Mittwoch, 20. Januar 2016

Nachhaltige Geldanlagen

Meine politische Biographie scheint seltsam zu sein, ist sie doch gespickt mit ein paar netten kleinen Widersprüchen. Ich war immer jemand, der sich für Umweltschutz interessierte, auch für Ressourcenverbrauch. Das ging aber nie soweit, dass ich dogmatisch war. Ich schrieb auf grauem Recycling-Papier, ich schraubte Energiesparlampen in die Fassungen, ich habe bis heute noch nie ein Auto besessen, aber dennoch war ich immer für die Nutzung der Kernenergie, der Nutzung der Gentechnik und ich bin auch fürs Fracking. Das liegt daran, weil ich die Chancen sehe und nicht nur Risiken. Die Grünen habe ich noch nie gewählt.

Bei vielen grünen Dogmatikern scheint es anders zu sein. Man lebt auf großem Fuß, mit dicker Karosserie, man schreibt auf hellweißem Papier, selbst wenn es nur eine persönliche Notiz oder ein Einkaufszettel ist ("grau ist peinlich"), aber man ist gegen Gentechnik, gegen die Nutzung der Kernenergie und natürlich gegen das Fracking.

Andere Überzeugungen haben sich bei mir erst bilden müssen. So stand ich der Solarenergie anfangs positiv bis neutral gegebenüber, aber seit mindestens fünf Jahren sehe ich sie sehr kritisch. Ich sehe die Verwerfungen im Stromnetz und auf meiner Stromrechnung. 2015 sind 25 Milliarden Euro über das EEG umverteilt worden.

Ich kaufte mir vor kurzen eine Provinzpostille. Normalerweise lese ich FAZ, aber manchmal möchte ich auch was lesen, was meinen persönlichen Überzeugungen zuwiderläuft. Das ist wichtig für die geistige Hygiene. Würde ich nur im eigenen Saft schmoren und Bestätigung suchen, dann wäre ich nicht besser die oben erwähnten Dogmatiker. Vielleicht erhoffe ich mir sogar insgeheim, dass ich die eine oder andere interessante Information bei der Lektüre der Provinzpostille erhalte, z. B. eine Investmentidee.

Der Wirtschaftsteil hatte an dem Tag den Aufmacher: "Investieren und Gutes tun". Man argumentierte zuerst mit dem sinkenden Rentenniveau,um zu begründen, warum man überhaupt investieren sollte. Mit Besorgnis wurden die sinkenden Neuabschlüsse bei den Riesterrenten erwähnt. Eigentlich logisch, denn die Neuabschlüsse pro Jahr können nicht von Jahr zu Jahr weiterwachsen. Dies als negatives Zeichen zu sehen, ist alles andere als durchdacht. Ich sehe Riester sogar negativ, weil viel zu bürokratisch.


Die Werbetrommel rührte man für das Projekt "Gut fürs Geld, gut fürs Klima" und der Zertifizierung von "Ökofonds". Was mir besonders aufstieß: Man war offenbar der Auffassung, das "ethisch-ökologische Investmentsfonds" nicht in Waffen, Kernenergie, Gentechnik, Erdöl und "weitere kritische Geschäftsfelder" investieren dürfen.

Und da war mir klar: Da gings um Dogmatik und festgefügte Weltbilder. Woanders las ich, in BASF zu investieren, sei unethisch, weil die eine Gentechniksparte haben. Was ethisch oder was unethisch ist, ist eine Jahrtausende alte Diskussion. Und oft ist die Antwort weder schwarz noch weiß. Wer kann mit Entschiedenheit sagen, dass die Herstellung von Waffen zur Verteidigung unethisch ist? Die Pazifismus-Bewegung streitet darüber seit über 100 Jahren. Ist die Diskussion denn nun endlich zu aller Zufriedenheit beendet worden? Das habe ich nicht mitbekommen. Wann war das? Irgendwann zwischen Plasberg am Montag und Illner am Donnerstag?

