Donnerstag, 3. März 2016

Flatrate fürs Handy und Garantieprodukte der Banken

Haben Sie eine Flatrate für Ihr Mobiltelefon? Zum Telefonieren? Haben Sie sich das genau durchgerechnet? Kürzlich kam mir ein Analogie, die ich den Lesern meines Blogs ungern vorenthalten möchte. Das Entscheiden für die Telefonflatrate hat die gleiche Ursache wie die Entscheidung für Garantieprodukte. Es ist das Sicherheitsdenken.

Bei einer Telefonflatrate bezahlt man einen Pauschalpreis und kann unendlich viel innerhalb des deutschen Fest- und Mobilfunknetzes telefonieren. Die Idee ist, es den Vieltelefonierern schmackhaft zu machen, weil die befürchten, bei Minutenpreisen viel mehr zu bezahlen. Die Flatrate ist sozusagen ein "Garantieprodukt", aber zugunsten der Telefongesellschaft und in der Regel zu Lasten des Kunden.

Bei Garantieprodukten der Finanzwirtschaft (z. B. einer Kapitallebensversicherung) gibt's eine Garantie auf sehr bescheidenen Niveau. Und der Kunde unterzeichnet, weil er eine irrationale Angst vor dem Auf und Ab der Börse hat.

Gucken wir uns doch mal zwei Tarife an. Bei Base gibt's einen Tarif namens "Simfinity". Der kostet 24,90 € Grundgebühr und man kann in Deutschland so viel telefonieren, wie man will. Der übliche Prepaid-Tarif beträgt 9 Cent pro Minute. Von 24,90 € kann an 276 Minuten telefonieren. Das wären 4:36 h am Stück bei prepaid oder jeden Tag 9 Minuten. Ich telefoniere weniger als 9 Minuten am Tag. Und man muss auch berücksichtigen. Nur weil man telefoniert, hat man nicht zwangsläufiger selber angerufen. Man kann auch angerufen worden sein.  Wer verteilt über den Tag 18 Minuten telefoniert, kommt vielleicht auf die 9 Minuten, für die man selber löhnen muss.

Für Vieltelefonierer gibt es immer noch andere Möglichkeiten, wie z. B. Skype, IP-Telefonie und das klassische Festnetz. Aber Moment, da ist ja noch die Internet-Flatrate drin, mögen einige einwenden. Ja, das ist richtig, aber die ist nur deshalb drin, um das Angebot intransparent und unvergleichbar zu machen. Außerdem ist es keine echte Flatrate, sondern begrenzt.

Ich erinnere mich eine Begebenheit von vor zehn Jahren. Ein Kommilitone schrieb mir per SMS und fragte, ob der Coupie denn zum Kicken komme. Ich sagte zu, per SMS. Darauf bekam ich wieder eine SMS, bei der ich mir dachte: Da hätte er anrufen können. Wäre viel einfacher gewesen.

Warum wohl hat er für eine komplexe Frage, für die man sich den Finger wund tippt, eine SMS geschrieben? Er hatte einen O2-Vertrag mit mindestens 100 Frei-SMS und das diktierte ihm unterschwellig, wie er seinen Vertrag zu nutzen habe.

Telefonie ist ein Echtzeitdienst. Internet und SMS sind es nicht. Letztere zu bereitzustellen ist sehr billig aus Sicht des Anbieters. Niemand bekommt es mit und protestiert, wenn eine SMS fünf Sekunden später angekommen ist. Bei einem IP-Paket ist es nicht anders. Telefonie aber beansprucht enorme Ressourcen, was erst dann abgemindert sein wird, wenn IP-Telefonie übers Mobiltelefon Standard wird. Aber IP-Telefonie wäre ein Echtzeitdienst innerhalb des IP-Protokolls. Die Sprachpakete würden entsprechend markiert und mit Priorität abgearbeitet. Deshalb ist es für den Anbieter recht billig, Tarife mit Frei-SMS und Internet aufzubrezeln. Ansonsten muss man darüber davon ausgehen, dass viele Menschen mit einem klassischen Minutentarif günstiger dran wären.

Ich habe ein Smartphone, aber keinen Vertrag, sondern nutze nur Prepaid. Ich vertelefoniere knapp 30 € im Jahr. Wenn ich Internet benötige sollte, bestelle ich es mir einfach dazu für ein oder zwei Monate. Das ist auf längeren Wanderungen ganz nett. Smartphone mit GPS, Internet für Kartenmaterial, schon spart man sich das Navigationsgerät oder lästige Karten, die später nur in der Schublade vor sich hin schimmeln.

