Donnerstag, 31. Juli 2014

Der Antisemitismus der Linksextremisten wundert mich nicht.

Ich habe kürzlich einen sehr lesenswerten Kommentar von  Henryk Broder entdeckt. Er echauffiert sich über das Herunterspielen der antisemitischen Entwicklungen. Ganz besonders schlimm finde ich, dass Diether Dehm (SED) behauptet, Antisemitismus fange erst mit dem Massenmord an, was ja impliziert, dass man ein "Pogrömchen" mit 100 toten Juden nicht mehr als antisemitischen Gewaltexzess bezeichnen dürfe.

Ich kann mir nicht vorstellen, ob es Leute wie Dehm nicht besser wüssten. Die wollen einfach ihre antisemitischen Befindlichkeiten pflegen und ausleben, ohne mit dem Etikett Antisemit durch die Lande zu ziehen. Wie sonst ist es denn zu erklären, dass Leute wie Dehm sofort von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sprechen, wenn man bei Migranten beispielsweise Kenntnisse der deutschen Sprache voraussetzen möchte? Da ist die Schwelle doch zu ziemlich gering.

Türken und Araber müssen ja solche Mimosen sein, wenn sie die vorrausgesetzte Beherrschung der deutschen Sprache als Affront auffassen. (Ich erinnere mich, dass ich als sechsjähriger "Bio-Deutscher" zum Logopäden musste, weil ich bestimmte Konsonanten schlecht aussprach. Ich weine doch auch nicht herum, ich wäre diskriminiert worden.) Jedenfalls wird ihnen das von SEDlern und anderen Genossen unterstellt. Ein Jude aber solle sich nicht so haben, wenn man ihn auf offener Straße anspuckt, ihm die Kippa vom Kopf reißt, seine Synagoge beschmiert oder seine Kinder erschießt.

In den Diskussionsforen gibt es ja auch immer diese Neunmalklugen, die behaupten, die Palästinenser können keine Antisemiten sein, schließlich wären sie selbst Semiten. So schafft man den Antisemitismus mittels Korinthenkackerei aus der Welt, denn nach der Definition gäbe es keinen Antisemitismus. Außerdem zeugt es von geringer Bildung, den Begriff derartig zu sezieren. Der Begriff ist als feindliche Einstellung gegenüber Juden entstanden und sollte man ihn auch benutzen. Alles andere ist ahistorisch.

Der Antisemitismus und die Geschichtsvergessenheit der Linksextremisten wie Dieter Dehm verwundern mich nicht. Es ist ja nicht nur Geschichtsvergessenheit, sondern auch Geschichtsklitterung, was die Linksextremen auszeichnet. Schon die SED-Propaganda war diesbezüglich sehr erfolgreich. Offiziell war die DDR antifaschistisch, natürlich hat man die Schulkinder schon in der ersten Klasse mit Ernst Thälmann gequält, aber gelernt haben die Kinder nur eines: Es ist ausreichend, mit dem Strom zu schwimmen und eine antifaschistische Fassade aufrecht zu erhalten. Hinter der Fassade kann man alles sein: Ausländerfeindlich, judenfeindlich, rassistisch. Schwarze wurden munter als "Neger" und "Kohlen" bezeichnet, Asiaten als "Fidschis". Wer ein bisschen Trödel betrieb, "judete". Die SED hat dies alles geduldet und forciert. Vietnamesen wurden separiert und Juden schikaniert. Ich weiß das, weil ich in der DDR geboren wurde und noch einige Jährchen bewusst miterlebte. Und natürlich kenne ich die Einstellungen vieler Leute, die zur Gänze in der DDR sozialisiert wurden.

Es gibt von Regine Hildebrandt den Satz, die "Wessis" benötigen ein zusätzliches Jahr bis zum Abitur für Schauspielunterricht. Den gab es in der DDR aber auch: Die Kinder wussten schon früh, wie wichtig es sei, eine regierungstreue Fassade zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

Eine wirkliche Abneigung aus tiefster Überzeugung gegen die Unmenschlichkeit der nationalsozialistischen Ideologie hat der offizielle Antifaschismus der DDR nicht hervorgebracht. Nicht Juden galten als die Hauptopfer der Nazis, sondern Kommunisten. (Das halte ich für Geschichtsklitterung.) Selbst bei den historischen Fakten, waren viele DDR-Bürger selbst mit Abitur recht unsicher unterwegs. Da galt dann schon mal Bismarck als der unmittelbare Vorgänger von Hitler.

