Freitag, 6. Mai 2016

Wird der Couponschneider bald ein Wandervogel?

Die Arbeitswoche war sehr kurz und ich habe das schöne Wetter an Himmelfahrt gut genutzt. Nach ein paar Wochen eines sehr kalten Aprils ist der Mai wieder einmal der Wonnemonat. Und Dividenden kamen auch schon wieder rein.

Was habe ich denn zu Christi Himmelfahrt gemacht, dass ich davon berichten möchte? Ich war raus in die Natur. Eine Decke, ein bisschen Lektüre (was übrigens als Kindle-Besitzer kein großes Ding ist), und mit dem Drahtesel an ein sonniges Plätzchen. Dort kann man in Ruhe lesen, nachdenken, durchatmen. 3 Stunden habe ich an einer Waldlichtung verbracht, ohne dass mich jemand störte.

Worüber ich nachgedacht habe:

Wie sieht das Arbeiten der Zukunft aus? Mit besseren Akkus und stabilen Internetverbindungen könnte man mit Laptop und LTE auch draußen in der Natur arbeiten. Zumindest gänge das in meinem ´Beruf. Es wäre ein Traum. Ein Picknickkorb enthält alles weitere, was man sonst noch benötigt. Und wenn es nur ein halber Tag Arbeit in der Natur wäre: Er wäre sehr erholsam und vielleicht sogar sehr produktiv. In der Ecke, in der ich war, gab es sogar LTE, dafür aber kein HSDPA, aber mein Smartphone kann kein LTE und bot mir nur Edge an.

Die Perspektive zum Aussteigen ist da. Ich tummelte mich einer Gegend mit sehr niedrigen Immobilienpreisen. Für'n Appel und 'nen Ei bekommt man ein altes Haus. Ein paar 10000 € sollte man für eine anständige Modernisierung springen lassen. Angenommen, Hauskauf und Modernisierung kosten zusammen 60000 €. Wie viel bräuchte man dann noch zum Leben, wenn man sich die Miete sparen könnte? 1000 € monatlich? 12000 € netto im Jahr, oder aber 14000 € brutto. Ohne Arbeitseinkommen sieht die Besteuerung bei den Dividenden etwas vorteilhafter aus, da man kann vom persönlichen Grundfreibetrag profitieren.

Wenn man das komplett aus Dividenden bestreiten möchte und man eine durchschnittlichen Dividendenrendite von 4 % annimmt, dann benötigt man noch einmal 350000 € in Aktien. Man hat aber auch 4 % durchschnittliches Kurswachstum pro Jahr. Man kann da auch noch etwas Geld "rausschneiden", ohne dass man Substanzverlust erleidet. Wenn man immer nur 2 % des Depots verkauft, dann sind weitere 2 % da, die neue Substanz darstellen. Man könnte also auch mit 6 % Gewinnentnahme rechnen. Dann bräucht man nur noch 233333 €. Problem hierbei: Die Inflation wird nicht gebührend berücksichtigt.

Die finanzielle Unabhängigkeit könnte, wenn man so rechnet, in meinen Falle keine fünf Jahre mehr entfernt sein. Es ist nichts, was ich anstrebe, da ich meinen Beruf mag und die Stadt, in der ich zur Zeit wohne, auch mag und die Vorteile auskoste. Aber kommen wir zurück zu der Arbeitswelt von morgen: Auch Arbeitsmodelle, wonach man in ein, zwei zusammenhängenden Monaten sich zurückzieht, wären denkbar. Ob das nun Home Office ist, was viele Arbeitnehmern schon heute nutzen, oder Urlaub: Man kann dann von der Ferienwohnung auf Sylt, Ummanz oder im Harz aus arbeiten, vielleicht einmal in der Woche per Remote nach dem Rechten schauen, sich schwerpunktmäßig aber um andere Dinge kümmern, beispielsweise um die Kinder.

Sollte ich mal Kinder haben, weiß ich jetzt schon, dass ich die öfter in den Wald schleppen würde. Eine Decke, ein Picknickkorb, ein Beutel mit Lektüre und Spielzeug. Das wär's doch! Kostenpunkt: nichts. Gefrühstückt wird ja ohnehin. Ich weiß nicht, ob es geizig klingt: Ich mag es nicht, ständig Geld auszugeben und finde Gefallen an solchen kostenlosen Dingen. Der Wald ist als Erholungsgebiet kostenlos nutzbar. Andere Leute fliegen auf die Kanarischen Inseln und geben sündhaft viel Geld aus. Ich habe schon im letzten Jahr geschrieben, dass das Gute oft nahe liegt. Und leider wird es oft übersehen. Ich kenne Menschen, die in der Peripherie von Hamburg wohnen. Die brauchen sich nur aufs Fahrrad zu setzen und wären in wenigen Minuten im Sachsenwald. Machen die nicht.

