Montag, 1. September 2014

Konsumidioten (Teil III)

Ich möchte heute meine Reihe fortsetzen, denn es gibt eine neue Episode im "Fall Justin". Zur Erinnerung. Justin war der mit den Schulden, dem Auto und dem Motorrad. Was hat Justin nun schon wieder angestellt?

Kürzlich hat sich Justin eine Playstation gekauft. Meines Wissens verdaddelte er vorher so schon eine Menge Zeit auf iPhone und auf seinem PC. Wahrscheinlich spielt er da WoW... So gut kenne ich mich damit nicht aus. Ich weiß nur, dass das eine Menge Geld und Zeit verschlingt. Bei dem Preis für eine Playstation wird mir schwindelig. Dafür wäre mir das Geld einfach zu schade.

Nun also eine Playstation, als wenn er nicht schon genug spielte. Ich will ja nichts gesagt haben, gegen solch Hobby generell, schließlich habe ich in meiner Jugend auch das eine oder andere gespielt. Nur ist mir die Zeit zu schade, so viel zu spielen. Und geistig anregend waren Spiele selten.

Man stelle sich vor, Justin würde Geld und Zeit für Literatur ausgeben. Statt durchschnittlich eine Stunde pro Tag daddeln, liest er eine Stunde. Die richtigen Bücher würden den Geist anregen und ganz unbemerkt den Wortschatz erweitern.

Überhaupt ist niveauvoller Medienkonsum das beste, was einem passieren kann. Wenn ich meine Entwicklung so betrachte. In meiner Jugend war ich eher Plattmann, schlecht in der Schule, hatte wenig gelesen. Mein Glück war, dass ich neue Freunde fand, deren Diskussionen anregend waren. Plötzlich fing ich an, mich für Politik und Wirtschaft zu interessieren. Wir begannen, die FAZ zu lesen, einer las regelmäßig die Wirtschaftswoche. Mit 16 Jahren! Ich konnte noch nicht mithalten, wusste aber, dass ich was tun musste.

Als 2000 das Internet bei mir zu Hause Einzug erhielt, war das etwas ganz besonderes und ich nutzte es nicht zum Spielen oder zum Betrachten von Pornographie (wie übliche 18jährige), sondern für politische Diskussion, zum Lesen und zum Bestellen von Büchern. Ich hatte auch ein Girokonto und durch meine Halbwaisenrente ein regelmäßiges Einkommen, wenn auch nicht sehr üppig. Das erste Buch, welches ich bei Amazon bestellte, waren "Die Buddenbrooks". Als ungeübter Leser war das schon ein harter Brocken. Ich bestellte und las mehr Bücher. 2001 wurde ich Abonnent der ZEIT und Hörer des Deutschlandsfunks. Hörer des DLFs bin ich bis heute. Meine Lieblingsfernsehsender damals (kein Witz): Phoenix, 3-Sat, Arte. Einiges hat sich seitdem geändert: Fernsehen wurde unbedeutender, die ZEIT lese ich heute nicht mehr, dafür lese ich noch mehr Bücher. Deutschlandfunkhörer bin ich nach wie vor.

Wenn man das jahrelang durchzieht, sodass dies zur Gewohnheit wird, zieht man intellektuell an den anderen vorbei. Justin ist vielleicht 30 Jahre alt, aber intellektuell auf einem Stand wie ich vor 16 Jahren.

Kommentare:

  1. "Die Buddenbrooks" sind in der Tat ein sehr gutes Buch. Das Sie die Zeit nicht mehr lesen, begrüße ich ebenfalls. Sie sollten aber auch auf die FAZ verzichten. Leider verbreitet auch diese Zeitung die Mär vom Fachkräftemangel, der leider nicht existiert.
    Die FAZ macht sich so aber zum Steigbügelhalter der Wirtschaft, die gerne die Löhne auch von Akademikern auf das Existenzminimum oder sogar darunter zu drücken und somit Geschichten darüber verbreitet, es mangele in Deutschland an gut ausgebildeten Fachkräften. Auch so absurde Stories, dass die Staaten der EU ohne den Euro gegeneinander Krieg führen würden, findet man in der FAZ. Begründet werden solche Thesen aber nie, sie werden einfach nur behauptet. Egal wie man zum Euro steht, Behauptungen sollte man schon argumentativ stützen,d ie Leser sind doch nicht einfach alles Schafe, die alles kritiklos schlucken. Derartiges Gebahren sollte man also nicht mit dem Kauf der FAZ akzeptieren.

