Mittwoch, 4. März 2015

Von der Pflicht zu impfen

Ich bin ein Liberaler, bin nicht gerade ein Befürworter von staatlichen Verboten und Zwängen. Nicht, weil ich der Freiwilligkeit prinzipiell, bessere Ergebnisse zubillige. Ich lehne die meisten Zwänge ab, weil ich nichts davon halte, Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. Oft ist es so, dass ich mich gegen staatlichen Zwang entscheiden muss und bewusst in Kauf nehme, dass die Ergebnisse schlechter sind. Gerade im Finanzbereich und im Bereich der Altersvorsorge bin ich dafür, dass dem Einzelnen mehr Verantwortung und mehr Handlungsspielraum zugebilligt wird. Da kann einiges schiefgehen. Aber wenn jemand mit seiner Aktienauswahl hinfällt, hat er wenigstens was gelernt und macht es beim nächsten Male besser. Langfristig gesehen ist es sogar besser, wenn die Bevölkerung ein gesundes Verhältnis zum Investieren bekommt.

Es gibt aber Zwänge, die ich befürworte, weil sie sich notwendig ergeben. Weil ich diese Bundesrepublik befürworte, muss ich zwangsläufig auch die Steuererhebung befürworten, um Militär, Polizei, Justiz, Infrastruktur usw. zu finanzieren. Auch die gesundheitliche Infrastruktur, d.h. Krankenhäuser.

Und für mich gehören Pflichtimpfungen zu einer repressiven Maßnahme, die ich ausdrücklich befürworte. Der Grund, dass ich jetzt über dieses Thema schreibe, sind die Ereignisse der letzten Wochen. Die Medien berichteten über Maser-Fälle in Berlin und es sind nicht gerade wenige. Eine Impfpflicht wird diskutiert.

Wer positioniert sich dagegen? Es sind Ökopaxen, grüne Mittelschichtler, die ihren Kindern das Impfen vorenthalten. Man ängstigt sich um Impfnebenwirkungen und nimmt die viel gefährlichere Krankheit in Kauf. Ist es nicht seltsam, dass sich Ökopaxen für so viele repressive Maßnahmen einsetzen, deren Wirkungen eher zweifelhaft sind. Da ist die Förderung des Bioanbaus, der "erneuerbaren Energien" und Maßnahmen für den "Klimaschutz". (Häuser werden in gut brennbaren Sondermüll verpackt.) Ist es nicht unverantwortlich, sich um den Menschen des Jahres 2060 und seinem Klima zu sorgen, während man im Hier und Heute die Masern-Erkrankung in Kauf nimmt?

Grüne sind auch für das Rauchverbot, immerhin gibt es Passivraucher, die geschädigt werden können. Warum zählt dieses Argument nicht beim Impfen? Es gibt Menschengruppen, die nicht geimpft werden können und daher schutzlos dem Virus ausgeliefert wären. Vom einmaligen Passivrauchen nimmt niemand ein Leben lang Schaden; noch nicht einmal von regelmäßigen Passivrauchen, wie ich es als Kind erlebt habe. Sich aber mit Masern anzustecken, kann tödlich enden. Im Bereich der Altersvorsorge gibt es so viele Zwänge. Wenn es kracht und die Kurse im Keller sind, ist dies ein momentaner Zustand, der sich wieder ins Positive ändern kann. Der Tod aber ist irreversibel.

Und dann sind da noch die Kosten. Grüne rechnen einen vor, wie teuer es wäre, weil wir die ganzen Raucher und ihre Krankheiten finanzieren müssen. Wie teuer aber ist es für die Gesellschaft, wenn Menschen wegen Krankheiten, die man eigentlich schon im Griff hatte, lebenslang am Rollstuhl gefesselt sind?

Häufig gelesen bei Impfgegnern habe ich auch, dass das Thema Impfen von der Pharma-Industrie angeheizt würde und die Ärzte entsprechend "Propaganda" machen und vermeintlich unnötige Impfungen empfehlen. Das kann ich nicht bestätigen. Bestimmte Impfungen holt man sich, wenn man beispielsweise bestimmte Risikoländer bereisen möchte. Die Impfung gegen Hepatitis A wird nur empfohlen, wenn eine Reise in ein Risikoland tatsächlich ansteht. Das wird jeder Arzt so sagen. Und da ist die Sache mit der Pharmaindustrie: Impfstoffe sind ein standardisiertes Massenprodukt, die Marge ist recht gering und was am meisten dagegen spricht, ist die Tatsache, dass wir jahrzehntelang einen sozialistischen Block in Europa hatten. Da gab es keine ach so böse Pharmaindustrie mit Profitinteressen und die Sozialisten haben sich dennoch für die Impfungen stark gemacht. Aus Sicht der Impfgegner sind 40 Jahre Eiserner Vorhang Teil der Verschwörungungstheorie mit einer Pharmalobby, die uns abzocken will. Bekanntlich war Walter Ulbricht auf der Gehaltsliste von Roche. :-)

