Sonntag, 4. Mai 2014

Ein gutes Leben führen

Im vorherigen Beitrag habe ich erwähnt, dass meine Sparquote bei über 50 % liegt. Ist denn ein solches Leben nicht langweilig? Ich finde nicht. Ich denke häufig darüber nach, weil häufig dem Vorwurf konfrontiert bin, dass das kein gutes Leben wäre. Man gilt dann oft als knickerig.

Zuallererst kosten viele Dinge, die Freude machen, wenig bis gar kein Geld. Ich muss nicht mein Geld in Diskotheken bringen, schließlich mag ich die dortige Musik ohnehin nicht. Ein wichtiger Punkt ist, dass es schon sehr befriedigend ist, dass man weiß, man könnte sich dieses oder jenes (z. B. iPhone, iPad, Auto) problemlos leisten. Es zu besitzen würde kaum noch einen zusätzlichen Kick geben und im Falle des Autos sogar ins Negative umschwenken, denn so ein Auto kostet Zeit und Nerven: Finde ich einen Parkplatz? Ein Auto muss alle zwei Jahre zum TÜV. Autos müssen regelmäßig repariert werden. Ist es nicht mal wieder Zeit für eine Autowäsche? - So ein Auto kostet damit nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Gerade in der Stadt ist die Parkplatzsituation miserabel. Ich sehe es hier in meiner Nachbarschaft. Die Parkplätze reichen gerade so aus, sobald aber irgendwo in der näheren Umgebung ein Loch gegraben wird, herrscht die pure Not an Parkplätzen. Meine damalige Nachbarin parkte 100 m Luftlinie entfernt, als es mal eine Baustelle in unserer Straße gab. Ein derzeitiger Nachbar ist häufig damit beschäftigt, sein Auto umzuparken. Er hat die Obsession, direkt vor der Haustür parken zu wollen, was natürlich nicht immer geht. Daher sehe ich ihn häufiger, wie er sein Auto 40 Meter umparkt. Ist es Ausdruck von Lebensqualität, wie ein Kiebitz am Fenster zu sitzen und zu beobachten, ob sich vor der eigenen Haustür eine Parklücke auftut? Ein Auto ist eine Verbindlichkeit. Das darf man nie vergessen.

Dadurch, dass das Geld durch sparsames Leben da ist, kann man dann auch in bessere Konsumgüter investieren. Kürzlich habe ich meine Stereoanlage (ca. 20 Jahre alt) getauscht, weil das CD-Laufwerk nicht mehr so wollte. Also kaufte ich eine für meine Verhältnisse nicht so billige Anlage (mit DAB+, Webradio, DLNS, USB). Nicht sehr teuer, aber auch nicht mehr billig (es gab viel günstigere Sachen am Markt), aber mit der Gewissheit, dass ich 20 Jahre lang daran Freude habe. Der Hörgenuss ist merklich höher als bei der alten Anlage. Meine alte Anlage war ein Billigmodell und ich bekomme heute kein Geld mehr dafür. Die neue Anlage wird in 20 Jahren noch einen gescheiten Restwert haben, alleine weil sie nicht aus billigen Plastik ist. Ich merke aber schon, dass sich durch diese Ausgabe mein Komfort merklich erhöht hat. Alleine die Bequemlichkeit, vom Sofa aus einen interessanten Podcast zu anzuwählen, ohne auf das Netbook angewiesen zu sein, ist schon was feines. Meine Musiksammlung findet sich auch nahezu komplett auf meinem PC (> 20 GB im FLAC-Format). Auch darauf habe ich Zugriff. Es macht einfach Spaß. Durch die Einfachheit, auch BBC 4 zu empfangen, kann ich meine Englischkenntnisse verbessern und somit ist es auch eine Investition.

Eine ähnliche Erfahrung machte ich bei meinen Fahrrad. Für meine Verhältnisse war es recht teuer: 1000 €. Vor vier Jahren war das noch mehr Geld für mich als es heute ist. Ich hatte bis dahin noch nie ein so teures Fahrrad besessen. Andere würden mich für verrückt erklären, 1000 € für ein Fahrrad auszugeben. Aber damit zu fahren, ist bis heute mit sehr großer Freude verbunden, weil es sich sehr gut fährt. Gerade im Sommer unternehme ich damit kleinere bis längere Touren und meine täglichen Fahrten erledige ich auch damit. Da das Fahrrad selten kaputt ist (Qualität!), habe ich wenig Ausfälle und damit weniger ÖPNV-Kosten und Reparaturkosten.

