Sonntag, 3. Mai 2015

Woher rührt nur dieses Anspruchsdenken

Ich habe heute einen sehr empfehlenswerten Beitrag auf der Achse gelesen. Der Beitrag ist von Filipp Piatov und hat den Titel: Das weltfremde Anspruchsdenken deutscher Studenten. Ich lese die Beiträge von Herrn Piatov immer gerne. Seine Gedanken und Argumente sind von wundervoller Klarheit und Nüchternheit. Er ist noch jung und ich schätze, dass er noch groß rauskommen wird. Und ich hoffe es auch, da es an liberalen und rationalen Stimmen im deutschen Journalismus mangelt.

Sein Beitrag behandelt die Larmoyanz vieler Studenten. Auch ich habe es damals nicht wirklich verstanden, was viele Kommilitonen wollten. Ich begann mein Studium im Jahre 2003 und ganz gewiss nicht in den 70ern oder  80ern, wo noch alles anders war. Meine Zeit kann man durchaus mit der heutigen vergleichen.

Ich kam mit einem geringen Budget zurecht. Ich brauchte kein Urlaub und kein Auto. Aber anscheinend war das vielen anderen Studenten wichtig. Wem es wichtig ist und sein Geld dafür ausgibt, der soll bitteschön hinterher nicht jammern, dass kein Geld mehr da wäre.

Als ich meine Universität aussuchte, schaute ich mir auch vorab an, wie der Mietmarkt ist und habe mich gezielt für eine gute TU in einer Stadt entschieden, wo man auch günstig wohnen kann. Ein ganz einfacher, rationaler Gedanke, wie ihn auch Herr Piatov vorträgt. Dass manche Leute die Universität nach der Hippigkeit der Stadt aussuchen, war mir damals schon sehr fremd.

Auch ich hatte Semester mit über 36 Semesterwochenstunden. Dazu noch viel Vor- und Nachbereitung, sowie eigene kleine Projekte. Geld kam unter anderem dadurch rein, dass ich eine Hiwi-Stelle annahm und für Professur Software entwickelte und dies gar nicht mal so schlecht anstellte. Ich lernte eine ganze Menge, übererfüllte sogar den Vertrag, der irgendwie auf 60 Stunden pro Monat taxiert war, weil es Spaß machte. Ich konnte doch lernen und lernte Dinge kennen, die heute Kollegen nach fünf Jahren Berufserfahrung nicht draufhaben.

Ich steckte mein Geld in Bücher. Ich habe meine Kommilitonen nicht verstanden, die sich weigerten, Geld in Bücher zu stecken, wenn der Inhalt der Bücher sie doch hätte vorbringen könnte.

Im Aktienthema war ich damals noch nicht, aber in dem Ergreifen Chancen, von Perspektiven, ich hatte schon die Fähigkeit erworben, mit einem knappen Budget zu haushalten. Am Ende des Studiums hatte ich Guthaben auf dem Konto, keine Schulden und auch keine Bafög-Schulden, weil ich Bafög nie beantragte. Ich habe die Notwendigkeit nie verstanden. Ich hatte noch laufendes Einkommen aus Halbwaisenrente und Kindergeld, was aber nicht die monatlichen Ausgabe abdeckte. Ich hatte aber ein paar tausend € Startkapital dazu, welches ich sorgsam abschmolz. Einen Führerschein (> 1500 €) finanzierte ich dann auch noch während des Studiums.

Ein gewisses organisatorisches Talent hatte ich auch noch. Als ich merkte, dass mir die Online-Kosten zu hoch waren (50 € für eine 56k-Leitung), sagte ich mir: Ich kann in der Uni kostenlos ins Internet und meine privaten Sachen, die ich über das Internet mache, verschiebe in die Uni. Ich nahm mir vor, besonders früh aufzustehen, noch vor sieben Uhr in der Uni aufzukreuzen und noch vor der ersten Vorlesung den privaten Kram vom Tisch zu haben (Online-Überweisungen beispielsweise) und Recherche-Arbeiten zu beginnen. Auch Downloads (z. B. eine neue Version einen bestimmten Compilers zu besorgen) verlegte ich in jene Zeit.  Ich hatte ein Notizbuch, in dem ich sofort notierte, welche Informationen ich mir zu holen habe, was ich mir runterladen müsste usw. usf. Ich war sechs Tage in der Woche in der Uni. Samstags waren keine Vorlesungen, aber die Bibliothek war geöffnet und alle Computer-Pools.

Und ich erwarte von jedem Studenten, statt zu lamentieren, zu schauen, was man aus der eigenen Situation am besten machen kann. Genausowenig kann ich viele Hartz-IV-Empfänger einfach nicht verstehen.

Kommentare:

  1. Tatsache ist: Studieren ist als Vollzeitbeschäftigung angedacht. So steht es ja auch in den Modulplänen, die nach dem Bologna-Prozess ausgearbeitet wurden. Man bekommt kein Geld für das Studium. Bei 'armen' Eltern bekommt man Bafög. Jedoch selbst mit dem Höchstsatz bewegt man sich unterhalb der Armutsgrenze.

    Ich lebte auch stets unterhalb der Armutsgrenze, zeitweise sogar von rund 500 Euro/Monat. In einem uninahen Wohnheim vom Studentenwerk mit 10 anderen auf einem Flur für warm <200 Euro/Monat. Gesoffen und nciht zu wenig auf dem Flur und in der Wohnheimsbar, auf Bücher kaufen im Gegensatz zu dir verzichtet,- Fachbücher sind viel zu teuer und benötigte man meist nur 1-2 Semester. Bibliothek war gut genug. Das alles ging, denn ich hatte kaum (materielle) Ansprüche und war trotzdem glücklich und fernab, mich zu beschweren. Es war sogar eine richtig geile Zeit in meinem Leben, über die man sich gerne noch unterhält und zurückdenkt!

    Die Tatsachen s.o. Armutsgrenze lassen imo trotzdem nicht zu, der Mehrheit der Studenten ein weltfremdes Anspruchsdenken zu unterstellen, wenn mehr Unterstützung gefordert wird.

    ps. ich stimme dir zu. Wenn man knapp bei Kasse ist, muss man nicht in München oder Hamburg studieren, nur weil es hip ist oder man nicht weg will vom heimischen Bundesland. Sind das aber wirklich so viele?

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  2. ... 60 Stunden pro Woche ...

    Wäre ziemlich brutal, neben dem Studium. Ich denke das wohl pro Monat gemeint ist.

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  3. Hallo Held der Arbeit, wann besinnst Du Dich auf die Thematik Deines Blogs zurück und lässt Deinen Narzissmus und Deine politischen Ansichten ruhen? Geh mal unter die Leute. Scheint Dir zu fehlen.

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    1. Neid der Besitzlosen?
      Der Blog war von Anfang an auch politisch und ich finde die Verknüpfung passend. Schau doch bei den unzähligen anderen x-beliebigen Dividenden-Blogs zu wenn dir das besser gefällt.
      Cheers

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    2. Ich bin bei der Thematik meines Blogs. Was haben Sie erwartet? Dass es hier nur Wasserstandsmeldungen gibt, wie es mit meinem Depot ausschaut? Wie langweilig.

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