Sonntag, 15. November 2015

In eigener Sache

Dieses Blog hat zum Thema die persönlichen Finanzen, aber nicht zum alleinigen Thema. Sonst wäre es ja öde. Was soll man denn schreiben? Soll ich mit Charttechnik beginnen? Dass ich überhaupt frühzeitig den Weg zur Börse eingeschlagen habe, lag an meinem liberalen Weltbild. Ich las u.a. Smith, J. St. Mill, Mises und Hayek, hatte schon sehr früh die Überzeugung, dass das Indvidium gestärkt und ermutigt werden muss. Was es selber leisten kann, soll es selber machen. Das ist gut für die Persönlichkeit und letztendlich auch für die Gesellschaft.

Um das Verhältnis der Liberalen zum Sozialstaat zu beschreiben, sagte Phillip Rösler einst: "Wir lassen die Menschen in Ruhe, aber nicht im Stich." - Mir gefällt der Satz und ich sehe es genauso. Seit Jahren lässt uns der Staat aber nicht mehr in Ruhe. Überall gibt's Regeln und Verbote. Warum kann ich nicht meine Altersvorsorge komplett selber in die Hand nehmen und staatliche Förderung kassieren? Bislang läuft jede Förderung auf "betreutes Sparen" hinaus. Ich will aber nicht betreut werden. Betreuung (bzw. betreuen) ist auch ein belastetes Wort. Aber auch ohne die braune Vergangenheit schreit einen der in diesem Worte steckende Paternalismus an.

Neben all der Betreuung lässt der Staat Menschen im Stich. Menschen die ihr Recht erstreiten wollen, z. B. weil ihnen jahrelang von der Stasi nachgestellt wurde und infolgedessen heute für den Arbeitsmarkt untauglich sind. Oder Dachdecker, die vom Dach gefallen und seitdem querschnittsgelähmt sind. Warum wird ausgerechnet der finanzielle Schutz vor Invalidität zusammengeschossen? Ich würde mir vom Staat wünschen, dass er sich um die echten Lebensrisiken kümmert, anstatt sich auf Nebensächlichkeiten zu konzentrieren.

Indem ich von meinem Netto-Gehalt einen Großteil in Aktien investiere und auf sämtliche staatliche Förderung und auf staatliches Reinreden verzichte, leiste ich politischen Widerstand. Ich verzichtete damals auch ganz bewusst auf Bafög, obwohl ich es problemlos bekommen hätte. Ich wollte mich nie der paternalistischen Prozedur aussetzen. Die persönlichen Finanzen waren daher für mich von Beginn an ein politisches Thema.

Als Liberaler und FDP-Wähler wird einem alles schlechte unterstellt. Seit ein paar Jahren bin ich auch noch Aktionär. Nun unterstellt man mir, dass Aktionäre wie ich Unternehmen schaden, indem wir Dividenden kassieren. Als Anhänger der Marktwirtschaft, als aufgeklärter Liberaler, als Aktionär, entwickelt man dann schnell auch ein besonderes Gespür für antikapitalistische, antiamerikanische und antisemitische Ressentiments, weil die gleichen Ressentiments irgendwann selber einen zur Zielscheibe habe, sobald man sich prokapitalistisch oder proamerikanisch äußert. Es reicht ja teilweise schon, wegen TTIP nicht so besorgt zu sein wie ein großer Teil der Bevölkerung. Und die Geschichte zeigt ja auch: Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antisemitismus ist die Troika der nationalistischen und sozialistischen Ideologien.

Den Juden unterstellt man bis heute, sie würden ohne Rücksicht auf andere Profite an der Börse scheffeln. Der Vorwurf wird dann gerne auf alle Aktionäre ausgeweitet, egal ob Jude oder nicht. Den US-Amerikanern unterstellt man genauso, dass sie alles dem Profitgedanken unterordnen. Seit Jahren muss ich mir diesen Mist anhören, dass Amerikaner wegen Öl Krieg führten und mit TTIP die vermeintlich nächste Sauerei planen, um angeblich höhere europäische Standards zusammen zu schießen und die eigenen Profite zu erhöhen.

Ich bin in den letzten Jahren zionistisch und pro-amerikanisch geworden. Und das posaune ich auch gerne in die Welt hinaus, denn es gibt nicht genug Zionisten und nicht genug Pro-Amerikaner in Deutschland. Neulich wurde ich als "Blindgänger" beschimpft:

Das letzte mal hier gewesen ... werde mal die anderen Finanzblogger anschreiben dich aus den verbliebenen BlogRoll's zu streichen du Blindgänger.


Wenn sich Menschen wegen ein paar Beiträgen zum alltäglichen Antisemitismus zu derartigen Äußerungen so hinreißen lassen, dann beweist das nur den latenten Antisemitismus in diesem Lande, von dem angeblich 25 % der Bevölkerung betroffen sind. Viele Kommentare unter meinen Artikeln zum gegenwärtigen Antisemitismus enthalten den Ratschlag, ich möge doch zum eigentlichen Thema zurückkommen.

