Samstag, 1. Februar 2014

Sarrazin hatte damals recht

Thilo Sarrazin erstellte vor sechs Jahren einen Speiseplan, um zu zeigen, dass sich ein Hartz-IV-Empfänger mit den veranschlagten 128 € monatlich gut ernähren könne. Ich war zu jener Zeit noch Student und konnte die hysterischen Reaktionen nicht verstehen, da ich mich gut und günstig ernähren konnte. Und selbst heute verstehe ich die Reaktionen nicht. Ich bin heute älter, ich bin im Beruf, die Ansprüche sind höher, was sich auch im Einkaufsverhalten bei Lebensmitteln niederschlägt.

Seit zwei Jahren führe ich ein Haushaltsbuch. Die Ausgaben sind hinreichend gut kategorisiert. Der Januar 2014 war ein Rekordmonat, was meine Ausgaben für Lebensmittel betrifft, denn noch nie bin ich so günstig weggekommen: 148,65 €. Laut Regelbedarf wird beim Hartz-IV-Empfänger, dass er mit 128,46 € für Lebensmittel zurechtkommt. Die Zahl ist aber von 2008 und es wird die eine oder andere Inflationsanpassung gegeben haben. Nimmt man 2 % Inflation p.a. an, dann entsprechen die 128,46 € von damals heute 144,67 € (128,46 € * 1,02^6).

Nun bin ich aber immer noch knapp darüber. Wie kann ich mich anmaßen, darüber zu urteilen, dass man damit auskommen kann? Wäre ich in der wirtschaftlichen Situation, damit auskommen zu müssen, würde ich es locker schaffen. Ich bin aber nicht in der Situation, dass ich von Stütze leben muss und ich habe auch kein Experiment gemacht, d.h. ich habe es nicht darauf angelegt, mit möglichst wenig auszukommen, sondern ganz normal meine Gewohnheiten ausgelebt, selbst die, die mich unnötig Geld kosteten:
  • Es gab häufiger mal Süßigkeiten, was natürlich extra kostet.
  • Ich habe beim teuersten Bäcker in meiner Gegend gekauft, weil ich es mir leisten kann und will. Brot und Brötchen von dort sind ihr Geld einfach wert. So habe ich 40,63 € bei diesem Bäcker ausgegeben. Hätte ich Brot im Discounter gekauft, hätte ich nur die Hälfte bezahlt.
Hätte ich es von Anfang darauf angelegt, mit sehr wenig auszukommen, hätte ich dieses Einsparpotential genutzt und wäre mit 100 bis 110 € ausgekommen.

Ich habe Daten der letzten 24 Monate. Im Mittel gebe ich 215,32 € für Lebensmittel aus, inkl. Besuche im Restaurant, in der Kantine und den Espresso bei Segafredo. Die Kosten für Lebensmittel, die ich selbst zubereite, liegen im Schnitt bei 127,02 € monatlich. Wenn der Hartz-IV-Empfänger auf McDonald's, Döner und Co. verzichtet, kriegt er das auch locker hin, mit dem Regelbedarf auszukommen. In meinen durchschnittlichen 127,02 € sind zudem enthalten: Mehrere Dosen Kaffee von Lavazza (teuer!) und von Illy (noch teurer!). Außerdem kaufe ich meinen Tee bei einem Teehändler und dort kaufe ich nur die beste Qualität.
 
Das Besondere am letzten Monat war: Ich habe nicht in der Kantine gegessen, sondern mir belegte Brote in die Firma genommen. Die Kantine hatte ich einfach satt, außerdem macht das dortige Essen sehr müde. Abends habe ich daheim gegessen, weil ich auch dann noch in die Arbeit vertieft war. Zum Weggehen hatte ich einfach keine Lust. Wenn ich auf interessantes Thema stoße, dann versinke ich regelrecht darin.


Ich profitiere auch davon, dass ich kochen und backen kann. Wenn ich Zutaten für eine Pizza kaufe, dann komme ich mit drei bis vier Euro aus und kann mir davon vier kreisrunde Pizzen machen. So eine Pizza entspricht einer Mahlzeit und man kann sich dann so eine Pizza auch mit auf die Arbeit nehmen und sich dort in der Mikrowelle warm machen.

Was mir generell zugutekommt: Ich trinke keinen Alkohol. Ich glaube, die Jammerei ist deshalb am größten, weil viele Leute täglich Alkohol konsumieren (speziell die Hartz-IV-Empfänger) und dann langt das Geld einfach nicht. Das merke ich häufig im Discounter, wenn ich in der Schlange stehe. Wenn vor mir jemand steht, der ein paar Flaschen Bier und zwei Flachmänner kauft, dann achte ich genau darauf, was der bezahlt. Ich vergleiche es anschließend mit dem, was ich bezahle. Bei mir sind ist es häufig Käse, Milch, Obst, vielleicht eine Süßigkeit und etwas Knabberkram. Er bezahlt dann häufig mehr als ich. Seine Flachmänner sind am selben Abend schon ausgepichelt. Mein Beutel Apfelsinen, mein Käse, mein Liter Milch reichen ca. drei Tage.

