Sonntag, 14. Dezember 2014

Betreutes Sparen - Riester ist nicht im Sinne Kants

Wer meine Beiträge kennt, weiß, wie ich zu Kapitallebensversicherungen stehe, zu Riesterrenten, zu Rüruprenten, zu Betriebsrenten und zu all den komischen Formen des Sparens. Ich fasse das zusammen als "betreutes Sparen" und die mitschwingende Verachtung für diejenigen, die das machen, ist auch so gemeint.

Ist es nicht komisch, dass die Deutschen überall sonst selber machen wollen: Sie wollen selber Auto fahren (und wehe, es redet jemand rein), sie wollen auf keinen Fall ins Altenheim, den Führerschein wegen Sehschwäche im Alter will kaum jemand abgeben. Selbst die Tüten lässt man sich im Supermarkt ungern einpacken; das macht man lieber selber. Man wehrt sich gegen Betreuung. Außer beim Vermögensaufbau.

Die meisten Menschen sind abhängig beschäftigt und beziehen regelmäßig Lohn oder Gehalt. Es ist auch okay, wenn Menschen sagen, dass sie das machen wollen und nicht Freiberufler oder Unternehmer sein, denn das ist mit viel Verantwortung, Bürokratie, Arbeit und Risiko verbunden. Weil es sich aber kaum vermeiden lässt, dass Geld vom Gehalt/Lohn übrig bleibt, das gespart werden will, muss man intelligent sparen und investieren. Die Notwendigkeit besteht darin, dass die Menschen Konsumwünsche haben, die das monatliche Netto-Einkommen weit überstrapazieren.

Und damit wird man zu einem Unternehmer in eigener Sache. Und daher rate ich grundsätzlich dazu, sich finanzielle Kompetenz anzueignen. Ich jedenfalls hatte als Kind, die einen oder anderen Sparprozesse am laufen, um mir die eine oder andere teurere Sache zu finanzieren. Ich wäre als Kind nicht auf die Idee gekommen, einen Kredit aufzunehmen und diesen aus meinem Taschengeld abzustottern.

Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, jemand anderen mein Geld zu geben, der mir irgendwas dubioses versprochen hätte. Ich managte schon als Kind mein Geld und das mache ich heute noch. Ich lese nicht gerade wenig über Finanzen, Aktien und Unternehmen. Und ja, es macht sogar Spaß. Ich hätte keinen Spaß daran, wenn ich es nur "aus Spaß" machte. Ich sähe keinen Sinn drin. Da ich aber die Verantwortung für mich in meine Hände nehme und nicht an eine Obrigkeit delegiere, fühle ich mich frei, selbstständig, selbstbewusst. Und das erfüllt mich mit einer gewissen Freude.

Wie schon Emanuel Kant schrieb:

AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Dadurch, dass ich meinen Vermögensaufbau bzw. Altersvorsorge selber in die Hand nehme und nicht delegiere, zeige ich, dass ich den Mut habe, mich meines Verstandes zu bedienen. Ich sehe auch eine Selbstverschuldung bei vielen meiner Gleichaltrigen, die sich nicht trauen. Obwohl sie die geistige Kapazität dazu hätten, ein diversifiziertes Depot aufzubauen, machen sie es nicht.

Wer riestert, rürupt oder in eine KLV einzahlt, überträgt das Recht, was mit dem eigenen Vermögen geschehen soll, einer Versicherung oder Bank. Durch diesen antiaufklärerischen Akt lassen sie es zu, dass andere über sie bestimmen. Die Gesellschaft für die Riesterversicherung bestimmt, ob man sich im Alter die gute Wurst und den guten Käse leisten oder nicht. Aus selbstverschuldeter Unmündigkeit wird selbstverschuldete Handlungsunfähigkeit. Das kann nicht im Sinne Kants sein.

Ein mündiger Bürger braucht keine Betreuung beim Sparen. 

Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich bin selber Riester-Sparer, verstehe das ganze Riester-Bashing natürlich, aber man hat -wie bei anderen Anlage auch- ja die Wahl. Ich muss ja nicht die teure RiesterVERSICHERUNG nehmen, sondern kann mich ja auch für einen Banksparplan (Zinsen mau) oder Fondssparplan (seit Neustem sogar mit ETF wenn man möchte) entscheiden.

