Sonntag, 26. Juli 2015

Bodo Schäfer

Seit längerer Zeit beobachte ich Bodo Schäfer. Es gibt ja ein paar Youtube-Videos und er ist ja auch schon seit recht bekannt. Sicherlich kann er sich gut darstellen. Das Thema ist natürlich auch wichtig und grundsätzlich ist zu begrüßen, wenn jemand den Menschen Sparen und Investieren näher bringt, die sonst eigentlich den Konsum frönen. Aber ich hatte auch schon einen negativen Eindruck, z. B. wie er sich hier von einem seiner Zöglinge interviewen lässt:


Mich widert dieses Speichellecken vor laufender Kamera einfach an. Und ob die Geschichten stimmen, da wage ich so meine Zweifel. Warum sollte
John Marks Templeton mit Bodo Schäfer überhaupt reden?

Um mir ein genaueres Bild von ihm zu machen, habe ich mir sein Buch "Der Weg zur finanziellen Freiheit" gekauft. Natürlich gebraucht, denn ich muss auch an meine 50 %  Sparquote denken. :-)

Mein Bild von ihm ist nun umfassender, aber nicht positiver. Sicherlich ist einiges richtig, was er schreibt, aber doch recht banal: Nicht mehr ausgeben, als man hat. Keine Konsumschulden, Vermögenswerte kaufen (investieren), viel Lesen, interessante Leute kennenlernen, an sich arbeiten. Er wird aber selten konkret.

Ich halte einige Sachen auch für falsch. Er schreibt, man solle nicht mehr als zehn Aktien halten. Ich halte das für recht wenig, bewege ich mich doch bei knapp 20 Titel im Portfolio. Er schreibt, von Gewinn oder Verlust könne man erst sprechen, wenn man verkauft hat. Das ist auch nicht ganz richtig. Wenn eine Aktie solide beim Kurs zulegt, das Unternehmen die Dividende erhöht, ist sie tatsächlich mehr wert. Bodo Schäfer sagte nichts anderes, als dass Aktie A gekauft bei 20 €, verkauft bei 30 € und wieder gekauft bei 30 € etwas anderes sei als Aktie A bei 20 € gekauft und bei 30 € gehalten. Das Finanzamt denkt übrigens wie Bodo Schäfer und besteuert die 10 € Kursgewinn.

Bodo Schäfer schreibt auch, "Richtiges Timing" sei wesentlich. Ich zitiere außerdem: Studieren Sie die Kursentwicklung einer Firma in der Vergangenheit, und überlegen Sie, wie sich dieser Kurs in der Zukunft entwickelt wird. Berücksichtigen Sie so viele Daten wie möglich. Er schreibt ja auch, mal solle rational vorgehen. Aber ist es rational, derartig von der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen? Ist es rational, Markettiming zu betreiben?

Lustig ist auch sein Königsweg. Man solle nur auf die Branchenführer setzen, bei Banken auf die Deutsche Bank und bei Kaufhäusern auf Karstadt. Nun kann man mir ja vorwerfen, dass es leicht wäre mit dem Wissen sich darüber lustig zu machen. Aber was interessieren mich die Branchenführer? Mir ist der zweite oder dritte einer guten Branche lieber als der erste einer schlechten Branche. Schlechte Branchen sind für mich: Flugzeugbauer und Fluggesellschaften.


Und dann gleitet er noch ins esoterische ab. Man solle "reich denken". Man solle immer 1000 DM (Buch ist schon etwas älter) in bar mit sich führen und nicht leichtsinnig mit dem Geld umzugehen. Ich halte das für eine Psychonummer, die ich nicht brauche. Er gibt auch den Tipp, ein "Traumalbum" anzulegen, wo man dann seine Gesicht über die Gesicht von erfolgreichen Menschen klebt.