Aber im Alltag brauche ich kein Internet auf dem Smartphone. In meiner Wohnung habe WLAN, aber auch ein Tablett. Und unterwegs auf längeren Reisen lese ich lieber eine Zeitung oder ein Buch. Um fünf Minuten in der Straßenbahn ein wenig zu im Internet zu surfen, dafür ist mir das Geld einfach zu schade.

Bei den Telefonflatrates zahlen die Leute drauf, um gegen die Unwägbarkeit abgesichert zu sein, dass sie in einem Monat exorbitant viel telefonieren müssen und Kosten verursachen. Bei den Garantieprodukten unserer Finanzbranche zahlt man kräftig drauf, weil man sich vor Kurseinbrüchen an der Börse fürchtet. Die gleiche psychologische Ursache ist dafür verantwortlich.

Mit ein bisschen Cash, einem langem Atem und einen halbwegs sicheren Job sollte man lieber dieses geringe Risiko eingehen, mal in einem Monat 70 € fürs Telefonieren über Smartphone zu bezahlen, in vielen anderen Monaten nur 10 € (11 * 10 € + 70 € = 180 € im Jahr), statt immer nur 30 € (360 € im Jahr) pauschal. Und gehen Sie am besten auch an die Börse. Wenn Sie 180 € weniger fürs Telefonieren bezahlen müssen, haben Sie noch etwas mehr Invesititionsspielraum.


Kommentare:

  1. Wenn du nur Internet kostenlos nutzen willst, kann ich dir Netzclub empfehlen:
    https://www.netzclub.net/

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  2. Ja Flatrates sind teurer Scheiß, ja viele brauchen die Leistungen die die Flatrates mit sich bringen nicht. (Ich 21, Student; die letzten 6 Monate: 1 SMS, 120 Minuten ausgehende Minuten telefoniert - Quelle Abrechnung)

    Ich bräuchte daher ebenfalls keine Flatrate, dem Telefonieren oder SMS-schreiben wegen.

    Aber, ist es dein Ernst, dass man auf mobiles Internet verzichten kann? Ohne Internet bin ich 14 Stunden am Tag ohne Informationsfluss (Safari, Whatsapp, RSS, Youtube).

    Für fast 4 € im Monat mehr (effektiv) erhalte ich bei der Telekom:
    SMS+Mobilfunk+Festnetz-Flat + 4 GB Internet LTE bei 150mbps

    19 € im Monat. Dafür gehe ich kein Risiko ein, und auch keine Kompromisse bei der Lebensqualität.

    (Klar sinkt die Lebensqualität wenn ich ab Tag 4 im Monat, 2 Minuten lang warten muss bis eine Website geladen ist.)

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    1. Ich brauche unterwegs kein Internet. Ich lese noch Bücher, für unterwegs kaufe ich mir auch Zeitungen. In der Bahn kann man auch schlafen. Im Internet surfe ich lieber an stationären Computerarbeitsplätzen oder auf meinem Tablett. Ich mag auf dem Smartphone nur ungern surfen, weil mir das zu viel Gefummel ist. Ein bisschen Planung des Alltags und man keine Surfgewohnheiten so legen, dass man unterwegs nicht mit Smartphone surfen braucht.

      Ich finde die Zeit ohne Netzzugang manchmal sehr erholsam. Auf längeren Fahrradtouren ist dies der Fall. Ich habe nun seit 16 Jahren Zugang zum Internet. Anfangs noch mit 56 kbit/s. Das können Sie sich gar nicht mehr vorstellen. Ich arbeite auch am Computer und habe so permanent Zugang zum Netz.

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    2. Julia (Finanzblogleserin)4. März 2016 um 14:32

      "Für fast 4 € im Monat mehr (effektiv) erhalte ich bei der Telekom:"
      4 Euro mehr als was?
      19 Euro pro Monat sind für meinen Geschmack recht viel, ich zahle eher 6-10 Euro siehe meinen Kommentar weiter unten.

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    3. @Julia
      Die 4 € beziehen sich auf seiner Rechnung: (180 €/Jahr -> 15 €/Monat)

      @Couponschneider
      Die 56 kbit/s kann ich sehr gut nachvollziehen: Waren doch 16 kbit/s der Grund warum ich bei Congstar gekündigt habe.

      Wie das Kommentar unter mir schon geschrieben hat, hat eben jeder (s)einen eigenen Lebensstil/Alltag.