Übrigens würde die Pharmaindustrie viel mehr Kasse machen, wenn die Leute krank würden. Ein an Masern Erkrankter ist ein besseres Geschäft. Die Medikamente, die bei erfolgter Erkrankung zum Einsatz kommen, sind dann richtig teuer.

Nicht alle Liberalen teilen meine Auffassung, dass wir einen Sozialstaat benötigen oder ein solidarisches Gesundheitssystem. Ich stehe auch ein wenig über Kreuz mit dem Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, z. B. gefällt mir nicht, das alles auf die Altersrente fokussiert ist. Ich finde ein gutes und solidarisches Gesundheitssystem sehr viel wichtiger und zahle gerne dafür, dass wir gute Krankenhäuser haben und ein dichtes Netz an Arztpraxen. Aber wer von mir und anderen verlangt, dass Steuern und Abgaben dafür abgedrückt werden, der hat die moralische Pflicht, die Kosten gering zu halten und zwar auch durch Vorbeugung und dazu gehört die Impfung.

Kommentare:

  1. Blödsinnige Idee. In Deutschland sterben jedes Jahr zwischen 5000 und 15000 Menschen an Grippe.
    Forderst Du deshalb auch eine Impfpflicht? Wie geht es weiter? Helmpflicht für Radfahrer? Fußgänger?

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    1. Wieso ist das blödsinnig? Die Grippe ist deshalb so schwierig in den Griff zu bekommen, weil der Impfschutz ein Jahr später wieder hinfällig ist. Aber gegen die sogenannten Kinderkrankheiten reichen oft wenige Impfungen und die Sache ist gegessen.

      Es mit der Helmpflicht gleichzusetzen, ist unsinnig. Die Helmpflicht bietet kein garantierten Schutz vor Kopfverletzungen, einer Masernimpfung aber bietet einen 100-prozentigen Schutz vor Masern. Ein Helm kann nützlich sein, aber Pflicht? Die Grünen sind oft die ersten, die repressive Maßnahmen fordern, sogar die Helmpflicht. Für die Impfpflicht zu sein und gegen die Helmpflicht, ist erklärbar. Gegen Impfpflicht zu sein, aber für die Helmpflicht, ist unlogisch.

      Aber diese Überlegungen mache ich in meinem Artikel und ich schreibe ja, dass ich repressiven Maßnahmen eher abgeneigt bin. Aber Lesen scheint Ihre Stärke nicht zu sein.

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  2. Zu dem Thema gibt es eine schöne Verschwörungstheorie, die mit gut gefällt (leider ist sie nicht von mir; ich habe sie irgendwo aufgeschnappt).

    Sie lautet:
    Die Impfgegner werden von der Pharmalobby bezahlt.

    Begründung: Wie oben ausgeführt, lässt sich mit Impfstoffen nicht viel Geld verdienen. Sind andererseits viele Menschen ungeimpft/ungeschützt, so können sich Masern und andere Infektionskrankheiten so richtig ausbreiten. Dann kann die Pharmaindustrie so ihre hochpreisigen Medikamente an richtig viele Patienten bringen und ordentlich verdienen.
    Auf die Frage: Wem nützt es, das Impfen zu verhindern?
    Wie gezeigt der Pharmaindustrie. Also stehen die Impfgegner auf der Sponsorenliste von BigPharma.

    Schön einfach, so eine Verschwörungstheorie - oder?

