Samstag, 22. November 2014

Warum ich so forsch investiere.

Oft habe ich mich gefragt, warum ich gut mit Geld umgehen kann. Inspiriert durch Tim Schäfer möchte ich mich heute diesem Thema widmen.


Familie und Kindheit

Wir lebten recht sparsam, fuhren selten in den Urlaub, leisteten uns wenig Elektronik-Krimskrams. Obwohl mein Vater rauchte und meine Eltern in Gelddingen schlecht beraten waren (Allianz, Sparkasse, LBS), wurde es dennoch geschafft, genug Geld für eine Immobilie zusammenzusparen. Meine Eltern hatten auch das goldene Sparbuch mit über 35000 DM.

Ich war auch häufig bei meinen Großeltern, die noch auf einem echten Bauernhof lebten. Beide lebten auch recht sparsam, auch in der Erwartung eines nächsten Krieges. Da wurde dann emsig Holz gehackt, Kohlen wurden eingelagert, Obst wurde eingemacht. Beide wurden auf dem Land groß. Meine Großmutter verlor durch den Krieg viel. Ihre Eltern hat sie nach der Flucht aus Ostpreußen wiedergefunden und bis zu deren Tode pflegen müssen; ihre Schwester aber galt als verschollen. Ich war häufig mit meiner Oma auf dem Friedhof. Sie lebte mir viel Selbstdisziplin vor.

Das sparsame Leben führte dazu, dass sie ihren Kindern dennoch mehrere Hektar Ackerland vererbten und zudem über 20000 DM auf einem Sparbuch. Die durch Krieg und Vertreibung gezeichnete pessimistische Lebenseinstellung war also dennoch fruchtbar.

Ich habe in jungen Jahren auch einige Spardosen geschenkt bekommen und kräftig gespart. Ich habe schon als Kind gerne Geld gezählt und Buch darüber geführt. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich den ersten Schreibtisch geschenkt bekam. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis, ich fand den toll und meine Utensilien waren sehr akkurat darauf angeordnet. Es wäre toll zu wissen, was meine Mutter damals über ihren kleinen Sohn dachte. Schade, dass ich sie nicht mehr fragen kann.

Freundeskreis

In meinem Freundeskreis war das Thema Geld tabu. Ich kannte ein Mädchen, das ständig den Spruch kloppte, "über Geld redet man nicht, Geld hat man". Einer dümmsten Sprüche überhaupt. Die Eltern des Mädchens bekamen Stütze, aber es ging dennoch demonstrativ an der Tankstelle einkaufen, anstatt im Aldi nebenan. Anders als meine Großeltern: Die redeten wirklich nicht über Geld, hatten aber welches. (Ich lernte schnell den Unterschied zwischen Schein und Sein.)

Ich erinnere mich auch an die feindseligen Reaktionen, als ich mal sagte, dass ein geerbtes Haus, in dem man wohnt, enorm Miete sparen müsste. Ich konnte nicht verstehen, warum ich da in ein Wespennest gestochen haben sollte. Es war doch objektiv richtig und tatsächlich konnten sich diese Familien einiges mehr leisten als wir, da wir doch ständig Miete zahlen mussten.

Rückblickend sehe ich darin, eine Abwehrreaktion gegen das Thema an sich: Geld. Ich war bei dem Thema recht unbefangen. Typisch auch für meine damaligen Freunde: Für sie war es ein triftiges Argument gegen eine Sache, wenn "nur die Reichen profitieren". Also statt logisch denken und redlich argumentieren, lieber Stammtischparolen vom Stapel lassen. Selbst wenn ausschließlich die Reichen von einer Sache profitieren, ist sie noch lange nicht verkehrt und geht noch lange nicht zu Lasten aller anderen. Gutes Beispiel wäre eine vereinfachte Erbschaftssteuer bei großen Vermögen. Angenommen, man möchte durch Pauschalregelungen die Steuererhebung erleichtern. Die Reichen zahlen weniger, der Staat aber muss im Gegenzug weniger Gutachter bezahlen. Da können beide Seiten profitieren. Der arme Mensch, der keine Steuern zahlt, profitiert nicht, aber es ist auch nicht zu seinen Lasten. Wenn man dennoch etwas dagegen hat, hat mein keine Argumente, sondern ein Ressentiment.

