Sonntag, 3. Juli 2016

Mit dem ASS-Prinzip ein Vermögen aufbauen.

Die Kurseinbrüche infolge des Brexits waren mir schnurzegal. Und die Entwicklung danach gab mir auch recht. Mein Portfolio hat den Kursrücksetzer längst wieder aufgeholt. "Politische Börsen haben kurze Beine." - Wieder einmal wies das alte Sprichwort den Weg.

Was ist das ASS-Prinzip? Es ist ein Akronym und die Buchstaben stehen für aggressiv, stur und stetig. Das ist das, was ich seit Jahren beherzige. Ich denke, ein Portfolio von ca. 160000 € Verkehrswert ist nicht schlecht. Vor sieben Jahren kaufte ich meine ersten Aktien. Zwischendurch war ich kurz arbeitslos und musste auch noch hohe Kosten stemmen. Die Aggressivität habe ich mir erst 2011 angedeihen lassen. Die Dividenden fließen jetzt schon üppig.

Warum muss man aggressiv, stur und stetig rangehen. Ich werde es erläutern.

1. Aggressivität ist deshalb notwendig, weil der wichtigste Faktor beim Spiel des Zinseszins die Zeit ist. Ob man jetzt einmalig einen Geldbetrag b, zum Zinsfaktor p für n Jahre anlegt oder dies periodisch macht, ist egal. Die Formeln sind En = b * p^n bzw. En = b * (p^n - 1) / (p - 1). In beiden Fällen gilt: b geht linear ins Endergebnis ein, der Zinsfaktor polynomiell, die Zeit aber exponentiell. Das heißt, umso früher man beginnt, umso besser. Umso größer kann das n werden. Beim p sollte man auch maximieren, d.h. in Aktien gehen und nicht in Anleihen oder Festgeld. Da ja das n groß gewählt ist, kann man die Volatilität von Aktien problemlos aussitzen. Und natürlich sollte man in den Anfangsjahren eine hohe Sparrate wählen. Ich sprach mal vom Berkersparen.

2. Sturheit ist deshalb wichtig, weil es mit den Kursen hoch und runter geht. Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. "Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen." Diese alte Weisheit des Kostolany stimmt: Wer nicht den Schneid hat, die Kurse purzeln zu sehen, der realisiert zu früh seine Gewinne, wenn die Kurse dann mal steigen, denn die Kurse könnten ja jeden Moment wieder purzeln.

3. Stetigkeit ist wichtig. Man muss sich an die Sparraten gewöhnen. Ich mag die psychologischen Argumentationen nicht, aber hier trifft eine zu: Wenn man beispielsweise jeden Monat 500 € in Aktien investiert, dann verändert es das Bewusstsein. Man lebt insgesamt sparsamer, überlegt sich genau, ob dieser oder jener Konsum notwendig ist. Man hat sich an ein höheres Budget für den Konsum noch nicht gewöhnt. Auch nicht zu verachten: Umso früher man beginnt, umso früher macht man auch negative Erfahrungen und natürlich zahlt man auch Lehrgeld.

Ich habe in diesem Jahr schon 20000 € in Aktien investiert; mein Ziel sind die 26000 €. Das schaffe ich. Besonders angetan haben es mir die unterjährigen Dividendenzahler, weil man dann schon nach wenigen Monaten die ersten Früchte ernten  und reinvestieren kann. Dass der Dividendenmonat Mai die reinste Wonne war, schrieb ich schon. Der Juni war aber auch nicht schlecht. Brutto gab es etwas mehr als 1000 € an Dividenden, netto mehr als 700 €. Die Nettodividenden aus Mai und Juni haben im Summe die Konsumausgaben in diesen beiden Monaten übertroffen.

In meiner Familie weiß niemand davon. Von Aktien hat man null Ahnung. Man sieht nur die Kursschwankungen, über die in den Nachrichtensendungen berichtet wird und denkt sich das übliche: Aktien seien etwas für Zocker. Dabei kann es doch ganz leicht sein. Aktien mit gesunden Menschenverstand auswählen, kaufen, schlafen legen. Sich auf andere Dinge konzentrieren. Ich habe mich in den letzten Wochen wenig um die Börse gekümmert. Fernsehsendungen dazu sehe ich ohnehin nie. Ich hatte genug anderes zu tun. Ich habe in den letzten drei Jahren dermaßen viel Investmentlektüre verschlungen, dass mich nun wieder andere Themen reizen.

