Mittwoch, 29. Juli 2015

George Soros: Die Krise des globalen Kapitalismus

Ich möchte heute ein Buch von George Soros vorstellen: "Die Krise des globalen Kapitalismus". Ich kaufte es mir und ich dachte, es wäre im Zuge der jüngsten Krise geschrieben worden. Aber tatsächlich kam es schon 1998 zu Papier. Und das macht es umso interessanter.

Über George Soros möchte ich nicht viele Worte verlieren. Seine Biographie kann man in der Wikipedia nachlesen. Ich wusste nur, dass Soros an der Börse sehr vermögend geworden ist und einen anderen Investmentstil als Warren Buffett pflegt. 1992 soll er eine Milliarde Dollar Gewinn mit der Spekulation gegen das Pfund erzielt haben. Mein Investmentstil ist das jedenfalls nicht. Weder qualitativ, noch quantitativ.

Das Buch offenbart die philosophische Haltung Soros'. Er bekennt sich als ein Anhänger Karl Poppers. Das gefällt mir, denn das bin ich auch. Popper hat sich ausführlich mit der Wissenschaftstheorie befasst. Soros' Haltung dazu: Diese trifft auf Naturwissenschaften sehr gut zu, aber für Sozialwissenschaften sei sie untauglich. So wie man in der Physik kleinste Teilchen nicht beobachten kann, ohne sie zu beeinflussen (Heisenbergsche Unschärferelation), so könne man Gesellschaften und Vorgänge in ihr nicht untersuchen, ohne auf darauf Einfluss zu nehmen. Das kann ich gut nachvollziehen. Soros führt den Begriff der Reflexivität ein. Beispielsweise wenn ein Wirtschaftswissenschaftler voraussagt, dass es einen dann und dann einen Bank-Run gibt, dann werden betroffenen Menschen, die das lesen, sich ihre Gedanken machen und erst recht zur Bank stürmen, um die ersten zu sein, bevor der Bank das Geld ausgeht. Dies ist eigentlich anerkannt, denn sonst würden sich Federal-Reserve-Präsidenten nicht so wortkarg geben, genauso wie unsere Politiker bei der Griechenlandkrise. Schon 2008 in der Krise galt es für Merkel und Steinbrück, Geschlossenheit zu zeigen und bloß nicht die Masse zu verunsichern.


Soros' Abhandlung beschäftigt sich dann mit den Wirtschaftswissenschaften (die eine Sozialwissenschaft sind), die sich mit diesem Phänomen, das er Reflexivität nennt, nicht genug auseinandersetzen, sondern wilde Theorien aufstellen und in Gesetze gießen lässt. Warum beispielsweise in den Maastricht-Verträgen steht, man solle nicht mehr Staatsschulden als 60 % des BIP haben, ist mir schleierhaft. Der Wert ist ja nur ein politischer Kompromiss, aber einmal festgelegt, kann er Unheil anrichten, wenn ein Land diese 60 % überschreitet. Die Märkte antizipieren diese Marke und dann kann man den Eindruck gewinnen, die 60 % wären ein natürlicher, kritischer Wert.




Eher negativ finde ich seine Kritik an Thatcher und Hayek. Er kritisiert den "Marktfundamentalismus". Ja, den kritisiere ich auch, aber wer sich für die freie Wirtschaft einsetzt, muss ja nicht zwangsläufig ein Marktfundamentalist sein. Anhänger der freien Wirtschaft sagen ja nicht, der Markt hätte immer recht. Ich bin so ein Anhänger und dachte eigentlich immer, dass ich für die freie Wirtschaftsordnung bin, weil Menschen nicht perfekt sind und es auch keinen perfekten Funktionär und auch keine perfekte Organisation gibt. Das ist eine aufklärerische Grundhaltung. Daher sollen besser viele Millionen Wirtschaftssubjekte Entscheidungen treffen,  denn sie haben einen überschaubaren Entscheidungsspielraum und sie machen daher weniger Fehler für sich. Wer dann Fehler macht, kann ihn ohne großen Gesichtsverlust korrigieren. Die Korrektur muss er sich nur vom Nachbarn/Kollegen/Konkurrenten abschauen, der vielleicht eine bessere Entscheidung traf. Ich bin für deshalb für die freie Wirtschaft, weil sie gute Lösungen hervorbringt, keine optimalen. Wer sagt, die Marktentscheidung wäre optimal, der ist in meinen Augen ein Marktfundamentalist oder -dogmatist. Deswegen ist für Marktfundamentalismus auch kein Platz und Hayek vertrat nicht die Ansicht, dass die Märkte immer richtige Entscheidungen träfen, sondern im Regelfall recht gute.

Geschrieben wurde das Buch 1998 unter dem Eindruck der damaligen Krisen: Asienkrise und Krise in Russland. Mit letzterer beschäftigt er sich ausführlich, aber mit der Politik von IWF und Weltbank. Beispielsweise kritisierte er, dass die IWF von der russischen Regierung ausstehende Steuern einzutreiben. die meisten russischen Banken in die Insolvenz trieb. Und damit ist das Buch hochaktuell angesichts der Griechenlandkrise und damit war es dann doch kein Fehlkauf.

Ich kann das Buch empfehlen, denn es bringt neue, interessante Gesichtspunkte und zeigt auf, dass die aktuelle Griechenlandkrise doch nicht so neu ist.


Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich habe das Buch bisher noch nicht gelesen, weil ich George Soros sehr zwiegespalten sehe. Na klar, er ist sehr erfolgreich. Jedoch habe ich bei ihm das Gefühl das er über Leichen geht, nur um seinen Schnitt zu machen. Ich finde Warren Buffett sympathischer und er ist auch erfolgreicher. Zudem ist die Strategie von Warren Buffett für mich leicher umzusetzen als das pokern von George Soros.
    Wie schätzt du die beiden Investoren ein?

    Viele Grüße
    Ric

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  2. Mir ist Soros auch unsympathisch. Er kauft auch hunderte Untermehmen gleichzeitig. Das kommt mir immer so vor als ob er Geld mit der Giesskanne ausschüttet. Hab früher bei gurufocus.com beobachtet was er so kaufte...

    @Ric
    hab das mit dem geplanten Bargeldverbot gelesen! Da wird es einem ja echt Angst und Bange. Wir sind auf dem Weg in den totalen Überwachunsstaat. Grauenhaft. Und der blöde Deutsche interessiert sich nicht dafür. Hauptsache Sa ist Bundesliga und das Bier geht nicht aus... ich koootzeeee

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