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  2. @ Anonym

    Man sollte halt schon unterscheiden können ob man in der FAZ gerade einen "Kommentar" zu einem bestimmten Thema liest oder einen sonstigen Artikel. Meiner Meinung nach ist die FAZ die beste Tageszeitung überhaupt. Ich freue mich jeden Sonntag auf die Sonntags-FAZ.

    Diese Kriegsthese die Sie behaupten habe ich in der FAZ noch nie gelesen.

    @ Couponschneider:

    schöner Artikel, vor allem mal wieder einer ohne dieses Semiten Thema. Weiss eh nicht was das in einem Finanzblog zu suchen hat.

    Aber dass du das Internet nie zum Porno gucken benutzt haben willst nimmt dir NIEMAND ab. Wenn das stimmen würde wärst du echt ein sehr seltsamer Typ:-)

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  3. Hallo CS,

    der liebe Konsum, ich bin da ehrlich gesagt schon froh das es noch genügend gibt die nur Geld ausgeben. Da höre ich immer die Dividende in mein Depot rieseln. :-)

    Ja, lesen bildet mit Sicherheit, nimmt aber das denken nicht ab. Die "richtigen" Schlußfolgerungen muss jeder selber ziehen und dass ist schwer genug.
    Ich weiß nicht ob du dich mal querinformiert hast, speziell zum Thema unabhängige Medien, wenn ja würde mich interessieren wie dein Rèsumè du ziehst. Eventuell bist du immer noch von der Unabhängikeit überzeugt, in diesem Fall würde es mich interessieren worauf du deine Meinung stützt.

    Gruß Mathias

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  4. Klaus Dieter-Frankenberger schreibt heute in der FAZ in einem Kommentar, dass eine Abspaltung Schottlands von Großbritannien dramatische Folgen für die Nato. Warum das so ist, begründet er aber nicht. So ein Vorgehen ist Mist. Eine steile These aufgestellt, die aber nicht mit Argumenten gestützt wird. In der Schule wäre das wohl kaum besser als mangelhaft.
    Andere absurde Behauptungen der FAZ sind, dass Deutschland auf Zuwanderer angewiesen sei. Sicher, politisches Asyl sollte gewährt werden wenn berechtigt.
    Aber die heutige Massenarbeitslosigkeit und Rekordakademikerzahlen zeigen doch, dass Deutschland genug Arbeitskräfte hat, um den Bedarf der Unternehmen zu decken. Die Fachoberschulen und Berufsfachschulen sind voll mit demotivierten Schülern, die lieber eine Ausbildung hätten um Geld zu verdienen, jetzt aber ihre Zeit in der Schule totschlagen müssen. Bezahlen darf es der Steuerzahler.

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  5. Alles zu seiner Zeit und alles in Maßen. Computerspiele und auch Bildung. Wer sich als derartiger Musterknabe gibt und auch noch direkt und indirekt vorgibt, „intellektuell an den anderen vorbeizuziehen“ , der wirkt doch zumindest ein bisschen narzisstisch und überheblich. Sich selbst zu überschätzen und andere zu unterschätzen ist sehr gefährlich und außerdem noch sehr anmaßend. Mit solchen Leuten habe ich schon oft zu tun gehabt und letzten Endes sind sie alle gestolpert. Denk mal drüber nach.

