Montag, 24. November 2014

Biermann bei Jauch und die Reaktion

Gestern sah ich Günter Jauchs Talkshow, was ich normalerweise nicht sehe. Das Thema hörte sich schmackhaft und dann war auch noch Wolf Biermann zu Gast.

Ich fand Biermann gut. Da redet einer ungekünstelt einfache Fakten heraus, dass Putin ein Diktator sei (lässt sich nicht widerlegen), dass Putin wirtschaftliche Erfolge alleine aus Rohstoffexporten stammen und eigentlich nichts wirklich erreicht ist. Biermann polemisierte dann und sagte, Putin hätte im Gegensatz zu Hitler noch nicht einmal eine Autobahn gebaut, zwischen St. Petersburg und Moskau. Für mich war diese Polemik das Highlight des Abends.

Die Reaktionen auf Biermanns Auftritt waren bezeichnend. Die Putinversteher-Fraktion, darunter viele SED-Wähler, kippten mal wieder ihren verbalen Unrat über Biermann. Warfen ihm vor, Hitler als weniger schlimm zu erachten als Putin. Von "Gleichsetzung" war die Rede.

Biermann hat aber das Hitler-Regime nicht verharmlost, sondern einfach gegen Putin polemisiert. Die Autobahn ist ein Reizwort und mittlerweile Teil der Populärkultur. ("Autobahn geht gar nicht.") Die Autobahn ist das bekannteste, was man Hitlers Terrorregime  zugutehielte, ungerechterweise, und der Preis dafür war ja auch recht hoch. Und noch nicht mal das Putin hinbekommen neben al den anderen wirtschaftlichen Katastrophen.

Als Aktionär von K+S hat mir Uralkali ein unvergessliches Vergnügen beschert. Natürlich ging der Kurs der K+-S-Aktie erstmal rapide runter, nachdem Uralkali einen Preiskampf eingeleutet hatte. Ich hatte aber nie Sorge wegen K+S, weil mir klar war, dass Uralkali diese Preise nur durch einen Raubbau an Mensch, Natur und Maschinenpark bieten kann. Die leben von der Substanz. K+S hat inzwischen unbeiirt seriös weitergewirtschaftet, die Zahlen entwickeln sich wieder gut und 2016 wird auch in Kanada gefördert. Uralkali hat momentan richtig Schwierigkeiten und steht hier stellvertretend für den Zustand der russischen Wirtschaft.

Wer die Polemik Biermanns derartig missversteht, muss schon sehr ideologisch verblendet sein oder einfach strunzdumm. Biermann sprach offensichtliche Wahrheiten aus. Ich verstehe auch nicht, warum Putin Angst hat vor einer äußeren Gefahr. Es gibt sie schlichtweg nicht, da kann Frau Krone-Schmalz noch so eloquent daherlabern. Eine Sache wird nicht dadurch richtig, wenn sie gut dargestellt wird. Die konstruiert irgendwas um "russische Befindlichkeiten" auf, auf die wir Rücksicht nehmen müssen. Nehmen die Russen denn auch Rücksicht auf "deutsche Befindlichkeiten" oder "polnische Befindlichkeiten"?

Biermann gibt sich nicht allwissend, taktiert nicht, sondern knallt Fakten, Argumente und Meinung klar raus. Das mag in unserer Welt voller Schauspieler nicht erfolgreich sein, aber deswegen sind die Argumente nicht falsch.

Biermanns Vater wurde in Auschwitz ermordet und somit ist Biermann Opfer. Diesem Nachhilfe erteilen zu wollen in Sachen Hitler-Regime, Gleichsetzungen, Vergleichen und all das, ist eine maßlose Torheit.

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