Freitag, 10. Mai 2013

Aktienanteil = 100 minus Lebensalter - Warum ich von dieser Faustregel nichts halte.

Die Aktie ist eine renditestarke Anlage, die sich ein Mensch, ohne sich verschulden zu müssen, leisten kann. Überdies existieren seriöse Märkte, auf denen man jederzeit seine Aktien verkaufen kann, falls irgendwas unvorhergesehenes passiert und man plötzlich Cash braucht. Versicherungspolicen kann man nur auf dem grauen Kapitalmarkt verkaufen.

Experten befürworten daher gerade für junge Menschen, dass sie in Aktien investieren sollen und bringen oft die oben genannte Faustformel an. Ich halte von dieser Faustformel gar nichts. Nehmen wir doch mal den 30-Jährigen. Er soll 70 % in Aktien haben und 30 % worin? In Anleihen? In Bargeld? Angenommen der 30-jährige hat 50000 € Vermögen und hält sich an die Formel. Dann hat er 35000 € in Aktien und 15000 € auf dem Giro- und Tagesgeldkonto. Andere Anlageformen (wie z. B. Bausparvertrag) sind ausgeschlossen, da nicht renditestark und auch nicht flexibel. Bargeld ist renditeschwach, aber äußerst flexibel. Aber wozu braucht man so viel Cash als Reserve? Warum soll diese Bargeldreserve mit dem Gesamtvermögen und mit dem Alter immer mehr steigen?

Es ergibt doch keinen Sinn. Eine Bargeldreserve sollte man schon haben, aber sie sollte nicht relativ zum Gesamtvermögen definiert werden, sondern als absoluter Wert. Dazu sollte man über seine monatlichen Lebenshaltungskosten bescheid wissen; ein Haushaltsbuch hilft hierbei sehr. Man muss das Szenario durchspielen, was passieren kann (Waschmaschine oder Auto geht kaputt, Beerdigung muss finanziert werden, Arbeitslosigkeit usw.) und entsprechend definiert man seine Reserve. Alles darüber hinaus aber ist Geldverschwendung, da das Risiko der kaputten Waschmaschine, des kaputten Autos oder der Beerdingung kaum steigt, wenn man älter wird oder wenn das Gesamtvermögen steigt. Sollte sich was abzeichnen, z. B. der Tod eines nahen Angehörigen innerhalb der nächsten sechs Monate, sollte man genau für diesen Fall vorsorgen. Ich hatte im letzten Jahr genau diesen Fall und sorgte vor, mit dem Ergebnis, dass ich alle Rechnungen, die mit der Beerdigung in Zusammenhang standen, sofort begleichen konnte.

Wer vermögend werden will, sollte also möglichst renditestark über einen langen Zeitraum investieren. Die Faustregel versagt auch, wenn man einen 40-jährigen mit einem 20-jährigen vergleicht. Ersterer soll nur 60 % in Aktien investieren, obwohl er vielleicht in seinem Beruf etabliert ist, viel Bargeld hat und es sich leisten kann, sehr intensiv mit Aktien zu sparen und auf 90 % zu gehen. Ein 20-jähriger aber, der gerade am Anfang seiner Berufslaufbahn steht, braucht aber zuallererst Cash, um sich das Finanzpolster aufzubauen. Ist der 20-jährige ein Student, sollte er in seine Ausbildung investieren, d.h. gescheite Fachbücher kaufen und durcharbeiten, denn Investition in Bildung bringt die meiste Rendite. Der soll nach obiger Faustregel 80 % in Aktien anlegen, was er aber nicht kann.

Wer in Aktien investiert, sollte diese für einen Zeitraum von 10 Jahren kaufen. Nach diesem Zeitraum sind die Aktien in der Regel satt im Plus und haben in den Jahren zuvor immer fleißig schmackhafte Dividenden ausgeschüttet. Wer plant, mit 65 in Rente zu gehen, kann selbst als 55-jähriger noch das "Risiko" eingehen und voll in Aktien zu gehen. Dem kann die Volatilität nichts mehr anhaben. Für einen 64-jährigen wäre das  nicht mehr so empfehlenswert.


Kommentare:

  1. Du solltest Dich vielleicht nochmal mit Asset Allokation auseinandersetzen :). Mit einem 60/40 Portfolio (60% Aktien/40% langlaufende Anleihen) hätte man in den letzten 40 Jahren mehr Rendite (9,6%) gemacht als mit einem puren Aktieninvestment (9%). Und das bei deutlich geringerem Risiko (Drawdown) und deutlich konstanterem Ertrag. (siehe z.B. 2008 100% Aktien Portfolio -40%, 60/40 Portfolio -7%).

