Sonntag, 7. Dezember 2014

Statistiken führen

Als ich mein Engagement an der Börse begann - das war vor fünf Jahren -, eröffnete ich sogleich in der Tabellenkalkulation eine Mappe für meine Aktienkäufe, -verkäufe und Dividendenzahlungen. Entsprechend meiner Anlagephilosophie trage ich recht wenig bei den Verkäufen ein, aber es gibt sie. Kaufoptionen im Zuge einer Kapitalerhöhung verkaufe ich grundsätzlich. Auch die Osram-Beteiligung verkaufte, weil mir die Position zu klein war und ich nicht plante nicht, nachzukaufen.

Da ich die Daten sammle, kann ich darüber auch Statistiken führen, diese aufbereiten und aufzeigen: Seht her, es lohnt sich tatsächlich, langfristig in Aktien engagiert zu sein und stetig nachzukaufen. 2009 bekam ich gerade mal 51 € brutto an Dividenden heraus. Heute bekomme ich ca. das sechzigfache.

Es wäre natürlich einfacher, auf den DAX zu verweisen. Er ist ein Performanz-Index und zeigt auf, was aus Kurswachstum und reinvestierten Dividenden passiert. Ich halte das für recht synthetisch und viele Leute glauben auch nicht, dass man die durchschnittliche DAX-Rendite für Hochrechnungen nutzen kann.

Viele verstehen es auch nicht, wenn man von durchschnittlichen 8 % redet. Die hören "garantierte 8 %" und ziehen sofort alles in Zweifel, was man sagt und schreibt, denn natürlich kann ich nichts garantieren. Denen genügt auch nicht die Aussage, dass mit "hoher Wahrscheinlichkeit" man nach 10 Jahren dick im Plus ist. Es gibt gute und schlechte Jahre. Die durchschnittliche Rendite ist das geometrische Mittel.

Garantien zu verlangen, ist auch recht infantil, denn garantiert sind nur der Tod und die Steuer. Ein erwachsener Mensch sollte das wissen, aber wenn er dennoch auf Garantien bei der Geldanlage insistiert, sei ihm angeraten, sich ernsthaft mit Wahrscheinlichkeitstheorie auseinanderzusetzen, meinetwegen auch mit dem Philosophie. Mit den Unwägbarkeiten des Lebens und der Börse umgehen zu können, ist Teil des Erwachsenseins.

Selbst wenn man mit Aktien ein unterdurchschnittliches Ergebnis erzielen sollte, ist das meistens immer noch besser als das, was beispielsweise eine Kapitallebensversicherung garantiert. Und darauf kommt es an. Mit jeder zusätzlichen Position im Depot senkt man die Varianz des Gesamtergebnisses, also die Abweichung vom Durchschnitt. Das wird bei der Diversifizierung ausgenutzt.

Ich führe Statistiken, um mir meinen Erfolg vor Augen zu führen. Es motiviert mich und es motiviert vielleicht andere, wenn sie das lesen. Mir fällt es auch leicht, da ich schon immer ein Faible für Statistiken hatte. So konsultiere ich häufig Fußball- und Basketballstatistiken. Die Amerikaner haben schon sehr früh angefangen, Statistiken über alles mögliche zu führen. Der Dow Jones ist nicht umsonst der älteste Aktienindex der Welt.

Im amerikanischen Basketball werden schon seit Jahrzehnten für jeden Spieler und für jedes Spiel umfangreiche Daten gesammelt. Nicht nur in der Hauptkategorie, also den gemachten Punkten. In Fußballeuropa hat man anfangs selbst die Anzahl Spiele und Anzahl der Tore nur unzureichend notiert, während beim Basketball in Amerika Spielminuten, Punkte, Assists und Rebounds notiert wurden. Später kamen dann auch noch Blocks, Steals und Turn overs dazu. Bei den Rebounds begann man bei der Datenerfassung, zwischen offensiven und defensiven Rebounds zu unterscheiden.

Wenn Statistiken in den USA so populär sind, müssen sie ja eine entsprechende Breitenwirkung haben. Vielleicht sollte man mal eine Studie darüber führen, inwiefern die Statistik-Liebe der Amerikaner mit ihren Wohlstand zu tun hat. Denn eine gute Statistik kann helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen. Ein Gefühl für Wahrscheinlichkeiten bewahrt einen auch vor unsinnigen Versicherungsverträgen, wie z. B. der Handy- oder der Sterbegeldversicherung.

