Samstag, 31. Oktober 2015

Buchempfehlung: "Hass, Neid, Wahn - Antiamerikanismus in den deutschen Medien"

Heute möchte ich ein Buch empfehlen, das dabei helfen kann, die deutschen Medien besser zu verstehen. Wer die antiamerikanische Triebfeder der deutschen Redakteure berücksichtigt, versteht besser, was und warum etwas geschrieben wird.

Die Empfehlung für dieses Buch von Tobias Jaecker bekam ich aus dem "Liberal"-Magazin der Friedrich-Naumann-Stiftung. Das Magazin habe ich seit 2004 abonniert. Ich  stehe seit über zehn Jahren der FDP sehr nahe; so viel also zu meiner politischen Kinderstube. Das erklärt aber auch, warum ich für dieses Thema sensibilisiert bin und ich bin froh, eine politische Heimat dort gefunden zu haben, wo man Antiamerikanismus als ernsthaftes Problem wahrnimmt und nicht für eigene Wahlkampfzwecke missbraucht.

Eigentlich habe ich das Buch schon vor einem Jahr gelesen. Aber wie komme ich dazu, jetzt eine Buchempfehlung auszusprechen? Ein Kommentar bei der Huffington Post brachte mich dazu. Ich finde die ZDF-Sendung "Neues aus der Anstalt" mittlerweile auch unsäglich. Erschreckend finde ich, dass dann solche Verschwörungstheorien, die Amerikaner würden den IS unterstützen, derartigen Anklang finden. Woher kommt das nur?

Es gibt sicherlich nicht nur einen Antiamerikanismus in den Medien, sondern in weiten Teilen der Bevölkerung. Und die Redaktionen rekrutieren sich ja aus dieser Bevölkerung. Da die Medien links dominiert sind, die veröffentlichte Meinung vornehmlich links und mit linken Antiamerikanismen durchsetzt.

Das Buch zeigt dann auf, wo Antiamerikanismen schlummern und sicherlich sind viele Vorurteile zu gut bekannt, z. B. dass Amerikaner blöd und oberflächlich seien, sich schlecht ernährten ("McKultur") und vernarrt in Waffen wären. Mit dem Antiamerikanismus geht einher eine ständige Kritik an amerikanischer Außenpolitik und eine Vorliebe für die Demokraten, die sich ein bisschen europäischer geben. Nichtsdestoweniger wird Obama teilweise der gleiche Unsinn vorgeworfen, den man schon Bush vorgeworfen hat. Dem harschen antiamerikanischen Urteil, Amerika sei selber schuld am antiamerikanischen Terrorismus, ist ein eigener Abschnitt gewidmet.

Das Buch erklärt, woher dieser Antiamerikanismus stammt. Er hat jahrhundertealte Wurzeln, die daher resultieren, dass viele Menschen Kontinentaleuropas in die Vereinigten Staaten flüchteten, um den feudalen Strukturen zu entgehen, der sie am wirtschaftlichen Erfolg hinderte. Auch die Repression in religiösen Fragen war ein Motiv für die Auswanderung. Auch heute merkt man das noch, wenn sich Europäer mit einer Überheblichkeit über amerikanische Kreationisten lustig machen. Die Frage ist nur: Wem schaden Kreationisten? Allenfalls sich selber und ihren Kindern. In Kontinentaleuropa dagegen herrscht ja auch eine antiwissenschaftliche Haltung vor, die einhergeht mit neuem Okkultismus mit Homöopathie und Anthroposophie. Ist das nun so viel klüger? Und sie schadet uns ja auch, indem wir Milliarden in die Energiewende stecken, die uns nichts bringt. Die können froh, dass verbranntes Geld nicht in die CO2- Bilanz eingerechnet wird. Der Verzicht auf Gentechnik verhindert wirtschaftlichen Fortschritt. Der Okkultismus um grüne Energien und Biolandbau schadet uns ganz konkret.  Es sind auch vornehmlich europäische Umweltaktivisten, die der Dritten Welt einreden, sie sollten besser auf gentechnisch veränderte Sorten verzichten.

Ausflüge in die finstersten Kapitel der deutschen Geschichte, Drittes Reich und DDR, fehlen auch nicht, haben doch die Propagandabteilungen das antiamerikanische Potential genutzt und ausgebaut. Die Vorurteile sitzen noch heute tief, z. B. dass dem Amerikaner nur der "schnöde Mammon" heilig sei und Krieg nur "wegen Öl" führe. (Meine polemische innere Stimme sagt mir: "1999 im Kosovo ging es auch nur ums Öl.") Antiamerikanismus hat auch Geschwister die da wären: Antisemitismus und Antikapitalismus.