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    1. So isses. :-) Die Rollstuhlindustrie mischt sicherlich auch mit, dass die Masern sich wieder ausbreiten. Am besten ist, Kinder erkranken daran und bräuchten aufgrunddessen schon im Kindesalter den Rollstuhl. Das Kind wächst ja noch und dann braucht man alle paar Jahre einen neuen. Verfluchte Rollstuhllobby aber auch. :-)

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  3. ShakiraShakira-Fan4. März 2015 um 22:46

    Uiui. Du argumentierst in erster Linie oder sogar ausschließlich auf Kosten/Schaden-Verhältnis: Was kosten flächendeckende Impfungen gegenüber den finanziellen Schäden, die der Gesellschaft durch nicht-Impfen entstehen bzw. wahrscheinlich entstehen.
    Die Grünen argumentieren hier anderst.Selbstbestimmung, was man seinem Körper antut oder auch nicht. Das Beispiel 'Rauchen' passt deswegen nicht, da hier der Schaden für sich selbst ja durch aktives Handeln der Mitmenschen (die Raucher) resultiert. Das ist bei Masern/Grippe etc. nicht der Fall. Sonst würden die Grünen die Krankheiten sicher auch verurteilen,- denke ich. ;) Aktives Handeln und dabei andere schädigen ist eben etwas anderes, als nicht-Handeln (in dem Fall nicht Impfen) und nur sich selbst schaden. Die möglichen Kosten für die Gesellschaft wiegen dabei weniger, als die Selbstbestimmung.

    So wenig ich die Grünen derzeit mag (thematisch, wie auch die Personen in der Parteienführung), ist mir diese Argumentationslinie um einiges lieber, als deine: Denn auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis schielend kann man nämlich alles und alles Unmenschliche rechtfertigen. So einseitig zu argumentieren halte ich für gefährlich.

    Soviel zur schwarz-weiß-Darstellung. Es müssen demnach irgendwo moralische Hürden eingebaut werden. Und nicht in die Richtung, "moralische Pflicht, die Kosten gering zu halten" wie du am Ende sagst. Sondern das Gegenteil. Die moralische Pflicht, das Handeln/Unterlassen nicht nur(!) auf das finanzielle Nutzen zu reduzieren (es ist klar, den Punkt völlig zu ignorieren ist sehr realitätsfern). Diesen Gedanken hast du sicher auch in deiner Philosophie. Nur allein in deinem Kommentar oben erkenne ich die nicht.

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    1. Wieso passt die "Argumentation" nicht? Ich bin nicht für das Rauchverbot. Die Grünen u.a. sind dafür, mit dem Argument, Passivrauchen schädige zu ungemein. Weder durch gelegentliches Passivrauchen, noch regelmäßiges Passivrauchen, wird man aber auf Dauer krank. Bei Masern reicht ein dummer Zufall und man als Ungeimpfter angesteckt.

      Ich argumentiere auch mit Selbstbestimmung. Die Grünen sind schnell bereit, die persönliche Freiheit des Einzelnen zu beschneiden, werfen sie aber im Ring, wenn es um eine repessive Maßnahme wie die Impfpflicht geht, die übrigens in vielen Ländern dieser Erde schon angewandt wurde und noch angewandt wird. Ein Ungeimpfter und Erkrankter setzt auch andere einer enormen Gefahr aus (und es betrifft dann auchsgerechnet die Schwächsten, die Neugeborenen).

      Sie haben meine Artikel einfach nicht verstanden. Ihr letzter Absatz zeugt davon. Ich reduziere nichts auf den finanziellen Nutzen. Es ist nur einer von mehreren Punkten. Übrigens auch ein Argument, das man bei der Anschnallpflicht einwirft: Ein Unfallopfer, das angeschnallt ist, trägt leichtere Verletzungen davon und ist für die Gesellschafter billiger. Ein Nichtangeschnallter gefährdet aber nur sich und das Portemonnaie der Gesellschaft. Ein Ungeimpfter gefährdet sich, das Portemonnaie der Gesellschaft und andere, die nicht geimpft werden können.

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  4. Wen möchtest Du denn alles (auf wessen Kosten) impfen?

    andere EU-Bürger?
    Touristen?
    Flüchtlinge?

    Oder soll, konsequenterweise fortgedacht, das Land nur noch betreten werden dürfen, wenn bestimmte Pflichtimpfungen nachgewiesen sind?

    Was passiert bei einer Weigerung?

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    1. Einzelne Nichtgeimpfte sind kein Problem. Entscheidend ist, dass die hiesige Bevölkerung, die hier dauerhaft sesshaft ist, eine hohe Impfquote hat.

      Dass sich ausgrechnet im grünen Szeneviertel Prenzlauer Berg die Masernerkankungen Überhand nehmen, zeigt, was passiert, wenn die Impfquote über Dauer stark sinkt.

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