Sonntag, 12. Juni 2016

Wertvolle Tipps: Lernen Sie Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und E-Mail-Programm

Oft lese ich hier und da Kommentare nach dem Schema: "Ich bin 15 Jahre alt. Mir fehlt noch das Kapital, um an der Börse zu investieren, aber ich möchte lernen."

Als alter Computerhase halte ich folgenden Tipp für sehr wichtig: Lernen Sie eine Tabellenkalkulation. Ich selber bin bin immer überrascht, wenn man Leute damit nicht umgehen können. Ich war 10 Jahre alt, als wir in der Familie unseren ersten Computer hatten. Schon damals dabei: Works 2.0 für Windows. Ich schaute mir an, wie das funktioniert. Später lernte ich noch mehrere andere Tabellenkalkulationen, wie Excel 97, Quattro Pro und sogar noch Lotus 1-2-3, das mit einer Computerzeitschrift zusammen regelrecht verramscht wurde. Ich erarbeitete mir das Wissen, um unter anderem eine Bundesliga-Tabelle zu entwickeln, natürlich farbig hervorgehoben. Heute verwende ich LibreOffice Calc. Ich nutze Linux und da ist die Auswahl an Office-Paketen geringer. Selbst unter Windows würde ich ungern Excel verwenden, da Excel Geld kostet.

Wie man die Software verwendet, entnahm ich einem Buch für Excel 97 (gab es damals billig bei Aldi), aber auch von meiner Mutter, die beruflich bis Ende der 90er mit Framework unterwegs war. Sie war einfach nicht davon abzubringen. Da ich noch Framework kenne, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass ich ein richtig alter Hase bin.

Zugegeben, als Informatiker schaut man etwas abfällig auf Tabellenkalkulationsnutzer, da so eine Tabellenkalkulation nichts halbes und nichts ganzes ist. Es ist aber ein sehr guter Mittelweg, den ich mittlerweile schätze, um Daten halbwegs strukturiert zu erfassen und aufzubereiten. Ich möchte mir keine Gedanken darüber machen, wie ich Tabellen in einer relationalen Datenbank definieren muss, um meine Anwendung umzusetzen. Die Anforderungen im privaten Bereich ändern zu schnell, als dass die Entwicklung eines relationalen Datenbankdesigns sinnvoll wäre.

Ich nutze die Tabellenkalkulation, um
  • Meine Aktiengeschäfte zu erfassen, Käufe, Verkäufe, Dividenden
  • Ein Buch über meine Ausgaben zu führen (Haushaltsbuch).
  • Zählerstände von Gas- und Wasserzähler zu erfassen
  • Um Steuernummer, Kundennummern, Adressen und ähnliches zu speichern. Wenn ich mal wieder meine Steuernummer suche, öffne ich meine Tabellenkalkulation. Ich wälze weniger in meinen Papierordnern.
Da ich alle meine Ausgaben protokolliere und kategorisiere, konnte ich in den letzten Jahren meine Steuererklärung sehr schnell erstellen. Ich musste nur nach der BU-Rentenversicherung filtern und habe die zwölf Zahlungen gesehen und konnte sie sofort zusammenaddieren. Um die Kosten für das Arbeitszimmer musste ich nur nach der Warmmiete (inkl. Nachzahlung) und den Kosten für Strom und Gas (inkl. Rückzahlung) filtern. Die Daten waren korrekt; ich sparte mir das mehrfache Nachprüfen. Ich musste nur das Gefilterte kopieren, in einer anderen Tabelle aufarbeiten, ausdrucken, Unterschrift druntersetzen und der Steuererklärung beilegen. Ich bin mir sicher: Auch das recht professionelle Auftreten sorgte dafür, dass das Arbeitszimmer letztendlich akzeptiert wurde. Für die Steuererklärung hatte ich in diesem Jahr vielleicht 4 h Aufwand.

