Samstag, 23. August 2014

Die Sache mit den Semiten

Bei jeder Diskussion über den Konflikt zwischen Israel und Palästina gibt es die Antisemitismusvorwürfe und dann wird eine Ethnie populär, an die sonst niemand denkt: die Semiten.

Ich erinnere mich an die Karsli-Debatte im Jahre 2002. Jamal Karsli war Grüner, syrischstämmiger Moslem, der von Jürgen W. Möllemann in die FDP-Fraktion gelotst wurde. Karsli hatte ausgerechnet den Konflikt im Nahen Osten zum politischen Steckenpferd. Man bezeichnete ihn als Antisemiten. Er konterte, er könne kein Antisemit sein, denn er sei als Syrer selber Semit.

Erstmals hörte ich dieses Argument. Ich stolperte immer wieder drüber. Es klingt ja so logisch, aber es ist falsch. Denn: Antisemitismus ist Feindschaft gegenüber Juden und nicht gegen Semiten. So ist der Begriff geboren und so muss er verwendet werden. So wie ein Zitronenfalter keine Zitronen faltet, so ist der Antisemit nicht zwangsläufig gegen fast alle Volksgruppen im Nahen Osten, also Hebräer, Aramäer und Araber, kurzum gegen Semiten.

Nichts ist blöd genug, um nicht von Ken Jebsen übernommen zu werden. Auch er nimmt den Begriff wörtlich. Ken Jebsen mag nicht nur keine Juden, er kackt auch noch Korinthen. Sehen Sie selbst:


Was kommt als nächstes? Angenommen jemand ist feindselig gegenüber Schwarzen. Er sieht sich dem Vorwurf konfrontiert, Rassist zu sein. Darf er dann sagen, Menschenrassen gäbe es ja gar nicht, auch keine schwarze bzw. afrikanische Rasse, ergo könne er kein Rassist sein?

Ich halte die Umdeutung des Begriffes Antisemitismus in Feindschaft gegenüber Semiten für eine antisemitische Taktik (antisemitisch im eigentlichen Sinne und nicht im wortwörtlichen). Demnach halte ich Ken Jebsen für einen Antisemiten.

Kommentare:

  1. "Man kann jedem nachweisen, er sei Nazisympathisant"
    http://www.zeit.de/2012/10/Martenstein

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  2. Von Israel in den heutigen Grenzen halte ich nichts. Israel sollte sich auf die Gebiete beschränken, die vor der ersten jüdischen Einwanderung vor 1880 mehrheitlich von Juden besiedelt waren und sich aus den restlichen Regionen zurückziehen.

    Hochachtung habe ich dagegen für sehr viele Juden. Etwa für die, die ihre Söhne nicht beschneiden lassen trotz Gegenwind seitens der eigenen Familie. Für die Juden, die nicht nach Israel/Palästina eingewandert sind, sondern in ihren Herkunftsländern geblieben sind. Es leben immerhin mehr Juden in den USA als in Israel. Und eben auch für die Israelis, die die Okkupationspolitik ihrer Regierung kritisieren. Heute kann man z. B. lesen, dass sich Soldaten von Eliteeinheiten weigern, Palästinenser auszuspionieren. Und sehr viel halte ich auch von den Juden, die etwa im 1. Weltkrieg für Deutschland, Frankreich etc. oft tapfer gekämpft haben, obwohl sie in diesen Ländern diskrimminiert wurden.

    Im Grunde genommen ist der Begriff Antisemitismus in der Tat unklug, da er sprachlich impliziert, dass nur Juden Semiten seien. Schlechtdenkende können das so interpretieren, dass sich Juden anmassen, nur sie seien Semiten und die Araber eben nicht. Da nützt es auch nicht, dass sich dieser Begriff im 19. Jahrhundert so eingebürgert hat. Das 19. Jahrhundert hat so oder so viel Blödsinn hervorgebracht in kultureller Hinsicht (nicht unbedingt so sehr in technischer und wissenschaftlicher Hinsicht).

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  3. Tja, der Herr Anonym möchte wieder den gedrückten, selbsthassenden, sich anpassenden Ghettojuden wie 1914. Es passt ihm nicht, dass der Jud' von heute halt kein Anonym sein oder massakriert werden will wie früher.

    Am Yissroejl Chai!

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  4. Video ist dreimal geschnitten, so dass überhaupt nicht klar ist, was weggefallen ist - ob es so anfängt oder ob es so aufhört und somit hat es keinerlei Aussagekraft. Wer also daraus irgendwelche Schlussfolgerungen ziehen möchte,kann dies auf seriöse Weise nicht tun!

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