Montag, 8. Juni 2015

Meine Strategie für die Kapital-Anlage

Der Privatier hat zur Blogparade aufgerufen und erstmals nehme ich an einer solchen teil. Ich habe mir schon recht früh Gedanken darüber gemacht, was eine Kapitalanlage für mich sein muss. Schon früh war mir bewusst, dass nicht nur Rendite wichtig ist, sondern auch Liquidität. Ich dachte, Liquidität gäbe es nur auf Kosten von Rendite, vergleichbar mit dem Trade-Off Rendite zu Risiko.

Ich erkannte aber schon 2009/10, dass diese Vorstellung mit der Realität nichts zu tun hat. Und immer wieder war ich überrascht, welche Hürden mir in den Weg gelegt wurde, wenn ich an mein Kapital wollte.

1. Eine Mietkaution auf einem Sparbuch konnte ich erst 1,5 Jahre nach Mietvertragsende zurückbekommen. Aktien kann ich auf Knopfdruck verkaufen, wenn ich Bargeld benötige.

2. Das Auflösen meines Sparbuches erwies sich als schwierig, weil ich zur Sparkasse hätte latschen müssen, bei der ich das Kautionssparbuch eröffnete. Ich wohnte aber nicht mehr dort. Aktien kann ich von überall kaufen und verkaufen. Ich brauche dazu nur Internet.

3. Es heißt immer, Bargeld und Anleihen wären so sicher. Mir war 2010 schon klar, dass das nicht stimmt und dass Staaten nur durch Inflation entschulden können. Nun ist die große Inflation ausgeblieben, deswegen halte ich diese Überlegung nicht für falsch. Vielleicht hat der Euro nicht inflationiert, aber der Rubel. Und aufgrund politischen Ereignissen. Das kann dem Euro genauso passieren.

4. Ich schaute mich in meiner Bekanntschaft um. Kapitallebensversicherungen hatte Kündigungsfristen von mehreren Monaten. Riester kann man gar nicht kündigen. Für diese Unflexibilität verlange ich aber 12 % Rendite, mindestens. Aber das ist nicht möglich.

Ich denke und plane langfristig, d.h. kurzfristige Volatilität macht mir nichts aus, deswegen gehe ich vor allem in Aktien. Ich habe ca. 20 Positionen im Portfolio. In der Regel stocke ich die Positionen auf. Fast alle meine Unternehmen investieren und operieren weltweit. Modethemen sind mir fremd; Zalando und Facebook kommen mir nicht ins Depot. Dafür aber solche Unternehmungen wie General Mills, ein Unternehmen, das ich wirklich mag. Es stellt essentielle Dinge des menschlichen Bedarfs her, die auch in Krisenzeiten gekauft werden. General Mills kann seine Preise der Inflation anpassen und es gibt effiziente Strukturen, die für einen stetigen Gewinn sorgen und für stetig steigende Dividendenausschüttungen.

Dem Geheimtipp, der Perle unter Startups, dem bzw. der jage ich nicht hinterher. Es ist mir zu mühsam und sehr unsicher. Manchmal entscheidet der Zufall, welches Startup groß wird. Die Geschichte dürfte einigen bekannt sein: IBM suchte in den 80ern nach einem Betriebssystem für seine Rechner und rief zuerst bei CP/M an. Deren Chef war aber unter der Dusche und konnte nicht abheben. Dann rief IBM bei Microsoft an und Bill Gates konnte ans Telefon gehen. Wie die Geschichte ausging, weiß man: Bill Gates ist einer der reichsten Menschen der Welt und CP/M ist seit 30 Jahren tot, obwohl es technisch reifer als MS DOS war.

Immobilien wären auch eine Möglichkeit, aber nicht für mich. Sie schaffen Arbeit, die man eigentlich von der Rendite vermieteter Objekte abziehen müsste. Wenn ich eine Aktie kaufe, kaufe ich eine Unternehmen, welches fähiges Personal mitbringt. Wo ist garantiert, dass ich eine fähige Hausverwaltung bekomme? Wo ist garantiert, dass ich einen guten Anwalt bekomme, wenn ich gegen einen Mieter prozessiere? Meine Unternehmen haben Rechtsabteilungen und wissen sich schon zu wehren gegen säumige Vertragspartner.