Wertvoll finde ich auch Wissen über Textverarbeitung. Man muss sie nicht in allen Facetten beherrschen, aber man sollte wissen, wie man strukturiert Textdokumente erfasst. Dass man ein Stück Text mit einer Formatvorlage wie "Überschrift 2" formatiert anstatt manuell Schriftart, -größe und -dicke festzulegen. Wichtig ist, dass man sich frühzeitig, eine Vorlage für einen Standardbrief erarbeitet. Sowas habe ich seit 2003. Damals habe ich mich mit OpenOffice 1.0 hingesetzt und mir eine schönen Standardbrief mit Adressfenster, Briefkopf, Platz fürs Datum usw. angelegt. Ich verwende die Vorlage seitdem praktisch unverändert. Bei den Versionssprüngen und bei Adressänderungen musste ich natürlich mal nachbessern. Einerseits erspart es einem unheimlich viel Zeit, andererseits macht es einen besseren Eindruck beim Angeschriebenen. Jeder Brief sieht aus wie aus dem Ei gepellt, auch wenn die Angelegenheit banal ist. Und wenn man in so einem gut formatierten Brief mit einem Anwalt droht, bekommt man eher seine Forderung durchgedrückt. Ich unterstrich mal derartig die Forderung nach Rückzahlung meiner Mietkaution, dass ich drei Tage später das Geld auf dem Girokonto hatte. Ein weiterer Vorteil ist, dass man mit einem gescheiten Briefkopf seine E-Mail-Adresse und Telefonnummer automatisch weiterträgt und die Sie Angeschriebenen schnell und unbürokratisch erreichen können.

Die Erreichbarkeit per Mail sollte man auch dahingehend erhöhen, dass man sich einen richtigen Mail-Client installiert. Im Jahr 2000 bekam ich Anschluss ans Internet und ich besorgte mir sofort eine E-Mail-Adresse und installiert sofort einen Mail-Client. Web-Mailer zu verwenden, war bei mir die große Ausnahme. Der Komfort-Gewinn eines richtigen Mail-Clients (z. B. Icedove/Thunderbird) ist enorm. Man kann viel schneller arbeiten und außerdem wird man benachrichtigt, wenn eine Mail kommt. Ist aber der Browser zu tun, dann ist auch der Web-Mailer nicht mehr da. Mit Grausen sehe ich, wenn jemand, obwohl IT-affin, nur Web-Mailer nutzt.

Der Beitrag war nun sehr allgemein gehalten. Im nächsten Beitrag dieser Art möchte ich mein Tabellendokument vorstellen, mit dem ich meine Aktiengeschäfte protokolliere.

Kommentare:

  1. Die Vorurteile gegen WWebmailer kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin von Googlemail voll überzeugt und habe da noch meine Mails von vor 15 Jahren archiviert. Mit der Suche und den Labeling ist das zudem eine wunderbar durchsuchbare Datenbank für unstrukturierte Datenbestände.

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  2. Fit und Gesund / Annabella12. Juni 2016 um 20:25

    hallo Herr Couponschneider,
    ich bin leider kein alter Computerhase, aber ich möchte eben doch Excel lernen und habe mir deswegen ein Buch gekauft, eine Tabelle hab ich mir schon gebastelt damit, aber es war nicht einfach für mich, ich werde mir noch weitere Tabellen basteln, z.B eine Budgetplanung die ich bis jetzt immer Anfangs Monat mache (ich hab nicht immer den gleichen Lohn), es geht schon auch altmodisch mit Papier und Bleistift, aber ich finde es gut wenn ich was dazulernen kann. Seit ein paar Monaten nutze ich Wally, eine simple App wo ich akribisch jede kleine Ausgabe eingebe, seit ich über meine Ausgaben Buch führe hat sich meine Sparquote doch erhöht :)
    Mit den Zählerständen das finde ich auch eine gute Idee, das werde ich probieren und vielleicht führt es ja auch zu einer gewissen Kostenersparnis.
    Ich habe nun zwar das Buch, aber schade finde ich es dass ich Niemand mal fragen kann, weder auf der Arbeit noch sonst im Bekanntenkreis kann das Jemand. Ich bin schon gespannt auf Ihr Tabellendokument, Danke auf jeden Fall für die Arbeit die Sie sich machen.