Das ist übrigens der Sinn einer jeden Pauschalregelung in unserem Steuerrecht. Viele bezeichnen die Pendlerpauschale als Subvention. Aber sie ist es nicht, sie fördert auch nicht die Zersiedelung der Landschaft. Man stelle sich vor, Millionen von Arbeitnehmern müssten Tankquittungen und Fahrtenbücher einreichen, sowie den Verschleiß ihres Kfz vorrechnen. Die Finanzverwaltung wäre auf Jahre beschäftigt.

Als junger Erwachsener

Mit 18 Jahren begann ich mich für Politik zu interessieren. Ich sah viele Magazine, Diskussionsrunden, Dokumentationen und Reportagen. Ich kam mit liberalen Gedanken in Berührung und entwickelte eine ordoliberale (neoliberale) Überzeugung. Wenn man dadurch keine Vorbehalte hat, liest man auch Bücher übers Investieren, über die Börse usw. Ich konnte auch nie verstehen, warum es moralisch verwerflich wäre, an der Börse mit Aktien zu handeln. Letztendlich unterscheiden sich die linken Börsengegnern in nichts von konservativen Drogengegnern. Wer an der Börse handelt, schadet niemanden, allenfalls sich selbst, genauso wie ein Drogenkonsument zuvörderst sich selbst schädigt.

Als Student kam ich mit wenig Geld aus. Meine Verwandten wunderten sich und fragten nach. Ich antwortete, ich rauchte und ich tränke nicht. Ich hatte auch nie die Hand bei meinem Vater aufgehalten, war er doch seit Jahren arbeitslos. Bafög bekam ich auch nicht, weil ich es nie beantrage. (Ich hätte es aber problemlos bekommen.)  Am Ende des Studiums hatte ich nicht nur keine Schulden, sondern auch über 3000 € Guthaben. Grund: Sparsame Lebensführung, kühles rechnen.

Dann kam richtig Geld in die Kasse durch meinen ersten Arbeitsvertrag. Ich musste etwas damit anfangen, also ab an die Börse. Riester hielt ich 2009 schon für Quatsch. Die "Bankberatenern" guckte ziemlich blöd aus der Wäsche, als ich ihr eröffnete, ich möchte das Depot für die Altersvorsorge eröffnen. Sie wollte mir dann auch sogleich Riester andrehen.


Heute lässt mich das Thema Geld einfach nicht mehr los. Es macht mir Spaß, mich um das eigene Geld zu kümmern, ich lese viel darüber. Nicht jeder wird diese Leidenschaft entwickeln, aber für die gibt es immer noch Möglichkeiten, z. B. ETFs.

Anders als meine Eltern und Großeltern, bin ich eher optimistisch veranlagt. Ich sehe eine stetige Verbesserung in Wirtschaft und Gesellschaft. Jedes Jahr ohne Krieg auf deutschem Boden bedeutet für uns Wohlstandszuwachs. Dass es für einige nicht zutrifft, stimmt, aber es geht um die Volkswirtschaft und es geht um den Durchschnitt. Individuelle Ausreißer nach oben und unten haben individuelle Ursachen.

Von meinen Eltern und Großeltern habe ich vorgelebt bekommen, zu sparen, d.h. wenig zu konsumieren. Meine optimistische Lebenseinstellung treibt mich aber zugleich in die Investitionen. Und ich traue mich, Sachen nachzurechnen; Angst vor Mathematik hatte ich nie. Das ist das Erfolgsrezept.

Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich finde Deinen Beitrag sehr gelungen. Du zeigst Deine Erfahrungen deutlich auf. Damit ist deine Motivation in Sachen Finanzen gut nachzuvollziehen.

    Deine Erfahrungen kann ich in vielerlei Hinsicht teilen: Eltern und Großeltern lebten in bescheidenen Verhältnissen, aber konnten trotzdem etwas sparen. Und bei Freunden war das Thema Geld ebenso meist ein Tabu.