      („[…]Man muss immer aufpassen nicht von sich gleich auf alle anderen zu schließen.")

      //Nachtrag: Optimierungstipp: Papierzeitung gegen RSS-Reader tauschen. Spart monatlich über 20 €.

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    4. Ich zahle 69,00 CHF pro Monat, habe alles unlimitiert benutze das Handy aber auch als Arbeitsgerät für mein Business. Habe Monatlich einen Durchsatz von ca 40-50 GB und bin öfters im Ausland unterwegs, dort habe ich ebenfalls alles inklusive :-) und das Internet ist auch recht schnell 50k Leitung ^^

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  3. Hallo Couponschneider,

    ich mag deinen Blog sehr.

    Bei der Kritik am mobilen Internet sehe ich es aber anders.
    Eine Internet "Flatrate" gibt es entweder kostenlos (Netzclub - siehe Kommentare oben) oder auch für 5€ im Monat. Das reicht um über einen Messenger Nachrichten, Bilder, Sprachnachrichten zu versenden oder zu empfangen. Außerdem geht sogar die Telefonie über diese Messenger, auch wenn man gedrosselt ist. Dadurch kann man auch Kosten sparen.
    Außerdem ist Internet unterwegs gelegentlich echt praktisch und bequem.

    Das viele eine All-Net-Flat + SMS Flat + Internet-Flat meist nicht wirklich ausnutzen stimmt aber. Ein großer Teil würde sicher günstiger kommen, einfach 300 min + Internet-Flat monatlich kündbar oder Prepaid abzuschließen :)

    Ein kleiner Hinweis, der keine negative Kritik sein soll. Man muss immer aufpassen nicht von sich gleich auf alle anderen zu schließen.

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  4. Fit und Gesund / Annabella3. März 2016 um 20:15

    Nachdem ich letztes Jahr mich mal wieder mit meinen Finanzen beschäftigt habe, kam ich schnell auf den Trichter dass ich kein Handy mit flatrate brauche, ich habe mich dennoch schwer getan mit der Entscheidung, aber nun habe ich den Vertrag gekündigt und werde Mitte März auf prepaid umstellen,
    Sie sind ein schlauer Fuchs Herr Couponschneider, solche Themen mag ich einfach sehr gerne, danke!

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  5. Du hast eine sehr bodenständige Lebensweise. Findet man heute selten. Bis zur Mitte des Studiums hatte ich auch noch eine Prepaid-Karte, die wegen eines Hobbys ziemlich teuer wurde, weil ich viel telefonieren musste. Nun zahle ich 5€ jeden Monat für ein paar Freiminuten, SMS und Internet. Eine richtige Telefonflatrate brauche ich zum Glück nicht, da ich kein Mensch bin, der ständig am Hörer hängt. Meinen Eltern zuliebe habe ich einen Festnetzanschluss bzw. wir skypen auch ab und zu. Mein mobiles Internet möchte ich nicht missen, da ein Großteil meiner Kommunikation darüber abläuft.

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  6. Ich weiß nicht so recht. Ist es nicht das Normalste der Welt, sich über seine Mobil-Gewohnheiten klar zu sein und sich dann das Angebot auszuwählen, das am Besten zu den Gewohnheiten passt? Und ggf. bei einem Zusatzangebot abzuwägen, ob die Vorteile die Kosten einem Wert sind. Kann es ja auch geben.

    Bei mir ist das nun mal fürs Mobiltelefon ein Standard Minutenpreis, keinerlei SMS-Pakete und eine Internetflat (mit Drosselung ab 100MB). Bei einer Freundin, die gefühlt 4h am Tag quatscht, ist es eine Full-Flat und bei dir ist es eben 'gar
    nichts'.

    Mag sein, dass wir einen unterschiedlichen Bekannten/Freundeskreis haben. Denn in meiner Umfeld kenne ich niemanden, der sich nicht ausgerechnet hat, welcher Tarif am Günstigen kommt.

    ps. eine Ausnahme kenne ich. Da kann man nur den Kopf schütteln.

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  7. Die teueren Verträge sind für mich auch unverständlich, da wird monatlich fast 50€ für ein IPhone bezahlt und die Leistungen fast nicht in Anspruch genommen.
    Ich kaufe mir meine Handys bisher ohne Vertrag, und als Anbieter habe ich winsim, ist ein Weiterverkäufer des o2 Netzes wie auch alditalk oder ähnl..

