt ein Gewinn ab und aus dem finanziert sich meine Dividende. Zum Vergleich die Staatsanleihe: Man leiht Politikern Geld, die damit nur Unfug anstellen und man erhält einen zweifelhaften Zins. Eine echte Tilgung findet in den seltensten Fällen ab, denn der Staat hat schon immer die Inflation forciert.

Als Aktionär verfolge ich die Strategie „kaufen und halten“. Ich suche sorgfältigt aus und dann halte ich die Aktien am besten ein Leben lang. Viele Menschen glauben, das große Geld könne man nur mit den Kurssteigerungen machen und deshalb kaufe und verkaufen sie ständig und verlieren viel Geld dabei. Leider ist diese Vorstellung vom Aktionär die prägende und die von den Medien am stärksten transportierte. Die Politik und die Wähler sind daher anfällig für Populismus gegen Aktionäre und letztendlich entgeht dadurch der Gesellschaft eine große Chance. Ich möchte mit meinem Blog auch dazu beitragen, dass Deutschland eine gescheite Aktienkultur erhält.

1 Kommentar:

  1. Ja. 2009 war ein guter Zeitpunkt für einen Einstieg.

    Du meintest an der einen Stelle sicherlich 'Man kann höchstens 100 % verlieren, man kann aber mehr als 100 % gewinnen. '...

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