Freitag, 28. August 2015

Kleiner Crash und mich hat's gefreut

Ich sehe diese kleine Kurskorrektur - wie sie so schön heißt - gelassen. Sehr gelassen. Ich bin hartgesottener, als ich gedacht habe. Mein Portfolio sank schneller im Wert als bekannte Indizes wie DAX und Dow Jones. Aber warum soll ich in Panik verfallen? Sondern aus Unternehmensanteilen und ich habe sie nicht beliehen. 100 Anteile an Daimler werden 100 Anteile an Daimler bleiben. Ich weiß ja, was ich langfristig daran habe. Dividenden werden regelmäßig ausgekehrt.

Statt in Panik zu verfallen, werde ich diesen Kursdämpfer für Nachkäufe nutzen. Das macht dann umso mehr Spaß. Was da eigentlich passiert ist, werden sich viele fragen. Viele verstehen es nicht. Ich lese ja regelmäßig bei SPON die Kommentare, was mein Kardiologe nicht wissen darf. 90 % des Geschriebenen dort sind Stuss, über die man sich nur ärgert. Kenntnisse sind antiproportional zum Sendungsbewusstsein, was das Thema Börse angeht. Da gibt's den üblichen Zores, beispielsweise dass des einen Gewinn des anderen Verlusts wäre. Oder dass an der Börse nur die kleinen Fische verlieren, die institutionellen Anleger die Gewinner. Das ist Unsinn, weil die Institutionellen wegen Konformitätsdruck, Erfolgsdruck und Basel II nicht einfach die Chose aussitzen dürfen. Sie dürfen nicht und das gereicht dem Kleinanleger zum Vorteil. 

Auch die Berufsschreiber sind nicht besser. SPON titelt:
Chinas reichster Mann verliert 3,6 Milliarden Dollar an einem Tag. Gewinn ist doch Einnahmen minus Ausgaben. Und Verlust ist negativer Gewinn. Warum macht jemand einen Verlust, nur weil jemand das Vermögen anders taxiert? Ist es nicht komisch, dass Linke den "Neoliberalen" Marktgläubigkeit vorwerfen, dabei schreit einem doch die Marktgläubigkeit aus dieser Schlagzeile eines linken Schreiberlings gerade zu an.

Mein Dampfer hat schon vor Jahren einen ganz bestimmten Kurs eingeschlagen. Man wechselt wegen es kleinen Wetterumschwunges doch nicht den Kurs. Dazu habe ich keine Zeit, dafür reicht der Schiffsdiesel nicht und nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Wer keine hohen Wellen ertragen kann, sollte besser nicht auf die offene See hinaus.

Mein Geld ist gut angelegt. Unternehmen mit langfristiger Perspektive, langfristig aufgestellt wie BASF, SAP und Deutsche Post, um nur einige zu nennen. Chemie, kaufmännische Software, Logistik... wird man auch in 100 Jahren noch brauchen. Amazon testen Drohnen, aber die Deutsche Post hat heute schon hunderttausende fleißige Arbeiterinnen in schwarz-gelber Tracht.
Mein Portfolio hat in diesem Jahr schon 3848 € an Dividenden abgeworfen. Betrachtet man die letzten 12 Monate, dann sind es 4400 €. Ich schätze, das Jahr wird mit Dividenden von 4800 € schließen. Da ich schon in diesem Jahr einige Käufe getätigt habe, die Dividenden für das kommende Jahr versprechen, wird das im nächsten Jahr noch höher hinaus gehen. Die Dividenden sind die Bestätigung, dass ich es nicht so verkehrt mache.

Seit anderthalb Jahren notiere ich mir unregelmäßig den Gesamtwert meines Portfolios:


Unregelmäßig ist es deshalb, weil mir es nicht so wichtig ist. Es ist nur mäßig interessant, finde ich. Was man sehen kann, ist, dass es aufwärts geht, wenn man nur dran bleibt, immer wieder einen großen Teil des Gehaltes investiert und einfach nur wartet. Rücksetzer wurden immer wieder aufgeholt.

Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich finde es immer wieder bemerkenswert und erstaunlich wie viel Kapital erspart werden muss, um vom passiven Kapitalstrom leben zu können. Du bist derzeit bei einer Rendite von 3 bis 4 % per annum. Verglichen mit dem Risiko und dem Aufwand (Kapital ansparen und Investitionen planen) ist dass ja eigentlich nichts. Dies soll jetzt absolut nicht despektierlich wirken, wir haben alle das gleiche "Problem" mit der Renidte und dem Risiko. Mich würde in diesem Zusammenhang noch interessieren: War der Crash zum jetztigen Zeitpunkt bei Dir so groß, dass bisher alle Kapitalerträge theoretisch "vernichtet" wurden?

    Viele Grüße
    FjodorForex

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  2. Nein. Ich muss gestehen, dass ich meine richtige Rendite gar nicht kenne, weil ich mein Portfolio bei FAZ.net gar nicht richtig pflege, was die Einkaufskurse angeht. Außerdem habe ich auch einige Verkauferlöse machen dürfen.

    Ich habe aber Zahlen:

    1. Bislang habe ich 137000 € für Aktienkäufe ausgegeben.
    2. Bislang habe ich 30000 € für Aktienverkäufe eingenommen.
    3. Bislang habe ich 12000 € an Dividendeneinnahmen gehabt (brutto). Ich rechne hier hier nur Bruttowerte und ohne Gebühren.

    Mein Portfolio ist heute bei 133000 €. Es war vor kurzem aber schon bei 142000 €, fiel zwischenzeitlich bis 124000 €.

    Ich rechne wie folgt: 137000 € - 30000 € - 12000 € = 95000 €.

    Mein Depot ist bei 133000 €, also bzgl. der 95000 € 40 % im Plus.

    Entscheide doch selbst, ob das gut ist. Übrigens ist nur bei Dividendenrendite bei 3 bis 4 %. Die Unternehmen aber schütten doch nicht alles als Dividende aus, sonder ungefähr die Hälfte. Der Rest thesauriert.

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    1. Und natürlich muss ich auch noch erwähnen: In meinem Portfolio sind natürlich Aktien, da habe ich in diesem Jahr nachgekauft, bekomme aber erst im nächsten Jahr die Extra-Dividende. Auch die durchschnittliche Dividendenrendite ist schwer zu ermitteln.

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    2. Vielen Dank für die schnelle Rückmeldung und den Überblick der bisherigen Ergebnisse. Rückblickend auf den Monat oder auf das Jahr gesehen, müsste es aber machbar sein, eine ungefähre Rendite zu ermitteln, oder?

      Vielleicht ist es eine gute Idee, eine Übersicht für Dich und Deine Leser zu erstellen, ähnlich wie es Markos macht auf seinem Blog:

      http://finanzielle-freiheit-dividende-blog.de/meine-dividenden-einnahmen-2011/

      Viele Grüße
      FjodorForex

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    3. Was hast Du denn so im Depot?

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    4. Hallo Holger,

      ich betreibe ausschließlich Rohstoff- und Währungshandel und nutze die ganzen Blogger für mich, um zu vergleichen mit welcher Strategie (Aktienhandel, Dividenden, Trading) man am besten fährt in Sachen Aufwand, Sicherheit, Rendite und was noch so alles zu einer guten Kapitalanlage dazu gehört.

      Viele Grüße
      FjodorForex

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    5. @Couponschneider: Falls Du die Rendite (den internen Zinsfuß) kennen willst, kann ich Dir "Portfolio Performance" aus dem WPF empfehlen (http://buchen.github.io/portfolio/). Ich habe damit innerhalb eines Tages die komplette Anlagehistorie aus Tages-, Festgeld und Aktienanlagen über einen Zeitraum von rund 15 Jahren erfasst. Insbesondere wenn Du über Daten im CSV-Format verfügst, wird der Datenimport extrem einfach.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

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  3. Seit wann ist der Spiegel denn "links"? Kommt natürlich auf die eigene politische Position an, aber Springermedien als "links" zu bezeichnen, ist schon interessant.

