Samstag, 8. März 2014

Warum ich einfache Verhältnisse, aber keine Sparbücher mag

Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in der noch mit dem klassischen Sparbuch gespart wurde. Als meine Mutter starb, packte mein Vater einen Teil der Lebensversicherungsprämie auf ein Sparbuch, das auf meinem Namen ausgestellt war. Ich hatte das Geld, obwohl es nur 3000 bis 4000 € waren gut gebrauchen können, als ich mit dem Studium begann. Ich habe das Geld tatsächlich sinnvoll investiert und mein Studium schnell und schuldenfrei abgeschlossen. Natürlich hatte ich mehr als diese 3000 bis 4000 €, nämlich noch Ersparnisse aus meiner Bundeswehrzeit (Entlassungsgeld alleine betrug schon 2000 €) und laufende Einkünfte in Form von Halbwaisenrente und Kindergeld.

Aber wie war das mit den klaren Verhältnissen? Als ich in meine erste Wohnung zog, musste ich eine Mietkaution hinterlegen. Damals gab es bei manchen Sparkassen ein richtiges Kautionssparbuch. Es sollte Sicherheit bieten, es schuf aber nur Bürokratie. Statt zweier Parteien (Mieter und Vermieter), hatte man eine dritte Partei im Boot: die Sparkasse. Was ich damals nicht wusste: Die Sparkassen sind zwar alle unter einem gemeinsamen Dach, es wird aber kaum miteinander kooperiert. Die einzige Kooperation besteht bei der Nutzung der Geldautomaten. In der Sparkasse Lüdenscheid kann man aber nicht auf ein Sparbuch der Sparkasse Stralsund einzahlen.

Als ich die Wohnung aufgab, bin ich in eine andere Stadt gezogen. Der Vermieter schickte mir das Sparbuch per Post zu, nur hatte ich keine Möglichkeit, an das Geld zu kommen. Ich war ja in einer anderen Stadt und ich reise nicht durch die halbe Republik zu Kosten von 100 €, um ein Sparbuch mit dem Wert von ca. 450 € aufzulösen. Die Sparkassen kooperieren nicht untereinander und auch nur ungern mit dem Kunden. Ich habe dann doch in der Hamburger Sparkasse eine Möglichkeit gefunden. Ich musste dort erst ein Sparbuch anlegen, dort einen Euro einzahlen und eine Übertragung des Sparbuchs der anderen Sparkasse beantragen. Ich musste aber wieder erneut zur Haspa, um dieses Sparbuch aufzulösen.

In Zeiten von Internet und Online-Banking erscheint dies alles wie Steinzeit. Man kann ja noch nicht einmal direkt vom Girokonto auf ein Sparbuch einzahlen. Man muss erst eine Barauszahlung vom Girokonto vornehmen und diese auf das Sparbuch einzahlen.

Diese Kompliziertheit bewog mich dazu, nie wieder ein Sparbuch anzulegen. Als ich vor elf Jahren das von meinem Vater angelegte Sparbuch auflöste, war mir das schon zu blöd, immerhin durfte ich in die Filiale watscheln. Der Sparkassenvertreter fragte, warum ich mir die Zinsen (weniger als drei Euro) wegen Nichteinhaltung der Kündigungsfrist oder Abhebemodalitäten (es gab Fristen für größere Geldentnahmen) entgehen lassen möchte und warum ich überhaupt das Konto auflösen möchte.  Dabei erwähnte ich doch schon, dass ich studieren gehen wollte und in eine andere Stadt zog. Als wenn das Aufbrauchen von Ersparnissen für ein Studium eine schlechte Idee wäre, immerhin ist es eine sehr rentierliche Investition. Und hätte ich die Kündigungsfrist ausgereizt, hätte ich vielleicht drei Euro mehr gehabt, aber ich hätte zusätzliche Aufwendungen gehabt in Form von Bahnfahrten (Hin und zurück schon ca. 2 bis 3 €). Meine Zeit hatte ich ja auch nicht gestohlen. Selbst wenn ich direkt neben der Sparkasse gewohnt hätte, wäre ich kein zweites Mal dorthin gegangen, nur wegen 2 bis 3 €.

Und die Zinsen waren ja schon vor über zehn Jahren lausig. Für Sparbücher spricht eigentlich gar nichts. Und was Mietkautionen angeht: Es ist Vermieterangelegenheit. Ich hatte auch schon einen Vermieter, der das Geld in Eigenregie auf eine Art Tagesgeldkonto der SEB packte, mir transparent die Zinseinkünfte (wegen der Steuer) meldete und als die Mietkaution zurückzuzahlen war, brauchte ich ihm nur meine Kontoverbindung mitzuteilen. Die Kaution lief bei mir ein und ich musste nicht einmal das Haus dafür verlassen. Das war für mich absolut stressfrei. 

Ich fasse nochmal zusammen, was gegen Sparbücher spricht:

  • kein Onlinebanking
  • kaum Kooperation der Sparkassen untereinander (bei Sparbüchern der Sparkassen)
  • komplizierte Auszahlmodalitäten und Kündigungsfristen
  • außerst schwache Rendite
Heute gibt es keinen Grund mehr für Sparbücher. Das Tagesgeldkonto hat das Sparbuch abgelöst, weil Tagesgeldkonten flexibler sind. Sowohl bei Sparbuch als auch bei Tagesgeldkonto sind die Zinsen eher mau, deswegen sollte man ein Tagesgeldkonto nur für eine Notreserve haben oder als Teil eines Sparplans für eine größere mittelfristige Anschaffung. Ich betreibe ja vornehmlich das Aktiensparen. Die Dividenden und Kurssteigerungen sind bedeutend lukrativer.


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