Freitag, 10. Mai 2013

Warum Aktien auch für den "kleinen Mann" genau das Richtige sind.

Als Liberaler bin ich eigentlich Gegner einer Politik, die die Umformung einer Gesellschaft als Ziel verfolgt. Ich bin aber schon daran interessiert, dass sich Gesellschaften zum Besseren verwandeln. Gesellschaften unterliegen einem steten Wandel, mal in die eine, mal in die andere Richtung, langfristig gesehen aber in die richtige Richtung. Und wenn ich mir für die deutsche Gesellschaft etwas wünsche, dann ist es, dass sie mittelfristig eine richtige Aktienkultur entwickelt.

Ich halte Aktien für eine der besten Anlagen überhaupt. Was erwartet man allgemein von einer Anlage: Sie sollte sicher sein und sie sollte renditestark sein. Aktien mögen vielleicht volatil sein, aber deswegen diversifiziert man doch. Ein gut diversifiziertes Aktiendepot fängt sogar den Totalverlust eines Titels auf.

Bei einem Kleinanleger gibt's besondere Anforderungen. Kleinanleger haben nur wenig Geld, aber auch nur wenig sonstige Rücklagen, um Lebensrisiken abgesichert zu wissen. Eine gute Anlage für den Kleinanleger ist eine solche, für die er sich nicht verschulden muss. Für Aktien muss man sich nicht verschulden. Wenn sich ein Kleinanleger vornimmt, immer 2000 € anzusparen, um Aktien eines Unternehmens zu kaufen, dann läuft das ohne Verschuldung ab. Für ein Haus, das von unseren Politikern immer wieder empfohlen wird, muss sich der Kleinanleger immer verschulden. Ein Kredit aber, der über 10 Jahre getilgt werden kann, kann ihm das Genick brechen.

Und die Lebensrisiken spielen auch eine wichtige Rolle. Jemand stirbt und eine Beerdigung muss bezahlt werden, Arbeitslosigkeit, die Frau brennt durch oder aber die Frau besteht auf irreale Konsumwünsche. Kein Witz: Ich kenne einen Mann, der die Kapitallebensversicherung für die vergnügungssüchtige Frau auflöste. Der Fehler wurde aber in dem Moment begangen, als die Versicherung abgeschlossen wurde. Um auf Lebensrisiken reagieren zu können, muss man seine Vermögen schnell in Geld umwandeln können. Wie lange braucht es, um eine Aktie zu verkaufen? Per Online-Banking 3 Minuten, höchstens. Eine Kapitallebensversicherung muss in der Frist gekündigt werden; man wartet dann vielleicht 6 Monate, bis man den Rückkaufwert erhält. Und bei einer Immobilie darf man mit mind. 6 Monaten rechnen. Und eine Immobilie kann man auch nur ganz oder gar nicht verkaufen. Ein Bausparvertrag kann man auch nur ganz oder gar nicht kündigen. Aktien aber sind flexibel. Wer ein Depot im Wert von 50000 € hat, braucht doch nicht alles verkaufen, nur weil man 10000 € benötigt. Und dann gibt es noch die Preise. Immobilien werden schnell mal unter Wert verkauft, wenn der Eigentümer dringend Geld benötigt und der potentielle Käufer davon Wind kriegt. Faire Preise findet man eher an der Börse. Da fragt auch keiner, warum man verkaufen will. Natürlich gibt es das Risiko, dass die Kurse unten sind, aber genauso gibt es die Chance, dass die Kurse oben sind. Und nach wenigen Jahren haben viele Aktien zumindest einen Teil ihres Preises durch Dividenden zurückerstattet. Dann verkauft man nominell vielleicht mit Verlust, aber faktisch mit Gewinn, wenn man die Dividenden berücksichtigt. Bei abgebrochenen Kapitallebensversicherungen und Bausparverträgen fährt man auf Garantie einen Verlust ein.

Die Gebühren sind an der Börse auch viel geringer, ungefähr: ca. 15 € gehen an die Bank, ca. 3 € als  Börsenspesen an die Börse. Was ein Immobilienmakler kostet, weiß jeder und jeder weiß, warum Vertreter dieses Berufes so unbeliebt sind.