Gerade in Deutschland tut man sich immer noch schwer mit Stochastik und Statistik. Dass Churchill nur den Statistiken geglaubt haben sollte, die er selbst gefälscht hätte, ist eine populäre Totschlagsphrase. Man erstickt die Diskussion und schnürt die Gedanken ein, das passiert, wenn man den Churchill-Spruch kloppt. (Der übrigens mit hoher Sicherheit aus Goebbels Ministerium stammt, um die Deutschen das Hören des BBCs auszutreiben.) Die Folge ist: Wohltandsverlust.

Kommentare:

  1. Dazu fällt mir spontan ein, dass mit Big Data jetzt Daten in einem nie gekannten Unfang gesammelt werden, welche die Stasi mit ihren Vorsintflutmethoden vor Neid erplassen lassen müsste. Jede Internetseite, die besucht wird, jedes Telefonat das geführt wird, wird gespeichert. Ob das ein Fortschritt für die Menschheit ist, wenn es keinerlei Privatsphäre mehr gibt, wage ich zu bezweifeln.
    Ich weiß, dass sie das nicht gemeint haben mit Statistik führen. Trotzdem gehört es in den größeren Rahmen des Datensammelns.

    Mich würde noch interessieren, ob Sie bei Ihrer Aktienstatistik eine besondere Systematik haben oder einfach fortlaufend ihre Ergenisse protokollieren.

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    1. Bei den Dividenden sammle ich fortlaufend die Information, wie viel ich wann von welchem Unternehmen erhalten habe. Dazu kommen die Steuerinformationen.

      Die Daten liegen ja ohnehin vor, denn die Bank muss ja berechnen, wie viel ich an Abgeltungssteuern zu zahlen habe.

      "Big Data" halte ich für nicht für die Gefahr, als die sie dargestellt wird. Entscheidend ist nicht, was gesammelt wird, sondern was damit gemacht wird. Mir ist nicht bekannt, dass Google Gefängnisse betreibt und Menschen in menschenunwürdigen Zuständen zusammenpfercht. Das haben DDR und Stasi gemacht. Dieses Wochenende habe ich mal wieder Reportagen über Stasi, Überwachung und DDR-Gefängnisse (z. B. Frauengefängnis Hoheneck) gesehen. Dadurch kam ich in Rage, weil es immer wieder Menschen gibt, die das DDR-Regime beschönigen, weil in der DDR jeder Arbeit gehabt hätte, es Kindergartenplätze für alle gab und die Brötchen nur drei Pfennige kosteten. Das waren die "Autobahnen" der DDR; das bekannte Blödsinn.

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  2. Hallo Couponschneider,

    ein eindrucksvoller Beitrag. Gleich zu Beginn zeigen Sie deutlich, dass regelmäßiges Investieren der Schlüssel zum Erfolg ist.
    In nur 5 Jahren aus knapp 50€ Dividende fast 3000€ gemacht. Das zeigt, dass es nicht falsch sein kann, wenn man regelmäßig spart & sein Geld gut anlegt.

    Zum den Statistiken muss ich sagen, dass es für mich auch sehr hilfreich ist, die Daten vergangener Zeiträume zur Verfügung zu haben und mit aktuellen Daten zu vergleichen. Ganz egal ob Kursentwicklung, Dividendenzahlung bzw. die daraus resultierende Dividendenrendite. So lassen sich auch schnell Veränderungen bzw. Entwicklungen / Tendenzen erkennen.
    Das hilft (mir), auch in turbulenten Zeiten, die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

    Grüße
    Elmar

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  3. Selber Statistik zu führen ist schon sinnvoll. Aber den Statistiken Anderer zu glauben ist schon fahrlässig. Schauen Sie sich doch nur mal die manipulierten Statistiken der Arbeitsagentur an.

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  4. "Mit jeder zusätzlichen Position im Depot senkt man die Varianz des Gesamtergebnisses, also die Abweichung vom Durchschnitt."

    Kleiner Hinweis zum ansonsten guten Beitrag:

    Das stimmt unter der Voraussetzung von Unabhängigkeit der Positionen zueinander.
    Die ist aber selten gegeben. Daher ist ein Blick darauf, wie die Korellation aussieht immer sinnvoll.

    Du kannst dir nähmlich aus einem schön gewichteten Portfolio mit niedriger Varianz durch den Zukauf von Position aus nur einer Branche wieder eine ordentliche Varianz hinzukaufen.

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