Mittwoch, 21. Oktober 2015

Hütet euch vor den falschen Propheten

Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in
Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind!
 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Sammelt
man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln?
So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte
Baum aber bringt schlechte Früchte.
Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen,
und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen.
Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen
und ins Feuer geworfen. Darum sollt ihr sie an ihren Früchten erkennen.
(Mt. 7,15-21)

Immer wieder stolpere ich über das Daytrading. Youtube schlägt mir immer komische Videos vor, z. B. eine N24-Reportage, in der Daytrader in einem Hubschrauber sitzend, einen Trade ausführen und zwar in genau dem Moment, wenn der Pilot mit dem Hubschrauber einen Looping vollführt.

Anscheinend haben es diese Leute nötig. Die Gefahr, die ich sehe: Die diffuse Haltung vieler Deutscher zur Börse wird dadurch noch verstärkt. Und noch schlimmer finde ich, dass junge Leute dann bei sowas anbeißen.

Es sind die falschen Propheten, vor denen schon im neuen Testament gewarnt wird. Die meisten Menschen scheitern beim Daytrading, 95 % werden von den Daytrader-Anhängern selber kolportiert. Ich frage mit der Bibel: Wenn die Früchte des Daytrading so schlecht sind, kann dann Daytrading gut sein?

Der ganze Daytrading-Zirkus soll dazu verleiten, dass Grünschnäbel teure Seminare buchen und ihr sauer verdientes Vermögen verpulvern. Die Gurus und Seminarleiter nennen das dann Lehrgeld. Ich sehe keinen gr0ßen Unterschied zwischen "Jeff Paul's Shortcut to the Internet Million" und einem Koko Petkov. Jeff Pauls Werbespot enthält schicke Frauen in Bikinis, schicke Autos, ein schickes Motorrad. Koko Petkov kauft sich vor laufender Kamera ein teures Mercedes Coupé und stellt gleich mehrere Videos bei Youtube rein, wo der sich fahrend im Mercedes interviewen lässt. Wo ist der Unterschied? Koko kann sich keine Bikini-Models leisten, ansonsten ist es doch die gleiche Masche.

Der schnelle Reichtum ist verlockend, aber das funktioniert nur in den seltensten Fällen. Reichtum wird über Jahrzehnte aufgebaut, durch stetiges Handeln und Investieren.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Obstbäume wirtschaftlich zu nutzen. Man kann sie fällen und das Holz verhökern. Kirsche wird häufig im Instrumentenbau verwendet. Oder aber man pflegt seine Bäume, erntet die Kirschen, verkauft diese. Man investiert in eine Vogelscheuche und andere Abwehrmittel gegen die Spatzen, man akquiriert neue Kunden und kann jahrzehntelang Profit machen.

Man hört nicht gerne, dass es tatsächlich das beste ist, den langweiligen und sturen Weg zu gehen. Immer wieder stoße ich auf Daytrading-Fans, teilweise 17-jährige, die sich erhoffen, sie könnten mit Daytrading ihr Studium finanzieren. Wenn man denen die Illusion nehmen will, ist man der Buhmann, der von nichts eine Ahnung hätte.

Ich habe für mich den Weg gewählt, als Angestellter einen normalen, bürgerlichen, interessanten und anspruchsvollen Beruf nachzugehen, gleichzeitig  aber einen großen Teil des Gehaltes dafür verwende, mein passives Einkommen weiter zu erhöhen.

Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich fahre die gleiche Strategie wie du. Ich habe einen normalen Job und investiere das Geld jeden Monat ganz langweilig in Dividendenaktien.

    Aber wie will man dafür Werbung machen? Ein Typ der vor dem Rechner sitzt, jahrelang jeden Monat investiert und irgendwann davon leben kann?! Da ist doch der Typ im Hubschrauber weitaus interessanter. Nur, dass man damit sein Geld verbrennt. Nachweislich!
    Auch die Politik ist nicht besser. Dort redet keiner vom Aktiensparen, propagiert wird nur Riester und Rürup, da wo die Versicherungslobby für wirbt.

    Ich bin der Meinung, wer intelligent ist, der investiert in die langweiligen Dividendenaktien. Wer sich keinen Kopf macht, der investiert in Riester und Rürup und wird auf Dauer verlieren. Und wer dumm ist, der tradet.

    Viele Grüße
    Ric

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  2. Moin,

    ja da gibts auf jeden Fall viele lustige Videos. Wie dem auch sei ich mache beides, aktiv spekulieren und mich in Dividendenfirmen einkaufen zum investieren. Nur weil du Niemand kennst der aktiv was verdient heißt das nicht, das wir nichts verdienen :). Und das wichtigste ist doch wir bringen Liquidität in den Markt und senken die Spreads und Gebühren in Deutschland, ich befürchte ohne Daytrader wären Handelsgebühren irgendwo noch durchgängig auf deutsche Bank Niveau. Wobei mir die Preise in Deutschland eh viel zu hoch sind, jedenfalls für aktive Geschäfte, passiv passt schon.

    Was Anbieter von Coachings, Büchern, Börsenbriefen, .. angeht alles Eunuchen "Sie wissen wie aber ..". Ich würde den Teufel tun und jemand mein Konzept vorbeten. Ggf. wenn es nicht mehr funktioniert auch gerne mit Abrechnungen aber vorher ... :D

    Grüße Michael

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    1. Hallo Michael,

      nun ja, jemand der mit positivem Saldo Poker spielt oder Sportwetten nachgeht, "verdient" auch Geld. Was allerdings nichts daran ändert, dass dies in bedeutendem Maß vom "Zufall" oder "Glück" abhängig ist. Das ist in sofern unkritisch, solange nicht naive Glücksritter mit der Hoffnung auf den schnellen Reichtum sich um Kopf und Kragen verzocken.

      Warum willst du niemandem dein "Konzept vorbeten"? Wenn es derart profitabel und valide ist, müssten sich doch finanzkräftige Institutionen darum reißen und einen hohen Preis für grantiertes "Geldverdienen" bezahlen, oder?

      Zum Thema Liquidität: Ich behaupte mal ganz kühn, dass eine plötzliche Abwesenheit aller privater Daytrader am Markt nicht mal wahrgenommen wird. Der Handel wird durch Institutionelle inklusive derer automatisierten Trading-Systeme bestimmt.

      Daytrading mag ein netter Zeitvertreib sein, wenn man es sich leisten kann. Langfristige Gewinner gibt es wahrscheinlich in gleicher Anzahl wie langfristig erfolgreiche Roulette-Spieler ;-)

      Grüße MichaDerXte

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    2. Ohne Glück geht im Leben gar nichts :). Mein Konzept wie auch viele andere läßt sich nicht beliebig skalieren, somit nicht interessant für Banken und Co. Und ehrlich gesagt bin ich nicht bereit mit meinem Namen für andere bzw. deren Umsetzungen zu haften. Ich trage lieber selbst das volle Risiko und habe damit auch ein Anrecht auf alle Gewinne und Verluste, warum sollte ich das ändern?

      Aber wozu erzähle ich das, im Prinzip steht deine Meinung doch sowieso :D und da ich nicht bereit bin mein Konzept zu teilen machen wir halt beide so weiter mit was auch immer :).

      Grüße Michael

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    3. "Aktiv spekulieren" ist aber wieder etwas anderes als Daytrading.

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