Im Wald kann man den Kindern das beibringen, was im Schulsystem oft zu kurz kommt, beispielsweise Gedichte rezitieren, weil sie einem gefallen und nicht weil man muss. Oder auch Naturkunde; da bräuchte ich ja selber noch Nachhilfe. Oder die Orientierung im Gelände, mit Kompass und Karte. Ich würde auch das korrigieren, was der Mathematiklehrer verpfuscht hat. Fürs letztere braucht man nicht unbedingt den Wald, aber die Atmosphäre stelle ich mir lernfördernd vor, ohne Pauker, ohne Klassenclown, stattdessen ruft ab und zu ein Kuckuck. Ich jedenfalls konnte heute hochkonzentriert meiner Lektüre nachgehen. Musik hatte auch noch dabei und so hörte ich zwischendurch noch ein bisschen Chopin.

Was das kleine Domizil natürlich bräuchte, wäre eine kleine Fahrradwerkstatt. Der Drahtesel macht viele schöne Orte erst. Zu Fuß wäre es zu langwierig, mit dem Auto oft verboten, aber auch oft zu eng und zu kostspielig, wenn die Geländefähigkeit zu wünschen übrig lässt.

Kommentare:

  1. Hallo CS,
    Das war dein "Vatertag". Klingt schön entspannend, aber auch verdammt einsam. Hast du keinen Freundeskreis, um gemeinsam an so einem herrlichen Tag etwas zu unternehmen.
    Kann es sein, dass eigenbrötlerisches und extrem sparsames Leben zu Einsamkeit führt?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es scheint, dass er alleine war, aber nicht einsam. Ich genieße Zeit, die ich mit mir alleine verbringen kann, auch sehr, und finde es schade, dass es offenbar so viele Menschen gibt, die das nicht können.

      Löschen
  2. Ich habe meinen "Vatertag" mit Freunden zusammen verbracht (Männer & Frauen). Wir haben gegrillt und uns nicht besoffen oder umher gezogen. Das kostet wenig (Grillkohle, Wurst, Salat selbst gemacht etc.) und man ist mit den Menschen zusammen die man am liebsten hat.

    AntwortenLöschen
  3. Hey,
    ja, warum in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nahe. Ich fahre gerne mal an die Ostsee und lasse dort die Seele baumeln. Im Sommer ist das da aber auch oftmals hoffnungsvoll überlaufen.

    Aber natürlich will man auch mal was anderes sehen und wahrscheinlich auch mal die Wärme von fernen Ländern. Auch ich, allerdings muss es jetzt kein Luxusurlaub für so und so viel tausende von Euro sein.

    Oder mal andere Städte (Länder) anschauen muss auch mal sein. Klar, Deutschland hat auch sehr schöne Ecken und die nutze ich auch, aber wie gesagt, man muss auch mal was ganz anderes sehen.

    AntwortenLöschen
  4. Im Frugalisten-Blog wurde das neulich auch alles durchgerechnet und auch dort war von den magischen 4% Entnahme die Rede.
    Vor dem Ausstieg aus dem Beruf hätte ich einen Mordsrespekt. Es gibt SO viel zu beachten, wenn man nur noch vom passiven Einkommen lebt (Steuern, Versicherungen...). Das sollte man schon sehr gut aufgestellt sein.
    Wenn man 'nur noch' oder in erster Linie von Dividendeneinnahmen lebt, dürfte z.B. die Bonität bei Banken sinken, denn die sehen auch ein großes Aktiendepot als etwas potentiell sehr volatiles an.

    AntwortenLöschen
  5. Wäre es was für dich, wenn du einfach deine Wochenarbeitszeit auf, sagen wir mal, 32 Std./Woche verringern würdest? Dann hättest du immer noch ein recht solides Einkommen und den Rest könnte man doch durch die Dividendenzahlungen ausgleichen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das wäre absolut nichts für mich. Ich arbeite gerne, auch in Projekten und dann würde ich gerne volle Kanne geben und stattdessen öfter mehr zusammenhängende Tage freinehmen.

      Immer ein verlängertes Wochenende zu haben, nutzt mir wenig, weil ja auch wochenends in der Stadt Verpflichtungen habe und ich für eine Reise in die Heimat schon einen halben Tag veranschlagen muss.

      Löschen
  6. Ich bin ab und an auch gern allein, aber nicht einsam. Manche mögen das als eigenbrötlerisch bezeichnen, aber ich komm gut klar damit.

