Samstag, 29. November 2014

Die Illusion der Stabilität

Jeder Mensch hat seine Neurosen und pflegt diese. Der deutsche Michel liebt Stabilität. Und selbst wenn man ihm lang und breit erklärt, dass die Stabilität nur eine Illusion ist, bleibt er bei seinem Standpunkt.

Das führt dann dazu, dass wir 90 Millionen KLV-Policen in Deutschland haben, dass die Riester-Verträge auch in die Millionen gehen und dass wir auf deutschen Konten so viel Geld zu liegen haben.

Diese Sachen sind nicht sicher, sie suggerieren nur eine Sicherheit. Und das ist teuer, denn eine Bank oder eine Versicherung muss einen Heidenaufwand betreiben, um jederzeit einen Vertrag zurückzukaufen.

Stabilität ist vielleicht nötig bei kurz- und mittelfristigen Sparvorgängen für eine gewisse Ausgabe oder für den berühmten Notgroschen, aber doch am allerwenigsten bei der Altersvorsorge, die man über Jahrzehnte betreibt.

Es bringt doch überhaupt nichts, wenn man einen konstanten Zins hat. Mich erinnert das an Tempomaten. Es gibt ja Leute, die es mögen, wenn dann konstant eine Geschwindigkeit gehalten wird. Aber zu was führt das? Meine Erfahrung ist folgende: Bei Anstiegen drückte der Tempomat aufs Gas, bei einem Gefälle auf die Bremse. Ich sagte mir: "So ein Blödsinn!", und übernahm die Regie. In den Gefällen rollte ich aus und am Anstieg musste ich weniger aufs Gas drücken. Meine Fahrweise war sparsam und ich konnte es auch an der Statistik ablesen. Ich übernahm den Wagen von einem Kollegen und unter meiner Regie ging es mit dem Durchschnittsverbrauch deutlich runter.

Garantieprodukte sind wie Tempomaten: Man nutzt die Hausse nicht aus und man drückt in der Baisse besonders auf die Tube. Wenn das Endziel zwanzig Jahre in der Zukunft liegt, dann ist unsinnig, so viel Energie da reinzustecken, dass die Zwischenziele stimmen. Hier habe ich einen Fall. Ein gewisser "Geldbaum" schreibt:

Hallo Couponschneider,
ich bin einverstanden mit Ihnen, wenn Sie sich vertraglich bei Gina66 verpflichten, dass Sie bei ihr für den finanziellen Ausgleich gerade stehen!

Nur für den Fall, dass sich Variablen in Ihre mathematische Rechnung einschleichen und die Endergebnisse geringer ausfallen!

Wir schreiben hier immerhin über die Altersvorsorge eines Menschen, die dann zum gegeben Zeitpunkt stimmen muss.


"Gina66" hat noch knapp 20 Jahre bis zur Rente. Diese Panikmache, dass das Aktiensparen oder ein ETF keine Garantien hätte, ist typisch. Ich habe mit einer realistischen Durchschnittsrendite gerechnet. Selbst wenn das tatsächliche Endergebnis unterdurchschnittlich (nur 6 % pro Jahr) wäre, wäre es immer noch besser als ein Rentenvertrag bei dem jeder Überschuss auch tatsächlich vergolten würde.

Kommentare:

  1. Neben Lust auf Stabilität haben die Deutschen auch noch Angst.
    Zwei Beispiele:
    Ich erzähle einem Bekannten (kann man beliebig erweitern), dass ich mich an einem Unternehmen beteiligt habe, sprich Aktien gekauft habe. Erste Argumentation: "Wenn der Kurs fällt, ist dein Geld weg." Es ist ausgesprochen schwierig, den Leuten zu erklären, dass mein Geld nicht weg ist. Es klingelt bei fallenden Kursen niemand an der Tür und will von mir Bargeld, genauso wenig klingelt jemand bei steigenden Kursen und drückt mir Bargeld in die Hand. Die Anzahl Aktien ist gleichgeblieben. Punkt.

    Beispiel Angst:
    Die gleichen jammern, dass es praktisch keine Zinsen gibt. Ich biete Ihnen an, 1 Jahr fest 2% Zinsen. Mit Vertrag als Privatdarlehen, alles schriftlich. Anlagevolumen zwischen 2.000 € und 6.000 €. Option auf Verlängerung um 1 Jahr.
    Keine Chance. Haben zu viel Angst, legen das Geld lieber auf das Girokonto und jammern weiter, obwohl ich nachweisen kann, dass die max. 6.000 € problemlos zurückzuzahlen sind. Nun könnte man sagen, ich bin nicht solvent oder ähnliches, aber ein Blick in mein Depot sollte genügen^^
    Die gleichen Bekannten sind aber genauso neidisch, wenn ich meine Dividenden jedes Jahr zusammenrechne. Verkehrte Welt.

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  2. Na ja. Schauen Sie sich mal die Entwicklung auf dem japanischen Aktienmarkt seit 1990 an. Da haben schon Einige viel Geld verloren und seitdem nicht mehr wiederbekommen. Das kann auch in Deutschland passieren. Ansonsten würde ich empfehlen: Aktien von vielen Firmen aus verschiedenen Branchen kaufen, um das Risiko per Diversifikation zu minimieren. Und keine Aktien von ehemaligen Staatsmonopolisten kaufen, zumindest nicht zum Zeitpunkt der Erstemittierung.

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    1. Das Beispiel Japan ist altbekannt und wird darum doch nicht richtig. Wer auf dem Höhepunkt einer Spekulationsblase (!) all sein Geld auf einmal (!!) in ein einziges Land gesteckt hat, der hat das Investoren-1x1 nicht gelernt. Solche Fehler bestraft der Markt gnadenlos.

      Merke:
      1. Coca-Cola ist ein tolles Unternehmen - aber nicht zu KGV 45 wie 2000 rum gesehen.
      2. Zeitlich diversifizieren
      3. Regional und über Branchen diversifizieren.

      Wer darauf geachtet hat, hätte auch heute noch Freude an seinem Depot.

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