Samstag, 18. Mai 2013

Gold ist gar kein Investment und bietet auch keine Sicherheit

Seit Jahren beobachte ich dass es immer wieder Menschen gibt, die in Internetdiskussionen mit Verve für Gold als Investment eintreten. Mir ist es schleierhaft, dass erwachsene Menschen dann offensichtliche Fehler in ihrer Argumentation  nicht erkennen. Seit wenigen Monaten weiß ich, dass man diese Menschen Goldbugs oder auch Goldkäfer.

Und da der Preis für Gold in letzter Zeit ein bedeutendes Thema in den Finanznachrichten war, komme ich nicht umhin, hier an dieser Stelle meinen Standpunkt nochmals darzulegen, denn immer jeden Goldbug, ob nun in den Foren von Spiegel Online, Handelsblatt oder FAZ, direkt Paroli zu geben, ist einfach viel zu mühsam.

Vermögenswerte sind dadurch gekennzeichnet, dass sie weitere Vermögen zu generieren imstande sind. Auf Gold trifft dies nicht zu. Aktien erwirtschaften Gewinne und schütten Dividenden aus. Unternehmensanleihen unterstützen Unternehmen, Investitionen zu tätigen und Anleiheninhaber bekommt als Lohn einen Zins. Aber Gold erwirtschaftet gar nichts. Es ist einfach nur da und verursacht nur Kosten, z. B. für ein Bankschließfach.

Goldbugs mögen einwenden, Gold sei ja kein Investment, sondern eine Währung, die Krisen überstehe. Nun, Gold kann tatsächlich eine Krise überstehen, aber innerhalb der Krise ist es kaum etwas wert. Mit Krise meine ich solche Situationen wie nach dem zweiten Weltkrieg in Deutschland, als man hungerte, als man an Medikamente kaum heran kam, als man Kohlen stehlen musste. Wer Gold hatte, konnte es vielleicht in jener schweren Zeit zum Tauschen nutzen, was Godlbugs für einen Vorteil von Gold halten. Es ist aber ein Nachteil, denn die Gewinner bei den Täuschen Gold für Lebensmittel, Gold für Kohle, Gold für Medikamente und Gold für Benzin sitzen nicht auf der Goldseite. Die haben ihr Gold zu hohen Preisen eingekauft, um sie jetzt für Gegenstände mit Nutzen billig herzugeben. Vergleichen wir zwei Personen, die sich unterschiedlich auf eine Staatskrise vorbereiten. Person A kauft Gold, wofür zwei solide Nettogehälter von 2000 € draufgehen. Person B aber kauft für nur 300 € Lebensmittel und Medikamente. Spaghetti sind lange haltbar und sättigen. 500 g Spagetti gibt's für den halben Euro. 500 g Spaghetti pro Woche ergeben 26 €, wenn man sich für ein Jahr Ausnahmezustand vorbereiten will. Natürlich kann man dann die Spaghetti auch eintauschen.  Ist der Ausnahmezustand da, sinkt auch die ärztliche Versorgung, also muss sich selbst beispielsweise mit rezeptfreien Medikamenten eindecken. Und auch die kann man prima tauschen. Benzin wird auch knapp sein und da ist es nicht schlecht, wenn man während des Ausnahmezustandes ein Fahrrad und einen Fahrradanhänger hat, dann kann man zu Bauer Rudi aufs fahren, ihm zwei Flaschen Schnaps geben und im Gegenzug gibt's beispielsweise einen Sack Kartoffeln.  Gold aber ist nicht nützlich. In der Krise braucht man Gold noch weniger als sonst. Person B sorgt mit 500 €, dem Viertel eines typischen Nettogehaltes, viel besser für eine solche Krise vor. Und zum Tauschen sind diese Dinge auch geeignet; da braucht man nicht das teure Gold. Person B wird in der Krise dann mit Person A, die kurz vor dem Verhungern ist, tauschen und ein paar Goldmünzen ergattern. Zehn Jahre später kann sich Person B vom Gold ein paar schöne Sachen kaufen.

