Samstag, 6. Februar 2016

Sparkassen schon lange nur noch Spaßkassen

Wer der Sparkasse vertraut, ist verloren. In meiner Sportgruppe habe ich wieder eine Geschichte gehört, die mich dermaßen in Erstaunen setzte, dass ich meine Kinnlade nicht mehr geschlossen bekam.

Der Sportkamerad hatte letzte Woche einen Termin bei der Sparkasse: "Herr Schmidt, wir müssen uns mal unterhalten." - Es wurde ein Risikoprofil erstellt. Schmidtchen schätzt sich selbst als risikoscheu ein und das kam auch beim Befragungsbogen heraus. Was wurde ihm empfohlen? Aktienanleihen.

Aktienanleihen verbinden die Nachteile der beiden Anlagemöglichkeiten Aktie und Anleihe. Es gibt das Risiko des Totalverlustes (wie bei der Aktie), aber die Rendite ist so mager wie bei einer Anleihe. Und um die Dividenden wird man auch noch geprellt. Für Aktienanleihen spricht nichts.

Seltsam, dass manche Glaubensgrundsätze so unverrückbar, dass es jeder glaubt. So wie der Amerikaner glaubt, die Deutschen hätten für David Hasselhoff viele Statuen errichtet, so glauben die Deutschen, dass Aktien eine höchst riskante Angelegenheit ist.

Ich bin der Meinung, dass die Aktie was ursprüngliches ist. Nicht jeder kann ein ganzes Unternehmen nennen und nicht jedes Unternehmen kann einen einzigen Inhaber haben. Aber man kann Unternehmen in Teilen sein Eigentum nennen und Unternehmen können vielen Menschen gehören. Und warum soll man nicht Anteil an etwas haben, wo Werte geschaffen werden.

Das ist das ursprünglichste und direkteste Investment. Dann gibt es noch Anleihen; man verleiht Geld gegen Zins. Auch das ist ein ursprüngliches Investment. Und mehr braucht nicht.

Aktienanleihen sind im Vergleich dazu Designerfinanzprodukte, wo die Bank alle Vorteile, der Aktienanleihenzeichner alle Nachteile hat. Dass die Sparkasse sowas empfiehlt und dann auch noch die Chuzpe besitzt, zu behaupten, sie würden nicht wie andere Banken die Kunden über den Tisch ziehen.

Ich bin so froh, kein Sparkassenkunde mehr zu sein. Die Sparkassen wissen gar nicht, wie viel Vertrauen man ihnen entgegenbringt.Viele sind Kunde der Sparkasse, weil die Eltern auch schon Kunde waren. Und das hält man viele Jahre lang bei. Und es wird so leichtfertig verspielt.

Kommentare:

  1. Basel II und Basel III lassen offenbar grüßen. Die Banken- und Sparkassenmitarbeiter sind angehalten, Eigenkapital bei Kunden einzusammeln. Froh ist, wer etwas Finanzbildung hat!

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  2. Tut mir Leid, wenn ich es so sagen muss, aber der Kommentar ist das Gegenteil von Finanzbildung:

    1.) Aktienanleihen sind kein Eigenkapital für den Emittenten, sondern Fremdkapital. Die Emission einer Aktienanleihe ist keine Stärkung des Eigenkapitals. Zudem ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Aktienanleihe nicht durch die Sparkasse, sondern durch einen anderen Emittenten begeben wurde und die Sparkasse sich durch den Verkauf des Fremdprodukts nur die Provision sichert.

    2.) Basel II ist seit über neun Jahren in Europa in Kraft. Was das mit dem Verkauf von Aktienanleihen zu tun hat, weiß ich nicht.

    3.) Basel III wird seit mehreren Jahren umgesetzt und hat tatsächlich qualitativ und quantitativ deutlich höhere Anforderungen an die Banken. Aber wie gesagt, Aktienanleihen sind kein Eigenkapital, daher gibt es hier keinen Zusammenhang.