Sarrazin hatte damals einfach recht gehabt. Ich sehe es als Verwahrlosung an, dass die Leute nicht ihr Budget einhalten können. Sparsamkeit ist eine Tugend wie z. B. Höflichkeit und Pünktlichkeit. Fehlt eine Tugend, fehlt meistens auch eine weitere. Oft fehlt die Sparsamkeit. Man sieht zu viel fern und glaubt, jeden zweiten Abend im Restaurant zu essen, wäre normal, weil das die Leute im Fernsehen ja auch machen. Und so ein Verhalten kopiert man dann.

Ich komme aus einfachen Verhältnissen und bei mir auf dem Dorf haben die meisten Leute das Abendessen am heimischen Küchentisch zu sich genommen. Die Leute brachten nicht das große Geld mit nach Hause, waren aber fleißig und schämten sich nicht, weil sie fast immer daheim aßen. Heute scheint es wichtiger zu sein, seinen geringen einkommensbedingten Status zu kompensieren und betreibt demonstrativen Konsum.

Ich empfand den Monat Januar richtig gut. Wie bereits oben erwähnt, bin ich glücklich, wenn ich etwas intellektuell zu beißen habe und meine Arbeit lieferte mir etwas zu beißen, was ja leider nicht immer so ist. Dann brauche ich nicht viel Geld auszugeben, um Freude zu empfinden.

Im Januar konnte ich etwas mehr als 1000 € meines Netto-Gehaltes sparen.  Und auch das ist beeindruckend, da es ein Januar war. Im Januar fallen Quartalsbeitrag GEZ und Sportverein an, sowie die Jahresgebühr für meine Haftpflichtversicherung. Alles zusammen ca. 150 €. Dann hatte ich noch eine Reparatur von 120 € zu bezahlen. Selbst in Monaten mit hohen Ausgaben ist immer noch ein Tausender gespart. Mir gefällt das.

Kommentare:

  1. Diesem Artikel kann man nichts mehr hinzufügen! Ich finde auch das man mit 150€ pro Monat locker mit Essensgeld auskommen kann und auch sollte! Bei vier Personen ist dies schon 600€ und mehr könnte ein Erwerbstätiger auch nicht aufbringen!

    Mit den TV-Sendungen stimme ich dir überein! Aber in den USA ist es normal nicht zu hause zu essen, sondern immer auswärts! Das sehen dann einige und tuen es auch, obwohl sie dies finanziell nicht leisten können!

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  2. Mit dem Geld vom Staat in der Tasche ist noch keiner verhungert. Zumal haben die auch mehr Zeit um sich noch günstiger zu versorgen.

    Ich gebe nicht viel Zeit fürs Kochen aus. Das ist mir zu Zeit aufwendig und zu kostspielig (wenn man seinen eigenen Stundenlohn mit einrechnet). Ich koche eigentlich nur dann richtig, wenn ich Lust auf was leckeres habe. Generell achte ich nicht auf die Ausgaben und gebe locker 200-300 € für Lebensmittel und Speisen aus.

    Der Januar war auch für mich ein guter Monat. Ich habe einen 4000€ (Brutto) Bonus erhalten.

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  3. Also mit Hartz IV Lebensmittel zu kaufen ist nicht das Problem. Aber habt ihr mal darüber nachgedacht, dass sämtliche Haushaltsgegenstände, Kleidung, Reparaturen usw. usw. von dem Regelsatz "angespart werden müssen? Also ich habe es bisher noch nie geschafft innerhalb eines solchen Regelsatzes zu bleiben (dafür wächst mein kind auch viel zu schnell aus seinen Klamotten). Versicherung etc. etc. Mir tut wirklich ausnahmslos jeder leid, der mit Hartz IV leben muss. Ich muss es Gott sei Dank nicht- und hoffe, dass ich auch privat soweit vorsorgen kann, dass ich es nie muss. Es ist sowieso nur eine Frage der Zeit bis auch diese Sozialleistung gestrichen wird, weil unser Staat es sich nicht mehr leisten kann (wie auch bei all der Banken- und Wirtschaftsrettung).

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  4. Verstehe ich nicht. Ich denke schon, dass man Hartz IV auskommen kann, selbst wenn es um Kleidung für Kinder geht. Für Jugendliche von 14 bis 18 Jahre sind 40,25 € pro Monat vorgesehen, das sind 483 € jährlich. Einem Erwachsenen werden 32,85 € monatlich zugestanden, also 394,20 jährlich. Laut Haushaltsbuch habe ich in den vergangen zwei Jahren 473,20 € für Bekleidung und Schuhe ausgegeben und ich drehe beim Klamottenkauf nicht jeden Euro zweimal um. Sicherlich spare ich, indem ich meine Schuhe ordentlich putze und mir neue Schnürsenkel kaufe, anstelle neuer Schuhe.

    Wer meint, mit Hartz IV nicht auskommen zu können, sollte sein Verhalten überdenken. Diese Leute wissen gar nicht, wie gut es ihnen geht. Außerdem muss Hartz IV kein Dauerzustand sein... man kann und sollte sich ja während der Hartz-IV-Zeit um eine Arbeitsstelle bemühen.

    Ingesamt hat ein erwachsener Hartzer 391 € Regelsatz. Miete und Heizung werden vom Amt extra bezahlt. Extras wie Vergünstigungen beim ÖPNV und in der Bibliothek gibt es auch nochmal. Die Jarter wissen gar nicht, wie gut es ihnen eigentlich geht. Ich finde diese andauernde Undankbarkeit empörend.

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