Und wenn dann der Kurs für Gold fällt wie vor einigen Wochen, dann gibt es genug Goldbugs, die darauf hinweisen, das wäre ja der Kurs für "Papiergold" und nicht für echtes Gold. Die machen es sich sehr einfach, denn wenn der Kurs steigt, sehen sie sich bestätigt, wenn er fällt, ist es plötzich nur noch Papiergold. Und natürlich fehlen niemals die Ratschläge, aufgrund der sinkenden Preise, reales Gold nachzukaufen. Und das widerspricht sich, denn wenn nur "Papiergold" an Wert verlöre, gäbe es keinen Preisverfall beim realen Gold.

Oft gelesen habe ich auch, der Goldkurs wäre nach unten manipuliert, durch Investoren von Soros. Dass Soros durch seine Nachfrage aber jahrelang den Goldkurs "nach oben manipuliert" hat, wird aber unterschlagen.

Typisch auch für Goldbugs ist es, den Diskussionspartnern der Gegenseite zu unterstellen, sie würden auf Geld vertrauen: "Euroscheine sind nur ein Fetzen Papier, der in fünfzig Jahren nichts mehr wert sein wird." - Das mag stimmen, aber die Gegner der Goldbugs kennen das Problem der Inflation und auch der Hyperinflation, mit deren Hilfe sich Staaten entschulden. Die Gegner der Goldbugs sind in der Regel Aktionäre und die wissen, dass ihr Unternehmensanteil kein Geldvermögen sind, sondern Sachwerte. Die Aktien verlieren während einer Megakrise enorm an Wert, aber Gold auch, um danach wieder zu steigen. Und was ist eigentlich, wenn Geldentwertung durch Hyperinflation ausbleibt? Dann war ja das Gold eine Fehlinvestition, denn mit den Aktien hätte man in der Zeit wunderbare und äußerst schmackhafte Dividenden einfahren können.

Kommentare:

  1. Hallo,
    das schöne an Gold ist, dass es immer da war und immer begehrt war. Daran wird sich auch nichts ändern.

    Aber wie bei jedem Anlagegut ist der Einstiegspreis entscheidend.

    Buffett hat übrigens einen schönen Kommentar zu Gold geschrieben. Den findest du entweder in einem Berkshire Shareholder Letter.

    Die aufgenommenen Gedanken sind zwar nicht neu, aber Buffett stellt sie immer sehr gut dar und es macht Spass ihm zu folgen.

    Gold ist übrigens ein guter Portfolio-Diversifikator und wenn man ein großeres Vermögen besitzt, dann ist Gold definitiv eine sinnvolle Ergänzung.

    Chris von gieristgut.com

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  2. @Chris
    Ich finde, Gold ist keine sinnvolle Ergänzung und gehört in keinerlei Portfolio. Es ist meiner Meinung nach vielmehr eine Spekulationsblase, die irgendwann mal platzen musste, und nun ist es halt soweit.

    Aufgebläht ist sie u.a. durch Medien, Herr M. und weitere Crash- und Gold-Gurus.

    Entstanden ist sie wohl auch durch eine Inflationspsychose. Angst vor einer nicht existenten Inflation. War doch dasselbe wie beim Gold Crash Anfang der 80er Jahre. Damals gab es auch so eine Inflationspsychose.

    Und es ist auch sehr einfach, das ganze als Spekulationsblase zu erkennen. Da gibt es etliche eindeutige Signale in den letzten Jahren:

