Samstag, 23. August 2014

Warum sich die Schnäppchenjagd kaum lohnt.

Ich kenne tatsächlich Menschen, die ganz genau die Prospekte von Aldi, Lidl und Co. studieren. Ich kannte Menschen, die sich die Mittwochsausgabe einer Zeitung kauften, weil Aldi dann die Anzeige mit den Angeboten schaltete. Meines Erachtens ist dies ein typisches Verhalten von Menschen, die nicht viel Vermögen aufgebaut haben und wahrscheinlich auch es zu nichts mehr bringen werden. Warum?

1. Wie bereits in meinem letzten Beitrag über das Buch "Schnelles Denken, Langsames Denken", kann man Menschen u.a. durch Priming manipulieren. Diese Sonderangebote dienen zur Manipulation. Wenn man wegen so eines Sonderangebotes 500 Gramm Schweinefleisch kauft und glaubt 20 % gespart zu haben, hat erstmal gar nichts gespart. Die Alternative dazu ist doch nicht zwangsläufig, Schweinefleisch ohne Preisnachlass zu kaufen. Man kann auch gar kein Schweinefleisch kaufen, sondern vegetarisch essen. Außerdem ist man dann erstmal im Laden, kauft man mehr als diese Sonderangebote. Und man sollte sich auch nicht von Sonderangeboten den Speiseplan diktieren lassen, denn genau das passiert, wenn man den Sonderangeboten hinterherjagt.

2. Ob die Aldi-Angebote immer so gut sind, wage ich bezweifeln. Momentan sind gerade überall Ast-, Hecken- und Blumenscheren im Angebot. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass gerade bei Astscheren viel Müll im Umlauf ist; ich habe in den letzten Jahren einige kaputte wegwerfen müssen. Mein Vater hatte die schlechte Angewohnheit, immer auf den Preis zu achten. Ich habe zig Astscheren geerbt und keine funktionierte.

3. Es ist die Prioritätensetzung. Man investiert Zeit, um wenige Cent zu sparen. Warum liest man denn nichts gescheites in dieser Zeit? Zum Beispiel ein Buch von Gerald Hörhan? Und man investiert Zeit, um den Laden aufzusuchen, man verheizt Benzin, steht vielleicht im Stau...

4. Anstatt die Zeitung wegen der Artikel zu kaufen und zu lesen, sondern wegen der Aldi-Werbung, wird das mangelnde Interesse für Information und Bildung offenbar. Das ist typisch für die gewisse Einkommensgruppen

Ich jage Sonderangeboten nicht hinterher und habe es auch nie, selbst als armer Student habe ich das nicht gemacht. Wenn ich mir etwas nicht leisten konnte, verkniff ich es mir. Bildung, Investition und Arbeit sind der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Aktieninvestitionen konnte ich als Student nicht tätigen, aber ich konnte Geld in Bücher investieren und mich bilden. Das habe ich gemacht. Dafür verzichtete ich auf viele konsumtive Ausgaben, teilweise ernährte ich mich von 20 € pro Woche. Wenn ich aber eine Buchempfehlung bekam, überlegte ich nicht lange und kaufte, selbst wenn es 80 € waren, was für mich als Student eine Menge Geld war. (Unter der Voraussetzung, dass die Bibliothek dieses Buch nicht hatte.)

Ich erinnere mich an eine Aussage über das Judentum im 19. Jahrhundert, die ich - glaube ich - bei Götz Aly gelesen habe. Deren Bildungserfolg und wirtschaftlicher Aufstieg sei dem Umstand zu verdanken gewesen, dass jüdische Eltern lieber hungerten, als dass sie bei der Bildung der Kinder knappsten.

Ich erinnere mich aber auch an eigenes Erlebnis in einer Urlaubsregion, wo vor allem Vermögende Urlaub machen. Es gibt dort eine Bäckerei. Die Brötchen dort sich recht klein geraten, dafür aber ist das Angebot an Zeitungen überwältigend. Und ich erinnere mich an eine Frau, die keine Brötchen kaufte, sondern fünf bis sechs Zeitungen, u.a. Welt und FAZ. Das beeindruckte mich schon sehr. Übrigens bin ich auch jemand, der gerne mal Zeitungen und Zeitschriften kauft, weil ich mir verspreche, daraus persönlichen Gewinn zu schlagen. Die Bild-Zeitung ist nicht gemeint. Auf den Preis achte ich nicht. Ich weiß, dass für manche Menschen 5 € für eine Wirtschaftswoche viel Geld sind oder 2 € für eine FAZ. Ich verkneife mir lieber den Kaffee im Zug, als dass ich auf wertvolle Informationen verzichte. Ich nehme häufig auch geschmierte Brote auf Bahnreisen mit

Ich habe auch keinen Handy-Vertrag mit Internet-Flatrate, weil mir das Geld einfach zu schade ist. Ich habe Kollegen, die das haben, aber die nutzen das nur zum Daddeln und zum Videogucken. Dann kaufe ich lieber für das gleiche Geld eine FAZ, eine NZZ oder eine Jüdische Allgemeine, als dass mir mein Smartphone alle zehn Minuten mitteilt, was es neues gibt.