    Ich gebe relativ viel für Urlaube aus, aber ich muss weg, denn bleibe ich daheim, kommen sehr viele Arbeiten auf mich zu. "Hey, du hast doch Urlaub. Könntest mal nicht schnell dies oder jenes machen?" Komischerweise riechen das die Leute und schwupps sind 14 Tage mit Fremdbaustellen weg.

    Wie wirtschaftswaise schreibt, vergessen alle immer, sich selber zu versichern. Krankenhasse etc. - da sind schnell ein paar hundert Euro weg. Um wirklich bequem finanziell frei leben zu können, würde ich mit mindestens 2.500 € im Monat kalkulieren. Also lieber halbtags arbeiten und schon hat man viele Probleme vom Hals.

    AntwortenLöschen
  7. Krankenkasse sollte auch in der gesetzlichen mit ca. 150 bis 200 Euro im Monat zu machen sein (grosses Einkommen existiert ja nicht), Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung braucht er in dem Konstrukt nicht.

    Ich war zum Männertag zu einem Bluesfestival, ging Mittags los, sehr angenehm.

    AntwortenLöschen
  8. Fit und Gesund7. Mai 2016 um 15:54

    Das war bestimmt ein schöner Tag Herr Couponschneider, auch ich gehöre zu Denen die gerne mal alleine sind und in Ruhe was lesen.
    Laut dem Buch The Richest Man in Babylon wäre der Kauf eines Hauses vermutlich nicht das Allerdümmste, nix überstürzen, die Lage einer Immobilie ist sehr wichtig, vielleicht mal probeweise dort mieten und auch eine kalte oder regnerische Jahreszeit überstehen.
    Ich wohne ja da wo Andere gerne Urlaub machen (Bodensee) aber wenn es im Winter neblig ist kann das schonmal auf's Gemüt drücken, aber der Sommer macht das wett.
    Mit den Kindern ist so eine Sache, meiner besten Arbeitskollegin ihre 12jährige Tochter feierte Geburtstag, die Mädels trudelten nacheinander ein, meine Kollegin war hochentsetzt, die hatten Alle die gleiche Frisur, die gleichen Klamotten und die gleichen Schuhe, die "Party" verlief sehr ruhig, die Mädels töggelten auf ihren smartphones rum, hi hi...Waldausflüge sind wunderbar für kleinere Kinder, aber später hat man das nur begrenzt in der Hand oder Dauerzoff (die Kollegin hat das wegen dem Handy mit der Tochter)
    Zur Zeit wird ja viel über FIRE geschrieben, leider bin ich zu alt dafür, ich werde mir nur 3Jahre früher als vorgesehen "gönnen", hätt es solche blogs doch früher schon gegeben, aber ich will nicht maulen, mit dem was ich erreicht habe bin ich sicher zufrieden.
    Und innere Zufriedenheit ist mit Geld nicht aufzuwiegen, genau Dasselbe wünsche ich Ihnen und weiter viel Erfolg mit der Geldanlage, ich verfolge den blog sehr gerne.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. An sich sind Immobilien zur Eigennutzung nichts schlechtes, aber in Deutschland einfach zu teuer. Im "Reichen Mann von Babylon" wird das Immobilienthema um eine Fußnote ergänzt, dass es steuerliche Umstände gibt, die den Vorteil zunichte machen, ohne aber Deutschland zu erwähnen. Ich hab's aber genau so verstanden.

      Ich weiß nicht, wie es in der Schweiz abläuft, aber das kostest bei immer ein Heidengeld, wenn eine Immobilie den Eigentümer wechselt.

      Löschen
  9. Es heißt nicht umsonst:
    "Allein sein ist schön, wenn man es will - nicht wenn man es muss."

    Ich gehe hier von ersterem aus. Ich bin auch mit Kinderwagen eine Runde gelaufen und durfte mir von besoffenen Planwagenfahrern was erzählen lassen :) Mach was dir gefällt!

    AntwortenLöschen
  10. Ich habe durch mein Studium Parks und Flüsse zu schätzen gelernt. Einfach mal Ruhe und die Natur genießen. Sich jetzt bei den warmen Temperaturen und dem kühlen Wind aufs Rad zu schwingen, kann ich auch nur empfehlen. Macht man im Alltagstrott leider wirklich viel zu selten. Aber wenn mir mal die Decke über den Kopf wächst oder selbst, wenn ich mich mal alleine fühle, so hat mir das raus gehen bisher immer geholfen. In solchen Momenten wird mir immer wieder bewusst, wie schön unsere Welt ist und wegen was für unsinnigen Dingen, wir uns selbst das Leben schwer machen. Was soziale Kontakte betrifft, braucht man ein gesundes Mittelmaß. Meine Kids stecke ich mal zu den Pfadfindern, dass wenigstens einer in meiner Familie im Falle einer Apokalypse nicht beim ersten gepflückten Pilz oder Beere stirbt.

