Freitag, 1. Januar 2016

Langfristiges Sparen lohnt sich - Am Beispiel der Telekom

Ich möchte heute aufzeigen, dass sich das langfristige Sparen lohnt. Ich habe bewusst ein gebeuteltes Unternehmen als Beispiel gewählt: die Telekom. Denn immer wieder heißt es: "Damals bei der Telekom wurden alle nach Strich und Faden verarscht." Stimmt das denn wirklich? Ich bin der Meinung, auch die Telekom ist ein werthaltiges Unternehmen, das eine essentielle Dienstleistung anbietet. Ich würde die Telekom nicht kaufen, weil ich wenig von der Branche halte und auch wenig vom Großaktionär in Berlin, der Dividenden aus Unternehmen saugt, die das Unternehmen eigentlich gar nicht stemmen kann. Aber lesen Sie und bilden Sie sich auch ein Urteil.

Die Telekom machte mehrere Krisen durch:
  • Platzen der New-Economy-Blase im Jahr 2000
  • 11. September und damit einhergehende allgemeine Depression
  • Die Finanzkrise 2008/9
Meine  Zahlen habe ich von Yahoo Finance ab dem Jahr 2000. Leider reicht das nicht weiter  zurück. Und ich begutachte zwei Szenarien: Die Dividenden werden reinvestiert oder nicht. Steuern und Gebühren fallen dezent unter den Tisch. Es ist auch möglich, Bruchteile der Telekom-Aktie zu erwerben.

Angenommen habe ich, dass jemand Monat für Monat 50 € in die Telekom investiert und das seit dem Jahr 2000. Was hat sich daraus entwickelt knapp 16 Jahre später?

Der Nichtthesaurierer hätte heute 759 Telekom-Aktien im Gesamtwert von 13281,56 €. Er hätte dafür gerade mal 9600 € selber ausgegeben. Während der Sparphase hätte er auch noch 3228,88 € an Dividenden kassiert. Das Investment ist 38 % in Plus. Das heißt, er kann heute verkaufen und bekommt noch einmal einen ordentlichen Batzen Geld. Er kann aber das Sparen einstellen und die Aktien weiter halten. Angenommen, die Telekom zahlt 2016 wieder 50 Cent pro Aktie. 379,50 € wären ihm sicher im kommenden Jahr und alles spräche dafür, dass er Jahr für Jahr mindestens 379,50 € bekäme, da man von Dividendensteigerungen ausgehen müsste.

Der Thesaurierer hätte sogar 1158 Aktien im Gesamtwert von 20271,64 €. An Dividenden hätte er unterwegs sogar 4148,05 € in die Scheune gebracht. Aber die hat er immer sofort reinvestiert, weshalb seine aufgewendeten Mittel 13198,05 € betragen (9600 € + 4148,05 €). Und das Interessante ist: Sein Plus liegt sogar bei 53,6 %.

Wie kann das sein? Der Thesaurierer hat seine Dividenden über lange Zeit reinvestiert und die Dividenden waren schon dick genug, als die Finanzkrise kam. Günstige Einkaufspreise lagen vor ihm. Der Thesaurierer hat über die 16 Jahre 11,39 € pro Aktie bezahlt; der Nichtthesaurierer 12,65 €. Ohne Vorsatz hat der Thesaurierer ein bisschen antizyklisch gehandelt.

Dass der Thesaurierer hier also besonders gut abschnitt, lag auch am gewählten Zeitraum mit der Finanzkrise. Und wie man den Diagrammen entnehmen kann, musste man etwas Sitzfleisch mitbringen, denn einige Jahre hinkte der Wert des Investments den investierten Mitteln hinterher. Die Dividenden halfen sicherlich dabei, die Füße still zu halten.




Die Berechnungen liegen sowohl als Excel- als auch als LibreOffice-Calc-Mappe vor. Ich erhoffe mir von meinem Beitrag verschiedenes:

  1. Werbung für langfristiges Denken bei der Aktienanlage und für mehr Durchhaltevermögen.
  2. Bewusstsein schärfen, welche Rolle das Reinvestieren von Dividenden und die zeitliche Diversifikation spielen.
  3. Ein bisschen Verbreitung für finanzmathematisches Wissen und Anwenderwissen für Tabellenkalkulation. Vielleicht lernt ja jemand etwas neues, wenn er die Tabellen studiert. Man kann ja schnell eigene Tabellen hochziehen und bestimmte Aktien analysieren.
  4. Ankämpfen möchte ich auch gegen die Mär, dass die Telekom-Aktie eine Verliereraktie wäre. Ich habe diese Aktie nicht, ich würde sie mir auch nicht kaufen. Wer zu Höchstkursen einmalig einkauft und jammert, ist einfach selber schuld. Immer wieder muss die Telekom-Aktie beispielhaft dafür herhalten, dass Aktien etwas gefährliches wären. Ich habe aufzeigen können, dass sich das Geschäft doch gelohnt hat, wenn man es so macht, wie es Buy-and-Hold-Gurus à la Tim Schäfer immer wieder predigen. Mit anderen Aktien aus anderen Branchen Gepäck sähe das richtig weit besser aus. Statt einmal 50 € Monat hätte man vielleicht 6 mal 50 € pro Monat gespart. Diversifikation über sechs Unternehmen und über die Zeit... So ein Sparplan wäre weit besser abgegangen als der Underperformer Telekom alleine.




