Mittwoch, 24. Februar 2016

Justin in der Schuldenspirale

Ich habe lange nichts mehr vom Justin geschrieben. Es wurde ein wenig still um ihn und ich dachte schon, es wäre vernünftiger geworden. Er fing ja auch schon an, das eine oder andere Buch zu lesen. Ein Fortschritt, auch wenn er nur Fantasy-Romane liest.

Es war im Dezember. Justin erzählte, er betreibe in der Freizeit ein wenig Trading. Er konzentriere sich auf die Small Caps, denn die können ja "abgehen wie die Lutzi". Justin hatte da auch noch Schulden. Dann kam die Kurssenkungen im Januar und Februar. Deprimiert warf er das Handtuch. Sämtliche Hinweise meinerseits und auch Buchempfehlungen schlug er all die Jahre aus, d.h. stetig investieren, in bekanntere Unternehmen investieren, nicht auf den Geheimtipp hoffen, sondern langfristig denken. Vor allen anderen Sachen müsse er sich an den Schuldenabbau machen.

Mir haben die Kursrütsche der vergangenen Wochen nichts ausgemacht. Ich brauche nicht einmal Schlafmittel. Aber nun habe ich auch schon ein paar Jahre als Anleger auf dem Buckel und das ist, was Justin fehlt. Hätte er früher auf mich gehört, würde er jetzt nicht so dumm dastehen.

Aber Justin wäre nicht Justin, wenn der nächste Klops nicht schon in der Pfanne brutzelte. Bei Justin dreht sich viel um den fahrbaren Untersatz; darüber definiert er sich. Er fuhr nun schon zehn Jahre lang ein Auto der gehobenen Mittelklasse für über 20000 €, die er als Student(!) bereitwillig als Schuld einging. Sein Auto war noch nicht komplett abbezahlt, seine BaföG-Schulden und sein privater Bildungskredit waren noch nicht getilgt, da kaufte er sich für mehrere tausend € ein Motorrad.  Vor vier Wochen kaufte er für 40000 € ein neues Auto. Dafür musste er - der Leser ahnt es schon - einen neuen Kredit aufnehmen.

Sollte er seine Arbeit verlieren (und er war schon kurz davor), dann kommt er aus dem Schuldenstrudel nicht mehr raus. Und dann klebt der Kuckuck auf seinem 40000 € teuren Auto, das nur noch mit 20000 € taxiert würde.


Dieses Negativbeispiel ist echt und ich möchte dem Leser mitgeben, dass er sich nicht verhalten soll wie Justin. Justins Haushalt ist "auf Kante genäht". Wolfgang Schäuble ist im Vergleich dazu ein seriöser Haushälter. Justin ist der Alpha-Kevin unter den Schuldenmachern. Ich kenne aus meinem persönlichen Umfeld niemanden, der so mit seinem Geld umgeht.

Justin lernt aber auch nichts dazu, weil er nun mit den Fehler mit dem Auto schon zum zweiten Male macht. Bodo Schäfer - von dem ich eigentlich nicht viel halte -  gibt den Tipp, ein Auto solle höchstens zwei bis drei Nettomonatsgehälter kosten. Justin verbrät aber gleich zwei Nettojahresgehälter, wenn man die Zinsen berücksicht.

Warum kann er nicht wie andere Männer in seinem Alter einem Sport nachgehen? So viele Männer sieht man doch draußen kicken, selbst im Winter in den städtischen Parks. Rucksäcke markieren die Tore und los geht's. Das macht Spaß und kostet praktisch nichts. Stattdessen kutschiert er ein sehr teures Auto durch die Gegend, das sein Budget völlig überreizt. Hat man da Freude dran? Deshalb gilt: Kick it like Beckham and don't budget like Justin!