Kommentare:

  1. Hallo CS, kannst du vielleicht erklären warum du so eine Affinität für das Judentum hast?
    PS. Meiner Ansicht nach reicht eine der Standardzeitungen, Hand aufs Herz, da steht doch überall das gleiche drin, Fachzeitschriften natürlich ausgenommen.

    Gruß Mathias

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, die Affinität habe ich, weil ich Hochachtung vor dem jüdischen Volk habe. Schauen Sie sich an, wie viel Nobelpreisträger Israel hervorgebracht hat, welches Wirtschaftswachstum Israel hat und welche wie viele aufstrebende Firmen und Startups. Und das, obwohl Israel ständig viel Geld in die Verteidigung pumpen muss und das, obwohl ein großer Teil der Bevölkerung sich kollektiv dem Wirtschaftsleben entsagt (Ich meine die Ultraorthodoxen.) und den Durchschnitt nach unten zieht.

      Ich lese die Zeitungen ja nicht gleichzeitig, sondern mal das, mal jenes. Die Jüdische Allgemeine hatte ich bislang einmal gekauft, wegen Jennifer Nathalie Pyka. :-)

      Löschen
    2. Auf jeden Fall ein zähes Volk,ich beneide die israelische Regierung auch nicht um die Entscheidungen die zu treffen sind. Hab aber,wie in anderen Kommentaren schon erwähnt, ein etwas differenziertes Bild über die Lage im nahen Osten.
      Bei mir gibt's halt nicht dieses schwarzweiß denken da wird man schnell als Antisemit bezeichnet, da muss ich gerade an "Der ewige Antisemit" denken.
      Die Argumente das jede Kritik an Israel Antisemitismus ist find ich einfach unfassbar. Da muss ich demnächst wohl nachweisen das ich vorher schon die 5000 anderen Konflikte kritisch bewertet habe. Bei der Ukraine sehe ich die Schuld z.B. auch nicht so klar wie unsere westlichen Medien. Ps die junge Dame ist wirklich eine Augenweide, hat bei mir aber wegen ihrer provokanten und etwas eindimensionalen Einstellung keine Sympathiepunkte sammeln können, was ihr auch ziemlich egal sein kann.
      Finde es übrigens super das du nichts zensiert.

      Gruß Mathias

      Schaust du ab und zu mal Die Anstalt?

      Löschen
  2. Sparen Sie sich lieber das Zeitungslesen. Volkswirtschaftliche Berichte kann man fast immer vergessen, dass kann ich als Volkswirt beurteilen. Und naturwissenschaftliche Artikel sind laut Aussagen von Naturwissenschaftlern auch sehr fehlerhaft. Bei politischen Artikeln wird oft von Journalisten viel behauptet, nichts aber näher erläutert oder sogar begründet. Thesen ohne Beweis und Argumentation sind nichts wert. Hören Sie die Informationsprogramme im Radio, das reicht (auch wenn es dort ebenfalls wichtig ist, zu einseitige Informationen zu erkennen).

    Was die Schnäppchenjagd angeht: In diesem Monat konnte ich 10 Euro beim Müslikauf sparen, da es im Sonderangebot war. Wenn man also Sonderangebote wahrnimmt, die man sowieso kaufen würde, lohnt sich das durchaus. Man darf halt nur nichts überflüssiges kaufen.

    Allerdings bin ich Ihrer Meinung in Bezug auf technische Geräte oder Werkzeuge, aber auch Kleidung. Dort zu billig zu kaufen, macht sich fast nie bezahlt, eher im Gegenteil. Man muss sich nur mal die Kleidung bei H&M ansehen, die sieht neu schon oller aus als meine bisweilen fünf Jahre alten Jeans.

    By the way: Hosen und Jacken sollte man besser mit Knöpfen kaufen, leider gehen Reissverschlüsse öfters mal kaputt. Vorsicht geboten ist auch bei Taschenbücher der Verlage rororo, Fischer, Ullstein, Eco, Kiepenheuer& Witsch, Dtv und Heyne (gibt wahrscheinlich noch mehr). Deren Papier verdunkelt sich nach wenigen Jahren und riecht leicht seltsam. Will man also ein Buch lange behalten, was sich ja bei vielen Romanen durchaus lohnt, dass sollte man besser die gebundene Ausgabe kaufen.

    AntwortenLöschen
  3. An Printmedien lohnt sich übrigens meiner Meinung nach nur die Spektrum der Wissenschaft, vor allem deren Spezial-, Dossier- und Geschichtsausgaben, (wissenschaftliche Zeitungen, die man in Geschäften sowieso nicht bekommt mal ausgenommen), vielleicht noch die Bild der Wissenschaft. Le Monde Diplomatique mit Schwerpunktthemen kann auch noch interessant sein, auch wenn sie eine gewisse einseitige Tendenz nach Links hat.

    Der Rest ist eigentlich überflüssig. Mag sein, dass Informatiker und Programmierer noch mit Computerzeitschriften gut bedient sind, ich komme als Nicht-ITler aber ohne derartige Publikationen trotzdem gut mit dem Computer zurecht.

    AntwortenLöschen