    Gerade bei den aktuellen Höchstständen ist es fahrlässig zu 100% in Aktien zu gehen. :)

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  2. Sehr schöner Artikel. Wenn man zu 100% in Aktien investiert und auch den Anlagehorizont von >10 Jahren hat, dann muss man psychologisch natürlich die Schwankungen aushalten können und sich rein auf die Dividendenzahlungen konzentrieren.

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  3. Ich habe viele Kunden, die mit Aktienfonds bis zu 70% im Minus sind, obwohl die Märkte neue Höchststände haben. Mit einer guten Zinsanlage von 4% läuft es besser. Akiten hatten einen MDD von bis zu 70% in einer Zeit in der der Topf voll ist. Dagegen haben alte Zinsanlagen ein Nullrisiko. Lebensversicherungen sind nicht immer die schlechteste Wahl. Man sollte aber keine FondLV haben.

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    1. Das Problem Deiner Kunden sind nicht die Aktien, sondern die Fonds! Gerade die meisten aktiv gemanagten Fonds taugen nichts, die Kosten sind zu hoch und fressen die Rendite auf.Ein Bekannter hat sich 2007 bei einem DAX von etwa 7000 einen Dividenden Fonds der Unioninvest andrehen lassen, der ist jetzt gerade erst wieder im Plus, aber mit weniger als 5%, trotz Wiederanlage der Ausschüttungen!

      Außerdem haben Zinsanlagen nun wirklich kein Nullrisiko mehr, wer das immer noch glaubt, der hat nichts von Haircuts, Pleiten und der Überschuldung viele Staaten verstanden. Die Schuldenkriese Griechenlands ist nur der Anfang, noch viel mehr Staaten sind eigentlich schon massiv überschuldet.

      Staatsschulden werden ja niemals zurückgezahlt, das ist gar nicht geplant und auch nicht nötig, solange immer wieder neu emitierte Papiere Käufer finden, aber in den USA ist die FED schon der größte Gläubiger Obamas. Seid China und der Nahe Osten weniger Thresures kaufen, gab es eben QE 1 bis 3.

      In Japan übernimmt die BoJ diese Rolle von den Rentenversicherungen, weil diese wegen des demographischen Wandels inzwischen mehr Geld auszahlen müssen als sie einnehmen und das Kapital fast vollständig in japanischen Staatsanleihen angelegt haben. Die können nun also nicht mehr als Käufer neuer Papier auftreten, die müssen im Gegenteil Geld abziehen und da genau zwingt Abe die BoJ einzuspringen.

      Bei der EZB ist es nun genau das gleiche, die wird auch zum größten Gläubiger der Bundesregierung werden, wenn denn das Volumen der Staatsanleihenankäufe erreicht sein wird und damit die schweizer Nationalbank ablösen. Aber wie lange können die Notenbanken die Staaten finanzieren, wenn sich sonst keiner findet? Ok, die Rentenversicherungen müssen gesatzlich gezwungen ganz überwiegend in Staatsanleihen investieren, deshalb fördert der Staat sie auch nach Kräfte um so dann doch ein Umlagesystem durch die Hintertür zu bauen, weil die Kinder und Enkel diese Schulden igrendwann abbauen oder wenigstens die Zinsen dafür erwirtschaften müssen. Auch hier wird Japan zeigen, wie das ausgeht, denn dort ist die angeblich kapitalgedeckt Rentenversicherung die nur in Staatsschulden investiert ist, am Ende doch ein Umlagesystem.

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  4. Warum zum Henker wolle die Leute alle zum Renteneintritt das ganze Vermögen auf einmal flüssig haben? Es wird doch wohl nicht ernsthaft jemand der mehr als sein halbes Leben die Rendite von Aktien genossen hat, diese bei Renteneintritt alle verkaufen um sein vererbbares Vermögen in Sachwerte einer Versichungsgesllschaft im Tausch für eine Sofortrente zu geben.

    Dann würde mit dem Tod alles Vermögen weg, es gäbe auch keine Möglichkeit unvorhergesehene größere Ausgaben aus dem Vermögen, eben durch den Verkauf von Aktien, selbst zu bestreiten und man gäbe jede finanzielle Selbstständigkeit auf. Das kann niemand wirklich ernsthaft als sinnvoll oder erstrebenswert ansehen, der sich bisher auch selbst um seine Vermögensbildung gekümmert hat, die ja auch die beste Altersversorgung ist.

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