Ich sehe es aber als wichtig an, dass man Menschen, die sich für Finanzthemen interessieren, ein Sensorium dafür entwickeln, was ressentimentbehaftet ist und was nicht. Dass ich gegen das Daytrading bin, habe ich nun schon oft genug geschrieben. Ich bin aber auch der Meinung, man muss  vorsichtig sein bei Welterklärungsmodellen, dass wir von Rothschilds, Bilderbergern oder von der Wallstreet gesteuert würden.

Ich mache in der gewohnten Art und Weise weiter.

Kommentare:

  1. Dieser Beitrag ist ein schönes persönliches Credo, das weitgehend mit meinem übereinstimmt. Ich habe meine philosophische Heimat inzwischen - nach langen Suchen - bei Ayn Rands Objektivismus gefunden, der von Andreas Müller, einen der wenigen deutschsprachigen Protagonisten, auf dem "feuerbringer-magazin" so zusammengefasst wird: Vernunft – Freiheit – Marktwirtschaft.
    Ich bin kürzlich in der Fußgängerzone angesprochen worden, doch gegen TTIP zu unterschreiben. Als sich sagte, das mache ich nicht, weil für Freihandel bin, schaute mich mein Gegenüber fassungslos an, als hätte ich mich gerade für Kindesmissbrauch o.ä. ausgesprochen.
    Das mit der Marktwirtschaft und der proamerikanischen Sicht, ich würde von den Werten des Westens sprechen, sind auch meine Werte. Schwerer tue ich mir mit dem Zionisten. In dieser Ecke der Welt ist mir einfach zu viel irrationaler religiöser Fanatismus und Fundamentalismus auf beiden Seiten unterwegs. Wobei ich schon sehe, dass da keine Symmetrie herrscht. Mir sind jedoch orthodoxe Juden genauso fremd wie fundamentalistische Muslime, wobei letztere natürlich derzeit - siehe Paris am 13.11.15 - schon eine eigene Kategorie sind. Bezüglich Israel bin ich neutral, bzgl. USA nicht.

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    1. Zionisten sind aber keine "Fundamentalisten". Schaut man sich die Ultraorthodoxen (die Haredim), dann sind die antizionistisch. Ich bin aber für einen jüdischen Staat, denn aus der jüdischen Geschichte heraus, der jahrhundertelangen Verfolgung, ist es die einzig logische Konsequenz. Warum soll jedes Volk der Erde seinen Staat haben und in sicheren Grenzen leben dürfen, nur die Juden nicht?

      Und selbst wenn man Israel ursprünglich nicht befürwortet hat: Wenn einem Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaat, Rechte für Homosexuelle und Frauen am Herzen liegen, kann man nicht sagen, dass man in Causa Israel neutral ist. Schon alleine deswegen muss man mit Feuer und Schwert an der Seite Israels stehen.

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  2. Grundsätzlich finde ich Menschen mit provokativen Ecken und Kanten ja ganz angenehm. Du ziehst hier emotional ziemlich blank und haust ganz schön auf den Putz. Sprüche wie „Seit Jahren muss ich mir diesen Mist anhören…“ oder „Ich bin ein ziemlich abgebrühter Hund, ein Hartgesottener…“ sind bei Dir an der Tagesordnung. Ich muss dann schon ein wenig schmunzeln. Du möchtest abgeklärt wirken, bewirkst aber genau das Gegenteil – das hat mit Deiner Meinung an sich nicht einmal etwas zu tun. Aber: Alle sind doof, nur Du nicht. Findest Du das selbst nicht auch ein bisschen komisch und überheblich?

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  3. Auch ich musste über den abgebrühten hartgesottenen Hund schmunzeln, wirklich abgebrühte Hunde würden das nicht so extra hervorheben müssen,
    ebenso, "Kleiner Crash und mich hat's gefreut", ja, es war nur ein Mini-Crash, das überleben auch die nicht ganz so Hartgesottenen...
    Ich kenne Deinen Bezug zu Israel natürlich nicht, aber ich würde mich sicher nicht mit Feuer und Schwert an irgend Jemandes Seite stellen, ich mag keine Schwerter.
    Und ängstigen tun mich im Moment auch eher andere Sachen, der Kurs der Bundesregierung, die unsichere weltpolitische Lage, die teilweise Manipulation der Medien, unnötige Zensur etc.
    Ansonsten finde ich Deine Finanzthemen gut, ich lese nur deswegen mit,
    Klasse hat sich Dein Depot so schön entwickelt,
    liebe Grüsse,
    eine nicht ganz so abgebrühte Leserin die nun die ersten Einzelaktien anstelle Fonds gekauft hat und gleich ein wenig Federn lassen musste....

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  4. mach einfach weiter so,lese hier immer mal gerne.

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  5. mach einfach weiter so,lese hier immer mal gerne.

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  6. Meine politische Einstellung wie auch mein Bild von der Gesellschaft gehen häufig in eine andere Richtung, als von dir ausgeführt.
    Gerade deswegen lese ich aber regelmäßig deine Einträge und doch recht interessante Sichtweisen. Und schmunzle ab und an über deine arrogante Art (zumindest im Blog, ich weiß nicht, wie du im RL bist). ;)
    Mach also weiter so!

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