Und damit betrifft das auch uns Aktionäre. Die moderne Wirtschaft ist ohne Aktiengesellschaften und Börse gar nicht mehr denkbar. Diese Unternehmensform ist in den USA besonders populär und viele Amerikaner sind auch Aktionäre. Und natürlich hat Aktienkultur sehr viel mit amerikanischen Werten zu tun, mit Eigentumsrechten, Freiheit, Selbständigkeit und dem Streben nach Glück. Wenn ich die Ergüsse so manches linken Schreiberlings lese, wird mir unwohl, bekomme ich doch den Eindruck, als nächstes geht's den privaten Aktionären an den Kragen. Angeblich würden unsere Dividenden den Unternehmen schaden. Ist es nicht komisch? Einerseits sagen Linke, Geld sei da, um es auszugeben. Nun bekomme ich Dividenden, ich kann sie ausgeben und die Konjunktur damit anheizen. Das ist denen auch nicht wieder recht.

Man muss verstehen, woher das kommt und dazu ist diese Lektüre ist da sehr aufschlussreich. Und wer besser informiert ist, kann der antiamerikanischen Agitation eher widerstehen und widersprechen.

Was ich noch erwähnt haben möchte: Es heißt ja, die Amerikaner wären ja so blöde. Auf meinen Amerika-Reisen habe ich auch den einen oder anderen amerikanischen Buchladen von innen gesehen. Und was ich gesehen habe, war gar nicht mal so dumm. Die Auslagen in einer Bücherei sind sozusagen die intellektuelle Visitenkarte einer Gesellschaft. Und wir sollten uns in Deutschland schamhaft zurückhalten. Gerade in kleinen Buchläden (an Flughäfen, Bahnhöfen) hat man eine viel bessere Auswahl in den USA. In deutschen Zeitschriftenläden (z. B. an Bahnhöfen), die Bücher nur nebenbei verkaufen, findet man bei den Büchern nur billige Groschenromane.

Ich habe Kollegen, die ständig auf die angebliche Dummheit der Amerikaner schimpfen. Komischerweise sind das Kollegen, die man nie mit einem Buch sieht. Die verschmähen sogar die FAZ und lesen lieber "Bild". Der eine hatte sogar einen einfachen Roman von seiner Lebensgefährtin zugesteckt bekommen, damit er überhaupt mal was liest. Bei einem mehrstündigen Flug kann man ja gut lesen. Wer aber Lesen als Last begreift, sich aber für klug hält, ist ein Tor.

Kommentare:

  1. Sehr treffender, sehr kluger Beitrag. Vielen Deutschen ist Russland politisch näher als die USA. Selbst die Krim-Okkupation wird Russland von vielen verziehen und wenn in der Ukraine Bürgerkrieg herrscht, dann steckt im Zweifel der CIA dahinter, nicht Putins Separatisten.
    Dagegen sind die Enthüllungen von Snoden eine Fundgruppe für Ströbeles Grüne und DIE LINKE.
    Mein Aktiendepot besteht nicht von ungefähr zu 2/3 aus US-Werten. Die Aktienkultur und Dividendenverlässlichkeit ist einfach um Längen besser.

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    1. In der Tat ist die Liebe der Deutschen zu den Russen irrational. Aber als man vor der Wahl stand, in eine amerikanische oder in eine sowjetische Besatzungszone zu kommen, wollte jede in die amerikanische.

      Die Russen demontierten und verhafteten. Russen und deutsche Kommunisten nutzten die deutschen KZs weiter, um Sozialdemokraten zu internieren. Die Amerikaner verzichteten auf Reparationen und setzten den Marschallplan um. In den 50ern sind so viele Bürger aus der DDR in die BRD geflüchtet.

      Aber dennoch glauben viele, die Deutschen besser dran, wenn sie sich mehr an die Russen anlehnten, als an die Amerikaner.