    In meinen Augen macht es durchaus Sinn, auch wenn man es nicht so vorgelebt bekommen hat, sich um sein Geld zu kümmern und das Thema Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Denn auch wenn die eigene Familie nicht sonderlich viel dazu vermittelt hat - kann man sich know-how zum Thema Geld leicht aneignen. Und in meinen Augen sollte man sich durchaus mit Freunden bzw. Familie dazu austauschen und sehr wohl über Geld reden. Egal, ob man es hat oder nicht.

    Elmar

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  2. Weitgehende Übereinstimmung, Bruder im Geiste. Eine Anmerkung zu Riester: es kommt wie so oft darauf an. Meine Frau hat einen Riester-Vertrag wegen der Zulagen für die drei Kinder. Nach einigen Jahren sind da nun schon einige tausend Euro drauf obwohl sie selbst nur 5 Euro bzw. später 10 Euro im Monat eingezahlt hatte. Der Vertrag ist als Fondssparvertrag bei Cosmos abgeschlossen (niedrige Kosten) und wird ruhend gestellt wenn die Förderung für die Kinder ausgelaufen ist.
    Als Selbständiger habe ich auch einen, da gab es als mittelbar Berechtigter jahrelang die Förderung ohne dass man überhaupt etwas einzahlen musste. Die Politik macht schon merkwürdige Gesetze.

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  3. Was für ein erbärmliches Loser-Gesaber.

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  4. Ich nehme mal Deine Geschichte als Vorlage.

    Meine Eltern hatten immer Schulden solange ich denken kann. Als Kinder wußten wir wann Quartalsende war, wenn die nächste Rate fällig war. Der Kühlschrank war dann leer.
    Über finanzielle Dinge sprachen meine Eltern nur dann, wenn sie begründeten warum nichts zu Essen da war, warum wir das und das nicht haben konnten.
    Mit 18, mein erstes Auto. Auf dem Land, unumgänglich wenn man nicht 2 Stunden auf den Bus warten will. Also, ab zur Bank – Kredit, mit Unterschrift der Bürgern, der Eltern.
    Als Schüler gab es noch Schulsparen, ein Sparbuch. Da lernte ich sparen, nur für mich. Mit 15 kam dann ein Job, Lehrlingsentschädigung nannte sich in unseren Breiten das Gehalt von Auszubildenden.
    Ersparnisse sehr bescheiden bis nicht vorhanden. Mit dem ersten Auto, ebenfalls weg, und dazu noch mein erster Kredit für die nächsten 2 Jahre.
    Das richtige Sparen, obwohl ich nicht wirklich sparsam lebte, begann erst mit 22, 23 Jahren. Nur möglich, durch einen gut bezahlten Job.
    Dann kam das Jahr 2001. Die Medien berichteten. Unglaublich viel Geld wurde in diesen Tagen an der Börse vernichtet und gewonnen.

    Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich 57000 EUR angespart. Ganz langsam, dank Internetbrokern wurde die Börse auch für Normalsterbliche zugänglich.
    Meine ersten 30000 fanden in dieser Zeit den Weg an die Börse, nach 11.09.2001, geschlossene Wallstreet, den Ausläufern des Neuen Marktes, einer Deutschen Telekom für sagenhafte günstige 36 EUR gekauft (obwohl noch vor einem Jahr über 100 EUR an der Börse gehandelt) hatte sich meine Investition bis Mitte 2003 halbiert!

    Auch wenn alle sagen, Aussitzen sollte man nicht, sondern verkaufen! Aber ich fand, daß es dazu schon zu spät war – und blieb. Innerhalb eines Jahres hatte ich zumindest keine Verluste mehr, dann wagte ich wieder zu investieren.
    Seitdem habe ich keine Sparbücher mehr, nur noch Aktien und Festgeld.

    Der derzeitige Stand ist ca. 100 % Gewinn in 14 Jahren! Mit der kleinen Einschränkung, das der Gewinn im Jahre 2008 ganz plötzlich 0 % war!