Was ich vom Staat und Politik erwarte: Sie sollen keine Aktienkultur direkt fördern, sondern ihren Widerstand aufgeben. Die Gesetze der Politik und das dumme Gesülze der Verbraucherzentralen suggerieren, Aktien seien gefährlich. Das erfüllt mich mit Zorn, denn diese Vorurteile zeigen Wirkung und lassen die Gesellschaft verarmen. Unter den Gesichtspunkten der Rendite gibt es aber keine bessere Anlage. Und unter dem Gesichtspunkt der Flexibilität sehen die normalerweise für den kleinen Mann gedachten Anlagen ziemlich schlecht aus, ob nun Bausparer, Kapitallebensversicherung oder Riesterrente.

Und wer verantwortungsvoll handelt, denkt auch mal an die Erben. Stirbt der Riestersparer, ist die Rentenanwartschaft für immer weg. Vielleicht bekommt die Witwe noch etwas, aber für die Kinder ist nichts vorgesehen. Da ist sogar die staatliche Rente besser, die Waisenrenten zahlt. Wer aber Aktien vererbt, am besten dividendenstarke Aktien, kann sich sicher sein, dass sein Grab gut gepflegt wird, denn dieses Aktiendepot leistet kontinuierliche Einnahmen für die Erben.

Kommentare:

  1. Deine grundsätzliche Aussage, dass die Aktienkultur in Deutschland nicht von Staat und Verbraucher-Zentralen behindert werden sollte und dass Aktien einer der sinnvollsten Geldanlagen sind, kann ich nur ausdrücklich unterstreichen!

    Und manches dumme Gerede über die "bösen Aktionäre" erfüllt mich tatsächlich auch manchmal mit Zorn, obwohl es für mich eigentlich auch immer ein Beweis einer (weit) unterdurchschnittlichen Bildung bedeutet und somit eher Mitleid als Zorn verdient.

    Wie dem auch sei - zwei Dinge würde ich gerne anmerken:
    * Die Aussage, dass Aktien in Lebenskrisen schnell zu verkaufen seien, ist zwar für den eigentlichen Verkaufsvorgang (Online-Broker) richtig, relativiert sich aber stark, wenn man den jeweils zu erwartenden Gegenwert berücksichtigt. Die Aktie ist daher langfristig sicher kaum zu schlagen, aber gerade als Hilfe in Lebenskrisen nicht wirklich an erster Stelle zu sehen.

    * Wenn sich mehr (Klein-)Anleger mit Aktien beschäftigen würden, würde ich mir auch Hoffnung auf ein wenig mehr Verständnis bei der breiten Bevölkerung für die einfachsten wirtschaftlichen Zusammenhänge machen und das könnte dann vielleicht auch das teilweise doch recht schräge Bild von Aktien, Börse, Banken, Unternehmern, usw. usw. etwas gerade rücken.

    In diesem Sinne, schönen Gruß

    Der Privatier

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    1. Es gibt Menschen, die kündigen in einer Lebenskrise einen Bausparvertrag oder eine Kapitallebensverscherung. Da macht man garantiert Verlust. Wenn man einen Aktie verkauft, macht man vielleicht Verlust, vielleicht sogar einen Gewinn.

      Vermögenswerte aufzulösen, ist aber als erste Hilfe in einer Lebenskrise nicht anzuraten. Für den Fall sollte man Sparguthaben auf einem Tagesgeldkonto haben. Aber wenn es hart auf hart kommt, dann ist man mit Aktien besser dran als mit einem Bausparvertrag, mit einer Kapitallebensversicherung oder einem anderen Finanzprodukt.

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  2. “Diversification is protection against ignorance, it makes little sense for those who know what they’re doing.”
    Zitat von Warren Buffett

    Natürlich hat ein "normaler" Mensch niemals so viel Zeit sich einem Unternehmen zu widmen wie ein professioneller Investor, aber Diversifikation führt zu unterdurchschnittlichen Resultaten.

    Oder kennst du einen aus der Forbes 500 mit einem gut diversifizierten Portfolio? ;)

    Chris von gieristgut.com

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  3. Wir investieren seit Jahren regelmäßig in Aktienfond und Einzelaktien. Dieser "Aktienblock" wächst seit Jahren und trotz Schwankungen letztendlich mit unglaublicher Geschwindigkeit. Natürlich halten wir für den plötzlichen Bedarf genügend Geld als Sicherheit zurück. Tatsächlich ist es aber so, dass die meisten deutschen sich aus Dummheit schlichtweg weigern vermögend zu werden. Kein Wunder, dass Deutschland im Vermögenranking so schlecht abschneidet.

