Dienstag, 7. Januar 2014

Steter Tropfen höhlt den Stein.

Wer Lust an einem kleinen Experiment hat, der kann in seiner Firma, Klasse oder in Familie folgende Frage stellen: Woran liegt es, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten 150 Jahren so enorm gestiegen ist? Jeder sollte die Antwort auf einen Zettel notieren, hinterher wird ausgewertet. Ergebnis wird sein, dass die meisten den Fortschritt in der Medizin hervorheben, vielleicht noch die  zusätzlichen Infrastrukturen (Krankenhäuser, Krankenkassen). Die Antwort ist nicht unbedingt falsch, aber ebenso wichtig ist doch die Hygiene, wo genauso Erkenntnisfortschritte gemacht wurden und neue Infrastruktur entstanden ist. An die denkt kaum jemand. Dabei putzt man sich mindestens zweimal täglich die Zähne, man wäscht sich noch häufiger die Hände, nach dem Stuhlgang immer. Das Praktizieren von Hygiene in unserem Alltag ist so tief verankert, dass sie gar nicht so bewusst wahrgenommen wird.

Und hier sehe ich eine wichtige Parallele zum guten Wirtschaften. Es geht selten darum, mit einmaligen Maßnahmen eine Kehrtwende zu erreichen, vergleichbar mit dem Abwenden des Todes durch eine komplizierte Operation (wie z. B. jüngst bei Schumacher). Leute wie Zuckerberg gibt es auch selten, die mit einer Idee einen Milliardenkonzern aufbauen. Facebook, Google, Apple sind spektakulär, genauso wie es komplizierte Operationen sind, aber das Einmaleins ist doch recht unspektakulär, so langweilig wie Zähneputzen und nur effektiv, wenn man es stetig und diszipliniert durchführt.

Die Menschen müssen lernen, ihre Finanzen stetig zu prüfen und zu optimieren und stetig zu investieren, ob in Bildung oder Aktien, ist kaum von Belang. Der Zinseszinseffekt, der  nicht nur bei Geld, sondern auch in der Bildung gilt, braucht Zeit, sich zu entwickeln. Deshalb ist es nicht damit getan, einmalig etwas in die Wege zu leiten. Daher habe ich hier mein Vier-Punkte-Programm zusammengestellt:

1. Führen Sie ein Haushaltsbuch und registrieren Sie täglich Ihre Einnahmen und Ausgaben und kategorisieren Sie sie. Unterkategorien sind meines Erachtens notwendig, sodass man z. B. bei Nahrung erkennt, ob man jetzt für eigene Küche gekauft hat oder ob man ein Restaurant besucht hat.

2. Analysieren Sie z. B. einmal im Quartal die Ausgaben kategorienabhängig und ermitteln Sie Einsparpotentential. Nutzen Sie dieses  Einsparpotential, z. B. weniger Bücher kaufen, dafür häufiger in die Bibliothek gehen.

3. Investieren Sie regelmäßig Geld in Aktienanlagen. Geben Sie immer 2000 bis 3000 Euro pro Position aus. Diversifizieren Sie nach Regionen und Branchen. Kaufen Sie auch gelegentlich nach, wenn Sie schon über zehn Positionen besitzen.

4. Investieren Sie in Ihre Bildung. Kaufen Sie Bücher, lesen Sie Bücher und nicht nur Fachbücher. Es ist natürlich wichtig, sich in der eigenen Disziplin weiter zu entwickeln, aber man braucht auch zusätzlichen Input. Das Lesen von Büchern ist auch ein Training, da man so seinen Wortschatz ganz unbemerkt erweitert. Ich merke an mir selbst, was für ein geübter und schneller Leser ich heute geworden bin, obwohl ich in der Jugend ziemlich lesefaul war. Auch Zeitungen sollte man lesen. Wer sinnvolle Aktieninvestitionen tätigen will, sollte natürlich wissen, was auf den Märkten und in der Politik so vor sich geht. Wer sich in eine Solarfirma stürzt, ohne zu wissen, was da alles schon insolvent gegangen ist, verhält sich ausgesprochen dämlich.


Beherzigen Sie dieses Vier-Punkte-Programm und dann geht es mit Ihnen wirtschaftlich und auch persönlich aufwärts, egal wo Sie starten. Selbst wenn Sie mangels Geld Punkt 3 nicht umsetzen können, so reichen schon die anderen drei Punkte. Wenn Sie Schulden haben, sollten Sie möglichst rasch Schulden tilgen.

Ich habe schon Einsparpotentiale für mich entdeckt. Ich gehe seit drei Monaten wieder regelmäßig in die Bibliothek und leihe mir die Bücher, anstatt die Bücher zu kaufen. Und wenn ich Bücher schon kaufen muss, dann kaufe ich sie bevorzugt gebraucht. Ich habe auch einen Kindle, sodass ich an viele Bücher kostenlos komme. Ich esse auch weniger in der Kantine, sondern bringe mir belegte Brote mit. Für gutes Brot gebe ich auch lieber einen Groschen mehr aus. Während ich vor drei Monaten abgepacktes Brot aus dem Supermarkt mitbrachte, kaufe ich heute häufiger Brot beim Bäcker, dafür aber weniger von den Brötchen. Bei dem Kantinenessen in meiner Firma fällt es auch nicht schwer, in der Mittagspause belegte Brote zu essen.

Der Erfolg hängt von der Regelmäßigkeit ab. Macht man es regelmäßig und es fällt dann kaum noch auf, dass Sie es machen. Das Führen des Haushaltsbuches ist bei mir so selbstverständlich wie das Zähneputzen, wie das Bücherlesen und wie das Investieren in Aktien. Beim Lernen von Sprachen beherzt man es doch auch: Lieber täglich 10 Minuten fürs Vokabellernen aufbringen, als 70 Minuten jeden Sonntag. Wer erfolgreich eine Fremdsprache erlernt hat, hat eine Erfahrung, auf die er aufbauen kann.

Wie erfolgreich erkennt man dann, wenn man vergleicht. Ich kenne Exemplare der Spezies Homo sapiens sapiens, die sich nicht die Zähne putzen. Die haben mit Mitte 20 schon so kaputte Zähne, dass ihnen das Zähneputzen mittlerweile sogar schmerzt. Natürlich könnte ein Zahnarzt da noch eine Menge retten, aber die Kosten eine Rundumsanierung wären wohl über 1000 €. Was aber kostet die Zahnhygiene mit Zahnbürste und Zahnpasta? Wer alle acht Wochen einen neue Zahnbürste verwendet, braucht im Jahr sieben Zahnbürsten. Ein Zweierpack Zahnbürsten kostet 39 Cent. Man gibt jährlich 1,37 € für Zahnbürsten aus. Wie lange hält eine Zahnpastatube? Ein Vierteljahr? Die günstigste Tube Zahnpasta kostet auch 39 Cent. Vier Stück davon: 1,56 €. Mit knapp drei Euro pro Jahr ist man dabei. Bei 80 Lebensjahren sind das schlappe 240 Euro.


1 Kommentar:

  1. Eine gute Alternative für Bibliotheken sind readfy (kostenlos), skoobe (10€/monat). Das Bücherangebot ist zwar noch relativ klein, steigt aber wie das Musikangebot bei Spotify. :)

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