Samstag, 22. August 2015

Buchempfehlung: "Gier" von Jason Zweig

Ich erwähnte es bereits, dass ich im Urlaub Jason Zweigs "Gier" las. Nicht alles, was ich lese, empfehle ich weiter. Dieses Buch schon.

Wer ist Jason Zweig? Er ist ein amerikanischer Finanzjournalist, der unter anderem für das Wallstreet Journal schreibt. Ich kam auf den Namen, weil Tim Schäfer ihn empfahl. Ich schaute, was für Bücher er so schrieb und bestellte kurzerhand "Gier". Jason Zweig hat auch eine Homepage, wo man auch zahlreiche Links zu seinen Artikeln im Wallstreet Journal finden kann.

Worum geht es in dem Buch? Es geht um den Menschen, seine Psyche und seine Investitionsentscheidungen. Zweig zeigt auf, dass viele Menschen Irrtümern erliegen, zu emotional handeln und dass erfolgreiche Investoren tatsächlich rationaler an die Sache rangehen, weniger auf Kurse schauen, vor allem auf Einkaufskurse.

Da es um Neuroökonomie geht, um die Psyche des Investoren, heißen die Kapitel demzufolge auch "Wissen und Glauben", "Gier", "Erwartung", "Selbstvertrauen", "Risiko", "Angst", "Schreck", "Reue" und "Glück und beschäftigen sich mit der jeweiligen Gemütserregung.

Im letzten Jahr las ich bereits den Kahneman. Zweig referenziert häufig Kahneman. Da habe ich wohl kein falsches Buch im letzten Jahr gelesen. Zweig aber ist näher dran am Aktienmarkt. Zweig gibt konkrete Hinweise, wo die Fallstricke für Aktieninvestoren liegen und was sie dagegen zu können, unter anderem:
  • Nicht überstürzt handeln.
  • Zweimal nachdenken.
  • Kontrollsystem einbauen, mit jemand anderen diskutieren, am besten mit jemanden, der häufig konträr zu den eigenen Überzeugungen steht.
  • Gefühle im Investitionstagebuch protokollieren
  • "Versuchen Sie zu beweisen, dass Sie unrecht haben." - Popper würde sagen: Versuchen Sie zu falsifizieren. Man sollte also einen Advocatus Dialobi haben oder seine Rolle selber ausfüllen, um die Stichhaltigkeit einer Investitionsentscheidung zu prüfen.

Lustig finde ich die Überstellung von Socken und Aktien ("socks" vs. "stocks") in Kapitel "Risiko". Socken kauft man, wenn man sie braucht, Aktien kauft man, wenn andere sie habe wollen. Socken behält man jahrelang, Aktien verkauft man so schnell wie möglich. (Um nur zwei der Gegenüberstellungen zu erwähnen.) Was Zweig dem Leser wohl vermitteln möchte, ist, dass wir Aktien kaufen sollen, als wären es Socken.

Das letzte Kapitel "Glück" liest sich dann auch die Blogs der üblichen Verdächtigen wie von Tim Schäfer, Stefan Obersteller und anderen Sparhanseln inklusive meiner Wenigkeit. Man soll

  • den Fernseher ausschalten,
  • die Fahrt genießen (Ich habe immer was zu lesen dabei, wenn ich mit der Bahn fahre.),
  • sich weiterbilden,
  • die Konsumgelüste unterdrücken (schreibt Tim Schäfer in jedem dritten Beitrag)
Bringt mich persönlich nicht weiter, weil ich schon lange so lebe. Aber ist ja auch schön, wenn man auf diese Weise Bestätigung bekommt.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Es war mir eine gute Urlaubslektüre, habe wieder einiges gelernt und ich bin mir sicher, dass es für von vielen Investoren gewinnbringend gelesen werden kann, unabhängig davon, ob sie schon auf dem Pfad der Tugend sind, der sich "Buy and Hold" nennt.

Kommentare:

  1. Ich habe mich im Urlaub an den Wälzer von Ayn Rand "Der Streik" heran gemacht. Die Hälfte der 1200 Seiten habe ich; es ist eine Hyme auf den amerikanischen Kapialismus und wer ihn gefährdet.
    Ayn Rand ist die Begründerin des "Objektismus", eine Philosophie, die auch in Deinen Post zum Ausdruck kommt. Insofern wäre das auch ein Buch für dich.
    Der Objektivmus sieht den Menschen als Individuum, das produktiv sein Leben selbst gestaltet und niemanden etwas schuldig ist. Ich beschäftige mich erst seit kurzem damit, aber es entspricht dem Geist dieses Blogs.
    Leider ist die meiste Literatur dazu in Englisch verfasst.

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    1. Von Rand habe ich auch zwei Bücher im Regal stehen: "The Fontainhead" und "Atlas Shrugged". Leider Englisch, weshalb ich bis heute mit der Lektüre nicht wirklich vorankomme.

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  2. "Der Streik" ist die Übersetzung von "Atlas Shrugged", früher lief die deutsche Übersetzung unter: Wer ist John Galt?
    Das Buch ist für jedem der an das Individuum glaubt und mit Sozialismus nichts am Hut hat eine Quelle der Erkenntnis.

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