    AntwortenLöschen
  11. Hallo, ich finde, deine Gedanken sind nicht geizig. Ich selbst bin auch jemand, der sehr gerne in der Natur ist und seine fähigkeiten Ausbaut.
    Zb. Feuer machen mit Feuerbohrer, ist für mich ein Ziel, welches kostenlos zu erreichen ist, und es gibt doch nicht schöneres als in ein selbst entzündetes Feuer zu starren. :-)
    Aber auch sonst bin ich zb. gerne an der Isar unterwegs, und erst letzte Woche habe ich dort eine ca. 1m lange Ringelnatter entdeckt, diese Erlebnisse einer heimischen Schlange über den Weg zu laufen, kann dir kein Geld ersetzen.:-)

    AntwortenLöschen
  12. Auch ich finde Deine Gedanken durchaus nachvollziehbar und nicht geizig. So ein Haus weit draußen wäre zwar nichts für mich, aber wer's mag. Mit größeren Einkäufen könnte es etwas schwierig werden nur mit dem Rad.

    AntwortenLöschen
  13. Wenn man erstmal erkannt hat , was die Natur in einer schönen Landschaft einem kostenlos bietet, ist man schon mal ziemlich reich.

    Ich wohne in Goslar mit Blick auf die Harzberge und häufig tollen Sonnenuntergängen. Hier bekommst du Häuser für Spotpreise , alle wollen nach Berlin oder Hamburg ( auch ich steh auf Berlin).
    Aber die Lebensqualität hier ist unschlagbar, ein Paradies zum wandern ,biken, schwimmen, paddeln...

    Immer mehr meiner alten Freunde kommen zurück (auch ich war lange weg), und kaufen sich ein älteres Haus mit schönem Grundstück und machen sich das nett zurecht.

    Einige arbeiten am PC von Zuhaus, andere gründen kleine Firmen. Die meisten bauen auch viel im Garten an, die Lebenshaltungskosten sind sehr niedrig , mit 1000 Euro kann man schon mehr als komfortabel leben.

    Und dann wird auch mal verreist, z.B. Pfingsten gehts wieder zum Moersfestival, und auch das ist wieder sehr preiswert.

    Ich wollte damit eigentlich nur sagen, es geht auch günstig , auf sehr hohem Niveau.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Harz wäre für mich auch eine Option.

      Löschen
    2. Der Sparmeister15. Mai 2016 um 12:23

      Ich habe mein Leben bisher immer in verschiedenen Großstädten (> 500000 Einwohner) gelebt. Dennoch (oder vielleicht deshalb) finde ich die Idee antizyklisch zur Landflucht sich raus ins Dorf/die Kleinstaft zu bewegen charmant.
      Mir scheint es, dass viele Leute "vom Land" in jungen Jahren sich in die Ballungsräume bewegen - wegen Studium, Party, Arbeit.
      Ich habe festgestellt, daß ich in meinem Leben "die Stadt" oder den Ballungraum in dem ich wohne im täglichen Leben gar nicht brauche. Durch die technischen Entwicklungen der letzten Jahre ist es immer "egaler" geworden wo man lebt. Falls man wirklich spezielle Sachen sucht/kauft, dann kauft man letztlich meist doch im Internet.
      Ich habe festgestellt, dass ich Teile die ich für meine Fahrräder brauche (rein zufällig) häufig in "strukturschwachen" Regionen bestelle.
      Toll, dass ich als Städter bei den Leuten dort Umsatz generiere und die Leute so vor Ort gut leben können. Die moderne Telekommunikation/Internet macht's möglich.
      Seit einigen Jahren mache ich mindestens einmal pro Jahr eine mehrtägige Radtour durch Deutschland/das angrenzende Ausland. Bei diesen Reisen fällt mir immer wieder auf wieviele Gegenden mit wirklich hoher Lebensqualität (für relativ kleines Geld) wir in Deutschland haben. Das scheint leider allgemein kaum bekannt zu sein, wenn ich mich mal mit Freunden/Kollegen/Bekannten hier im Ballungsraum unterhalte.
      In meiner momentanen Situation bin ich schon ziemlich an meinen jetzigen Wohn-/Arbeitsort (oder ähnlich strukturierte Orte) gebunden - ich habe auch nicht direkt einen Leidensdruck, der mich hier wegtreiben würde. Dennoch behalte ich die Sache als Option mal im Hinterkopf.
      Mit jeder Radtour steigen meine Ortskenntnisse :-).

      Ach ja: in Goslar war ich auch noch nicht - merk' ich mir mal.

      Löschen