Dienstag, 6. Januar 2015

Josephspfennig - Ein Fall von Scharlatanerie

Dirk Müllers Fans kennen ihn: den Josephspfennig. Ein Eurocent im Jahre 0 angelegt, bei 5 % Zinsen, ergeben nach 2000 Jahren 2,39 * 10^38 €. Und was beweist uns das? Dass der Zinseszins nicht funktioniert?

Es ist ein mathematisches Schurkenstück, um schlichtere Gemüter zu beeindrucken, deshalb verwendet es Dirk Müller. Was lässt Müller außer acht?

1. Inflation,
2. Gläubigerrisiko, dass der Schuldner pleite geht,
3. andere Unsicherheiten.

Er lässt die Dinge weg, um hinterher festzustellen, es könne so nicht funktionieren, da der Betrag wegen der Zinszinsen ins Unermessliche steigt. Also müsse der Staat kräftig intervenieren. Aber die Staaten intervenieren seit Jahrhunderten. Es ist auch möglich, dass die Bank pleite geht und dann ist das Sparbuch wertlos. Müller behauptet, der Zinseszins führe ins Verderben, schlägt Maßnahmen vor (wie Schuldenschnitte) und unterschlägt, dass diese Maßnahmen seit langem gängige Praxis sind.

Und überhaupt: Wie realistisch ist es denn, dass es 5 % Zinsen gibt? Und dann auch noch risikofrei. Und welche Bank erlaubt die Anlage über so lange Zeit? Immerhin ist der Zins ein Ergebnis aus Angebot und Nachfrage und welche Bank würde dieses Angebot machen? 

Müllers Rumgemotze am Geld- und Finanzsystem entbehrt jeder Grundlage. Die Zinseszinsen stellen kein unlösbares Problem dar, weil die Natur der Wirtschaft Abwehrmechanismen eingebaut hat. Geld kann inflationieren, sogar richtig kräftig. Und es hat in der Vergangenheit richtig gut funktioniert.

Wir leben in der besten aller möglichen Zeiten. Auf deutschem Boden wurde seit 1945 kein Krieg mehr geführt, in ganz Westeuropa nicht mehr. Noch nie lebten so viele Menschen in Wohlstand und in Frieden. Und das alles mit vermeintlichen Gummi-Währungen wie Euro, Dollar und Yen. Die Goldbugs trauern immer noch ihrem Goldstandard hinterher.

Und selbst irgendwo mal die Hütte brennt, dann können zweistellige Inflationsraten ganz hilfreich sein. Das wurde doch in Italien jahrzehntelang praktiziert. Ich halte es nicht für die beste aller Lösungen, aber besser als nichts. Müller sieht Probleme, wo keine sind.

Kommentare:

  1. Ich finde Deine Beiträge zu Vermögensbildung und sparsame Lebensweise ja wirklich bereichernd aber Dein ewiges Müller-Bashing ist langsam peinlich.

    Zum einen stammt der "Josephspfennig" nicht von Dirk Müller selbst sondern ist schon vor weit über 200 Jahren "erdacht" worden.
    Zum anderen dient er lediglich dazu, die mit dem Zineszins über einen langen Zeitraum verbundene Problematik zu veranschaulichen. Es ist ein Gedankenexperiment, das in der Realität gar nicht funktionieren kann - nicht mehr und nicht weniger.
    Dass unser Geldsystem auf Dauer nicht funktionieren kann und auch noch nie auf Dauer funktoniert hat hat aber nicht nur mit dem Zinseszinseffekt zu tun, sondern ist weitaus komplexer.
    Wenn Du mal etwas über Deinen Schatten springen möchtest, dann lies doch mal "Die Wahrheit über Geld" von Raimund Brichta. Danach wird Deine Einschätzung der aktuellen Lage eine andere sein.

