Mittwoch, 2. Dezember 2015

Hamad Abdel-Samad: "Mohamed" (2)

Ich habe im September angekündigt, das Buch "Mohamed" von Hamas-Abdel-Samad zu kaufen und zu lesen. Es sollte geschehen. Mittags am 13. November 2015 kaufte ich es in einer örtlichen Buchhandlung, natürlich nichtsahnend, was am Abend desselben Tagse geschehen sollte.

Der politische Islam, der Islamismus ist das Thema unserer Zeit. Einst bedrohten Sozialismus und Faschismus die freie Welt, heute ist es diese Interpretation des Islam, die keine Kritik am Koran und am Propheten zulässt. Den Koran als Gottes Wort betrachten, ist äußerst problematisch.

Die unsägliche Kritik von Daniel Bax hat mich herausgefordert, mich dagegen zu positionieren. Was schreibt Bax denn:

So stempelt er nebenbei 1,5 Milliarden Muslime zu potenziellen Gewalttätern und erklärt Terrorgruppen wie die IS-Milizen und Boko Haram zur logischen, ja zwingenden Folge der Lehre Mohammeds. Das ist in etwa so, als würde man den Ku Klux Klan mit seinen brennenden Kreuzen zur einzigen richtigen Lesart des Christentums erklären.

Diese Einfalt ist typisch für Linke. Inwiefern stempelt Abdel-Samad 1,5 Milliarden Muslime zu "potenziellen Gewalttätern" ab? Erst einmal ist jeder Mensch ein potenzieller Gewalttäter. Zweitens scheint er es eine große intellektuelle Hürde für ihn zu sein, zwischen vielen und allen zu unterscheiden, sowie zwischen Terror und häuslicher/folkloristischer Gewalt.

Abdel-Samad ist Moslem, hat den Koran nicht nur auswendig gelernt, sondern den Islam studiert. Mit dem Hintergrund hat er zweifelsfrei eine gewisse Kompetenz. Entsprechend detailreich ist das, was man im Buch über Mohammed erfährt. Es geht um seine Herkunft, um seine Ehen, um seine Feldzüge und seine Gegner. Man erfährt, dass Mohammed eher eine zwielichtige Herkunft hatte und dass er gewiss nicht von dem Edelmut beseelt war, dem man ihm unterstellt.

Die Authentizität des Korans als "Gottes Wort" wird in Frage gestellt. Offenbar wurden neue Suren entwickelt, wenn Mohammed welche brauchte, um seine Interessen durchzusetzen. So fand Mohammed Gefallen an seiner Schwiegertochter und plötzlich erfuhr ihm eine göttliche Eingebung,   dass er Allah sie mit ihm vermählt habe.

Abdel-Samad schreibt vieler solcher Episoden, die Mohammed nicht in einem guten Licht erscheinen lassen. Ist das nun verkehrt? Stiftet das Unfrieden? Ich bin der Meinung, nichts ist so gut wie die Wahrheit. Wir kehren doch auch nicht Geschichten aus dem Dritten Reich unter den Teppich, nach dem Motto, es würde zu viel Staub aufwirbeln. So dachten einige in den 50ern, aber über solche Leute sind wir doch im Nachhinein ziemlich erzürnt.

Und sicherlich ist nicht jeder Moslem ein Terrorist. Aber wir haben nunmal islamistische Terroristen, die sich aus dem Kreis der Muslime rekrutieren. Sie berufen sich auf Koran und Prophet und das vollkommen zurecht. Schon Mohammed war Feldherr und hat Sklaven erbeutet. Vor allem Sklavinnen. Der IS macht nichts anderes.

Wie reagieren die Muslime darauf? Die meisten sagen das dämlichste, was man da sagen kann: "Diese Terroristen sind keine Muslime." - Klar, und die Nazis waren keine Deutsche. Das ist nichts anderes als die intellektuelle Kapitulationserklärung. Wegen Karikaturen in einer dänischen Tageszeitung wurde randaliert, es wurden Flaggen verbrannt. Hätte es nicht gereicht zu sagen: "Die von Jyllands Posten sind keine Muslime." (Abgesehen davon, dass die sich nie als Muslime gesehen haben.) Wann brennen die Flaggen des IS?

Die total unterschiedlichen Reaktionen zeigen doch eines: Islamismus hat es mit dem Islam zu tun, so wie Alkoholismus mit Alkohol. Und es gibt einen enormen Rückhalt in der Bevölkerung für den IS. Im Prinzip sind die IS-Kämpfer Vertreter des Wahhabismus, wie er in Saudi-Arabien Staatsreligion ist. Viele Saudis sympathisieren mit dem IS.

Und es der Fehler von Daniel Bax und anderen Linken, falsche Gleichnisse zu ziehen. Der Ku Klux Klan hat kaum Rückhalt in der christlichen Gemeinschaft Amerikas. Die Opfer des IS sind auch nicht gerade von Waisenknaben. Bei einem umgedrehten Machtverhältnis, wäre genauso Mord- und Totschlag an der Tagesordnung. Es stünde nicht alles automatisch zum Besten, nur weil der IS beseitigt wäre.

Bei Bax kann man jenen Fehler beobachten, den viele westliche Linke machen. Eine Errungenschaft des Westens ist die Befähigung zur Selbstkritik. Fehler erstmal bei sich zu finden zu beheben, ist eine positive Eigenschaft, aber der Wahrheitsfindung dient sie nicht. Der Westen wird für jede Kleinigkeit verantwortlich gemacht und sei es, dass wegen des westlichen CO2-Ausstoßes, der Klimawandel dafür sorgt, dass in China ein Sack Reis umfällt. Es ist aber unlogisch, den Westen für jede Unbill verantwortlich zu machen. Angeblich habe der Westen den Nahen Osten destabilisiert, indem er Saddam Hussein beseitigt hat. Dass das Problem aus dem Innern der arabischen Gesellschaften kommt, traut man sich nicht, zu sagen.

Ich kann das Buch nur empfehlen. Man braucht keine weitere Lektüre, um das Buch zu verstehen. Es ist ein wichtiger Beitrag in einer Zeit, in der der politische Islam das größte Problem darstellt. Es ist ein politisches Buch und der Forderung Abdel-Samads, dass Muslime Mohammed realistischer sehen müssen und den Koran eben nicht für Gottes Wort halten sollten, sondern durchaus krititisch lesen dürfen, schließe ich mich an.


1 Kommentar:

  1. Deine Rezession zu dem Buch finde ich sehr intererssant und werde es mir wohl auch mal durchlesen.
    Eine freie Meinungsbildung zum Thema Islam (oder auch Religion im allgemeinen), an der ich mich seit längerem versuche, ist in der aktuellen Gesellschaft eine sehr schwierige Aufgabe. Gerade Blogposts wie diesen finde ich dabei sehr anregend, mich intensiver mit einzelnen Themen zu beschäftigen.
    Von meinen "Gefühl" her würde ich bei der Aussage, dass der IS Rückhalt bei den Muslimen bekommt, zustimmen. Gibt es dafür aber vielleicht auch Quellen, die diese Aussage unterstützen? Sonst ist so etwas als Argument in einer Diskussion natürlich immer schwierig

    AntwortenLöschen