Samstag, 15. August 2015

Kann die Mehrheit denn nicht rechnen?

Ich freue mich über jede mehrwöchige Dienstreise. Gerade dann, wenn es ins Ausland geht. Warum? Es ist der Verpflegungsmehraufwand.

Meine Erfahrung ist, dass ich keinen Mehraufwand habe. Sicherlich habe ich keine Familie zu Hause, die ich miternähren müsste, was mein persönlicher finanzieller Vorteil ist. Das sind vereinfachte Bedingungen. Aber über 70 € extra, wenn es nach Skandinavien geht? Pro Tag? Ich habe die Erfahrung in Norwegen, Schweden und Dänemark machen dürfen. Ich hatte keinen Mehraufwand. Da ich Haushaltsbuch führe, weiß ich, dass mein mehrwöchiger Schweden-Trip sogar unterdurchschnittliche Ausgaben bei den Lebensmitteln mit sich brachte, obwohl ich mehrfach auswärts aß und zudem das reichhaltige schwedische Lakritzangebot (die Schweden sind verrückt danach) sehr gerne annahm und einige neue Dinge probierte. Ich nehme den Verpflegungsmehraufwand gerne mit und stecke ihn in Dividendendaktien.

Wer also setzt die Mehraufwände an? Leute, die nicht rechnen könne? Leute, die viel Alkohol trinken und von sich auf andere schließen? Neulich las ich einen Beitrag, da schrieb jemand: "Von weniger als 20 € pro Tag essen, das ist schon sehr sparsam." - Das wären 600 € pro Monat. Meine durchschnittlichen Ausgaben pro Monat für Lebensmittel sind ca. 210 € und ich lege es nicht darauf an, immer das billigste zu bekommen und ich greife auch bewusst zu höherwertigen Lebensmitteln, gerade beim Kaffee und beim Tee. Darin enthalten sind auch Restaurantbesuche.

Man lernt immer wieder dazu, genauso auch die Geschichte mit dem Kameraden, der seine Mach-3-Klingen nach einmaliger Nutzung wegwarf, weil er dachte, das wären Einwegklingen. Als sich das herumsprach, wurde gelacht und gespottet. Und er war richtig sauer, dass er jahrelang so viel Geld zum Fenster rauswarf.

Angesicht dieser Episoden frage ich mich, ob das nun unrühmliche Ausnahmen sind oder ich eine positive Ausnahme bin. Da der Verpflegungsmehraufwand Gesetz ist, scheint wohl die Mehrheit mit Geld nicht umgehen zu können. Das ist mein Vorteil und wohl die Basis meines zukünftigen Wohlstandes. Gerade auch, weil ich viel investiere, bin ich recht zuversichtlich.

Ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich behandele mein Hab und Gut sorgsam. Die ersten beiden Punkte sparen mir mindestens 1000 € pro Jahr gegenüber dem Durchschnitt. Und weil ich meine Sachen sorgsam behandele, ist die Haltbarkeit auch viel länger. Wenn es 20 % längere Haltbarkeit über den Durchschnitt bedeutet (Auto, Handy, Computer etc.), dann ist das wie ein Dauerrabatt.

Diesen Gedanken äußerte ich mal gegenüber einem Kollegen: Sorgsam mit dem Hab und Gut umgehen, längere Nutzungszeiten erzielen, spart richtig Geld. Er hat mich verlacht, sagte aber auch, ich sei reich, als ihm eröffnete, ich hätte ein Aktiendepot von 10000 €. (Ist schon ein paar Jahre her.)

Beispielsweise: Der Durchschnitt kauft alle drei Jahre ein neues Smartphone und zahlt im Durchschnitt 200 €. In 42 Jahren sind das 14 Telefone. Ausgaben: 2800 € in der Summe. Dagegen tritt an: Susi Sorgsam nimmt sich vor, die Gerätschaften so gut zu pflegen, dass sie vier Jahre halten. Sie braucht nur 10,5 Geräte in 42 Jahren, also 2100 €. Der Gewinn ist aber größer als 700 €. Susi Sorgsam gibt 50 € pro Jahr für das Gerät aus, der Durchschnitt 66 2/3 €. Susi Sorgsam gibt die Differenz von 16 2/3 € in einen ETF zu 8 % pro Jahr. Nach 42 Jahren sind daraus stattliche 5493 € geworden. Und das nur, wenn sie Telefone ein Jahr länger nutzt.

Und das nur wegen eines besseren Umgangs mit dem Telefon. Es gibt so viele Dinge: Möbel, Auto, Fahrrad, Kleidung, Schuhe, Küchengeräte: Die Sachen einfach länger nutzen, ergibt eine hübsche Rendite, wenn man die Differenz investiert. Sparsamkeit ist die Grundlage des Vermögensaufbaus. Den Sparsamen gehört die Zukunft.

Kommentare:

  1. Nein, die Leute wollen und können nicht rechnen. Während meiner Lehrzeit war ich der einzige Auszubildende, der gerne mit auf Montage ist. Die Auslöse langte, mein Leben zu bestreiten und mein Lehrlingsgehalt konnte ich komplett sparen (gut, ich hab es anderweitig verbraten und nicht gespart).

    Ich bin nicht ganz so asketisch wie du, ich rauche ab und an eine Zigarre und gönne mir einen guten Wein. Aber ich rechne auch über die Haltedauer von Geräten. Mein Handy ist leider nach 8 Jahren kaputt gegangen, so blieb mir nichts anderes übrig, als ein Smartphone zu kaufen. Hier habe ich ein einfaches Gerät mit einem extrem günstigen Tarif genommen. Ich verzichte nicht auf irgendwas, ich brauche einfach nicht mehr. Etwas telefonieren, ein paar SMS im Monat langen mir. Dazu ein IPhone wäre quatsch.

    Ich bin nicht geizig, sondern lebe eher bewusst. Wir gehen nicht oft Essen, aber da schaue ich dann nicht auf den Preis. Dafür ist es dann etwas besonderes.

    Wenn ich mich im Bekanntenkreis umschaue, gehen viele sehr sorglos mit Geld um, da wäre immenses Sparpotential ohne sich einschränken zu müssen.

    Jedenfalls lerne ich jeden Tag, wie ich es nicht machen möchte.

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  2. Die Pauschalen gehen davon aus, dass man auf Dienstreisen sich eben nicht günstig etwas zu Hause selbst machen kann sondern auf Besuch in Restaurants usw. angewiesen ist. Insofern passt die Höhe schon etwa.

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    1. Ja klar, ich find's dennoch reichlich übertrieben. Ich bekomme auswärtiges Essen für weniger als 70 € pro Tag hin.

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  3. Also bei mir sind es pro Tag nur ein wenig über 20€, welche ich bekomme, und außerdem wird die Reisezeit auch nicht richtig mit angerechnet, es wird nur als Normaler Arbeitstag mit 8h gerechnet. Also bei zb. 4h einfach Reisezeit 6h Arbeit am Ort und wieder 4h zurück, habe ich 6h für nichts im Zug gesessen, und dazu kommen dann auch noch die Pausenzeiten. Auf sowas habe ich meist keine Lust!

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