Donnerstag, 27. November 2014

Den Einstieg schaffen

Kürzlich hat mich ein junger Mensch um Tipps für den Einstieg gebeten. Er hat auch schon Bücher gelesen, hat etwas Geld und eine hohe Sparquote. Das sind gute Voraussetzung. Hier sind die Tipps und ich komme natürlich um Buchempfehlungen nicht herum.

Ich empfehle:
  • Max Otte: "Investieren statt Sparen"
  • André Kostolány: "Die Kunst, über Geld nachzudenken"
  • Martin Weber: "Genial einfach investieren"
  • Gerald Hörhan: "Investment Punk", "Gegengift", "Null Bock Komplott"
Das ist einfach verständliche Literatur, lehrreich und auch unterhaltsam. Ich habe die Bücher mehrfach gelesen.

Von Anleihen und Fonds würde ich die Finger lassen. Ich hatte häufig mit Fonds geliebäugelt, aber ich will dann doch keine Gebühren für so etwas aufbringen.

Wenn man über einen großen Geldbetrag verfügt, sollte man ihn nicht komplett in Aktien umsetzen. Ich empfehle, das Geld, was man erübrigen kann, in 2000-€-Tranchen zu investieren, Bei 10000 € und einer Sparrate von 1000 € pro Monat aus dem aktiven Gehalt kann neun Monate am Stück 2000 € investieren. Ich empfehle solide Titel wie BASF, BP, Beiersdorf oder Bayer. Unternehmen, die nichts erschüttert, ob nun Weltkrieg oder auslaufendes Öl im Golf vom Mexiko.

2000 € ist auch groß genug für eine Investition. Bei überdurchschnittlichen 20 € Gebühren sind das 1 %  Das fällt aber einmalig ein und nicht kontinuierlich. Das heißt, das knabbert nur einmal an der Rendite und versinkt im Cost-Average-Effekt.

Ein Finanzpolster ist wichtig und sollte man haben, aber ich halte von Faustformeln à la 3 Nettogehältern nichts. Man sollte gedanklich durchspielen, was passieren kann und abschätzen, was das kostet. Wer kein Auto, das kaputt gehen kann, braucht dafür auch keine Rücklage dafür bilden. Meine Rücklage ist geringer als drei Netto-Gehälter.

Um herauszufinden, wie viel man benötigt, ist es empfehlenswert, ein Haushaltsbuch zu führen. Ich mache dies seit fast drei Jahren und weiß genau, in welchen Monaten ich benötige, d.h. ich kann im Vorfeld abschätzen, dass ich dann weniger investieren kann.

Um Aktien zu kaufen, braucht man ein Depot. Man sollte sich informieren, was das kostet. Ich beispielsweise bin nicht bereit, Grundgebühren für das Depot zu zahlen. Manche Banken langen da richtig zu, auch bei den Ordergebühren. Vielleicht sollte man dann gleich die Bank wechseln. Es gibt aber auch reine Online-Broker mit niedrigen Gebühren, wenn man die Bank nicht wechseln möchte, aber ein günstiges Depot haben möchte. Ich habe aber keine Erfahrungen mit reinen Online-Brokern, daher weiß ich auch nicht, welcher seriös ist.

Das Wichtigste ist aber, Geduld zu haben, keine Schulden zu machen und immer wieder zu investieren. Das Ziel muss nicht unbedingt die finanzielle Freiheit sein. Natürlich wäre diese toll, aber schon geringere Ziele sind erstrebenswert, wie z. B. ein kleines Nebeneinkommen zum Gehalt bzw. zur Rente. Ich bekomme heute schon 200 € Dividenden pro Monat, netto. Das sollte man nicht verachten, da dadurch über 17 % meiner monatlichen Kosten bereits abgedeckt sind.


Kommentare:

  1. Auf Dividenden zu setzen bedarf es Sitzfleisch. Die Jungbörsianer wollen aber Rendite sehen und Action. Am Besten ständig traden, was ich verstehen kann. Ging mir selber auch so.

    Zu Banken - ich habe ein Depot bei der DAB-Bank und eines bei der ING-DIBA. Beide schon über 10 Jahre. Sie sind sicherlich nicht die billigsten, aber dafür seriös und relativ groß. Ich fühle mich da gut aufgehoben. Das Depot ist kostenlos und die Gebühren ca. 10 € bis 15 € pro Kauf.

    Daher investiere ich ab 1.500 €, 1% einmalig kann ich verschmerzen. Um keine Werbung zu machen, die comdirect etc. sind sicherlich genauso gut. Die großen Online-Broker unterscheiden sich wohl eher in kleinen Details. Dürfte für uns Investoren eher unbedeutend sein.