    Ich zahle monatlich 8€ (100min, 100Sms, 2GB Lte), für meinen Bedarf perfekt. Ich bin eher der Internetnutzer, vllt 5 Anrufe im Monat das wars auch. Und trotz meines Datenvolumens Speicher ich Kartenmaterial auch immer offline,spart eine Menge ein.

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  8. Julia (Finanzblogleserin)4. März 2016 um 14:29

    Hallo,

    ich habe einen Prepaid-Tarif für 4,90 Euro im Monat und kriege dafür 200 MB. Für's Telefonieren oder SMS zahle ich 9 cent pro Minute bzw. pro SMS.
    Ich telefoniere nur wenig, SMS schreibe ich so gut wie keine mehr (geht alles über WhatsApp), deshalb sind 10 Euro pro Monat an Handy-Kosten mein Rekord (meistens sind es 5-6 Euro).

    Eine 25 Euro-Internet-Telefon-SMS-Flat wäre mir definitiv zu teuer und ich würde das niemals alles ausschöpfen!

    Auf Internet unterwegs möchte ich nicht mehr verzichten. Ich lese in der Bahn Bücher auf Spanisch und schlage da gerne mal ein Wort nach. Oder eine Bahnverbindung. Oder mal eben über WhatsApp was regeln/sich verabreden/Infos lesen. Manchmal lese ich auch Finanzblogs auf dem Smartphone aber stimmt, das ist viel weniger komfortabel als auf dem PC-/Laptop Bildschirm.

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  9. Als mein uraltes und doch noch geliebtes Handy zum zweiten Mal den (Akku-)Geist aufgab, sah ich mich gezwungen, Ersatz zu beschaffen. Die Wahl fiel letztendlich auf ein Smartphone, das ich eigentlich nicht brauche. Grund war einfach, alle Welt hat inzwischen WhatsUp. Also habe ich mir einen Vertrag besorgt, der monatlich kündbar ist. 100 Freiminuten, 100 SMS und 200 MB Daten. Brauch ich alles nicht, kostet aber 2,95 €/Monat. Naja, damit kann ich leben. 25 Aktien des Anbieters und die Dividende deckt meine kompletten Handykosten.

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  10. Na, ja. Handy-Flatrates mit Garantieprodukten zu vergleichen. Ich weiß nicht - klingt für mich irgendwie etwas konstruiert. Ich hatte lange Zeit einen Postpaid-Vertrag mit 9ct/min bzw SMS. Da bin ich regelmäßig ungefähr bei 10€ im Monat gelandet. Mag aber auch daran liegen, dass ich eine Frau an meiner Seite habe, die mich auch tagsüber mal gerne zwischendurch erreichen möchte. Jetzt habe ich 300 Freieinheiten und ein GB Daten-Volumen für 10 Euro. Das Volumen brauche ich zwar nie, aber auch 500MB wären zum Abschlusszeitpunkt nicht günstiger gewesen - so what. Für mich ist die Flatrate (der Begriff ist ja prinzipiell etwas irreführend - es gibt ja doch ein maximales Datenvolumen, aber dem gebremst wird) daher ein gutes Geschäft.

    Den Hinweis von Anonym (3.3., 17:53) würde ich daher so unterschreiben: "Man muss immer aufpassen nicht von sich gleich auf alle anderen zu schließen."

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    1. Hallo Dummerchen,
      um welchen Anbieter handelt es sich dabei? Das wäre das Ideale Angebot für mich (300 Einheiten, 500-1GB Datenvolumen).

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    2. Ich habe den All-Net&Surf 1GB-Tarif von web.de. Im Moment kostet der sogar nur 7€ monatlich. Allerdings bist Du damit 24 Monate an web.de (1&1) gebunden. Für mich passt das, zumal ich eh ein Fan des D-Netzes bin.

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  11. Viele Handy-Verträge sind in erster Linie Ratenkredite für das nächste schicke Smartphone.

    Davon abgesehen gibt es einen sehr gewichtigen Grund, statt auf Verträge auf Prepaid zu sezten:
    Die Schufa.

    Ein Handyvertrag ist Schufa-relevant und taucht in der Selbstauskunft auf. Und jetzt kommts: da kann ja mal was schiefgehen z.B. beim Wechsel des Anbieters o.ä. und dann kann es Streit geben und sogar mal eine Abbuchung, die deshalb nicht klappt. Das ist dann ein ein "Schufa-Ereignis" und wird von vielen unterschätzt. Wenn man gerade den Kredit für's Eigenheim bekommen will, kann sowas recht kontraproduktiv sein...

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