Kommentare:

  1. Ein Auto für 40.000€? Das tut weh. Aber vermutlich nur, wenn man weiß, wie mühsam es ist, vorab 40.000€ zu sparen statt es sich auf Pump zu holen. Man sollte nie Geld ausgeben, was man nicht hat. Höchstens es sind "gute Schulden" für Bildungszwecke wie der Finanzrocker und Finanzwesir nun sagen würden. Selbst das finde ich schon kritisch. Aber ich versuche es positiv zu sehen: Sein Geld hat nun die Chance bei jemandem zu landen, der besser damit umgeht.

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  2. Klar so Leute laufen einem immer wieder über den Weg. Persönlich sollte man sicherlich einen anderen Weg gehen - andererseits ist es gut, daß es (viele) Leute gibt die so leben und handeln.
    Warum? Wenn wir alle so leben würden wie du und ich (mein Kommentarname ist Programm) würde die Wirtschaft nicht so schön florieren wie sie es tut.
    Durch den Autokauf in Höhe von 40k€ hat der gute Justin meiner Firma (Autozulieferer) sehr wahrscheinlich einen ordentlichen Umsatz beschert, was mich ja letztlich ernährt. Ich selber habe meiner Firma dagegen als Kunde bisher kaum Umsatz beschert. Die mussten bisher immer nur für meine Arbeitskraft blechen. Davon habe ich einen bedeutenden Anteil investiert und nicht konsumiert.
    Danke dafür Justin - auch wenn's ein wenig zynisch ist ;-)!

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    1. Dem stimme ich zu.

      So als kleines Gedankenexperiment:

      Was würde passieren, wenn alle Justins dieser Welt zu Asketen werden und von ihren Überschüssen Aktien kaufen? Wäre relativ ungünstig für die langfristigen Aktienrenditen.

      Ich kann die Einstellung "Ich lebe jetzt, was bringt mir mein Vermögen, wenn ich morgen vom Bus überfahren werde?" durchaus verstehen. Eine negative Sparquote durch Konsumkredite allerdings nicht. Warum sich manche einen solchen Klotz ans Bein binden, ist für mich unverständlich.

      Eine solche Lebensweise verstärkt auch gesamtwirtschaftliche Instabilität. In konjunturell guten Zeiten befeuert sie einen Boom "auf Pump", um sich in konjunkturellen Schwächephasen unmittelbar ins Gegenteil zu wandeln (Privatinsolvenzen, Forderungsabschreibungen im Bankensektor, Einbruch des Binnenmarkts, unmittelbare Belastung des Sozialstaates usw.).

      Ich denke, eine gesunde Mischung aus Konsum und Sparen sollte volkswirtschaftlich die beste Variante sein.

      Grüße

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    2. Ein sehr guter Kommentar!
      Klare Antwort: Eine Volkswirtschaft im Gesamten kann nicht sparen, auch wenn das 95% der Bevölkerung und 90% der Finanzblogbetreiber nicht verstehen:
      http://www.flassbeck-economics.de/vorsorgen-durch-sparen/
      Gruss
      Werner

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    3. "Eine Volkswirtschaft im Gesamten kann nicht sparen" -> ja die Mackenroth-These/Theorem.
      Klingt eingängig, in Zeiten der Globalisierung ist es allerdings schwieriger geworden von "einer Volkswirtschaft" zu reden als zu der Zeit als Mackenroth die These formuliert hat…
      Aber eines ist klar: Die ganzen "FIRE"-Anhänger (ich schließe mich da mit ein) können ihre Strategie nur dann erfolgreich fahren, wenn es weitaus mehr Leute um sie herum gibt, die es genau nicht diese Strategie verfolgen.
      Erst wenn die Leute in den Schulden hängen arbeiten sie hart für diejenigen, die auf der anderen Seite stehen (d.h. das spiegelbildliche Guthaben zu ihren Schulden haben).
      Das ist Kapitalismus - kann man gut finden oder auch nicht.