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  4. hast du noch deine rwe im depot? meiner meinung nach ist deren geschäftsmodell nicht mehr überlebensfähig.

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    1. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass die Energiewende bald krachen wird. Die Politik kann sich diese Misswirtschaft nicht mehr länger anschauen und dann werden die Solaranlagenbesitzer und die Windmüller genauso den Marktmechanismen stellen müssen.

      Ich empfehle folgende Lektüre: http://www.amazon.de/Gr%C3%BCne-Blackout-Warum-Energiewende-funktionieren/dp/1500603473/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1440947262&sr=8-1&keywords=alexander+wendt

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  5. Hallo couponschneider,

    kann man irgendwo Deine Depotwerte einsehen? Mich würde interessieren, in welche Werte Du investierst (nicht die Beträge, das ist Deine Sache). Du kommentierts ja immer fleissig zu einigen Branchen.

    Viele Grüße
    Schwarzer Kater

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  6. An den Börsen geht es zur Zeit sehr turbulent zu. Nach den Vergangenen erfolgreichen Jahren, ist es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann die Kurse mal wieder nach unten gehen. Aber ich sehe das genauso wie du, dass jetzt die Zeit kommt um Aktien nachzukaufen. Auch gibt es nach meiner Meinung keine Alternativen zu Aktien, solange die Zinsen so niedrig bleiben.

    Viele Grüße

    Klaus-Dieter

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  7. Mich hat es nicht gefreut!
    Verlust im Depot mehr als 40000, bei 7000 Dividenden.
    Wann wird das aufgeholt sein?

    Und die paar Kröten um die ich günstiger nachkaufen könnte ... lächerlich.

    Das brauch ich nicht wirklich ... vor Freude über die günstigen Einkaufskurse kann ich maximal 2 Millimeter springen.

    Aber schön zu sehen wie kühle Rechner plötzlich nicht mehr so kühl rechnen sondern schönfärben ... wie wir alle.

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    1. Hallo O.T.,

      ich kenne Deine Strategie und Dein Risikomanagement nicht, möchte Dir auch nicht zu nahetreten, aber von hier macht es den Eindruck, als wäre genau das (die Strategie und das Risikomanagement) bei Dir falsch kalkuliert gewesen. Dazu kommt dann bei vielen meistens noch die Gier nach schnellem Kapital dazu, die dann in Zeiten eines Crash's, alles Kapital verbrennt.

      Wie meinst Du das mit den kühlen Rechnern und schönfärben?

      Mich würde ganz ehrlich interessieren, was aus Deiner Sicht der Fehler bei Dir war und was Du daraus gelernt hast!

      Viele Grüße
      FjodorForex

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    2. Mein Depot setzt sich zu einem Großteil aus MSFT, vor dem Crash 42,50 nachher 35, Intel, vorher 27, nachher 23, Nestle, STATOIL, Pfizer, GSK, EON vorher 13, nachher 9,50 zusammen.

      Vor dem Crash, ein Jahresplus von 25000, danach von -15000.
      Sicher, Stand gestern Abend „nur“ noch -20000. Also schon wieder leicht im (Jahres)plus.

      Was habe ich falsch gemacht? Ich habe meiner eigenen Erfahrung nicht vertraut zu verkaufen, wenn alle plötzlich von Moneymanagement reden und Aktienstrategien propagieren.

      Konservativ gerechnet habe ich in den letzten 2 Wochen 60000 Verlust bzw. 60000 EUR auf der Straße liegen gelassen. Wenn ich rechtzeitig verkauft hätte wäre mir ein Verlust von 40000 erspart geblieben und zusätzlich hätte ich auch die 20000 Kursanstieg wieder mitnehmen können.

