Sonntag, 9. März 2014

Die wahren Zocker

Wenn ich im Bekanntenkreis erzähle, dass ich Aktien habe, dann werde ich schon mal als Zocker oder Spekulant bezeichnet. Ich persönlich halte Aktien für eines der konservativsten Geschäfte. Ob mir jetzt eine Maschine gehört, die mir ein Zusatzeinkommen verschafft, oder ob mir eine Firma gehört, der diese Maschine gehört, oder ob mir nur ein Teil der Firma gehört, kommt am Ende aufs Gleiche hinaus. Aktien haben den Vorteil, dass man sie schnell veräußern kann, wenn man Geld braucht. Das ist eine gute Sache, denn dadurch sinkt die Hemmschwelle, Aktien zu kaufen, außerdem ist eine Aktiengesellschaft dadurch vitaler, weil sie im Gegensatz zu einer GmbH mit ein, zwei Unternehmern an der Spitze den Tod eines Miteigentümers locker überlebt. Davon profitieren Kunden und Arbeitnehmer gleichermaßen.

Natürlich gibt es Leute, die aus den Kursschwankungen an der Börse Profit versuchen zu schlagen. So einer bin ich nicht. Ich kaufe Aktien, um diese langfristig zu halten. Ich habe Aktien im Portfolio, die ich bereits vor fünf Jahren kaufte. An einen Verkauf denke ich einfach nicht.

Die wahren Zocker sind aber in meinen Augen ganz andere:
  • Inhaber von Kapitallebensversicherungspolicen
  • Riestersparer
  • Bausparer
Der KLV-Sparer ist der Zocker schlechthin. Er glaubt zu jenen 13 % zu gehören, die eine Kapitallebensversicherung bis zum Ende durchhalten. Dann wettet er auch noch, dass es Jahrzehnte während seiner Ansparphase kaum Inflation gibt. Wer gleich zwei solcher Wetten abschließt, ist einfach ein Zocker.

Der Riestersparer packt ja noch eine Wette obendrauf. Er wettet nicht nur, dass er den Vertrag bis zum Ende durchhält und dass seine Ansprüche nicht weginflationiert werden, sondern geht auch noch bei der Wette mit, 95 Jahre oder älter zu werden. Und der Bausparer ist ein Spieler in einem Schneeballsystem. Er muss hoffen, dass seine Bausparkasse genug andere Idioten findet, die ihm das Baudarlehen finanzieren.

Und ja, diese Wetten und die Mentalität, die vermeintlich risikofreie Geldanlage zu wählen, führte geradezu in den Abgrund. Anstatt in solide Dividendenzahler zu investieren, landete das Geld bei Versicherungen, Bausparkassen und Banken, die Produkte anboten, die Sicherheit suggerierten. Damit übergaben sie das Geld den Zockern in den Banken, die mit Hochfrequenzhandel, Daytrading und Derivaten für Verwerfungen auf den Märkten sorgten.

Aktien, die man kauft und hält, hält man vom Hochfrequenzhandel fern. Wer die Unbill an den Finanzmärkten nicht mag, sollte nicht lamentieren, sondern einfach Aktien kaufen und halten.

Kommentare:

  1. Ich finde den Artikel sehr gut, doch das mit dem Bausparer passt einfach nicht. Denn der Bausparer ist anders als die anderen erwähnten Produkte eine Anlagemöglichkeit für 7-10 Jahre. Ein Bausparer lohnt sich in letzter Zeit nie, wenn die Ansparphase außerhalb dieses engen Bereichs liegt.

    Man sollte den Bausparer eher als eine Art Zinsgeschäft oder Versicherung betrachten, bei dem man sich jetzt die Zinsen für einen Kredit sichert, den man in 7-10 Jahren dann nimmt. Die Kosten dafür sind die Zinsdifferenz in der Ansparphase, sowie 1% von der Gesamtsumme als Vertriebsprovision. Die Kosten halten sich in letzter Zeit aber wirklich in Grenzen, weil geeignete Produkte für die Anlage auf 7-10 Jahre, zur Zeit auch keine hohe Rendite abwerfen. Bei einem 100.000 € Vertrag betragen die effektiven Kosten nach meinen Berechnungen ca. 2000€.

    Als Risiko beim Bausparer betrachte ich da nicht dem Kollaps der Bausparkasse in 10 Jahren. Die müsste ja noch nicht mal kollabieren, wenn sie keine Dummen findet, weil sie den Kredit ja auch anders finanzieren kann. Als Risiko sehe ich da die recht hohe Chance, dass die Zinsen auch in 10 Jahren noch am Boden liegen und ich die 2000€ umsonst bezahlt habe.

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  2. Sorry aber die Riesteranalyse ist eine reductio ad absurdum. Ich hab einen Riestersparplan in die Uniglobal mit passender Förderung. Bis zur Rente durchhalten, da stimme ich zu, das wird wohl nichts. Ich werd den Riester in eine Wohnung umwandeln wenn es mir passt. Zudem hab ich bei Arbeitslosigkeit ein unantastbares Vermögen und eine Absicherung meiner Einzahlungen. Was sichereres bei vernünftiger Rendite hab ich noch nicht gefunden.

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  3. Gutes Thema und du hast recht. Sicherheit bedeutet beim Duchschnitts-Anleger, dass er nominal nichts verliert. Leider ist aber gerade Geld auf die Jahre gesehen ein recht riskantes Investment. Man ja nie weiß, wie stark infaltionäre Tendenzen sind, ob es nicht vllt delfatlationäre Einschnitte gibt und wie sich Zinsniveaus verändern.

    Bei Immobilien verhält es sich ja auch so. Denke hier ist es eben so, dass manche Leute einfach unheimlich Glück hatten und seit Jahren eine Immobilie in einer Stadt mit stabiler Wirtschaftslage besitzen und dann sagen " Betongold". Dies hat beim Deutschen dann den Mythos erzeugt. Das Ganze kann natürlich auch anders laufen und wir werden in den nächsten Jahrzehnten beobachten, dass es gerade in ländlichen Räumen sehr schwer werden wird mit dem Immobilienverkauf.

    Es ist halt alles nicht statisch. Geld, Immobilien, LVs... das ist alles eine Wette auf Zinsniveaus, Demographie und vieles andere. Die Menschen machen es sich nur nicht bewusst, da sie nicht wie bei Aktien tägliche Kursschwankungen sehen.

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