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    1. Ich erlebe auch ständig Menschen, die sich überschätzen. "Justin" ist so ein Fall, redet ständig, glaubt von allem eine Ahnung zu haben und er glaubt, weil andere bei seinem Gelaber schweigen, würde sie nichts wissen. "Justin" glaubte sogar, er könne neben der Arbeit ganz locker noch einen Master an der Uni machen. Nach sechs Wochen gab er auf, weil er nicht bereit war, so viel Zeit in Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen zu investieren. Den Bachelor hatte er an einer FH gemacht und wenige Wochen zuvor meinte er noch, so viel schwieriger sei die Uni ja gar nicht. Er liest ja auch keine Bücher. Als die Arbeitsintensität für ein paar Wochen weniger ausgeprägt war, hat er während der Arbeitszeit gedaddelt, anstatt ein Fachbuch zu studieren oder wenigstens IT-Podcasts zu hören, was ich ihm vorgeschlagen habe. Er glaubte, es nicht nötig zu haben. Ich dagegen, mit dem formell höheren Abschluss und mit dem größeren Wissen und dem größeren Erfahrungsschatz habe mich in jener Zeit intensiv in eine neue Programmiersprache eingearbeitet, mir ein neues Themenfeld erschlossen und etliche Podcasts gehört.

      So super sehe ich mich nicht, aber fleißig und wissbegierig bin ich schon. Und ich habe einen langen Atem und kann fokussiert lange Ziele verfolgen. Das zu nennen ist nicht überheblich, wenn es doch der Wahrheit entspricht.

      Überheblich bin ich nicht. Viele Menschen attestieren mir sogar, dass zu wenig selbstbewusst wäre. Ein Musterknabe bin ich nicht; es gab auch bei mir eine Zeit der Faulheit, der Stagnation.

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  6. Denke auch, dass Computerspiele in Maßen völlig O.K. sind. Solange die Bildung nicht vernachlässigt wird, sind sie kein Problem.
    Wo hier gerade von Zeitungen geschrieben wird: Die SZ ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Vorgestern hat SZ Online die Kommentarfunktion abgeschafft, anscheinend stört es die Journalisten, dass viele Leser besser informiert sind und sich nicht so leicht manipulieren lassen.
    Würde man Computerspiele, Zeitung lesen und das Lesen von guter Literatur und guten Sachbüchern in eine Reihenfolge bringen, wäre das meine Reihenfolge:
    1. Lesen guter Literatur und guter Sachbücher (sehr empfehlenswert)
    2. Computerspiele (O.K. wenn nicht übertrieben wird)
    3. Zeitung lesen (nur selten empfehlenswert, besser die Kommentare lesen)

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  7. Ich mag Justin ;)
    Du solltest ein Buch über ihn schreiben!

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  8. Hallo Couponschneider,

    leider fand ich hier auf deiner Seite kein Kontaktformular um direkt eine Mail an dich zu schreiben.

    Ich nehme hier Bezug auf einen Kommentar von Dir bei Tim Schäfers Blog
    http://timschaefermedia.com/so-sparen-sie-ein-kleines-vermoegen/

    Dort habe ich schon geantwortet, hier nochmal meine Fragen an dich:
    Du hast oben geschrieben, dass du monatliche Ausgaben in Höhe von ca. 1160Euro hast.

    Beinhaltet das auch:
    – Miete
    – Nebenkosten für die
    – Urlaub
    – Versicherungen
    – Vorsorgeprodukte wie Bausparvertrag, Lebensversicherung, Riesterrente, Rentenversicherung

    Wäre schön, wenn Du das (ohne Beträge) etwas genauer erläutern könntest, welche Art von Ausgaben gemeint sind. Bist Du alleinlebend, wie ist die Wohnungssituation (Miete, eigene Immobilie mit/ohne Kredit).

    DANKE!!!

    Auch ich führe für unseren vierköpfigen Haushalt ein Haushaltsbuch.
    Ich arbeite Vollzeit, meine Frau 2-3Tage die Woche.
    Unsere Aktuelle Sparquote liegt bei knapp24%

    Friedrich

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    1. Ich bin natürlich Single. Und es enthält alles bis auf die Beerdigungskosten, die ich vor zwei Jahren zahlen musste, weil diese außergewöhnliche Ausgabe von außergewöhnlichen Einnahmen (Erbschaft von Bargeld, Zahlung von Lebensversicherung) gedeckt war. Ich führe im Haushaltsbuch nur Ausgaben.