Kommentare:

  1. "Angenommen habe ich, dass jemand Monat für Monat 50 € in die Telekom investiert und das seit dem Jahr 2000. Was hat sich daraus entwickelt knapp 60 Jahre später?"

    Servus,

    Deine Seite ist super!
    Gefällt mir sehr gut!
    Ich denke hier ist ein kleiner Zahlendreher drin.
    Es muss 16 Jahre später heißen.

    BG

    FLO

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    1. Da hast du recht. Ich korrigiere es sogleich.

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    2. In der Überschrift hat sich auch ein Fehler eingeschlichen.

      Diese Antwort kann nach Kenntnisnahme gelöscht werden ;-)

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  2. Das kann ich nur bestätigen. Ich hatte das auch mit verschiedenen Aktien gemacht. Teilweise über einen Zeitraum von 20 Jahren. Jedes Jahre im Januar und August den gleichen Betrag investiert. Fast alle Ergebnisse waren positiv und die 2 Pleiten haben die anderen mehr als wett gemacht. Man wird zwar nicht gleich Millionär, aber es lohnt doch. Leider habe ich die Auswertung nicht mehr, aber das Ergebnis habe ich mir gemerkt.

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  3. Wir hatten Glück mit unseren T-Aktien. Der Kauf erfolgte im April 2014 bei einem Kurs von 10,66 €. Beim aktuellen Kurs von 16,69 € liegen wir mit mehr als 55% im plus bei gut 4,5% YoC.

    Die Telekom ist zwar unter staatlichem Einfluss, wird aber auch oft bevorzugt behandelt - sei es bei der Beratungstätigkeit für die Bundesregierung oder bei der 'freihändigen' Vergabe von Telekommunikationsdienstleistungen für den Staat.

    Und da ist es doch nett, wenn man als private Investoren am teilstaatlichen Fast-Monopolisten verdienen kann!

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  4. Kann Deinem Artikel nur zustimmen. Dank einiger Direktbanken kann man nun wirklich Einzelaktien regelmäßig besparen. Auch wenn die Gebühren dabei noch recht hoch liegen.

    Das mit dem "Wer zu Höchstkursen einmalig einkauft und jammert, ist einfach selber schuld." ist so eine Sache. Wo sind wir denn gerade (z.B. bei einer Bayer, BASF, Linde usw.)? Oben oder unten? Ist ja auch immer eine Frage der Perspektive.

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  5. Fit und Gesund / Annabella6. Januar 2016 um 12:51

    sehr schön wie das langfristige Aktiensparen hier am Beispiel der Telekom aufgedröselt wurde, solche Artikel sind wirklich hilfreich und sehr motivierend, besonders wenn man finanzmathematisch nicht so eine Leuchte ist.
    Ich lebe in der CH und hier sind die Ordergebühren für Aktien leider sehr hoch, Einzelaktien kann man auch nicht regelmässig besparen, zumindest nicht dass ich wüsste.
    Nichtsdestotrotz werde ich mir dieses Jahr 3 weitere Aktien zulegen und mich dann irgendwann mal an den Dividenden erfreuen.

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    1. Habt ihr denn keine Direktbanken? Ich war mal bei der Volksbank und da waren die Gebühren hoch. Dann wechselte ich zu einer Direktbank und sie waren moderat bei 10 bis 15 €. Selbstverständlich empfehle ich nicht, solche kleine Sparraten zu nehmen oder direkt zu thesaurieren. Es ist nur ein Gedankenexperiment, das zeigen soll, was möglich ist.

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  6. Fit und Gesund / Annabella6. Januar 2016 um 18:04

    Es gibt wohl Swissquote die günstiger sind, bei meiner Hausbank (keine der beiden Grossbanken) bezahle ich für Kauf und Verkauf 1%, mindestens aber 80 CHF, e- banking wäre mindestens 40 CHF, dies aber nur Börsenplatz CH, Ausland ist wieder teurer. Somit kommen nur Aktienkäufe ab 8000 CHF in Frage.
    Danke dennoch für Deine Antwort.

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  7. Da müsste es günstigere Möglichkeiten geben, es sind doch einige Schweizer in den verschiedenen Blogs unterwegs, die deutlich weniger bezahlen. Das grenzt ja schon an Wucher. Hör dich da mal noch etwas um.

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  8. fit und Gesund / Annabella7. Januar 2016 um 23:01

    Danke Alexander, ich habe jetzt nur mal kurz gegoogelt und schon was Interessantes gefunden, Corner Trader, aber ich werde übers Wochenende dann genau schauen,
    so könnte ich nämlich mit kleineren Beträgen schneller etwas diversifizieren, bis jetzt habe ich erst 3 Einzelaktien, aber noch gemanagte Aktienfonds, die ich bis auf Einen dann nach und nach auflösen werde.
    Heute Morgen hat es mich arg in den Fingern gejuckt, aber es werden vermutlich noch mehr Kaufgelegenheiten kommen.

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