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  4. Bravo für diesen Artikel. Bin über einen Link von Spiegel-Online hierhergekommen. Auch ihren Kommentaren dort zum Artikel "Anlegemanöver: Nie mehr arbeiten? Das wird teuer!" kann ich 100% zustimmen.

    Ihre Überlegungen zur Wahl der passenden Geldanlage sollte sich wirklich jeder stellen, der für sich oder andere (im privaten Rahmen) Geld anlegt.

    Wer einem Bankberater vertraut, weil "der sich ja mit Geldanlagen auskennt" arbeitet nicht hart genug für sein Geld.

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  5. Ich finde Ihren Artikel auch sehr gut.
    Was viele BürgerInnen hier in Deutschland wahrscheinlich davon abhält eigenverantwortlich in Aktien zu investieren, ist die "Hartz4" Angst.
    Rutscht man in ALG2, muss man alle Geldwerte oberhalb sehr mickriger 150Euro pro Lebensjahr und einem Gebrauchtwagen (7900 Euro) verwerten.
    Riester ist auch geschützt, wird im Rentenfall aber zu 100% auf eine eventuelle Grundsicherung angerechnet; für private Rentenversicherungen gilt es ebenso.

    Da ich momentan gut verdiene, aber auch schon 42 Jahre alt bin, versuche ich diesen schlimmstmöglichen Fall (man rutsch in ALG2 weil man zu alt ist für den Arbeitsmarkt) abzumildern.
    Momentan zahle ich Eheschulden ab; in zwei Jahren (ein noch überschaubarer Zeitraum) kaufe ich mir zuerst eine selbstgenutzte Eigentumswohnung. Bar ohne Kredit. Nach aktueller Gesetzeslage ist sie Hartz4 "sicher" und (fast noch wichtiger) verringert meine monatlichen Fixkosten.

    Erst dann werde bzw. kann ich mich entscheiden, ob ich auf höheres Risiko gehe und einen Teil meines Geldes in Aktien investiere (momentan ist mein Direktdepot nur ca. 1000 Euro Wert), oder ob ich zu ängstlich bin wie so viele Mitbürger. Ich habe noch 25 Jahre bis zur Rente; bzw. eher 28 Jahre wenn die das Alter noch höher setzen.

    Wobei ich zugebe, dass der tägliche Blick ins eigene Depot schon interessant ist und ich kann es (H4 mal ausgeblendet) meinen Kindern vererben.

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  6. Ein sehr schöner Artikel! Mein Dividenden Depot hat mir in 2 Jahren schon über 10% Netto an Dividenden ausgezahlt und ich bin damit sehr zu frieden und es macht wirklich spaß zu sehen, wie das Vermögen von Monat zu Monat langsam wächst und von Jahr zu Jahr. Man muss eben durchhalten.

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  7. Ein wirklich sehr interessanter Artikel! Ich beschäftige mich gerade mit den Möglichkeiten von Aktieninvestments. Aktien stellen wahrscheinlich die beste und rentabelste Möglichkeit der langfristigen Geldanlage dar. Das wichtigste hierbei ist, dass man bevor man in diese Anlageklasse investiert, genau über deren Chancen und Risiken Bescheid weiß. Es gibt unterschiedliche Arten wie man hierbei in Aktien investieren kann. Je nach Risikotyp kann jeder unterschiedlich in den Aktienmarkt investieren. Grundsätzlich muss man hierbei jedoch die Absicht eines längeren Engagements mit sich bringen. Als Investor muss man sich im Klaren sein, dass ein Aktieninvestment Geduld und Zeit beansprucht. Sicherlich kann man auch kurzfristig in Aktien investieren – hierbei dienen diese jedoch nicht mehr zur Geldanlage sondern lediglich zur Spekulation. Obwohl die Aktienmärkte jetzt bereits über zehn Jahren seitwärts laufen bzw. gewisse Indizes ihre Höchststände nicht wieder erreicht haben oder sie diese nicht massiv überschreiten konnten, sind Aktien langfristig betrachtet noch immer die rentabelste Möglichkeit der Geldanlage. Vielleicht bieten gerade so Zeiten, die Zeiten in oder nach einer langen Seitwärtsbewegung, wieder große Chancen für zukünftige Aktieninvestments. Jedoch muss man sich hierbei im Klaren sein, dass man die Zukunft nie von der Vergangenheit ableiten kann.

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