      Ansonsten enthält es alles, auch

      – Miete
      – Nebenkosten für die Wohnung (auch die Betriebskostennachzahlung im letzten Dezember)
      – Urlaub
      – Versicherungen

      Bauspar- und Riestervertrag habe ich nicht, bis auf die (gesetzliche) Rentenversicherung. Wie bereits geschrieben, führe ich nur ein unvollständiges Haushaltsbuch. Einnahmen notiere ich nicht. Bei Ausgaben nur das, was ich von meinem Netto-Gehalt zahle, d.h. die gesetzlichen Versicherungen, über die ich ohnehin keine Entscheidung treffe, notiere ich auch nicht. Meine Investitionen in Aktien notiere ich auch nicht im Haushaltsbuch, weil dies keine konsumtativen Ausgaben sind. Mein Haushaltsbuch fokussiert sich darauf, Einsparpotential zu finden.

      Versicherungen habe ich nicht viele. Ich habe eine Haftpflicht und eine BU-Versicherung. Urlaubskosten sind gering, weil ich nicht fern verreise.

      Mit 24 % Sparquote sind Sie aber gut im Rennen, bei 2 Kindern. Das ist vorbildlich.

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  9. Lese gerade in FAZ-Online etwas über Schottland und darf folgende blödsinnigen Thesen lesen:
    "Das alte Großbritannien gäbe es nicht mehr, „RUK“ fiele wirtschaftlich, politisch und militärisch einige Plätze zurück; der mit einer ständigen Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat untermauerte Anspruch, über die Geschicke der Welt mitzubestimmen, nähme sich kurios aus." Aber Schottland hat nur 5,2 Mio. Einwohner, Gesamt-UK heute etwa 64 Mio., der Austritt Schottlands schwächt das Land doch nicht.
    "RUK (Rest-UK)“ gehörte nicht mehr wie selbstverständlich zu den Großen Vier; hinsichtlich der Bevölkerung fiele es weit hinter Italien zurück." Unfug. Wenn Rest-UK Schottland verliert sinkt die Bevölkerung auf 59 Mio Einwohner (ca. 64 Mio. minus 5,2 Mio.) Italien hat heute 60 Mio. Einwohner. Also gerade mal ein Unterschied von 1 Mio. Einwohner, in Prozenten gesagt von weniger als 2%.
    Zumindest FAZ-Online ist völlig wertlos. Ähnliche seltsame Zahlenspiele sind mir aber auch aus der Printausgabe bekannt.

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  10. P.S. zu meinem gerade eben: Zumindest der Autor dieses Artikels scheint mit Couponsschneiders Justin geistesverwandt zu sein.

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  11. Es macht ihn also in deinen Augen zum Idioten dass er andere Interessen hat als du und dafür Geld ausgibt?

    Sorry, aber ich glaube ich würde deutlich lieber mit Justin abhängen als mit jemandem, der derart selbstverliebt den Musterknaben mit der einzig richtigen Weltanschauung heraushängen lässt.

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    1. Nicht dass er andere Interessen hat, macht ihn zum Idioten, sondern wie er mit dem Geld umgeht. Ich habe auch meine Hobbys und Interessen. Ich scheue mich nicht, auch mal 100 € für ein Buch hinzublättern und ein paar 100 €, aber bei mir gibt es nicht alles auf einmal. Ich achte darauf, was ich mir leisten kann und was nicht. Und das macht Justin nicht. Justin hat immer noch Schulden, er fährt ein Auto, bei dem die letzten Raten noch ausstehen. Er tilgt keine Schulden schnellstmöglich, sondern verballert alles für den Konsum.

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  12. Für meine Dividenden wäre es besser, wenn dein Kollege sich eine XBox zulegen würde. Könntest du ihn bitte nochmal darauf ansprechen, denn schliesslich ist bals Weihnachten :)

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