Gegenteiliges erlebte ich bei meinem Vater: Er kaufte grundsätzlich das billigste, was zur Auswahl stand, und verantwortete so viele Folgekosten. Wir hatten einen Rasentraktor, der ständig kaputt war und Jahr für Jahr 300 € für Reparaturen verschlang. Mein Fahrrad, welches er mir kaufte als ich elf war, fuhr sich gruselig und war nach wenigen Jahren nicht mehr wirklich nutzbar. Er zeigte mir auch nicht, wie man es richtig pflegt und repariert und wenn er daran etwas reparierte, war es schlimmer als vorher, weil er immer nur auf billig, billig, schnell, schnell aus war. Dann war da eines Tages eine 30 Jahre alte Fahrradlampe anmontiert (als Ersatz), die den optischen Eindruck des Fahrrad stark minderte. Wenn aber etwas schon schlecht aussieht, hat man wenig Lust, es zu pflegen. Peinlich: Die Lampe funktionierte nicht einmal. Er war Elektriker, was es umso peinlicher machte. Häufig brachen Drähte, weil er zu geizig war, 2 Mark für neuen Draht auszugeben. Ich bin sparsam, während mein Vater geizig war und keinen Sinn für Qualität und für Sinnhaftigkeit einer Ausgabe (egal ob Konsum oder Investition) hatte.

Während ich diese Erlebnisse aus meiner Kindheit und Jugend Revue passieren lasse und mit meinem Konsumverhalten vergleiche, denke ich, dass das der Schlüssel ist, wie man vermögend wird: Sparsam leben und wenn Konsum, dann möglichst klug anstellen. Es lohnt sich kaum, das wenige, was man hat sofort in das erstbeste Billigding zu stecken. Die Freude daran hält nicht lange an und wenn man sich die Qualität schon nicht leisten kann, sollte man versuchen, darauf hinzusparen. So mache ich es jedenfalls. Und kaufen nur, wenn man es wirklich dauerhaft braucht. Mein Vater muss wieder als Gegenbeispiel herhalten, denn eines Tages brachte er eine Entsaftermaschine mit (30 Mark), womit er Zwiebeln presste. Das Ding wurde genau dieses eine Mal verwendet. Das war wirklich schade um das Geld. Andere Leute hätten Zwiebeln einfach geschnitten und der Saft wäre von so rausgekommen. Ansonsten kommt man mit Leihgaben recht weit. Vielleicht mal im Bekanntenkreis fragen, ob ein bestimmtes Gerät vorhanden ist, anstatt gleich loszurennen und zu kaufen

Ich habe kein Auto, bin aber trotzdem innerhalb von 15 Minuten bei der Arbeit. Ich buche keine Pauschalreisen in die Karibik, habe aber trotzdem erholsamen Urlaub, manchmal sogar auf Sylt. Ich lese gute Bücher, bezahle aber häufig gar nichts oder die Hälfte, weil ich die Bibliothek und den Gebrauchtmarkt nutze. Ich höre Konzerte aus der ganzen Republik, ohne die Anreise und den Eintritt zu bezahlen, weil ich das Deutschlandradio gezielt einschalte.

Ich hoffe, gezeigt zu haben, dass die Lebensqualität gewiss nicht zusammen mit den Konsumausgaben steigt. Ein wichtiger Punkt von Lebensqualität ist für mich, dass ein kleines Vermögen im Rücken mir eine Selbstsicherheit gibt. Andere leben finanziell am Limit und machen sich große Sorgen, dass ihre Firma Insolvenz anmeldet, dass sie rausgeschmissen werden, und dass sie dann eine Rate für das Haus nicht mehr tilgen können. Sowas muss doch nervenbelastend sein, wenn ein fehlendes Puzzleteil das Kartenhaus in sich zusammenfallen lässt. Ich habe die Gewissheit, dass Dividenden fließen, dass mein Cashbestand für 9 Monate reicht und ich bei Veräußerung aller meiner Firmenanteile locker vier Jahre Auszeit vom Beruf nehmen und in Saus und Braus leben könnte. Das wirkt unheimlich beruhigend für mich und kein iPhone, kein BMW (auch wenn abbezahlt), kein anderes Luxusauto kann mir dies geben.