Letztendlich haben sich Aktien als das Mittel der ersten Wahl herauskristallisiert. Sie machen wir die wenigste Arbeit, geben mir die maximalste Rendite, und flexibel sind sie auch noch. Es ist ja auch logisch, warum Aktien viel Rendite bringen: In Unternehmen werden die Werte geschaffen und wer vermögend werden will, muss diese Unternehmen sein Eigentum nennen. Oder wenigstens einen Teil davon.

Aber warum zocke ich nicht? Warum mache ich kein Daytrading? Ich halte Charttechnik und kurzfristige Aktiengeschäfte für Unsinn. Zuallererst verursacht das Arbeit.  Warum hält man sich mit einer 200-Tage-Linie auf? Warum nicht mit einer 198-Tage-Linie

Ich möchte langfristigen Vermögenszuwachs. Meine Unternehmen schütten nicht alles aus, sondern nur einen Teil ihrer Gewinne. Diese einbehaltenen Gewinne werden reinvestiert und ich reinvestiere meine Dividenden.




Kommentare:

  1. Hallo CS,

    volle Zustimmung! Es wäre interessant zu sehen, wie sich Dein Depot entwickelt hat. Deine letzte dsbzgl. Veröffentlichung liegt lange zurück. Hast Du neue Positionen eröffnet, alte komplett verkauft? Wie ist Deine Branchen-, Ländermischung? Das wäre eine interessante Diskussion.

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  2. Die Inflation ist doch schon lange da. Nur eben nicht auf allen Märkten gleichzeitig, das kann aber noch kommen (und wird es meiner Meinung nach auch). Auf den Bondmärkten haben wir eine extreme Inflation erlebt. Es ist eine Frage der Zeit bis diese in den Realmärkten ankommt.

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    1. 1. Inflation (=Geldentwertung) zeichnet sich dadurch aus, dass sie auf allein Märkten gleichzeitig stattfindet.

      2. Natürlich gibt es seit einigen Jahren Inflation. Das hat ja niemand abgestritten. Aber die Inflation ist maßvoll unter 2 % pro Jahr. Ich denke aber aber Inflationsraten ab 5 %.

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  3. Hallo,

    in Unternehmen zu investieren die den Grundbedarf der Menschen decken wie Nahrung, Wasser und Gesundheit entspricht einem großen Teil meiner eigenen Aktienstrategie, Anleihen gehören für mich aber auch dazu und dort gibt es noch unzählige gute Renditen weit ab von den Standardmärkten einzufahren.
    Schöner Beitrag, gerne gelesen!

    LG
    Marco

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  4. Hi Couponschneider,
    Ich sehe die Asset Wahl genauso wie du. Ich investiere nach langer Analyse auch ausschließlich in Aktien. Vorrangig in Aktien von Konsumüterkonzernen. General Mills habe ich im Depot, genauso wie Reckitt Benckiser, P&G, Coca-Cola und PepsiCo.
    Ich denke langfristig auf den Konsum zu setzten macht bei steigendem Lebensstandard und wachsender Weltbevölkerung am meisten Sinn.

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  5. Hallo Couponschneider,

    ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken, dass Du an der Blogparade "Meine Strategie für die Kapitalanlage" teilgenommen hast. Vielen Dank für Deinen Beitrag!

    Inzwischen habe ich eine Zusammenfassung aller Beiträge erstellt:
    http://der-privatier.com/ergebnisse-der-blogparade-meine-strategie-fuer-die-kapital-anlage/
    die ich wirklich jedem empfehlen möchte.

    Hier gibt es eine ziemlich eindeutige generelle Richtung, aber auch viele sehr interessante Abweichungen und Details. Unbedingt lesen!

    Gruß, Der Privatier

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