Zu dem Esoterischen und Banalen gesellt sich dann eine gewisse Überheblichkeit und Arroganz. Ich benutze nur selten dieses Wort und wenn ich jemanden Arroganz vorwerfen, dann mag das was heißen. Er schreibt, Menschen, die kein Geld haben, seien nicht bereit, "110 Prozent zu geben", würden nach Entschuldigungen suchen. Ich halte das für falsch, denn tatsächlich gibt es viele Umstände und Schicksalsschläge, die es den Menschen, wenigstens etwas erspartes anzuhäufen. Sicherlich gibt es aber auch viele, die es sich zu bequem machen. Ich sehe es häufig in meinem Umfeld und ich beklage es auch. Und nur weil sich jemanden schlecht verkauft, ist ja nicht weniger fleißig und nicht automatisch schlechter als der beste Selbstdarsteller.

Am nervigsten ist Bodo Schäfer, wenn er sagt, man brauche unbedingt "einen Coach". Wahrscheinlich meint er sich selber und bekanntlich geht seine Firma wie ein Strukturvertrieb vor. Bodo Schäfer schmückt sich ja auch damit, wie erfolgreich seine Seminarteilnehmer wären, aber man muss ja auch die Frage stellen, wie erfolgreich die Leute sind, die nicht an seinem Seminar teilnehmen. Und natürlich muss man auch die Effekte rausrechnen, die sich dadurch ergeben, dass man über 2000 € für sein Seminar berappen muss. Grenzdebile, Drogenabhängige, Alkoholiker und Geringverdiener müssen rausgerechnet werden, denn sonst wäre es ein unfairer Vergleich. Ob dann Bodo Schäfers Erfolgsquote immer noch so gut ist?

Und absurd wird es auch noch, wenn Bodo Schäfer von der Anlage schwadroniert, die 20 bis 30 % Rendite pro Jahr hat.

Bodo Schäfer hat wohn jene Leute im Blick, die verkaufen sollen: ein minderwertiges Produkt oder sich selber. Sein Rezept ist es, Selbstzweifel zu beseitigen. Ich halte das für den verkehrten Weg. Ein guter Wissenschaftler ist jemand, der seinen Standpunkt immer wieder überprüft und versucht, zu falsifizieren. Ein erfolgreicher Programmierer weiß, dass er genauso Fehler machen kann und daher überprüft den Code häufig. Ein erfolgreicher Architekt ist deshalb erfolgreich, weil er die Statik seiner Brückenkonstruktion ein zweites oder drittes Mal überprüft. Ein guter Journalist prüft seine Quellen. Es guter Kolumnist überprüft seine Argumente auf Stichhaltigkeit. Eine starke Meinung und keine Zweifel zu haben, reicht nicht.



Kommentare:

  1. Danke für den Link zum Youtube-Video. Absolut grotesk - aber es gibt sicher nicht wenige Leute, die auf so etwas stehen ;-).
    Nicht drum kümmern und keine Kohle drauf verschwenden. Das gebrauchte Buch kannst du ja sicher schnell wieder losschlagen. Alles ganz einfach: Sparquote halten, investieren, kein Hin und Her, durchhalten. Fertig.

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    1. Tatsächlich stehen manche Finanzblogger drauf und besuchen die jeweiligen Seminare. Es ist wirklich grotesk. Bodo Schäfer soll ja auch schon mal pleite gewesen sein mit seiner Coaching-Firma. Das würde ich ihm nicht vorwerfen, wenn er nicht derart herablassend schriebe.

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  2. Dass man nicht mehr als 10 Aktien halten sollte ist nur seine Meinung.
    Du hältst 20 Aktien für besser, aber beide Ansichten haben ihre Berechtigung.

    Und, wenn eine Aktie "solide" beim Kurs zulegt, bedeutet das erstmal gar nichts da sich der Kurs nur aus Angebot und Nachfrage ergibt!


    Genug Kritik, ansonsten stimme ich mit dir überein, weiter so mit deinem Blog.

    Gruß
    Alex

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  3. Das Flugzeugbauer eine schlechte Branche aus Aktionärssicht sind, glaube ich nicht

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  4. Ein guter Kolumnist redigiert auch seine Beiträge bevor er sie veröffentlicht.

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