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    1. Hallo Annabella,
      im aktuellen "Mindset"-Artikel verweist der Couponschneider ja auch auf den Finanzwesir-Excel-Kurs: http://www.finanzwesir.com/blog/finanzen-im-griff-mit-excel-teil1
      Ich bilde mir (ganz unbescheiden) ein, dass man nach dem Durcharbeiten des von mir erstellten Kurses alles weiß, um die Dinge tun zu können, die der Couponschneider oben auflistet. Im wesentlichen beschreibt er ja Dinge, die mehr oder weniger nur "Eintragen von Zahlen in kleine Kästchen" entsprechen.

      (Ich bin mir zwar sicher, dass er diese Werte dann auch sinnvoll auswertet und finanzmathematische Kennzahlen daraus ableitet, aber für den Einstieg braucht man das nicht. Das kommt ganz von alleine, wenn man merkt, dass man zum Beispiel aus allen Kauf- und Verkaufbuchungen eine Rendite berechnen lassen oder bunte Grafiken erstellen kann.)

      Solltest Du zu den Dingen im o.g. Kurs Fragen haben, kannst Du sie an entsprechender Stelle stellen und wirst Antworten erhalten.

      Sorry für die Fremdwerbung, aber ich gehe davon aus, dass das Ansinnen vom hiesigen Blogbetreiber und mir im Einklang sind: Mehr Leute sollen in der Lage sein, Excel (bzw. Calc) benutzen zu können. Das schafft finanzmathematische Kompetenz.

      Liebe Grüße
      Dummerchen

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    2. Fit und Gesund / Annabella13. Juni 2016 um 19:45

      Danke für den Hinweis, :)

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  3. Ich nutze auf dem Sofa ein Laptop mit Kubuntu und habe mir da auch mal Thunderbird angesehen - und nach 10 Minuten mit Grausen wieder geschlossen.
    Mein erster "PC" war ein Tandy RS 80, den ich in Basic und später sogar kurz in Assembler programmiert habe. Trotzdem war ich später immer ein Nutzer von Webmailern. Nach Web.de und Yahoo bin ich von Anbeginn an bei GMail und schätze den Dienst sehr. Vor allem, weil es gut synct und es für jeden Bedarf etwas gibt; vom Kalender über die News bis zum kompletten Office-Paket.
    Unser Depot verwalte ich mit einer großen Google-Doc-Tabelle, die zig Unter-Reiter hat, die untereinander Daten austauschen.
    Ich folge auch manchen Twitter und Blog-Schreibern, die sich mit Excel befassen und schaue mir dann gelegentlich sogar so "gruselige" Sachen wie Pivot-Tabellen an...

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  4. Annabella: Excel-Kurse bietet jeder Volkshochschule an. Außerdem sind die Grundfunktionen wirklich sehr einfach.

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    1. Fit und Gesund / Annabella13. Juni 2016 um 19:44

      @Felix Meier,
      Volkshochschule geht schlecht, ich arbeite total unregelmässig, aber ich werde den von Dummerchen genannten Kurs mal durcharbeiten, es macht ja auch ein wenig Spass sich selber was zu erarbeiten.

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    2. Auf Youtube gibt es jede Menge Clips dazu.

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  5. Ich kann jedem nur empfehlen, sich mit einer Tabellenkalkulation auseinander zu setzen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Leute sich damit auskennen. Meine Tabellen sind sicher nicht schön und einen Profi gruselt es sicherlich, aber ich habe die Ergebnisse, die ich brauche. Und das hilft mir sehr weiter.

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