    Bei aller Kritik über Riester sehe ich immer, dass Riester gleichgestellt wird mit den Versicherungsprodukten - das ist auch wohl immer noch der Grossteil der Verträge, aber ist gibt wie o.g. ja auch Alternativen. Zu Wohnriester kann ich nichts sagen, da es mich aktuell nicht interessiert.´

    Du (wir!) kaufen ja auch nicht für's Dividendendepot die schlechten Firmen. Schau dir nur den MSCI-World an und du hast Auswahl über 1600 Aktiengesellschaften.


    Gerne würde ich aber mal meine persönliche Situation als Beispiel aufführen, vielleicht kannst du mir deine Meinung (!) dazu geben:

    Riesterfondssparlan UniProfiRente (Union Investment) habe ich 2006 (im Alter von 26 Jahren) bei der lokalen Volksbank abgeschlossen und seit dem 17.692 EUR eingezahlt (wird als garantiert online angezeigt), akuteller Stand 26.179 EUR. Wertzuwachs: 8.487 EUR (Nette Anmerkung am Rande: Damit liege ich sogar über der 2006 bei Abschluss erstellten - für mich zu hohen Beispielrechnung für Ende 2014 - die damals mit 7,80% / Jahr berechnet wurde ...)

    In den knapp 9 Jahren habe ich immer den max. Beitrag von (aktuell) 2100 EUR eingezahlt. Wobei mein Arbeitgeben 26,59 EUR im Monat Brutto dazu schiesst und ich vom Netto die 26,59 EUR dann wieder bezahle + 136 EUR / Monat als Beitrag (die 154 EUR Zulage 1x im Jahr kommen dann für Steuerklasse 1 noch oben drauf).
    Die kompletten 2100 EUR gebe ich dann ein der Einkommensteuererklärung an und bekommem als Steuerklasse 1 gutes Geld zurück (das dann natürlich für andere Anlagen zu Verfügung steht).

    Und nur mal so nebenbei: Ich sehe seit Jahren die 136 EUR / Monat als "normale" Ausgabe - wie eine Versicherung - Abbuchung am Monatsanfang fällt schon garnicht mehr auf .. is so!

    Wenn es jemand nicht weiss: Grundsätzlich wird mit o.g. Riesterrente in den UniGlobal (WKN: 849105) angelegt und ggfs. in einen Uni-Rentenfonds umgeschichtet (u.U. bei schlechtem Börsenverlauf und zu kurzer Laufzeit - Achtung nicht für jeden geeignet!!!); Entwicklung UniGlobal in den letzten 10 Jahren: http://www.onvista.de/fonds/charts/preis.html?ID_INSTRUMENT=84747&TIME_SPAN=10Y

    Kosten: 5% Ausgabeaufschlag + 1,39 TER + 11 (oder so...) EUR Depotgebühr/Jahr - nicht das Billigste, aber gerade noch so ok ...

    Alternativen evt. ETF - guckst du hier: https://www.fairr.de/
    Intersant, aber akutell habe ich vor zu wechseln ... evt. schichte ich mal in einen Banksparplan und aber aktuell gehts 100% in den Aktienmarkt!


    FAZIT:
    --------

    Riester ist nicht gleichzusetzen mit Riesterversicherung oder wie Tim Schäfer auch am 12.12.14 schreibt - Zitat "Es gibt einzelne Riester-Anbieter und Produktkategorien, die sich wohlgemerkt rechnen." Seh ich auch so!

    Immer gilt: Man muss sich halt informieren - vor jedem MP3-Player-Kauf schaut sich auch jeder Stunden lang Testberichte und Bewertung an ...

    Würde mich über deine (oder gerne auch andere) Meinung freuen.
    Vielen Dank und noch ein schönes WE!

    TS

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  2. Ich habe nur immer das Problem, die ganze Sache in fremde Hände zu geben. Wenn sich jemand nicht mit Aktien etc. auseinandersetzen mag, bringt dies vermutlich mehr, als gar nichts zu machen. Wenn Du den Vertrag mit 26 abgeschlossen hast, heißt das, Du bindest Dich 40 Jahre. Wäre da nicht ein ETF besser, den man bei Bedarf auch verkaufen kann? Aber gut, dass Du überhaupt etwas machst. Die meisten denken mit 26 überhaupt nicht an die Zukunft.

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  3. Alexander, na ja ich sehe schon einen Unterschied zwischen einer Riester-Black-Box-Versicherung und einem offene Aktien-Fonds, der zu einem der pop. Fonds in Deutschland gehört ...