      Was ist nun die richtige Rechnung? Ich schätze die Meinung von Couponschneider, aber in diesem Punkt denke ich doch, dass er sich die Welt ein wenig zu rosarot färbt. Kein Anleger der auf Zinseszins setzt (Buy and Hold) hat so hohe Barreserven das das billige Nachkaufen diese Kursschlappe irgendwie gutmachen könnte.

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    3. "Was ist nun die richtige Rechnung?"

      Entscheidend ist was "am Ende" rauskommt. Was scheren Dich heute Schwankungen von 40k? Aktien. Schwanken. Punkt. Das ist nicht neu und wird sich niemals ändern. Wer damit nicht leben kann und will, sollte sie meiden, denn bei dem Versuch den Markt zu timen und immer nur die Aufschwünge erleben zu dürfen, scheitern 99%.

      Deine Selbsterkenntnis etwas falsch gemacht zu haben, ist zwar menschlich, aber ich fürchte, Du wirst vor zwei Wochen nicht erstmalig diese Gedanken gehabt haben. Schon beim DAX-Stand von 8000, 9000 usw. gab es genug Leute, die eben diese Selbsterkenntnis verbreitet haben und ausgestiegen sind (oder gar nicht erst eingestiegen waren). Wer nicht investiert ist, kann halt auch nicht von den Aufschwüngen profitieren. Mit "hätte und wäre" kann man sich zwar die Welt schön rechnen, es entspricht aber nicht der Wirklichkeit.
      Nur mit der nötigen Entspanntheit und Ruhe, die der Couponschneider mit seinem Artikel aufzeigt, wird man langfristig an den Börsen Gewinne erzielen.

      Just my 2 cents,
      Dummerchen

      PS: Mein Depotwert ist in ähnlichen Dimensionen wie Deiner gefallen, auf Jahressicht gesehen bin ich aber immer noch im Plus. Ich habe auch schon mehrere Börsenjahre mit einem Defizit aus Einzahlungen und aktuellem Wert durchleben müssen (2008 lässt grüßen) - Du wirst als Aktieninvestor damit leben können müssen.

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    4. Das liest sich fast so, als wenn Ihr beide über 250.000 Euro im Depot habt. Bei einem so großen Drawdown muss man entsprechend viele Aktien halten und das geht nur mit sehr viel Kapital. So oder so, finde ich eure Leistung sehr bemerkenswert, Ihr habt meinen vollen Respekt. Irgendwann möchte ich auch gern so ein großes, eigenes Depot verwalten.

      Viele Grüße
      FjodorForex

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    5. "Kein Anleger der auf Zinseszins setzt (Buy and Hold) hat so hohe Barreserven das das billige Nachkaufen diese Kursschlappe irgendwie gutmachen könnte."

      @ O.T.

      Ich habe erst Anfang diesen Jahres angefangen, in Aktien zu investieren (über World und EM ETF von ishares). Nach drei Käufen ist mein Depot etwa 90/10 gewichtet, 90% Cash (Tagesgeld) und 10% Aktien ETFs. Bei mir ist genug Cash für Nachkäufe vorhanden. Allerdings verfalle ich aufgrund der derzeitigen Verbilligung der Aktien nicht in einen Kaufrausch! Wer weiß, vielleicht geht es noch weiter runter...

      Ziel soll sein: 60% Cash / 40% Aktien. Später kommen evtl. noch ein Häuschen oder Immo ETFs und Rohstoff-Future ETFs dazu. Langweilig, ich weiß. Dauert auch etwas länger für die erste Million, aber wenigstens muss ich mich nicht bemühen, den Markt zu timen so wie ihr. ;-)

      Gruß
      Benjamin

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    6. PS: Wie wir ja alle wissen, ist das Humankapital das Wichtigste ;-)

      Gruß
      Benjamin

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