Ich habe zwar nur zwei Jahre in der DDR-Grundschule verbracht, aber daran erinnere ich mich sehr genau. Und an die hohlen Phrasen gegen Faschismus, für Frieden und Völkerverständigung erinnere mich noch sehr genau. Und daran muss ich immer denken, wenn mal wieder ein Gedenktag stattfindet und ich das mit dem konkreten Handeln der Politiker vergleiche. Wir haben schon eine perverse Erinnerungskultur. Es wird nicht nur an Jahrestagen (wie Befreiung von Ausschwitz) gedacht, sondern Gedenktage der zweiten Generation gibt es auch. Vor wenigen Jahren feierte man "5 Jahre Holocaustmahnmal". Es wird vielen toten Juden gedacht, aber die lebenden Juden dürfen sich nicht verteidigen. Der Verdacht liegt nahe, dass den Deutschen die toten Juden wichtiger sind als die lebenden.

Ich war vor wenigen Jahren noch der Auffassung, Israelkritik ohne Antisemitismus gibt es. Mittlweile bin ich der Auffassung: Fast jeder Israelkritiker hegt in Wahrheit antisemitische Motive.

Kommentare:

  1. Sie dürfen nicht vergessen, dass seit ca. 1880 eine jüdische Einwanderung nach Palästina gegen den Willen der dortigen Bevölkerung stattfand. Der Staat Israel hat zwar ein Existenzrecht, aber nur im Rahmen der Gebiete, die vor der ersten jüdischen Einwanderung im späten 19. Jahrhundert mehrheitlich von Juden besiedelt waren.
    Andernfalls würde man die Vertreibung der dort damals ansässigen Bevölkerung legalisieren.

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  2. Nein, spätestens seit den Pogromen gegen Juden (wie sie in allen arabischen Staaten stattfanden) haben die Juden das Recht, auf mehrheitlich arabischen Boden zu siedeln und ihren Staat zu haben. Die gewonnen Verteidigungskriege gegen Araber machen das Existenzrecht des Staates Israel endgültig.

    Israel ist eine Zufluchtsstätte für viele Juden aus allen arabischen Ländern. Warum sind die vielen arabischen Staaten nicht willens, die Palästinenser aufzunehmen und mit Bürgerrechten auszustatten? Immerhin haben die doch schon davon "profitiert", dass sie die Juden loswurden. Dann hätten sie ja Palästinenser in die verlassenen Wohnungen stecken können.

    Stattdessen müssen sich Palästinenser als Rechtlose (als "Bidun") durchschlagen. Die dürfen keine öffentlichen Schulen besuchen, im Krankenhaus werden sie abgewiesen, sie dürfen keinen Führerschein erwerben. Das soll nun arabische Solidarität sein? Das, was sich auf Straßen artikuliert, ist keine Solidarität mit Palästina. Die Politiker der arabischen Staaten ist auch keine Politik für Palästinenser. Es ist Ausdruck von Hass gegen Juden und gegen den Umstand, dass es Palästinensern in Israel (arabischen Israelis) nirgends besser geht. Es wäre ja auch schizophren, wenn sich beispielsweise Saudi-Arabien für Israel entsetzte, wenn sie doch wissen, dass die Moslems in Israel Rechte und Freiheiten haben, die Saudi-Arabien den eigenen Leuten vorenthält. Saudi-Arabien sieht es daher lieber, wenn es den Palästinensern schlecht geht, ob nun in einem jordanischen Lager, ob im Gaza-Streifen oder der Knute der Hamas oder als Opfer der korrupten Fatah im Westjordanland. Der Palästinenser muss leiden, weil es die arabischen Regime so wollen, weil sie so von Problemen im eigenen Lande ablenken können.

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