    Aber das mit den 40 Jahren binden, da gebe ich dir Recht, das mag ich normal auch nicht so gerne - lieber immer flexibel bleiben :-) Aber hätten wir dann nicht die ganze Kohle auf dem Tagesgeldkonto ?!? Gut im absoluten Notfall (der hoffentlich nie eintritt!) kann man alles verkaufen und muss seine Förderung und die Steuervorteile zurückgeben. Alternative: Stilllegen.

    Kosten: Klar es gibt günstigeres - siehe mein 1. Post - aber für mich noch ok und ich kenne die Kosten - in der Black-Box-Versicherung wäre das wohl nicht so ...

    Und abschliessend noch an alle Jungen Leute heute: Macht was! Zitat .... "Time in the market is more important than timing the market".

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  4. Hallo Couponschneider,

    erstens hast Du Recht: Die Leute vertrauen ihr Geld fremden Leuten an, die ihnen das blaue vom Himmel versprechen. Selbst schuld. Nun stelle Dir einmal vor, ALLE Menschen hätten höchste finanzielle Intelligenz. Dann gäbe es nur noch reiche, unabhängige Menschen. Geht das? Ich glaube nicht. Freu Dich doch über die "Dummen".

    Zweitens "Dinge selbst in die Hand nehmen": So richtig tust Du das ja auch nicht. Du kaufst Aktien und gibst damit Dein Geld einem Unternehmen, in dem Dir fremde Manager Entscheidungen fällen, die Dir nicht zwangsläufig genehm sein müssen. Sieh nur aktuell RWE: Da ist nix mehr mit Dividende. Ich habe auch Aktien, mach aber hauptsächlich mein ganz eigenes Ding.

    Drittens Riester-Bashing: Da hätte ich von Dir mehr Differenziertheit erwartet. Richtig ist, dass sich eine Menge Scharlatane in der Riesterwelt tummeln und dass viele den tollen Versprechungen der Banker aufgesessen sind, die auch nur Provisionen ziehen wollen. Wenn man sich aber selbst ganz genau damit auseinandersetzt, kann man auch Rosinen picken. Da stimme ich "Anonym 13:54" im Wesentlichen zu, kann ihm aber auch bescheinigen, dass er auch nicht ganz aufgepasst hat. Den Ausgabeaufschlag kann er sich nämlich sparen, wenn er ein vernünftiges Produkt wählt und nicht gerade das der Genossenschaftsbank. Fazit des Riesterdepots meiner Frau: Seit 2009 "satte" 500 EUR eingezahlt. Depotwert heute 4900 EUR (Einzahlungen, Wertentwicklung, Förderungen). Keine Ausgabeaufschläge. Depotgebühr ca. 10 EUR jährlich. Das Ganze entspricht einer Verzinsung von ca. 130% p.a. Noch Fragen? Ich denke Riester sollte jeder für sich kritisch prüfen. Pauschales Bashing ist zu kurz gedacht und hilft niemandem.

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  5. Hallo Couponschneider,
    um es gleich vorweg zu sagen: Ich bin auch kein großer Freund von Riester & Co.

    Meine Argumente:

    - Riester richtet sich an Menschen, die ein klassisches, langes Berufsleben als abhängig Beschäftigter führen (werden). Menschen, die im Alter die klassischen Eckrenter sein werden. Es gibt diese Lebensläufe sicherlich noch, aber sie werden weniger. Oft nicht, weil die Menschen so flexibel sein wollen, sondern weil sie müssen.

    - Was das "Riester-Bashing" angeht: Ich gebe meinen Vorrednern teilweise recht. Es gibt bei der breiten Auswahl an Riesterverträgen sicherlich Verträge und Konstellationen, die lukrativ sind. Nur: Dazu muß man sich - wie meine Vorposter schon schrieben - gut auskennen und einarbeiten. Meiner Meinung nach bekommt man für diese Zeit mehr Rendite, wenn man sich nicht in das Thema Riester, sondern generell in Finanzthemen einarbeitet. Also rein unternehmerisch gedacht, ohne irgendeine politische Agenda.

    Das sind meine Gründe gegen Riester.

    Dazu kommt noch das generelle Mißtrauen gegenüber großen Instititionen. Aber das ist eine Lebenseinstellung, die kan man teilen oder nicht. Es gibt auch für die Gegenposition gute Gründe.

