Dienstag, 14. Oktober 2014

Umgang mit alten Investitionen

Geschehenes kann man nicht ändern. Es ist eine Binse. Dennoch vergessen die Menschen dies häufig und das machen sich die Versicherungen, Banken und Bausparkassen zunutze. Wie das? Standen wir nicht alle mal vor der Frage, einen Bausparvertrag oder eine KLV vorzeitig zu kündigen? Und hatten wir da nicht Gewissensbisse? Und versuchte der Vertreter nicht, auf Verluste hinzuweisen, die man realisieren würde?

So war das jedenfalls bei mir, als ich die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr kündigte, die meine Eltern mal für mich abschlossen. Ich hatte gut die Hälfte der Vertragslaufzeit rum. Der Allianz-Hansel fragte, ob ich es mir nicht noch einmal überlegen  wolle, denn ich verlöre Geld. Ich hatte es mir aber ausgerechnet. Natürlich verliere ich Geld, wenn ich die Kündigung mit dem Rückkaufswert vergleiche, was ich zehn Jahre später bekommen hätte, völlig unabhängig von Inflation. Aber das Geld ist ja nicht weg und wird schließlich nicht für Konsum verballert. Ich habe mir ausgerechnet, dass es lukrativer ist, das Geld in Aktien zu stecken und zukünftige Beiträge auch. Dass der Vertrag mal abgeschlossen, konnte ich ohnehin nicht ändern. Mir stand nur die Wahl zwischen Vertrag kündigen oder fortführen und da ich nicht kurz vor Laufzeitende kündigte, waren die Aktien bedeutend lukrativer.

Anderes Beispiel: Bahncard. Ich habe eine Bahncard 50, die 265 € gekostet hat. Das heißt, man muss mindestens für 530 € Normalpreis fahren, um keinen Verlust zu machen. Angenommen, man hat die Bahncard und ist kurz vor Laufzeitende, hat aber die 530 € noch nicht erreicht. Ist es ratsam, dann nochmal eine Fahrt zu machen? Nein, natürlich nicht. Man hat sich verkalkuliert, als man die Bahncard bestellt hat. Das kann passieren. Eine Spaßfahrt nur um über die Schwelle zu kommen, macht die Bahncard nicht besser, denn was hat man bezahlt?

265 € für die Bahncard, 500 € für bisherige Fahrten und eventuell noch 50 € für eine weitere Fahrt. Diese zusätzlichen 50 € heben vielleicht die Bahnfahrtkosten über die Bahncard-Ammortisierungsschwelle, aber es sind zusätzliche 50 €, die man ausgibt.

Oder Autobesitzer. Autobesitzer haben einiges an Anschaffungs- und Fixkosten. Wenn beispielweise das Ticket mit der Bahn günstiger sein sollte als die Treibstoffkosten, dann ist es günstiger, dann auch die Bahn zu nehmen.  Viele erliegen dem Irrtum und fahren Auto, denn immerhin haben sie es ja, sie haben Fixkosten und es müsse sich rentieren. Und alternativ mit dem Fahrrad fahren. Sollten Autobesitzer eigentlich immer tun, wenn es Strecke, Witterung und andere Umstände erlauben. Sogar der Kauf eines teureren Fahrrads, um Benzin zu sparen, zahlt sich recht schnell aus.

Bereits getätigte Investitionen werden nicht dadurch besser, wenn man stur an ihnen festhält, selbst wenn es mittlerweile etwas günstigeres gibt. Deswegen ist es okay, wenn man langfristige Verträge kündigt, z. B. Bausparvertrag. Ich habe ein interessantes Beispiel gefunden, wo das beherzigt werde sollte. Der junge Mann hat Schulden und dennoch sechs Bausparverträge abgeschlossen. Hoffentlich liest er auch meinen Beitrag, denn ich rede dort Tacheles

Die Wolfsfrau hat auch alte Verträge gekündigt. Ich gratuliere.

Kommentare:

  1. Das ist es ja: Bahntickets sind fast nie billiger als mit dem Auto zu fahren. Hab das schon oft verglichen. Spätestens wenn man zwei Tickets braucht ist man mit dem Auto billiger dran. Und noch dazu flexibler am (Urlaubs-) Ort. (Außer man schafft es eins dieser extrem günstigen 29,- € Tickets zu erwischen. Was aber meist nahezu unmöglich ist...
    Man muss auch erst mal zum Bahnhof hinkommen. Dort das Auto stehen zu lassen ist viel zu teuer. Also braucht man jemanden der einen fährt... ich mag Bahnfahren nicht.

    Versicherungen hab ich genau drei Stück: Autohaftpflicht, Privathaftpflicht und Krankenversicherung. Mehr ist unnötig. Schlimm finde ich Leute die so einen Mist wie Kofferversicherung oder Sterbeversicherung abschließen. Dämlich so was.

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    1. Bahntickets sind selten billiger als der Treibstoff, meinen Sie. Kann gut sein. Meine Kosten für die Bahn in diesem Jahr: 566,80 € inklusive der Bahncard 50. (566,80 € - 265 €) * 2 = 603,60 € ist der Preis, den ich ohne Bahncard bezahlt hätte. Für mich also zahlt sich die Bahncard 50 aus. Nicht berücksichtigt habe ich die City-Tickets. Ich kann den ÖPNV zum und vom Bahnhof ohne Extrakosten nutzen. Auch das läppert sich. Ich fahre häufig die Strecke Bremen-Hamburg und zurück. Ich zahle dafür 28 € (BC 50). Da bekomme ich vier Freifahrten mit dem ÖPNV, zweimal BSAG (2,40 € pro Ticket), zweimal HVV (3 € pro Ticket). Das gibt's aber nur bei IC und ICE. Ich zahle häufig für IC, fahre dann aber doch Metronom. Der ist meistens pünktlich und auch nicht so voll. Und er braucht nur eine viertel Stunde länger.

      Das Auto möchte ich sehen, das mit Benzin und Fixkosten derartig günstig ist. Ist das Auto notwendig, soll man es kaufen und darf es nutzen, aber wenn dennoch ein Bahnticket günstiger sein sollte, sollte man dieses bevorzugen. Wenn man aber auf das Auto ganz verzichten kann, umso besser.

      Anderswo bezahlt man auch gerne Aufpreis für Komfort. Ich sehe eine längere Bahnfahrt nicht als verschenkte Zeit an. Ich kann lesen, ich kann mich bilden, ich kann schlafen... Im Auto geht das nicht. Selbst als Beifahrer ist es schlecht mit dem Lesen. Selbst wenn das Bahnticket geringfügig teurer wäre als der Treibstoff (unter der Voraussetzung, ich hätte ein Auto), ich würde wahrscheinlich auch diesen Aufpreis zahlen, um bequem und entspannt zu reisen.

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  2. Da sieht man, dass du Single bist. Allein mit einer weiteren Person rechnet es sich garantiert nicht mehr. Bahnfahren ist für Leute die zu viel Zeit haben.

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    1. Es ist schon einfach seine Einstellung immer heraus zu posaunen, ohne es einmal zu belegen oder durchzurechnen. Kinder zahlen bei der Bahn auch nichts und es ist deutlich einfacher deren Langeweile zu bekämpfen als im Auto. Bequem ist es sicher ins eigene Auto zu steigen, ob es die bessere Varante ist??

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