    1.) Die Gurus, die vom Ende unseres Wirtschaftssystems reden inkl. Verschwörungstheorien, absurden Kurszielen wie 10.000 Dollar usw.
    2.) Aus dem Boden gesprossene Websites wie Hartgeld.com, goldreporter.de, die in ihrer subjektiven Welt gefangen sind und teils absurde Ansichten von sich geben. Auf Hartgeld.com wurde zig Mal der kürzlich bevorstehende Systemzusammenbruch angekündigt; wie eine Sekte nicht eintretende Weltuntergänge ankündigt.
    3.) Wie immer bei Spekulationsblasen haben die zunächst gestiegenen Preise 2010/2011 den Optimismus verstärkt und die Goldjünger total in ihrer subjektiven Welt versinken lassen, sie haben sich zunehmend bestätigt gefühlt von ihren Theorien. Was steigt, zieht Publikum an.
    4.) Bildzeitungs-Kontraindikator, siehe http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/rohstoffe/:gold-verlosung-bei-bild-edelmetall-statt-nackter-maedels/60090527.html
    Bemerkenswert, liebe Bild-Zeitung: fast genau das Hoch getroffen!
    5.) Wilde Theorien, Gold könne nicht unter die Produktionskosten fallen, der Goldpreis sei an die Geldmenge gekoppelt und müsse sich deshalb noch vervielfachen usw.

    Und wer jetzt noch denkt, die Party ist noch nicht vorbei, dem ist nicht mehr zu helfen. Die nächste Party kommt bestimmt - Gold ist dann in ein paar Jahrzehnten sicher auch mal wieder dran.

    Wenn man mit Gold aktuell noch Geld verdienen kann, dann meiner Meinung nach mit Spekulationen auf sinkende Kurse. ..

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    1. Interessanter Artikel und guter Beitrag.

      Gold ist ein interessantes Spekulationsmittel, weil man keine Steuern zahlen muss. Man sollte man ein paar Dinge beachten:
      Es wird wesentlich mehr Gold produziert als tatsächlicher Bedarf vorhanden ist. Goldinvestoren subventionieren somit nur die Goldabbauindustrie.
      Gold wird Hauptsächlich durch Abbau in Goldminen, Recycling und Goldverunreinigungen anderer Bergwerke gewonnen.
      Die Hauptabnehmer sind aktuell China und Indien.

      Das interessanteste ist aber: Es sind erst 160 k Tonnen Gold abgebaut worden, und es gibt noch etwa 25 G Tonnen Gold in der Erdkruste. Die Vermutung liegt doch sehr nahe, dass bei einer nicht mehr gravierend wachsenden Bevölkerung der Goldpreis signifikant sinken wird. Dafür wird allein der Fortschritt sorgen, also dann wenn Goldminen schon ab 1ppm Gold im Gestein lukrativ werden ( statt aktuell 5ppm Gold).

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  3. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich beschäftige mich gerade auch intensiv mit dem Thema Gold! Gold wurde in so kurzer Zeit vom „beliebtesten“ zum meist „gehassten“ Investment. Immer wenn ich so etwas lese, reizt es mich noch mehr in solch Asset Klassen zu investieren. Der aktuelle Goldpreisrückgang ist charttechnisch gesund … ich befürchte sogar, dass ein bewusster Kursrückgang erfolgen musste / sollte / soll … Gold wurde im letzten Jahrzehnt einfach zu stark, beinahe kann man es als Gegenpol zum herkömmlichen Papiergeldsystem verstehen. Zur aktuellen Goldpreisentwicklung kommt der prophezeite Fed-Gelddruck-Ausstieg auch gelegen … bevor ich diese Ansage jedoch glaube, will / muss ich es erst sehen. Schlussendlich finde ich selbst, dass ein bewusster „geringer“ Prozentsatz an Edelmetallen, hier vor allem Gold, in keinem Depot fehlen sollte … sei dies auch nur als Absicherung gegen das Schlimmste – Gold muss man wie eine Versicherung sehen – man hofft ganz einfach, dass der Extremfall nicht eintritt – und wenn doch, kann man auf Gold / die Versicherung zurück greifen.

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  4. Es gibt aber bessere Möglichkeiten sich abzusichern...

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  5. Gold stieg von 2001 bis 2011 auch ohne jegliche Krise und schlägt von diesem Zeitpunkt an (2001) jede andere Assetklasse deutlich

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