    Gruß
    Finanzwesir

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  6. Du sprichst von "Verachtung" für Riestersparer, dieses Wort finde ich - mit Verlaub - deplatziert. Erst recht vor dem Hintergrund, dass mein Kommentar zum Riester-Artikel vom 22. Januar unkommentiert bliebt.

    Ich wiederhole nochmals: Wer auf Fonds setzt, mehrere Kinder hat und in jungen Jahren anfängt, erzielt auch und gerade mit Riester eine sehr ordentliche Rendite. In unserem konkreten Fall - drei Kinder - verdoppelt sich die Einzahlung allein schon durch die jährlichen Zulagen - und wächst durch die Aktienfonds noch weiter.

    Also bitte: Nicht alle über einen Kamm scheren und "verachten" - sondern sich vielleicht etwas differenzierter mit dem Thema beschäftigen. Das täte Dir und dem Blog sicher auch gut.

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    1. Unabhängig von den Förderungen: Wissen Sie denn heute schon, wie groß Ihr Bedarf in 30 Jahren ist, wo Sie leben und ob Sie überhaupt leben?

      Diese langfristigen Konstrukte wie KLV, Riester und Rürup sind einfach zu unflexibel und man geht mehrere Wetten ein:

      1. Man kann immer die Forderungen des Vertrages erfüllen.
      2. Die Gesellschaft (Bank, Versicherung, Sparkasse) geht nicht pleite.
      3. Die Inflation bleibt jahrzehntelang moderat.

      Bei einer Riesterrente wettet man zusätzlich, dass man über 90 wird.

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    2. Hallo,

      Wie groß der Bedarf ist, kann ich in etwa einschätzen. Zumal Riester natürlich nur eines von vielen Standbeinen ist. Sollte ich mit Mitte Anfang 70 - und das ist bei mir in 30 Jahren - nicht mehr leben, so freut sich meine Frau über die Rente.

      Meines Erachtens ist auch ein reines Aktieninvestment wie das Ihre langfristig - denn es gab durchaus Durststrecken, bei denen man zehn Jahre warten musste, bis der Einsatz wieder drin war - und ich spreche hier von Indizes, nicht von einzelnen Papieren, bei denen es noch länger dauern kann.

      Ihre Einwände - insbesondere der mit dem "über 90" betrifft in erster Linie die Riester-Rentenversicherungen, nicht aber die Fonds. Mit denen ist man schon weit vorher im Plus, erst recht durch die Zulagen.

      Die perfekte Geldanlage gibt es nicht - ich bitte nur um Verständnis darum, dass für manche Personenkreise Riester eine gute Ergänzung sein kann und diesen Personen nicht mit "Verachtung" begegnet werden sollte.

      In meinem konkreten Fall ist Riester ein Baustein von vielen (unter anderem auch Aktieninvestments und selbst genutzte Immobilie sowie Edelmetalle), der sich schon durch die Förderungen so sehr lohnt, dass ein Verzicht darauf schlicht unlogisch wäre.

      Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und Danke für die Antwort!

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    3. Richtig, es ist eines von mehreren Standbeinen. Es gibt

      1. die staatliche Rente,
      2, die Betriebsrente,
      3, die Riesterrente.

      Fällt Ihnen was auf? - Richtig! Alles Leibrenten. Gegen die staatliche Rente kann man sich schlecht wehren. Man muss sie ergänzen. Allein deswegen würde ich es tunlichst vermeiden, sie mit etwas ähnlichem zu ergänzen.

      Meine Engagements in Aktien sind langfristig angelehnt, aber meine Wette ist weniger riskant und ich bin flexibler. Hätte ich heute Familie und ich würde den Löffel abgeben, die Erbmasse wäre äußerst kernig.

      Ich habe persönlich etwas gegen staatliche Förderungen: Ich traue dem Staat nicht. Den Bürgern, die jahrelang in Schiffsfonds und Filmfonds investiert hatten, zeigte der Staat plötzlich die lange Nase. Die gesamte Förderungen/Begünstigungen mehrerer Jahre rückwirkend mussten zurückgezahlt werden. Ich bin ein Freund einfacher Verhältnisse. Bei Dividenden weiß ich, dass ich meine Steuern heute zu entrichten habe. Ich entrichte (bzw. meine Bank tut das für mich automatisch) und ich bin mir sicher, danach nicht mehr behelligt zu werden.

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  7. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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