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    2. Alle Amerikaner sind dumm und alle Russen alkoholiker.
      Wie kann man nur ganze Völker in den dreck ziehen?
      Wieso ist die liebe der Deutschen zu den Russen irrational?
      "Hass, Neid, Wahn - Anti-Russentum in den deutschen Blogs"

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    3. Wenn man die Amerikafeindlichkeit in Vergleich zu der Russenfreundlichkeit ins Verhältnis setzt, dann das ist das schon irrational angesichts der historischen Erfahrungen. Zur Erinnerung: Die Deutschen wollten am liebsten in die amerikanische Besatzungszone und nicht in die sowjetische. Das Verhalten der sowjetischen Besatzer danach hat auch bestätigt, dass diese Befürchtungen nicht grundlos waren. Angesichts wie sich die russische Aggression heute gebärdet: Tschetschenien, Abchasien, Krim, Ostukraine, Syrien, Manöver im Luftraum der NATO... Dennoch sind viele Leute der Meinung, man dürfe nicht die Russen kritisieren. Angeblich wäre das schon Hetze.

      Und wer sagt denn, dass alle Russen Alkoholiker wären? Russland hat sehr wohl ein Alkoholismusproblem. Ich habe das mal genau so ausdruckt und erntete Beschwerden. Nun gehört es aber nicht gerade zu einer großen intellektuellen Leistung, einen einfachen Sachverhalt zu verstehen. Wenn eine Gesellschaft ein Alkoholismusproblem hat, heißt es nicht, dass alle Individuen der Gesellschaft betroffen wären.

      Der "dumme Amerikaner" ist in deutschen Gesprächen ein häufigerer Stereotyp als der "betrunkene Russe". Und man trägt antiamerikanische Haltung unverhohlen zur Schau.

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    4. Ersteinmal sollte man Sowjetunion nicht mit Russland gleich setzen (ist nur meine Meinung). Es gibt genug Russen (und andere Sowjetbürger), die selber under der kommunistischen Regierung gelitten haben.

      Jeder sieht das Weltgeschehen natürlich aus seinem eigenen Standpunkt. Deshalb ist das ein sehr schwieriges Thema.
      Übrigens Syrien bei den Russischen Aggressionen aufzuzählen ist schon sehr gewagt. Da haben doch alle dreck am Stecken.
      Aber egal. Am ende geht es eh nur um Geopolitisches Schachspiel. Da kann und soll man auch alle kritisieren. Russland-kritik ist keine Hetze und Amerika-kritik genausowenig!!!

      Wahrscheinlich liegt es an meinem Umfeld, aber ich treffe in Gesprächen umgekehrt eher öffter auf "betrunkene Russen" als auf " dumme Amerikaner".

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  2. Antiamerikanismus ist mir noch gar nicht so bewusst aufgefallen. Ich werde da mal bewusster beobachten. Jedenfalls fasse ich es durchaus ins Auge, einen Teil meines Lebensabends in den USA zu verbringen. Die Freiheitsrechte, Meinungsfreiheit und Demokratie sind da wesentlich sicherer und ausgeprägter als bei uns in Deutschland. Ob es die Unternehmen (lästiger Aktionär) oder die Politik (lästiger Bürger) sind, für die sind wir nur lästig und Mittel zum Zweck. Wer fühlt sich in D schon noch ernst genommen? In den USA ist sicher auch nicht alles Gold was glänzt, aber gerade im Investmentbereich sind sie uns um Lichtjahre voraus. Man muss nur mal die Webseiten, die IR und die Aufbereitung der Quartalsberichte anschauen. Da können deutsche Unternehmen viel lernen.

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    1. Ich habe noch nie von einer (im deutschsprachigen Raum populären) Verschwörungstheorie gehört, die den KGB oder gar Russland für irgendwas verantwortlich gemacht hätte.
      Aber ist gibt tausende die die CIA und Amerika im allgemeinen für alles Unglück dieser Welt verantwortlich machen.
      Ganz zu schweigen, und das liegt auf der gleichen Wellenlänge, die Juden.

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    2. Vielleicht weil aus der CIA mehr an die öffentlichkeit gleangt ist und die Leute spinnen das einfach weiter.
      Alten CIA Akten zufolge sind Amerika am Regime-Change im Iran 1953 masgeblich mit beteiligt. Jetzt wird dieses Vorgehen auf heute übertrage und fertig ist die Verschwörungstheorie. Der KGB geht scheinbar professionller vor.
      Somit ist CIA selber schuld. Wer veröffentlicht auch seine eigenen Geheimakten??? Egal wieviel Zeit vergangen ist.

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