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    1. Ich habe nie geschrieben, dass Müller sich das erdacht hätte, aber er tingelt damit durch alle Talkshows und das kritisiere ich. Und ja natürlich, hat das Gedankenexperiment seine Berechtigung, aber damit zu kokettieren, dass das gegenwärtige System zu scheitern verurteilt sei und man schleunigst etwas neues brauchte, das ist schon bösartige Menschenfängerei.

      Nichts währt ewig: Kein Mensch, kein Haus, kein Staat und auch kein Geldsystem. Wer damit kokettiert und weiß, wie ein Geldsystem geschaffen werden kann, das ewig funktioniert, der ist ein Scharlatan. Müller kokettiert damit, indem er immer wieder das gegenwärtige System verdammt. Das gegenwärtige System hat sich nach Jahrhunderten herauskristallisiert, hat sich bewährt und es konnte immer wieder nachjustiert werden.

      Es ist irgendwie typisch deutsch, nach einer endgültigen Lösung zu suchen, selbst wo es keine geben kann. Die Amerikaner verschwenden nicht ihre Gedanken über Zinseszins. Bei denen muss der Laden einfach laufen, Feierabend.

      Kräftige Geldentwertung halte ich nach wie vor als schlechte Lösung für verschuldete Staaten, sich von den Schulden zu befreien. Es ist für Politiker der bequemere Weg im Vergleich zu Strukturreformen und Massenentlassung. Ich aber mittlerweile auch der Ansicht Kostolanys, lieber zehn Prozent Inflation hinzunehmen als zehn Prozent Arbeitslosigkeit.

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    2. Warum ist es denn Menschenfängerei (noch dazu bösartig!) wenn man versucht der breiten Masse zu erklären wie unser Geldsystem funktioniert und wo die Schwachstellen sind?
      Hast nicht auch Du (ich hoffe Du ist ok) hier schon oft geschrieben wie sich der Durchschnittsdeutsche z.B. mit Kapitallebenversicherungen zu horrenden Gebühren abspeisen lässt? Warum? Weil er es nicht versteht und/oder zu faul ist sich zu informieren. Jegliche Aufklärung abseits des Bankberaters ist da sinnvoll. Der Josephspfenning ist da nur ein ganz kleiner Teil, der sofort für einen gewissen Aha-Effekt sorgt - eben weil er so unrealistisch ist.
      Ich bin gewiss kein Müller-Fan aber wo wird denn überhaupt mal darüber nachgedacht, dass die aktuelle Situation mit all der "Schuldenkrise" vielleicht mit dem System an sich erklärbar ist? Ein perfektes System hat auch er natürlich nicht, aber auf die aktuellen Schwachstellen hinzuweisen kann deshalb ja nicht falsch sein. Das hat mit Rumgemotze ohne Grundlage absolut nichts zu tun, In letzter Zeit mehren sich zwar die kritische Stimmen (z.B. Thomas Mayer in der FAZ) aber auf der politischen Ebene wird nur an den Symptomen herumgedoktert.

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    3. Die Schuldenkrise ist von den Politikern und zinsgeilen Sparern zu verantworten. Mit "zinsgeil" meine ich geil auf risikolosen Zins aus "Garantieprodukten".

      Der Staat schrieb den Versicherungen vor, sie dürfen vernehmlich nur Staatsanleihen kaufen. Damit ist aber kein renditestarkes Produkt zu bewerkstelligen, also senkte der Staat regelmäßig den Garantiezins. So kann er den schwarzen Peter immer noch den Versicherungen zuschieben. Alternative wäre: Der Staat verzichtet auf billige Schulden.

      Nun ist es gekracht und die Politik hätte einen Bürgerkrieg entfacht, hätte sie die KLV-Sparer pleite gehen lassen. Man fing an, die Insititute zu retten und das Märchen von den bösen Banken zu erspinnen. Die Politik hat sich freiwillig in die Abhängigkeiten begeben.

      Das Finanzsystem hat sich dennoch bewährt, weil es reagiert hat. Ich sehe die Immobilienkrise und die Schuldenkrise als Korrektur. Plötzlich hat der Markt eben nicht mehr so blauäugig zugegriffen und die Endkunden wurden hoffentlich auch kritischer.

