Samstag, 12. Juli 2014

Stetige Arbeit lohnt sich - Fallbeispiel deutsche Nationalmannschaft

Viele junge Menschen schlagen den Ratschlag in den Wind, dass sich stetiges Lernen, Üben und Trainieren der Fähigkeiten lohnt. Im Zeitalter der Castingshows ist es schwer vermittelbar, dass Erfolg, Vermögen und Berühmtheit in der Regel auf harte Arbeit zurückzuführen ist. Dass sich aber harte Arbeit lohnt, zeigt die Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft.

Ich bin 1994 zum Fußball gekommen; da begann ich mich ernsthaft dafür zu interessieren. Damals gab es eine WM in den USA und wurde ich infiziert. Die deutsche Nationalmannschaft ging als Titelverteidiger und haushoher Favorit in das Turnier. Das Spielermaterial war nach wie vor exzellent; man scheiterte aber an der eigenen Überheblichkeit und fehlender mannschaftlicher Geschlossenheit. Bei der EM 1996 war man schlechter aufgestellt, aber dafür war man ein Team und gewann das Turnier. Danach ging es aber deutlich bergab.

Ich kann mich erinnern, dass Berti Vogts schon Mitte der 1990er bemängelte, dass die Nachwuchsarbeit der deutschen Vereine zu schlecht sei und dass da wenig gute Spieler nachwachsen. Er hatte nicht ganz unrecht und ein Blick auf die Kader der verschiedenen Turniere demonstriert dies eindrucksvoll. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und die Daten aufbereitet. Zuerst ein kleines Diagramm, das die Entwicklung von Durchschnittsalter und Alter des jüngsten Spielers zeigt.

Wie man sieht, war das Durchschnittsalter bei der WM 1998 mit über 30 Jahren das höchste. Bemerkenswert finde ich auch, dass zwischen 1994 und 1998 das Alter des jüngsten Spielers gar nicht so weit niedriger als das Durchschnittsalter der Nationalmannschaft ab der WM 2010.

Die zugrundeliegenden Daten habe ich aus der Wikipedia. Hier ist die tabellarische Aufbereitung:

In der Tabelle sieht man es viel besser: Bei der EM 2012 war das Durchschnittsalter 25, bei der WM 1994 war Kahn mit 25 der jüngste Spieler. Bemerkenswert ist auch, dass ein Torwart der jüngste Spieler war.

Die Gründe sind vielfältig. Eigentlich hätten schon bei der WM 1994 die Jahrgänge 1970 bis 1975 zeigen sollen, was sie so können. Aber sie waren nicht stark genug. Berühmtere Spieler aus jenen fünf Jahren sind Mehmet Scholl, Dietmar Hamann, Markus Babbel, Christian Ziege und Bernd Schneider. Zu ihren besten Zeiten waren sie wertvolle Stützen der Nationalmannschaft, aber die grandiosen Spieler waren sie nie, auch wenn sie teilweise in England spielten oder die Champions League gewannen.

Die zweite Hälfte der 70er brachte Spieler wie Frings, Ballack und Klose hervor. Das war schon etwas höheres Niveau, aber auch die drei waren Spätzünder. Die Entdeckung Kloses war sogar glücklicher Zufall.

Das gute Abschneiden bei der WM 2002 kann man unter Glück verbuchen. Deutschland hatte keine schweren Gegner bis zum Finale. Die schlechten Vorstellungen bei den Turnieren von 1998 bis 2004 war die Konsequenz dafür, dass die deutschen Vereine die Jugendarbeit haben missen lassen.

Um das Jahr 2000 fingen die ersten Vereine an, die Jugend gezielt zu fördern und besondere Talente in Internaten unterzubringen. Meines Wissens ist es mittlerweile sogar schon verpflichtend für einen Erstligaverein, Nachwuchsarbeit mit allem drum und dran zu leisten. Die Früchte dieser Arbeit werden schon seit Jahren geerntet. Ein Titel sprang noch nicht heraus, aber dafür gute bis sehr gute Vorstellungen bei EMs und WMs. Und beim jetzigen Turnier zeigt die deutschen Nationalmannschaft wieder den besten Fußball. Sie schießt die meisten Tore, ist taktisch am besten geschult, die Physis ist gut, technisch ist es solide bis sehr gut. Niemand nimmt mehr das Wort Rumpelfußball in den Mund. Für mich hat die deutsche Nationalmannschaft die höchste Qualität aller Nationalmannschaften. Wenn sich da einer verletzt, wird er adequat ersetzt. Gomez, Reus und Gündogan werden kaum vermisst.

Die Quintessenz dieses Artikels ist, dass sich stetige Arbeit auszahlt. Die Investitionen haben sich bei der Jugendarbeit kaum innerhalb der ersten vier Jahre bezahlt gemacht, aber innerhalb von zehn Jahren schon. Das ist zufällig auch die Mindestzeitspanne um Aktien zu halten. Profitiert von der Nachwuchsarbeit hat der gesamte deutsche Fußball mit seinen Vereinen. Nicht nur die Nationalmannschaft ist besser, sondern die Vereine sind es auch. Sie sind auch wirtschaftlich gesund, weil die Jugendabteilungen einen Millionenspieler nach dem anderen ausspucken. Das, was der deutsche Fußball in den letzten 15 Jahren durchgemacht hat, sollte man auf die eigene Person ummünzen. Investieren Sie stetig in Aktien und Bildung, verbessern Sie Ihre Fähigkeiten. Weniger Party und Konsum, dafür mehr Arbeit und Investition. Geht dann nicht der Spaß am Leben verloren? Nein! Fragen Sie mal Jugendliche, die gerade vom Fußballtraining kommen, ob es denn Spaß gemacht habe. In der Regel antworten sie ja, denn es macht auch Spaß, genauso wie man als Informatiker Spaß daran hat, eine neue Programmiersprache auszuprobieren, also seine Fähigkeiten zu erweitern.

Und ich freue mich auch schon auf das morgige Finale. Es macht einfach Spaß, diesen Jungs beim Fußballspielen zuzusehen. Und dass mit Toni Kroos ein Spieler aus meiner Heimat drauf und dran ist, bester Spieler des Turniers zu werden, freut mich ganz besonders. Und ebenso freue ich mich für Miroslav Klose, den alten Mann im Team. Warum? Er hat allen bewiesen, dass harte Arbeit sich lohnt, selbst wenn man nicht der Talentierteste ist und dass es nie zu spät ist. Unter jedem Radar der Jugendscouts ist er durchgeschlüpft. Er hat nie ein Spiel für die U-Nationalmannschaften gemacht. Und dennoch hat er es allen gezeigt. Er wollte unbedingt einen Salto können und er trainierte ihn, bis er diesen konnte. In den Anfangsjahren hatte er vor allem ein gutes Kopfballspiel. Dass er noch mehr kann, hat er auch allen gezeigt, durch stetiges Training und er macht Tore mit links wie mit rechts. Und durch pflegliche Behandlung seines Körpers zeigt er allen, dass er mit 36 Jahren immer noch mithalten kann. Ich erinnere mich an eine Szene, als er beim algerischen Konter im eigenen Strafraum aushalf, dabei hatte er als Sturmspitze den weitesten Weg zurückzulegen. Super.

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