    AntwortenLöschen
  2. Ein Buch sollte man definitiv noch erwähnen: "Der reichste Mann von Babylon" - einfach und lehrreich. Und Siegels "Überlegen investieren" lohnt sich auch
    Entscheidend beim Vermögensaufbau sind Weitsicht und Geduld!

    Prima Blog im übrigen. Motiviert ungemein!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Richtig. Guter Tipp. Dass ich den vergessen habe, ist peinlich, habe ich dieses Buch auch schon zweimal gelesen, und weiterempfohlen und verliehen.

      Löschen
  3. Ja Siegels Buch ist sehr gut, und ich möchte noch einen Klassiker hinzufügen welcher nichts an Aktualität eingebüsst hat: Peter Lynch - One up on Wall Street (ich glaube er dt.. Titel ist "Der Börse einen Schritt voraus"); ebenfalls sehr gut gefallen hat mir Ken Fisher - Das zählt an der Börse.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jep, Lynch und Kens Dad Phil Fisher stehen bei mir im Schrank.
      Einfache Lehre: Die Kurse gehen langfristig parallel mit dem Gewinnwachstum des Unternehmens mit, vergiß dabei Market-Timing.
      Nach 7 Jahren Vermögensaufbau dank Börse wundere ich mich nur, dass weiterhin so viel Müll publiziert, gelesen und befolgt wird.....

      Löschen
  4. Ich kann aus eigener Erfahrung Cortalconsors als Onlinebroker empfehlen. Bin dort seit ca. 1998 dabei, es gab nie Probleme.

    AntwortenLöschen
  5. Vielen Dank für Ihren tollen Blog! Ich schätze Ihre klugen Gedanken zum Thema Sparen/Geldanlage (aber auch allerlei anderen Dingen) wirklich sehr und freue mich über jeden Beitrag.

    Ich habe mein Studium vor gut einem Jahr abgeschlossen, meine BAföG Schulden sind mittlerweile beglichen und ein finanzielles Polster für Notfälle ist angelegt.

    Daher möchte ich nun beginnen, mir langfristig ein Vermögen aufzubauen.
    Ihr Blogeintrag passt also sehr gut auf meine Situation.

    Drei Fragen hätte ich dazu:

    1. Wie identifizieren Sie solide Aktien?
    Bis vor kurzem dachte ich z.B. noch, dass Energieversorgeraktien eine solide Anlage wären (hohe Dividendenausschüttung und stabile Wertentwicklung in der Vergangenheit, Geschäftsmodell basierend auf einem Gut, das auch in > 20 Jahren noch garantiert benötigt wird). Das hat sich aber anscheinend erledigt (auch wenn diese Unternehmen nach wie vor eine hohe Dividende zahlen und deren Aktien mit dem voraussichtlichen Scheitern der „Energiewende“ wieder eine Renaissance erleben könnten).

    2. Was spricht für Sie gegen ETFs bzw. warum haben Sie bisher keine ETF-Anteile im Depot?
    Deren Nachteile sind sicherlich die jährliche Verwaltungsgebühr ab ca. 0,2% des Depotwerts und dass stur ein Index nachgebildet wird (ohne z.B. die Möglichkeit gezielt bestimmte Aktien aus diesem Index auszuschließen).
    Allerdings bieten ETFs eine viel größere Risikostreuung und man ist nicht mehr so abhängig von der Wertentwicklung seiner „relativ“ wenigen Unternehmen im Aktiendepot. Ich denke der Ausfall oder starke dauerhafter Kursverfall eines Unternehmens im Depot (z.B. oben genannte Energieversorger) schlägt bei Privatanlegern (deren Depots aufgrund finanzieller Restriktionen i.d.R. einfach nicht > 50 unterschiedliche Titel enthalten) schon sehr durch.
    Mich macht allerdings stutzig, dass derzeit in den Medien so sehr für ETFs geworben wird.

    3. Kaufen Sie auch bei den derzeit sehr hohen KGVs der meisten börsennotierten Unternehmen (z.B. DAX) kontinuierlich weiter Aktien nach oder warten Sie für den Nachkauf gezielt auf Kurseinbrüche wie im vergangenen Oktober?

    AntwortenLöschen
  6. Ich wusste gar nicht, dass der alte Max Weber als Gründer der Soziologie sich mit Geldanlage auseinandergesetzt hat:-)

    Müsste "Martin Weber" bei den Buchempfehlungen heissen, wobei die Werke von Max Weber zum Verständnis des Großen und Ganzen auch sehr empfehlenswert sind.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke. Ist schon korrigiert. Und natürlich darf man auch gerne Max Weber lesen. Es gibt so viel gute Literatur, wollte mich auf aber praktische Bücher mit einem gewissen Unterhaltungswert beschränken, die auch für Einsteiger ganz sinnvoll sind.

      Löschen