      Der Unterschied zwischen Dirk Müller und mir ist, dass er Krise selber als Problem sind und nicht als Problemlösung.

      Die Linksextremen um Sahra Wagenknecht sind übrigens auch wahnsinnig schlau: Die rufen danach, der Staat solle sich direkt bei den Zentralbanken Geld leihen und nicht über den Umweg der Geschäftsbanken und Versicherungsinstitute. Die Linksextremen würden den Bock zum Gärtner machen; die Schuldenmacherei stieße auf noch weniger Kritik.

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  2. @ Tueddelmors:

    könntest du das Buch denn kurz stichwortartig zusammenfassen? Würde mich echt interessieren.

    @ Couponschneider:

    endlich mal wieder ein Beitrag über das Wesentliche! Solche Artikel interessieren mich. Nicht jedoch welche über Antisemitismus, Pegida oder die SED !

    Weiter so!

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    1. Hallo Anonym,
      hier wird der Inhalt ansatzweise im Interview zusammengefasst:
      http://www.teleboerse.de/aktien/Der-Euro-wird-auseinanderbrechen-article11481026.html
      Für mich war/ist das Buch ein Grundlagenbuch, da es absolut sachlich und ohne Ideologie unser Währungssystem beschreibt und mit mathematischer Gründlichkeit erklärt, warum es auf Dauer nicht funktionieren kann.
      Wenn dann noch Fragen offen sein sollten, kann man über die Homepage zum Buch sogar mit dem Autor in Kontakt treten.

      Gruss
      Tueddelmors

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  3. Das Beispiel von Dirk Müller ist natürlich aus der Luft gegriffen und würde so nicht funktionieren. Aber es zeigt eindrucksvoll die Macht des Zinseszins und darum geht es nunmal beim Sparen. Und darum ging es ihm glaube ich auch. Natürlich wird die Inflation oder Steuern oder sonst etwas nicht berücksichtigt. Aber nach 2000 Jahren würde trotzdem eine gewaltige Summe herauskommen.

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  4. Couponschneider, du hast noch den Konsum vergessen, aber das ist auch nur eine von unzähligen Variablen. Der Zinseszins wirkt vl. nur zwei Generationen lang innerhalb einer Anlegerfamilie. Spätestens die dritte haut alles raus, macht Fehler bei der Anlage oder es passieren andere der 1.000 Unwägbarkeiten. Josephspfennig ist nichts als Augenwischerei. Genaus wie Dirk Müller. Zu ihm sagt man besser gar nichts. Jede Silbe verschwendet...

    Mach weiter so, guter Blog. Bleib deinen Grundsätzen treu. Und ich finde die Themenauswahl super! Immerhin bist du mal als "Freiheit, Leben, Eigentum" (oder so ähnlich) an den Start gegangen... ;)
    VG

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  5. Ich mag den Müller auch nicht. Aber eins hat er gut erklärt: dass die Deutschen zu Unrecht so einen Glauben an die heilige Immobilie haben. Er hat schön vorgerechnet, dass es in den meisten Fällen besser wäre nicht zu kaufen sondern zu mieten.

    Und dass man im Alter meistens in einem dann alten Haus sitzt in dem die Fenster neu gemacht werden müssen, die Heizung, das Dach usw usw. Das alles kostet unglaublich viel Geld. Dazu kommt, dass man bei Geldknappheit eben keinen Ziegel essen kann...

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  6. @Anonym:
    Das trifft bestimmt auf viele Anlegerfamilien zu.
    Doch gibt es auch Ausnahmen.
    Gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es zahlreiche Familien, die seit Generationen das Familienvermögen steigern bzw. sehr reich sind. Auch in Europa gibt es solche Familien. Es gibt auch Beispiele für Dynastien. Es ist wahrscheinlich eine Frage von Bildung, Beherrschung und Verantwortung.

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  7. Warum wird hier immer in der eindimensionalen Denkweise der Familie argumentiert?

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