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  3. >Sämtliche Hinweise meinerseits und auch Buchempfehlungen
    >schlug er all die Jahre aus
    Hallo, was kannst du als Einstiegslektüre für langfristige Aktienanlagen empfehlen?
    Gruß, Christof

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    1. Ich würde mit philosophischer Literatur beginnen: "Der reichste Mann von Babylon", dann ein bisschen Kostolany und dann noch ein sehr gutes E-Book von Thomas Claer: http://couponschneider.blogspot.de/2013/05/buchempfehlung-auf-eigene-faust.html

      Max Otte ("Investieren statt Sparen") und Susan Leverman auch noch. Das kostet nicht viel, wenn man gebraucht kauft. Das E-Book kostet nur 10 €. Die Materie ist auch amüsant zu lesen.

      Dann sollte man das richtige Rüstzeug haben, um sich neben der eigentlichen Arbeit ein kleines Vermögen zu schaffen.

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    2. Vielen Dank für die Tipps, hören sich alle interessant an :)

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  4. Puuuhhh...40.000,-€ für ein Wegwerfauto, was nach einigen Jahren eh langweilig wird, vergammelt, verrostet und zu guter Letzt kaputt geht.
    Ich habe schon einige Autos von 10.000,- bis 90.000,-€ aus reinem Interesse Probegefahren und ich bin zum Entschluss gekommen, dass diese sich ja ganz nett fahren lassen, aber heutzutage niemals ihr Geld wert sind und schon garnicht dafür arbeiten gehen würde.

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  5. Freiheit und Gerechtigkeit27. Februar 2016 um 11:03

    Dem kann ich nur zustimmen. Vor allem aufgrund der Tatsache, dass z. B. die teure Marke Mercedes recht schnell zu rosten anfängt. BMW scheint Ingenieure nur noch als Zeitarbeiter und per Werkvertrag zu bechäftigen. Die Betrügereien beim VW-Konzern, zu dem die Marke Audi gehört, sind ja auch hinlänglich bekannt.

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  6. Freiheit und Gerechtigkeit27. Februar 2016 um 12:26

    Darüber hinaus: Lieber nichts lesen als Fantasyromane. Da gibt wirklich nur Geld für Schrott aus. Der Inhalt ist zu vergessen und das Papier dieser Bücher stinkt meist und hinterlässt Spuren an den Händen, weil es so billig ist.

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    1. Da muss ich dir leider widersprechen. Selbst wenn man "nur" Romane liest verbessert sich die Ausdrucksfähigkeit, der Wortschatz und die Rechtschreibung. Außerdem steigt auch die Wahrscheinlich andere Literatur auszuprobieren.
      Besonders viele Naturwissenschaftler und auch Ingenieure lesen Fantasie Romane, insbesondere Terry Pratchett ist sehr beliebt (besonders auf Englisch)

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  7. Hm, ich habe hier einen mittlerweile 11 Jahre alten Mercedes, (C-Klasse), vor gut 6 Jahren für 13000 von ehemals 33000 Euro gekauft. Da rostet nichts, Reparaturen halten sich auch in Grenzen. Ich würde es wieder tun, das war gut verwendetes Geld.

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  8. Ein trauriges Beispiel, aber ich denke, Justin ist eher Normalfall statt Ausnahme. Gerade die jüngere Generation (zu der ich mich ebenfalls noch zähle) hat einfach nicht gelernt, was es bedeutet, zu sparen und vor allem Eigenverantwortung zu übernehmen. Freiheit, zur der die persönliche finanzielle Situation einen maßgeblichen Beitrag leistet, ist einfach nicht mehr gefragt. Leider verstehen die meisten Menschen einfach nicht, dass sie sich ihren eigenen Kerker bauen. Einen Kerker bestehend aus nutzlosen Anschaffungen und daraus resultierenden Verpflichtungen, die unsinnigerweise sogar gelegentlich als Investition bezeichnet werden. Das Traurige daran ist jedoch, dass Justin wenig Schuld trifft, denn Justin ist das Produkt unserer Gesellschaft. Wie nannte F.A.v. Hayek sein Meisterwerk? Ach ja… Der Weg zur Knechtschaft…

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