Sonntag, 22. Juni 2014

Konsumidioten (Teil II)

In meinem ersten Beitrag beschrieb ich das Konsumverhalten eines Kollegen und erwähnte beiläufig, da wären noch andere. Bei meinem ersten Beitrag wusste ich, ich mache eine ganze Serie daraus. Heute berichte ich vom dicken Dirk - so nenne ich ihn.

Der dicke Dirk ist nicht nur dick, sondern macht auch auf dicke Hose. Ihm fehlt nicht nur jegliches Empfinden für Ästhetik, was man an Kleidung (Hugo Boss), an Auto (BMW) und an seiner Arbeit sieht, sondern auch an seinem Konsumverhalten.

Alles begann mit einer Aussage, dass er sich nicht vorstellen könne, jemals ein Haus zu besitzen, dabei bekommt der dicke Dirk mehr Gehalt als ich und es war noch zu einer Zeit, als er noch keinen Sohn hatte. Diese Aussage hat sich bei mir eingebrannt.

Seine Konsumsünden sind schnell erzählt. Da wäre der BMW. Er wohnt noch dichter an der Arbeitsstelle als ich, fährt aber mit dem Auto und legt dafür auch noch über 24000 € auf den Tisch. Wahrscheinlich geleast, ich weiß es nicht. Da ich seit fünf Jahren mit ihm zusammenarbeite, sehe ich ungefähr, was er sich so alles bestellt, da er sich viele Pakete in die Firma liefern lässt. In jener Zeit kamen zwei Smartphones (im Abstand von 18 Monaten), zwei  Kameras, zwei Laptops (den zweite nur deshalb, weil er SSD haben wollte), also lauter Zeug, das locker länger gebraucht werden könnte. Zum Vergleich: Ich habe 2008 eine Digitalkamera für 88 € gekauft und die benutze ich heute noch, weil ich nicht mehr brauche. Mein stationärer PC hat auch schon 5,5 Jahre auf dem Buckel, mein Netbook 4,5 Jahre, mein Fernseher sogar 20 Jahre. Meine HiFi-Anlage habe ich auch erst nach 20 Jahren gewechselt, als das CD-Laufwerk nicht mehr wollte.

Einen Crosstrainer hat der dicke Dirk auch, was ihm über 600 € gekostet hat. Warum geht er nicht raus zum Joggen? Kostet nichts, außer einem Paar Laufschuhen und ein bisschen Trainingskleidung, die er durchschwitzen darf. Oder warum geht er nicht in einen Sportverein, das macht wenigstens noch Spaß im Vergleich zu solchen Gerätschaften, weil man dort mit anderen Leuten zu tun hat. Und natürlich fliegt er auch regelmäßig in den Urlaub

Dem dicken Dirk diagnostiziere ich demonstrativen Konsum. Diese Lamoryanz, dass er sich kein Haus leisten könne, hat ja auch einen wahren Kern, angesichts dieses Konsumismus, aber selbstkritisches Denken ist ihm fremd. Er sieht das Problem nicht in seinem Konsumverhalten, sondern in seinem Gehalt.

Aber dennoch stürzt er sich in das Abenteuer Hauskauf. Wahrscheinlich, weil das viele in seinem Alter machen. Und dann auch noch ein Reihenhaus, was gut zu der Kleidung von Hugo Boss passt. Der dicke Dirk wird die nächsten 20 Jahren den Gürtel enger schnallen müssen, um einen Kredit abzustottern für ein Haus, das an Lage und Ästhetik kaum zu unterbieten sein wird. Mit Baujahr 2014 wird das eine schöne Schimmelbude.

Seinem Sohn wird er alle Chancen verbauen, weil er sich stark verschuldet. Er wird seinem Sohn nicht viel bieten können, Bildungsangebote werden nicht finanziert werden können. Der dicke Dirk wirft mir auch gerne vor, dass ich Aktien hätte. Dividenden seien unmoralisch, er selbst sagt aber nicht nein zu den Zinsen auf dem Tagesgeldkonto.

Obwohl er intelligenter und klüger als Justin ist, scheitert der dicke Dirk an seiner Selbstgefälligkeit und an der mangelnden Selbstreflektion.

Kommentare:

  1. Haben ist besser als brauchen. Meinen viele. Danke für den schönen Artikel. Versuche nicht solche Typen zu missionieren. Bringt nix. Stell Dir auch mal vor alle würden brav sparen. Das wäre nicht gut für die Volkswirtschaft und für Dein persönliches Vorankommen. Am besten hast Du beide Vergnügen: Lege was zur Seite und hau was auf den Kopf...

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  2. Kann es sein, daß der Blick auf den dicken Dirk dich unglücklich macht, weil er sich für einen Lebensstil entschieden hat, der total konträr zu deinem ist, und er bisher vom Leben noch nicht bestraft wurde?
    Irgendwie habe ich auch den Eindruck, du versuchst dich damit zu trösten, daß das Leben den dicken Dirk in Zukunft für seinen Lebenstil bestrafen wird, was möglicherweise gar nicht eintritt.

    Ich glaube die Leute die anderen Leuten mangelnde Selbstreflektion unterstellen, sind fast immer unglücklicher als die Leute denen die mangeldende Selbstreflektion unterstellt wird.

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    1. Nein, das macht mich nicht unglücklich. Warum auch? Ich mache mir nur Sorgen um die Leute, weil sie sorglos mit ihren Finanzen umgehen. Gerade die Deutschen. Da haben wir so tolle Weltfirmen wie BASF, BMW und Daimler und viele sind stolz, dort zu arbeiten, aber beim Halten der Aktien dieser tollen Unternehmen, sind die Deutschen viel zu zurückhaltend. Sie könnten stärker von der deutschen Wirtschaftskraft, nur stehen sie sich selbst im Weg, weil sie es einfach nicht kapieren wollen.

      Dafür schreibe ich. Gute Ratschläge tragen aber nicht immer Früchte. Manchmal muss man bestimmte Leute zum Gespött machen, wenn man etwas erreichen will. Das politische Kabarett lebt doch auch von nichts anderem.

      Ob man glücklich ist oder unglücklich, hängt von vielen Ursachen ab. Glücklich bin ich beileibe nicht, aber das hat doch nichts mit dem Sparen zu tun und ich würde nicht glücklich, wenn ich jetzt mein ganzes Geld verkloppen würde.

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