    Eine kurze Ergänzung zum Artikel: Es wird gesagt, dass die Bank alle Vorteile, der Kunde alle Nachteile hat. Grundsätzlich ist es nicht so (wie offenbar vielfach vermutet wird), dass die Bank gegen den Kunden wettet oder ihn im Produkt übervorteilen möchte. Die Bank sichert das Risiko aus dem Zertifikat mehr oder weniger vollständig ab und verdient über die Marge. In dem Fall heißt dass, die Bank wird einen Put verkaufen (der Erlös hieraus ist dann der Großteil des "Kupons", den der Kunde erhält) und kann auf die Weise das Auszahlungsprofil gegenüber dem Kunden realisieren. Wie die Aktie sich entwickelt, ist für die Bank völlig egal - sie verdient nicht mehr oder weniger, wenn das Produkt für den Kunden besser oder schlechter nicht mehr oder weniger, wenn das Produkt für den Kunden besser oder schlechter läuft. Eine Spekulation gegen den Kunden findet nicht statt. Dass entweder Aktien geliefert werden oder Geld, hängt einfach mit der Konstruktion des Produkts zusammen (je nachdem, ob der Put ausgeübt wird).

    Eine geeignete Anlage für einen risikoaversen Kunden ist es aber definitiv nicht. Da besteht Einigkeit. Dem Sparkassenberater ging es offenbar um die Provision, die die Sparkasse (und er selbst) erhält. Und vielleicht ist er ja selbst dem Irrtum aufgesessen, dass, wo Anleihe drauf steht, auch so etwas wie eine Anleihe drin ist.

    Gruß von einem Privatanleger
    (ich konnte nur anonym schreiben, weil ich keinen der auswählbaren Konten habe)

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    1. Einfach Name/URL auswählen, Name eintragen und URL weglassen. Schon postet man nicht mehr anonym. Ich stand anfänglich vor dem gleichen Problem ;-)

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  3. Vorab: Ich bin kein Bankangestellter und den Banken durchaus skeptisch gegenüber eingestellt. Aaaaber: Konkret auf den Sparkassen herumzuhacken ist falsch. Die Sparkassen sind nicht schlechter als andere Banken. Aber auch nicht besser. In Zeiten niedriger Zinsmargen müssen sich ALLE Banken etwas überlegen, um zu überleben. Und da ist es kein Wunder, dass den Kunden das angedreht wird, was für die Bank am lukrativsten ist. Das passiert aber nicht nur bei den Sparkassen und ist auch nichts Neues. Das war schon immer so. Bausparverträge, Riesterverträge, "Arbeitslosenversicherung" zu Darlehensverträgen usw. lassen die Kasse sprudeln. Kaum jemand weiß, dass die so genannten Kundenberater oft nur ein kleines Gehalt haben, welches Sie sich durch Provisionen aufbessern müssen. Fast wie Klinkenputzer. Nur in Nadelstreifen und mit dem Unterschied, dass sie potenzielle Kunden bei sich antanzen lassen. Und so ist es kein Wunder, dass es sie herzlich wenig interessiert, welchen Erfolg der Kunde hat. Hauptsache Umsatz und Kasse gemacht. Ist aber auch nichts Neues.

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  4. Stimmt: Sparkassen sind weder besser noch schlechter als andere Banken. Allerdings genießen sie seit Urzeiten deutlich mehr Vertrauen (und kokettieren damit auch in der Werbung "Sparkasse ist keine Bank"). Wenn dann Sparkassen solche Anlageempfehlungen ausgesprochen werden, ist es halt doch schlimmer als bei anderen Banken

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  5. Der VW-Verkäufer wird wohl ebenfalls nicht zum Kauf eines Toyotas raten, obwohl der besser zu den Bedürfnissen des Kunden passt. Bei Autos ist dies jedem klar, nur bei Anlageprodukten seltsamerweise nicht.

