Samstag, 6. April 2013

Buchtipp: "Investment Punk" von Gerald Hörhan

Ich habe mir kürzlich das Buch "Investment Punk" von Gerald Hörhan gekauft und in einem Rutsch während einer Zugfahrt durchgelesen. Es ist nicht sehr sperrig geschrieben und daher angenehm zu lesen.

Das Buch ist eine Anklage an den Lebensstil vieler Menschen, die sich ein "Haus auf Pump" kaufen, dem Nachbarn imponieren wollen; Hörhan bezeichnet sie als "Konsumidioten". Mir gefällt, dass er genau dieses Verhalten als Ursache sieht, warum wir die Immobilienkrise, die Lehman- und die HRE-Pleite hatte: Die Leute haben auf Pump gelebt. Was er leider nicht erwähnt: Es war staatlich geförderter Konsum und Hausbau auf Pump. Aber das schwächt den Gesamteindruck des Buches kaum.

Mir gefallen die von ihm postulierten ökonomischen Grundregeln:

1. "Man muss auf Dauer mehr einnehmen, als man ausgibt."

2. "Man muss Schulden bezahlen, und zwar nicht durch Aufnahme neuer Schulden."

Obwohl diese Regeln so einleuchtend sind, werden sie ständig massiv verletzt, selbst von anscheinend erfolgreichen Geschäftsleuten. Sein Lieblingsthema ist das "Haus auf Pump", welches er als unsinnige Investition ansieht, sofern es für den Eigenbedarf gebaut oder gekauft wird. Mit seinen Ausführungen wäscht er jenen Leuten den Kopf, die im Eigenheim eine Altersvorsorge oder die wichtigste Investition in ihrem Leben sehen.



Bei mir hat der Autor eine offene Tür eingerannt, weshalb das Buch für mich eher ein Amüsement als eine weiterbildende Lektüre war. Für Menschen aber, die nicht so bewandert sind in Finanzangelegenheiten, gerade junge Menschen und Berufsanfänger, ist dieses Buch schon sehr geeignet. Jeder Berufsanfänger, der nach dem Lesen dieses Buches gar nicht erst Riester, Wohnriester, Bausparen und den ganzen Unfug betreibt, und auch nicht zum "Konsumidioten" wird, dem wurde konkret besser geholfen als durch die wohlgefälligste Sozialpolitik. Das Buch gibt's als Kindle-Version für weniger als 8 € und die Papierversion gibt's gebraucht auch schon für weniger als 5 €. Wer einen Studiosus in der Familie hat, kurz vorm Abschluss, der sollte diesem dieses Buch schenken. Bei dem Preis muss man gar nicht erst bis Weihnachten warten. Das ist besser, als wenn er in die Falle irgendwelcher Finanzdienstleister gerät.


Kommentare:

  1. Man muss trotzdem sagen, dass Kollege Hörhan extrem übertreibt - zeig mir mal die Immobilie, die du mit 10% EK finanzierst, und die sich selbst trägt. In Wien geht dies nicht mal mit 50% EK (!!!) auf...

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    1. Kollege Hörhan übertreibt nicht. Auch ich habe vor einiger zeit bei "0" angefangen und aus nun mehrjähriger eigener Erfahrung kann ich bestätigen:
      + Es IST möglich mit 10% EK eine Immobilie zu finanzieren.
      + Es IST auch in Wien möglich und auch dort mit weniger EK möglich.
      + Es WAR auch 2016 möglich UND WIRD auch 2017 noch möglich sein.

      Darüber hinaus empfiehlt Kollege Höhrhan meines Wissens 20% EK. Jedoch bin ich mir hier nicht sicher, ich habe das besagt Buch (noch) nicht gelesen.

      Es ist aber auch vollkommen sinnlos sich an diesem Wert aufzuhängen, denn die 20% sind nur als Heuristik, als grober Anhalt, zu verstehen. Jedes finanzierende Institut bewertet Risiken anders. Bei manchen wirst du mit deutlich unter 20% EK bereits mit keinem Risikoaufschlag belohnt. Bei manchen ist es egal wieviel EK du zu bieten hast, zum Beispiel wenn dein Rating nicht in Ordnung ist.

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