Samstag, 6. Juli 2013

Wohin man auch schaut nur Staatvertrauen - Die Sache mit der Rente

Heute habe ich auf Spiegel Online einen erfreulichen Beitrag gelesen, dass sich die Rentenbeiträge verringern könnten. Das ist wirklich erfreulich und man sollte es auch machen. Ein Blick aber in das Forum bestärkt mich aber, dass wir ein Volk von Buchhaltern sind, die ein immenses Vertrauen in den Staat haben.

Buchhalter sind es deshalb, weil sie nur den einzelnen eingesparten Beitrag sehen, der nur wenige Euro beträgt. Der Beitrag würde, ihrer Auffassung nach, in wenigen Jahren wieder steigen, was passieren kann, aber nicht muss. Die Buchhalter verstehen nicht, dass es nicht nur um wenige Euro für den Einzelnen geht, sondern dass man das mit 40 Millionen multiplizieren muss und enorme Reserven freisetzt, sowohl für Konsum als auch für Investitionen, just das also, was linke Pappenheimer immer wieder fordern: Mehr Geld in die Taschen der kleinen Leute, dass mehr konsumiert wird. Und Investitionen der Firmen werden auch ständig gefordert. Ein Unternehmen, das tausend Angestellte hat und 5 € pro Mitarbeiter an Rentenbeitrag sparen könnte, hat dann 5000 € monatlich frei, die es z. B. in einen zusätzlichen Mitarbeiter investieren könnte, wodurch einerseits zusätzliche Rentenbeiträge entstünden, andererseits aber Sozialleistungen verringert würden, wenn der Mitarbeiter zuvor arbeitslos war. Der Linke, der gerne ein Konjunkturprogramm nach dem anderen aufsetzen möchte (die allesamt nutzlos sind), hat überhaupt kein Vertrauen darin, dass Unternehmen und Arbeitnehmer mit dem Geld sinnvolles anstellen, was positive volkswirtschaftliche Effekte hätte. Und selbst wenn es in fragwürdige Dinge "investiert" würde, z. B. in Alkoholika, flösse es zurück zum Staat wegen der hohen Alkoholsteuern.

Und dann ist da noch dieses Staatsvertrauen. Es wird ernsthaft gefordert, das Geld solle man zurücklegen und sparen. Politiker und Beamte sollen Geld sparen... wer das fordert, hat in den letzten Jahrzehnten überhaupt nichts gelernt. Politiker und Beamte verstehen nichts vom Sparen oder gar vom Investieren. Die müssten dann wieder Fachkompetenz einkaufen, was auch nicht gut ist, weil viel zu teuer und sinnlos, wenn man die Performanz von Fonds-Managern kennt. Warum überlässt man es nicht den Arbeitnehmern, dass sie das Geld zurücklegen? Arbeitnehmer können als Kleinanleger eine wesentlich bessere Performanz an den Aktienmärkten hinlegen als Fonds-Manager, weil Kleinanleger nur sich selbst verpflichtet sind und kein Window-Dressing betreiben müssen. Kleinanleger müssen nur Value-Ansatz verfolgen und nicht überaktiv werden.

Angenommen, jemand bekommt durch einen sinkenden Rentenbeitrag 12 € mehr netto monatlich. Wenn er dieses Geld Monat für Monat zu 8 % anlegt, hat er nach 30 Jahren 16312,78 € erspart. 8 % pro Jahr sind bei Aktienanlagen gar nicht mal so außergewöhnlich. Aber diese Menschen denken nicht so und daher kommt die völlige Verständnislosigkeit der Mehrheit der Deutschen für Aktienanlagen, fürs Investieren, ja fürs Wirtschaften im Allgemeinen. Nach vierzig Jahren wären es sogar 37304,14 €. Man hätte genau diese vierzig Jahre bis zum Renteneintritt gespart und die Aktien würfen 4 % Dividendenrendite pro Jahr ab: Man hätte eine kleine Zusatzrente von 124 € pro Monat. Man zeige mir den Riestervertrag, bei dem man 12 € pro Monat einzahlt, um als Rentner 124 € pro Monat zu erhalten.

Ich jedenfalls freue mich über jeden Euro, den ich zusätzlich zu meiner freien Verfügung habe.


Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Beitrag. In meinen Augen wäre es wichtig das persönliche Sparen als Teil der Altersvorsorge zu fördern in Form von steuerbefreiten Anlagedepots. In diesen könnte dann ab dem 60. Lebensjahr steuerfrei etwas entnommen werden. Das normale Rentenalter könnte man dann auf 75 anheben. Das heißt jeder der früher aufhören möchte zu arbeiten muss sich damit beschäftigen und etwas zurücklegen.
    In diesem Szenario müsste jedoch auch staatlich dafür gesorgt werden, dass jeder etwas zurücklegen kann.

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  2. Danke für diesen schönen Beitrag.

    Diese Weitsicht und das Durchhaltevermögen auch mit kleinen Beträgen Monat für Monat für die persönliche Rente durch Dividendenzahlungen vorzusorgen haben doch nur die wenigsten in Deutschland.

    Anscheind sind die Deutschen immer noch vom Neuen Markt und dem T-Aktie Desaster so traumatisiert, dass man es nicht wahrhaben möchte mit einer Value Strategie in konservative Dividenden Aktien (z.B. Konsum P&G,Altria,CocaCola,MCD) ein langfristges passives Dividendeneinkommen aufzubauen - sozusagen eine Extra Rente!

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  3. "Der Linke [...] hat überhaupt kein Vertrauen darin, dass Unternehmen und Arbeitnehmer mit dem Geld sinnvolles anstellen, was positive volkswirtschaftliche Effekte hätte."

    Es geht hier nicht um Vertrauen sondern in die unterschiedliche Zielsetzung: Unternehmen existierten nicht, um positive wirtschaftliche Effekte für die Allgemeinheit zu erzielen sondern um individuellen Profit zu erwirtschaften. Um dieses Ziel in einen gesellschaftlichen Nutzen zu verwandeln, gibt es staatliche Regeln.

    Was die Rentenausgaben betrifft, unterschlägst du, dass 8 Euro mehr in der Tasche auch 8 Euro weniger für die Rentner bedeuten. Das Umlagesystem basiert aber darauf, dass das Geld, dass HEUTE eingenommen wird, auch HEUTE an die Rentner ausgezahlt wird. Damit ist dieses System absolut frei von jeglichem Risiko und per se fair.

    Der Vergleich mit Aktien stimmt schon deshalb nicht, weil du behauptest, dass JEDER mit Aktien seine Rente finanzieren können wird. Das würde unternehmerisches Risiko aber vollständig ausschließen.

    Wenn zudem die Löhne der Mitarbeiter mit den Gewinnen der Unternehmen steigen würden, würden auch die Rentenbeiträge steigen.

    Das Umlagesystem ist praktisch genau das, was du als Privatmann machen willst: Eine "Volksaktie", ein Anteil an der Deutschland AG, ein Staatsfonds, bei dem jeder in der Rente seine Dividende ausgezahlt bekommt. Ich sehe da wirklich keinen Nachteil.

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    1. Es geht nicht um die Zielsetzung der Unternehmung. Dass die Gewinne erzielen wollen, ist klar. Aber warum unterscheiden Linken zwischen Konjukturprogrammen, bei denen der Staat Geld wahllos an die Bürger verteil, und indirekten Konjunkturprogrammen, bei denen der Staat den Bürgern einfach mehr in der Tasche lässt. Der erste befürwortet er, das zweite lehnt er hab. Ich verspreche mir eher von letzterem etwas, weil die Bürger, die das Geld erwirtschaften, mit Sicherheit Investitionsmöglichkeiten kennen und nutzen, und Investitionen führen häufig zu neuen Arbeitsplätzen. So kann etwas auf Dauer enstehen. Erhöht man Hartz IV, ist das Geld ruckzuck für dummen Konsum weg.

      Und was die heutigen Rentner angeht: Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen und auch die Rentner müssen Rentenkürzungen akzeptieren. Was nicht geht: Immer weiter den Rentenbeiträge oben belassen, wenn nicht gar erhöhen, und den Beitragszahlern auch noch private Altersvorsorge aufbürden. Das wäre nicht nur unverschämt, sondern auch noch dumm, denn die Beitragszahler von heute finanzieren den ganzen Laden.

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