Kommentare:

  1. Klass Artikel!,

    genau wie der vorherige Artikel wieder sehr schön!
    Viele Menschen kennen nicht den Unterschied zwischen Geizig und Sparsam.
    Ich würde mich auch als sparsam einordnen, genau wie du gebe ich auch lieber ein wenig mehr aus für Qualität und Langfristigkeit... Wie heißt es doch so schön "Wer billig kauft, kauft zweimal", musste ich schon ein paar mal erleben ;)

    mit freundlichen Grüßen
    Philipp

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  2. Nabend,

    oh ja Qualität gilt für das Leben, Aktien, Konsum, .. :). Mein Fahrrad, auch nicht gerade günstig macht mir eine riesen Freude. Top Training, keine Kosten für ein Auto oder öffentliche Verkehrsmittel mit Ausnahme bei Eis und Schnee.
    Und die finanzielle Absicherung sich nicht seinen Kopf über den aktuellen Arbeitgeber zu zerbrechen unbezahlbar.

    Das Gesicht meiner Vorgesetzten als ich eher gelangweilt auf die Drohung reagierte ich könnte meinen Arbeitsplatz verlieren .. UNBEZAHLBAR :)

    Grüße Micha

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  3. Hallo Couponschneider,

    ich bin zum ersten Mal auf deinem Blog, aber bereits der erste Artikel hat mich überzeugt: genial! Du hast sowas von Recht...mir selbst geht es ähnlich wie dir - ich verdiene extrem gut und für mein Alter (30) vermutlich auch extrem viel, aber ich spare fast 60% in Dividendenaktien, Cash, Edelmetalle. Mein Chashbestand reicht momentan für 8 Jahre und ich fahre einen Skoda und wohne in eienr Mietwohnung. Alles, was ich als Luxus brauche ist ein gutes Steak und vermutlichverhätlnismössig teurer Wein, aber das ist ALLES, was ich mir leiste. Umgebe dich mit Luxus war schon eine der Lessons, die in meinem Lieblingsbuch "Coach dich selbst, sonst coacht dich keiner" eine wichtige Lektion war. I feel with you, and I will follow your blog. All the best, Tattoo-weg.

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  4. fast schon ein philosophischer Blogeintrag. Gefällt mir sehr gut.
    Gerade der Punkt auf Qualität zu achten ist auch mir wichtig, denn kaufst du billig, kaufst du 2 mal.
    Ich spare auch sehr viel (ca 60%) meiner Einnahmen. Auf die hohe Quote komme ich wohl auch deshalb, weil der Passive Cashflow ein gutes Stück zu den Gesamteinnahmen beiträgt. Da ich aber das Geld immer reinvestiere, wächst und gedeiht mein Aktienportfolio.
    Mir macht das Spass, und empfinde das Sparen nicht als Last oder Entbehrung. Wenn es mal läuft mit dem Geld wandelt sich die ganze Einstellung dazu. Mit einem solchen finanziellen Sicherheitspolster lässt sich dann auch viel gelassener im Job agieren.

    Mir gefallen jedenfalls viele deiner Blogeinträge.
    Grüsse Thomas

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  5. Du hast absolut Recht mit Deinem Beitrag, und Du bist nicht der einzige, der so lebt und denkt. Werde weiter in Deinem interessanten Blog lesen.
    Viele Grüße
    Petra

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  6. Ich schließe mich an die Kommentare.. Sehr schöner Artikel. Ich denke genauso bei dem Themen Auto und selbstgeführte Reparaturen bei den Haushaltsgeräte. Sparsamkeit ist für mich eine Tugend..

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  7. Ein sehr guter Artikel,
    ich bin auch sparsam...aber jeder setzt andere Prioritäten. Für mich ist es auch ein gutes Stück Lebensqualität, ein schönes modernes Auto zu fahren...
    Dafür kann ich dann wie Du, auf andere Dinge verzichten.
    PS.: Die Atmosphäre auf einem Konzert ist nicht mit der Übertragung auf Deutschlandradio zu vergleichen.... Wie gesagt, jeder setzt für sich Akzente! ;-)

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    1. Ins Konzert gehe ich nicht so häufig, aber halt häufig ins Theater. Ich kann nicht ständig unterwegs sein. :-) Ich mache auch schon dreimal in der Woche (immer abends) Sport und an Wochenende kommt auch noch was dazu. Kommendes Wochenende und das Wochenende drauf nehme ich an Basketballtunieren teil.

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