Montag, 18. Mai 2015

Einstein-Puzzle und die Börse

Ich schrieb bereits im vorherigen Artikel, wie mich dieses Spiel fasziniert. Es bannt mich geradezu. Ich habe in den letzten Tagen wieder häufiger gespielt und das Spiel spukt dann in meinen Träumen. (Sowas habe ich auch schonmal erlebt, als ich viel Schach bzw. Backgammon spielte.)

Mein Rekordergebnis: Ich habe das Spiel innerhalb von 56 Sekunden lösen können. Meine Top-Ten reichen von diesen 56 Sekunden bis hin zu 1:04 Minuten.

Wie schafft man das?

Dazu folgende Punkte:

  1. Es ist natürlich Training dabei. Mit der Zeit lernt man die Regeln schneller zu interpretieren und umzusetzen.
  2. Es ist die konsequente Umsetzung der Regeln. Man wird nicht immer direkt etwas aufdecken können. Viel häufiger nutze ich den Rechtsklick, um Dinge auszuschließen.
  3. Wenn eine Regel umgesetzt wurde und sie nicht mehr gebraucht wird, kann man sie wegklicken. Das setze ich konsequent um. Aus den Augen, aus dem Sinn.
  4. Mehrere Regeln auf einmal erfassen und umsetzen. Man sollte die Bewegung mit der Maus verringern.
  5. Und überhaupt das Zeigergerät: Als ich auf den Trackball umstieg, konnte ich viel präziser die Felder ansteuern. Das brachte für meine Top 10 eine Verschiebung um 10 Sekunden nach unten. Ich kann mir vorstellen, dass es mit einem Stift direkt auf den Bildschirm noch besser gänge.
  6. Parallel zu den Mausbewegungen nachdenken und den Blick schweifen lassen. Wenn ich den Maus in eine Ecke bewege, dann vergeht schon mal eine halbe Sekunde. In der Zeit kann man sich die andere Regeln anschauen, die man vielleicht auch in der Ecke, wo Maus dann schon mal ist, auch umsetzen kann.

Das sind aber keine strategischen Angelegenheiten, sondern betreffen meine trainierbaren kognitiven Fähigkeiten und das Handicap, das eine Computermaus gegenüber einem Trackball hat.

Was kann ich aber daraus für die Börse lernen? Mit einer gewissen Erfahrung, mit einem gewissen Training, sieht man mehr als die bloßen einzelnen Regeln, sondern man kann Regeln kombinieren. Wie z. B. in dem folgenden Beispiel:



Mir sprang sofort ins Auge, dass das Quadrat, E, 5, Wurzelzeichen in einer Spalte stehen müssen (Regeln 1,2, 3). Die 3 und 5 sind folglich Nachbarn (Regeln 3 und 5). Die römische IV gehört auch in die Spalte, in der schon das Quadrat, die Wurzel, das E und die 5 stehen.

Es ist im Grunde wie mit jeder anderen Tätigkeit auch. Training schafft Perfektion. Wenn Warren Buffet Geschäftsberichte liest, kombiniert er auch schneller als ein Untrainierter.

Aber nun zum Strategischen. Ich habe drei Strategien:

  1. Ich bin vorsichtig und setze stur Regeln um, ich kombiniere. Ich überlege genau und möchte auf keinen Fall verlieren.
  2. Ab und zu rate ich kontrolliert, wenn ich beispielsweise eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit sehe, dass etwas passt.
  3. Ich bin ein Hasardeur und rate wild drauf los. Mit 1:6 liege ich richtig. Wenn ich rate, was nicht in einem Feld vorkommt, dann liege ich mit 5:6 richtig. Wenn ich die ersten zwei bis drei geraten Dinge richtig habe, mache ich kontrolliert weiter.

Meine besten Ergebnisse kommen tatsächlich daher, dass ich Hasardeur war. Hinter meinen beeindruckenden Top 10 stehen viele verlorene Spiele, weil ich mal falsch geraten habe. Wer dreimal in einer anfangs lehren Zeile drauflos rät, liegt mit 1/6 * 1/5 * 1/4 dreimal richtig, also in einem von 120 Fällen. Die anderen 119 Fälle sind verlorene Spiele.

Wenn ich konservativ spiele, dauert es am längsten. Mein Lieblingsmodus ist aber das kontrollierte Raten. Es gibt dann immer noch vorzeitige Spielabbrüche, aber wenn ich dann das Rätsel löse, schaffe ich meistens unter 4 Minuten.

An der Börse kann man auch verschiedene Strategien umsetzen. Man kann Hasardeur sein und vielleicht die Aktie erwischen, die dann um 10000 % abgeht, aber viel häufiger wählt man dann die Nieten. Wer volle Kontrolle haben möchte, geht vielleicht gar nicht erst an die Börse und verliert Rendite. Die Börse hat die Unwägbarkeit, dass niemand die Zukunft kennt. Die Zukunft spielt im Einstein-Puzzle aber keine Rolle.

Mit den Unwägbarkeiten des Lebens, mit den Zufällen der Börse zu leben, ohne die Zufälle herauszufordern, ist der Weg, um an der Börse Erfolg zu haben. Das ist genau der Fall, wenn ich das Einstein-Puzzle mit meiner zweiten Strategie angehen: Kontrolliert raten, um das Spiel zu beschleunigen, ansonsten stur Regeln umsetzen und kombinieren. Strategie 1 setze ich im Spiel ein, um meine Fähigkeiten zu trainieren, die ich ja auch in Strategie 2 und 3 einsetze. Warum spiele ich überhaupt im noch im Hasardeur-Modus? Keine Frage: Es macht am meisten Spaß und es ist die einzige Chance, mal wieder ein Spitzenergebnis zu bekommen. Da ich hier, anders als an der Börse, kein Geld setzen muss, ist meine Hemmschwelle auch viel niedriger.


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