Bei der Gentechnik sehe ich die dogmatische Haltung viel kritischer. Anders als bei den Waffen, deren Funktionsprinzip jeder versteht, wird die Diskussion bei der Gentechnik sehr einseitig geführt. Warum es unethisch sein soll, eine neue Weizensorte durch Gentechnik zu schaffen, eine Weizensorte mit den gleichen Eigenschaften durch konventionielle Züchtung geschaffen aber nicht? Wenn jemand nicht bei Lockheed Martin investiert sein möchte, kann ich das gut verstehen, machen die doch ihr Geld ausschließlich mit Waffen. BASF als "unethisch" einzustufen, weil die eine Gentechniksparte haben, ist dogmatisch. Das ist wie mit der katholischen Kirche, die Investitionen in jene Pharmafirmen ablehnt, weil die Firma auch Präservative herstellt. Unternehmen, die Milliarden in die Krebs-, HIV--und Malaria-Forschung stecken, gelten als "unethisch", nur weil sie einen kleinen Umsatz im Millionenbereich mit Präservativen machen?

Der Dogmatismus mag Grundlage für solche Gedankengänge sein, aber es ist zeitgeistiges Mitläufertum, das dann auch zu solchen "ethischen Fonds" führt. Da sitzen Leute in den Banken, die sich Lieschen Müllers und Max Mustermanns Denkfaulheit zunutze machen wollen. Wer macht sich schon die Mühe, sich eigene Gedanken über Gentechnik zu machen? Es sind nicht alles Leser der "Achse des Guten". Viele lesen "Bunte", "Freundin" oder eine Provinzpostille. Und in der vor mir liegenden Provinzpostille wird gar nichts hinterfragt. Man tut so, als sei die Diskussion, was ethisch und was unethisch, abgeschlossen. Unkritisch sieht man dann diese Fonds.

Was heißt das für mich als Investor? Es ist nicht nur nicht empfehlenswert, nach vermeintlich ethischen Gesichtspunkten zu investieren, es ist sogar abzuraten. Mit Hinweisen auf Umweltschutz, Klimaschutz und Pazifismus würde man nonchalant jede kritische Anmerkung zu schlechten Geschäftszahlen vom Tisch wischen. Manche Investoren würden das sogar mitmachen. Ich erinnere an die Prokon-Fans, die selbst nach der Prokon-Insolvenz überzeugt waren, Prokons Konzept wäre toll, nur schlecht ausgeführt. Das wiederum erinnert auch an den Sozialismus und seine Jünger.

Für mich muss ein Unternehmen eine Zukunft haben, d.h. ein tragfähiges Geschäftsmodell. Viele "Ökofirmen" haben kein tragfähiges Geschäftsmodell. Sie haben oft genug gezeigt, dass sie trotz Milliardensubventionen, immer noch reihenweise pleite gehen. Vor wenigen Jahren waren es die deutschen Solarfirmen.

Als Investor wäre ich ja angewiesen auf gute Informationen in den Medien. Wenn sich die Schreiber aber nicht der Wahrheit und der Aufklärung verpflichten fühlen, sondern dem guten grünen Gewissen, dann kann ich nicht erwarten, dass ich seriöse Informationen bekomme. Der besagte Zeitungartikel bestätigt diese Befürchtung.

Ich würde sogar dahin gehen und konträr zum grünen Zeitgeist investieren, d.h. Öl und Gas, Gentechnik, Fracking, konventionelle Landwirtschaft und Kernenergie. Das sind alles Dinge, die brauchen bzw. gebrauchen können. Und über die einfachen, essentiellen Dinge hat sich der grüne Snob schon immer die Nase gerümpft.

Kommentare:

  1. Hallo Couponschneider,

    ich lese wirklich gerne deine Beiträge, auch wenn ich oftmals anderer Meinung bin. Erfrischend finde ich deine klaren (und dennoch nicht dogmatischen) Standpunkte sowie die teils unkonventionellen Begründungen.
    Ich selbst bin auch kein "Öko-Investor", lege bei meiner Auswahl aber ethische Kriterien zugrunde, die mir persönlich wichtig sind. Ich möchte nicht komplett entgegen meiner Überzeugungen und meinem sontigen Verhalten als Bürger, Konsument, etc. investieren, auch wenn komplett "saubere" Lösungen niemals möglich sind, im Leben macht man sich immer irgendwie die Hände schmutzig. Da ich aber z. B. Kernenergie insgesamt nicht für sinnvoll halte (Oligopolstrukturen, nicht wirklich wirtschaftlich, massive Langzeitfolgen durch den anfallenden Müll), spielt dies auch bei meinen Investitionen eine entsprechende Rolle. Wobei mir der Energiesektor insgesamt zu politisch ist, weswegen ich hier höchstens marginal investiere.

