Samstag, 21. Juni 2014

Konsumidioten (Teil I)

Gerald Hörhan hat drei sehr unterhaltsame und lehrreiche Bücher geschrieben und ein Begriff hat sich bei mir fest eingebrannt: Konsumidiot. Ich hatte schon immer Probleme mit dieser Spezies, aber man kann von ihr lernen: So, wie man mit Geld nicht umgehen sollte. Und unterhaltsam kann es auch sein, wenn man sich vergegenwärtigt, wie blöd Menschen sein können.

Ich denke, jeder hat Konsumidioten in seiner näheren Umgebung. Ich habe zwei Kollegen und über einen möchte ich berichten. Nennen wir ihn doch Justin.

Justin hat Medieninformatik an einer Fachhochschule studiert. Während des Studiums lebte er nicht in der Stadt, wo er studierte, sondern im Elternhaus, 40 km entfernt. Justin musste natürlich täglich pendeln, und als das Auto kaputt war und weil Justin sich für so klug hielt, kaufte er keinen billigen Gebrauchten, sondern er leaste einen teuren Gebrauchten für 19000 €, der sein Budget sprengte. Der BMW ist bis heute nicht abbezahlt.

Justin merkt gar nicht, dass sein Konsumverhalten sein Leben stark determiniert. Nicht nur finanziell, weil er nichts ansparen kann, sondern Schulden tilgen muss. Auch zeitlich. Die ständige Pendelei kostet Zeit. Er sucht auch ständig Parkplätze (kostet Zeit) und meckert noch tagelang danach herum (Meckern kostet auch Zeit und Nerven), wie schlecht die Parkplatzsituation doch sei. Abgeschleppt wegen falschen Parkens wurde sein Auto auch schon... Es mangelt ihm an der Einsicht, dass er schuld sei an seiner Situation und nicht die Stadt, nicht die anderen Anwohner und schon gar nicht die Fachhochschule.

Um das Studium zu finanzieren, bekam er Bafög. Das reichte ihm aber nicht, also nahm er noch einen privaten Bildungskredit auf. Eine "Bildungsreise" nach Australien "musste" er auch finanzieren. Er wollte dort Englisch lernen. Das hätte er auch in GB haben können, wäre viel billiger und sinnvoller gewesen. Oder aber er hätte einfach mal in die Bücher schauen können. Das ersetzt nicht die praktische Anwendung der Fremdsprache, sprengt aber wenigstens nicht das Budget. Ich habe während des Studiums regelmäßig Vokabeln gepaukt, englische Zeitungsartikel gelesen und auch leichte englische Literatur. Fachliteratur ist auch auf Englisch und die trainieren die Englischkenntnisse nebenbei.

Seine Situation heute: Er arbeitet in jener Stadt, wo er studiert hat, d.h. er pendelt immer noch täglich 2 x 40 km. Bafög-Kredit... nicht getilgt. Privater Bildungskredit... nicht getilgt. Auto... noch nicht abbezahlt. Er lebt auch sonst auf großem Fuß (er ist Mitglied im Fitnessstudio), deshalb hatte er nach anderthalb Jahren im Beruf gerade mal 10000 € Cash. Und was machte er damit? Schulden tilgen? Nein, er kaufte er sich ein Motorrad.


Ich weiß, es macht keinen guten Eindruck, wenn ich hier lästere. Ich bin anonym, ich lasse aber auch ihm seine Anonymität. Ich kenne ein schönes Sprichwort: "Niemand ist nutzlos, man kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen." Und in diesem Sinne sollte man diesen Beitrag lesen. Wiederholt nicht Justins Fehler. Wenn er bis Mitte 30 sein Verhalten nicht ändert, sehe ich wirklich schwarz für ihn.

Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich lese auch den Blog von Tim Schäfer und habe eben dort auch deinen Kommentar gelesen. Deinen Blog kannte ich aber schon vorher ...

    Sparsamkeit etc. ...Leben wir (Aktionäre) nicht auch in einer gewissen weise von diesen "Konsumidioten"? Ich denke schon! Ohne Konsumenten würde es wohl nicht funktionieren und die von dir genannte Spezies, ist dann wohl die höchste Evolutionsstufe :-)

    Ich bin der Meinung, dass man immer ein gesundes Mittelmaß finden sollte. Sparen und aber sich auch mal was gönnen.

    Ein regelmässiger Leser :-)

    Gruss Thomas

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  2. Schöner Beitrag! Aber wie mein Vorredner schon sagte, brauchen wir auch diese ""Konsumidioten". Vor vielen Jahren war ich selbst einer. Habe aber erkannt, dass irgendetwas falsch läuft und einen anderen Weg eingeschlagen. Ich kenne auch einige solcher Beispiele wie Deinen Kollegen. Deshalb versuche ich aber nicht, sie auf Teufel komm raus zu missionieren. Nur wenn sie auf dezente Hinweise positiv reagieren oder mich um weiteren Rat fragen, was schon vorgekommen ist, gebe ich weitere Hinweise.

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  3. Hach, da spürt man schon wieder dieses feiste Kribbeln.... to tell you: I LOVE JUSTIN!

    Abgesehen vom Fitnessstudio unterstützt dieser Mensch viele meiner Investments - BMW / Shell / et. al. Ich hoffe doch stark, dass er beim Motorrad auch auf BMW gesetzt hat.... ^.^

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    1. Nein, er hat eine Kawasaki. Giftgrün! Bei der Farbwahl hat er auch schlechte Chancen, wenn das Ding wieder loswerden will. Justin - "geschmackssicher" in die Privatinsolvenz. :-)

      Ich habe diese Lästerreihe auch begonnen, weil gut zureden einfach nichts mehr bringt.

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  4. Hi CS,
    was ich nicht verstehe ist, warum du dir soviele Gedanken um andere machst?
    Lass den Justin und wie sie alle bei dir heißen leben wie sie wollen. Warum willst du sie bekehren? Das macht nur Sinn, wenn Sie so leben wollen wie du und auf dich zukommen und dich bitten ihnen zu helfen. Ich bezweifle, dass sie das gemacht haben.
    Außerdem lebst du mit deinen Aktien und Dividenden von dem Konsum dieser Menschen.
    Offensichtlich fahren viele in deinem Umfeld einen BMW. Warum ist das für dich so ein großes Problem. Geh doch auf Justin zu und animiere und motiviere ihn lieber. Warum hat er sich denn "nur" den 3er gekauft? Ein X3 passt viel besser zu ihm. Und so ganz ohne Glasschiebedach und HighEnd Soundanlage ist er doch völlig uncool! Solche Leute brauchen deine und unsere Unterstützung im ihrem Leben.
    Gruß
    Alex

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  5. Hast du du die beiden mal drauf angesprochen? Wär glaub ich doch das sinnvollste. Nicht missionieren, sondern einfach ansprechen. Manchmal kommt man halt nicht aus seiner Haut und man braucht einen kleinen Schubs. Mlcht die beiden aber nicht verteidigen!

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