    Aber Aktienanleihen und protokollierte Risikoaversion des Anlegers ergeben schon eine interessante Mischung. Wenn dies Sparkassen-Standard ist, klatschen einige Anwälte angesichts sicherer Mandate in der Zukunft bereits vor Freude in die Hände ;-)

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  6. Ich denke auch, dass man die Sparkassen nicht grundsätzlich schlecht reden sollte. Aber auch ich kenne solche Geschichten von Kunden der Sparkasse. Auch gibt es in meiner Familie jemanden der lange bei dem Finanzinstitut gearbeitet hat. Vor einem Jahr hat sie bei der Sparkasse gekündigt, weil sie den Umgang mit den Kunden immer schlechter empfunden hat. Auch ist der Druck innerhalb der Sparkasse Produkte zu verkaufen die lohnend für die Sparkasse sind immer größer geworden.
    Als Fazit daraus, es wird immer wichtiger die Beratungen der Banken (den andere Banken sind oft auch nicht besser)gründlich zu hinterfragen. Einfach die eigene Geldanlage mehr selbst in die Hand nehmen.

    Gruß Klaus-Dieter

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  7. Heute war eine kritische Sendung im ZDF zu sehen, in der über das Gebahren der Sparkassen, insbesondere in NRW, berichtet wurde. Dabei wurde die unheilige Allianz zwischen den leitenden Sparkassenangestellten und Kommunalpolitikern im Aufsichtsrat gezeigt. Der Sparkassenchef einer winzigen Provinzsparkasse erhält über eine Viertel Million Euro Jahresgehalt und anschließend entsprechende Pensionen. Gleichzeitig werden Kleinsparen ihre langlaufenden Sparbriefe gekündigt, weil ihre Zinssätze zu hoch sind.

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  8. Die Rettung für das Geschäftsmodell der Sparkassen ist hier! (Ich hoffe man darf Links posten?)
    http://www.schleckysilberstein.com/2016/02/die-mutter-aller-ec-karten/

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  9. Man sollte Sparkassen nicht schlecht reden, jedenfalls nicht schlechter als andere Banken, denn nicht anderes sind sie. Ob sie besser oder schlechter sind? Das ist doch egal, die Bank sollte man als Dienstleister betrachten der einem bei der Abwicklung von Geldgeschäften hilft, wer dort Beratung sucht und erwartet wird fast mit Sicherheit verarscht, denn mit dem klassischen Bankgeschäft kann das Geld gar nicht mehr verdient werden um die Filialen zu unterhalten.

    Generell gilt: Beratung und Verkauf immmer trennen! Ob es beim MediaMarkt um einen Fernseher geht oder bei der Bank um eine Anlage, der dabei nicht sein eigenes Interesse vor das des Kunden stellt ist selbst mit der Lupe kaum zu finden.

    Aktienanleihen sind sowieso der größte Blödsinn, ich frage mich immer wer sowas kauft. Der Gewinn ist gedeckelt, mehr als die Zinsen gibt es nicht und die sind oft nicht höher als was eine Aktien auch schon mal an einem guten Tag zulegen kann. Den Verlust träg man dagegen praktisch voll, von den mageren Zinsen einmal abegesehen. Überhaupt Anleibn, man schau sich nur mal wieder German Pellets an, gerade noch bei fast 100%, nun bei 2 oder so? Rund 98% weg in wenigen Tagen! Und das ist typisch für Unternehmensanleihen wenn es dann Probleme gibt. Aber ich kann mich kaum an eine Aktie erinneren, die so schnell so abgeschmiert wäre.

    Einem als risikoaversen Anleger Aktienanleihen zu empfehlen ist aber schon pervers, aber was ist Risiko? Ganz sicher Geld zu verlieren weil man weniger Zinsen bekommt als die Inflation auffrisst Ohne das ein Ende ansehbar ist. Dazu das Geld einer Bank überlassen deren Absicherung europäisiert wird und dann am Ende wohl nichts wert ist, wenn mehrere innnerhalb kurzer Zeit Banken Problem bekommen? Was bei den Verbindungen der Banken untereinander wohl eher wahrscheinlich als utopisch sein dürfte.

    Aber das muss jeder selbst bewerten und ich fürchte wir kenne die Risiken noch gar nicht, die uns bevorstehen.

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  10. Das hier über die Deka passt gerade so schön dazu:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/fondstochter-der-sparkassen-der-grosse-deka-bluff/12998544-all.html

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