    Die von dir ebenfalls angesprochene Grüne Gentechnik habe ich nicht komplett ausgeschlossen, sehe sie allerdings durchaus kritisch. Weniger wegen möglicher Gefahren (die kann ich ehrlich gesagt als Nicht-Biologe gar nicht wirklich einschätzen), sondern wegen der sich daraus vielfach ergebenden Monopol- bzw. Oligopolstrukturen. Warum sollen Bauern vom Saatgut einiger weniger Konzerne abhängig werden, obwohl es eine ungeheure, über Jahrhunderte entwickelte Vielfalt gibt? Vielfach scheinen regional angepasste Ansätze (z. B. auf der Basis von Permakultur oder sonstigen traditionellen Methoden) auch gleich gut oder unter dem Strich längerfristig erfolgreicher zu sein. Deshalb erschließt sich mir die Notwendigkeit eines breiten Einsatzes von Grüner Gentechnik nicht wirklich, gerade aus einer eher liberalen Perspektive.

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    1. Ob Bauern nun abhängig sind von gentechnisch erzeugten Sorten oder konventioniell erzeugten Sorten, kommt auf das gleiche hinaus. Zudem darf man den rechtlichen Rahmen nicht der Gentechnik als solcher anlasten. Außerdem gibt es auch gentechnisch erzeugte Sorten, für die keine Lizenzgebühren anfallen.

      Ich selber beteilige mich nicht an Brauereien und an Tabakfirmen.

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  2. Ich habe auch fast mein ganzes Leben lang sehr umweltbewusst gelebt(auf niedrige persönliche CO2-Produktion geachtet, öffentliche Verkehrsmittel benutzt, Graues Papier benutzt,...)

    Das Verhalten und die Einstellung von selbsternannten Grünen, die einerseits fanatische Kernkraftgegner sind, andererseits teilweise mehrere Flugreisen im Jahr machen(die Krönung: Weihnachtsshopping in NY), und damit einige male soviel Resourcen verbraucht haben wie ich, hat mich schon immer aufgeregt.
    Ich habe mehrere Arbeitskollegen, darunter einige selbsternannte "Ökos", die Fahren jeden Tag selbst mit dem eigenen PKW 30Km (einfache Fahrt)+Rückfahrt zum Arbeitsplatz, obwohl eine massiv vom Arbeitgeber subventionierte Buslinie existiert, (Kosten pro Km dabei ca. ein Zehntel der Eigen-PKW-Kosten pro KM) und das wegen 5-10 min Zeitersparrnis bei Eigenanreise mit PKW.

    Ich fand die deutsche Energiepolitik schon vor 2011 nicht richtig. Aber ab 2011 hat die deutsche Energiepolitik, und die Meinung der Deutschen zu Kernergie und EEG bei mir das Faß zum Überlaufen gebracht, und mich so frustriert, daß sich bei mir "ein Schalter umgelegt hat".

    Seitdem lebe ich eher unter dem Motto: Die Menschheit ist ingesamt zu dumm, als daß sie es wert wäre, auch nur die geringste eigene Einschränkung dafür in Kauf zu nehmen, daß die Erde auch für zukünftige Generationen lebenswert bleibt.

    Seitdem hat sich mein Resourcenverbrauch, und mein CO2-Fussabdruck vervielfacht.

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    1. Guter Mann!
      Endlich ein Hoffnungsschimmer für meine dahindümpelten Ölwerte!