    Also Leute, nichts für schwache Nerven, und schon gar nicht kann mit einem kontinuierlichen Gewinn von 7 % jährlich gerechnet werden!

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    1. Der zeitliche Einstieg in den Aktienmarkt ist bei mir deckungsgleich und beginnt im Wesentlichen mit dem Börsengang der Telekom. Etwas vorher habe ich - und das war ein Glücksgriff - die BASF für ca. 8.000 DM gekauft. Beide, Telekom und BASF, halte ich immer noch. Jeder weiß, wo die Telekom 15 Jahre später steht, immerhin hat sie immer Dividende gezahlt.
      Ganz anders die BASF, sie ist mein größter Depotwert, der schon über 40.000 € Wert war, jetzt wieder etwas darunter. Das ist das Zehnfache meiner Investition von vor ca. 16 Jahren, also 900 % Rendite, was eine anualisierte Rendite von über 15% bedeutet.
      Das ist aber noch nicht alles. Meine ursprüngliche Investition von umgerechnet 4.000 € hat mir BASF längst zurückgezahlt, so dass ich überhaupt kein eigenes Geld mehr darin stecken habe. Gegenwärtig zahlt mir BASF etwa 1.600 € Dividende jährlich, was eine persönliche Dividendenrendite von 40 % bedeutet.
      Auch so geht also Börse! Es kommt ganz entscheidend auf die Aktien an, die man hält.
      Übrigens hatte ich nach 10 Jahren genug Börsenerfahrung, um während der Finanzkrise 2008/09 mit allem, was ich an Cash hatte in den Markt zu investieren. Das war die beste finanzielle Entscheidung meines Lebens. Ich habe etwa zehn weitere BASF-Stories generiert, auch zwei/drei Pleiten (so what).
      Was sich damit sagen will: Hartnäckigkeit, Mut und ja auch Glück gehören an der Börse dazu. Jedenfalls muss ich mir um meine Altersversorgung keine Sorgen mehr machen.

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    2. Und es kommt vor allem auf den Einstiegszeitpunkt an.

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  5. Lieber Couponschneider,

    ich bin kürzlich auf deinen Blog gestoßen und lese seitdem aufmerksam mit.

    Ich bin an den Punkt gekommen, an dem ich mir sagte, ich muss doch mehr aus meinem Geld machen können. Ich habe ein technisches Studium absolviert und arbeite seit ca. drei Jahren in einer Kanzlei. Die Tätigkeit dort erfüllt mich jedoch nicht mehr wirklich. Ob ich in diesem Beruf bleibe, darüber bin ich mir auch nicht im Klaren.

    Wie dem auch sei, mein Einkommen liegt bei bei etwas über 2 k€ netto. Was im Vergleich zu meinen Kollegen in der Industrie (Durchschnitt 2,7 k€) schon wenig ist. Meine Sparquote rangiert zwischen 19% und 39%. Wobei ich versuche nicht übermäßig viel sinnlos zu konsumieren.

    Einen Einstieg in das Thema Aktien und Fonds zu finden, ist für mich im Moment nicht so einfach. Zwar habe ich mir ein paar Bücher (zb. wiso Aktien, Anleihen, fonds) geholt, komme aber dort nur langsam voran. Hast du irgendwelche Tipps für den Einstieg?

    Ein Finzanzpolster habe ich mir geschaffen (ca. 6 netto Gehälter), welches auf einem Tagesgeldkonto liegt. Wie viel sollte man investieren? D.h. unter einer Investition von bspw. 5.000 Euro in Aktien lohnt es sich gar nicht erst anzufangen. Dann doch lieber monatlich in einen ETF einzahlen?


    Viele Grüße

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    1. Eine Antwort finden Sie in meinem jüngsten Beitrag: "Den Einstieg schaffen"

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    2. Warte den nächsten Crash ab und dann kaufst Du kräftig ein. Bei Dax, Dow etc. auf Alltime Highs nur wegen Notenbanken und ungelösten Finanzkrisenproblemen zu kaufen, ist finanzielles Harakiri.

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