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    2. Die hier beschriebenen scheinheiligen Moralapostel können mir auch gestohlen bleiben. Hinsichtlich Deines "Mottos" befürchte ich allerdings, dass Du zu sehr von Dir auf die ganze Menschheit schließt. So etwas Dummes nämlich habe ich schon lange nicht mehr gehört ("Seitdem hat sich mein Ressourcenverbrauch ... vervielfacht"). Wenn die beabsichtigte Abschaffung der Kernenergie bei Dir "einen Schalter umgelegt hat", solltest Du mal über Dich selbst nachdenken und Dir einen Brennstab unter das Kopfkissen legen. Sprich doch einmal mit Opfern der Tschernobyl-Katastrophe. Ich habe es getan. Aber wahrscheinlich fehlt Dir der Mumm dazu. Über wieviel Strompreissteigerung sprechen wir denn eigentlich? Bei mir (Haushalt mit vier Personen) ist es jährlich das 1,5fache einer durchschnittlichen Tankfüllung. Also bleib mal auf dem Boden. Dein täglicher Wohlfühl-Capuccino und Dein Lifestyle-Handy werden schon nicht gefährdet sein durch die Energiewende. Wohl aber unsere Nachfahren durch den Atomdreck. Du solltest Dir wesentlich mehr Gedanken machen, welche Kosten die derzeitige Flüchtlingssituation produziert und wer das denn alles bezahlen soll.

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    3. Der Kommentar Anonym 03.02.2015 11:15 galt dem Kommentar von Anonym 22. Januar 2016 um 14:48. Sorry, war wohl der falsche Antwort-Button.

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  3. Mich würde mal die Quelle interessieren, die hier im Mittelpunkt steht. Fondsanbieter selber wissen i.d.R., dass Dogmen nicht funktionieren - allein wegen der Verflechtungen der Wirtschaft allgemein und von Unternehmen speziell. So wird z.B. Gentechnik durchaus differenziert und die Effizienzsteigerung von Nahrungsmittelversorgung durchaus positiv gesehen.

    Beim Öl scheint dann auch eher der Couponschneider Dogmatiker zu sein: was CO2-Emissionen anrichten, wissen wir inzwischen. Wir wissen auch, dass bei einer annähernd ernsthaften Umsetzung der Pariser Beschlüsse Investments in diesen Bereich riskante Spekulation sind. Das Abschieben externer (Umwelt-)Kosten auf die Gemeinschaft wird zunehmend schwieriger und so manche Geschäftsmodelle sind damit hinfällig. Da das Dogma Sozialismus erwähnt wurde: dieser scheiterte banalerweise an der fehlenden Ökonomisierung der Ökonomie. Wir drohen, an der Ökologisierung der Ökonomie zu scheitern. In beiden Fällen wird/wurde die Rechnung letztlich ohne den Wirt gemacht.

    Aber Nihilismus kann ja auch eine Einstellung sein. ; )

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    1. Bei den CO2-Emissionen ist die Wissenschaft mitnichten so sicher, wie es uns die Politik weismachen will.

      Es geht auch nicht um Fondsanbieter, sondern um die Anrüchigmachung von Gentechnik als "unethisch". Woher kommt das? Gab es eine breit angelegte Diskussion darüber? Über die Abtreibung und Sterbehilfe diskutieren wir seit Jahrzehnten: Soll man es erlauben oder nicht, und wir sind wir zu keiner Lösung gekommen, bei der alle großen gesellschaftliche Gruppen dahinterstehen. Bei der Gentechnik aber soll die Diskussion abgeschlossen sein? Und das ist Dogmatismus. Und wer so in die Diskussion geht und nur Fonds, die auch auf Gentechnik-Investments verzichten, als ethisch betrachtet, ist ein Dogmatiker.

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  4. Lieber Couponschneider,

    finde ich gut, dass du dir da so eine feste Meinung gebildet hast.

    Für mich persönlich kommt Nestlé als Investment nicht in Frage, weil sie armen Menschen das Wasser wegnehmen und dann in Plastikflaschen verkaufen. Da gibt es Dokumentationen zu.

    Brauereien und Tabakfirmen wären für mich aber nicht tabu, schließlich ist jeder selbst mündig.

    Schöne Grüße
    Leni

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