Und das ist das gute am Aktiensparen: Es ist so schön passiv. Passivanleger sind für mich mitnichten nur ETF-Sparer, sondern jeder Buy-and-Hold-Aktiensparer aufgrund seiner sehr geringen Aktivität. Es bleibt dann genug Zeit übrig, um sich um wichtigere Dinge zu kümmern. Die Daytrading-Leute müssen viel persönliche Zeit aufbringen und gehen dann doch mehrheitlich pleite.

Kommentare:

  1. Moin,
    mich würde ja mal interessieren, (als) was Du so arbeitest, wenn du innerhalb von einem (halben) Jahr 20.000€ in Aktien investieren kannst. Hast Du Frau & Kinder?

    Viele Grüße!

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    1. Na, als studierter Informatiker bekommt man mit Berufserfahrung so um die 60 oder 70 k p.a.. Da sollte es kein Problem sein 20 k zu investieren, zumal, wenn die Hälft fast schon aus Dividendenausschüttungen resultiert.
      Das ist der Schneeball.

      Frau und Kinder sind zu teuer :-)
      Kinder sind in D das Hauptarmutsrisiko, deshalb gibt's keine mehr.

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    2. Mein größter "Reichtum" ist meine kleine Tochter. Wenn man keine Kinder hat, kann man das eventuell nicht nachvollziehen.

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    3. Klingt schon sehr fies: "Kinder sind das Hauptarmutsrisiko." Vorallem vor dem Hintergrund das man selbst Kind war und das man ein Kind ja wohl kaum auf ein finanzielles Investment reduzieren kann.

      Jedem wie er will.

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    4. Selbst als studierter Informatiker bekommt man nicht immer gleich 60-70k p.a. 50k sollten noch "leicht" erreichbar sein nach 5 Jahr BE. Aber dann werden die Unternehmen zunehmend knauseriger und man muss dann eher in eine Führungsposition. Also so einfach sehe ich die 60-70k nicht.

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  2. 'Kinder sind in D das Hauptarmutsrisiko, deshalb gibt's keine mehr.'

    Das sollte doch für einen studierten Informatiker mit 70k im Jahr kein Problem sein.

    Kinder und Vermögensaufbau, das ist die hohe Kunst.

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    1. Ich halte es so, wie von Robert Kiyosaki in seinem Buch "Rich Dad, Poor Dad" geschrieben: Gerade weil ich euch (Kinder) habe, will ich reich werden.
      Deshalb stimme ich meinem Vorredner zu: Es ist keine große Kunst als alleinstehender Gutverdiener ohne Kinder oder DINK(Double Income No Kids)-Paar vermögend zu werden, erst mit Kindern wird es zu einer.
      Natürlich gilt auch das ASS-Prinzip für Eltern, sowohl in der Kindererziehung (;-)) als auch beim Investieren!
      Ich wünsche uns allen und ganz besondern den Eltern unter uns Investoren viel Erfolg beim Investieren! :-)

      Cheers
      Andrej

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    2. Aggressivität hat in der Kindererziehung nichts verloren. Jegliche Form der Aggressivität.

      Wer das anders sieht, sollte das mit den Kindern wirklich bleiben lassen.

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    3. Fit und Gesund / Annabella10. Juli 2016 um 15:14

      Kinder als Armutsrisiko, das seh ich nicht so, aber kommt wohl drauf an wie ich die Kinder erziehe, iphone für 10jährige und Privattennisstunden können natürlich ein gewaltiges Loch ins Budget reissen...
      Eine Kampfscheidung wie ich sie jetzt gerade im Bekanntenkreis erlebe sehe ich da eher als Risiko, Unterhalt für Frau und 2 kleine Kinder.., der junge Mann wird so schnell nicht wieder auf die Beine kommen.

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  3. Die Dividendenstrategie ist Murks und wird nicht klappen. Hohe Dividenden schütten doch gerade die Unternehmen aus, die nicht mehr wachsen (können).
    Es gibt keinerlei empirischen Beleg, dass eine Dividendenstrategie besser abschneidet als der Gesamtmarkt.

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    1. Was wird nicht klappen? Couponschneider zahlt durch das Depot keine Kaltmiete mehr aus seinem Gehalt. Ich finde, das klappt ganz wunderbar.

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    2. Sicher wird eine Dividendenstrategie den Markt nicht "outperformen". Allerdings ermöglichen Dividenden dem Otto-Normal-Anleger eine transaktionskostenfreie Teilgewinnrealisierung. Was will ich mit einer Aktie, die 70% steigt, aber keine Dividenden zahlt? Market-Timing betreiben, wann ich den Gewinn mitnehmen soll? Kostet ja jedesmal Transaktionsgebühren und den optimalen Zeitpunkt trifft eh keiner... Da erscheint buy-and-hold von Aktien mit stabilen Gewinnen und tendenziell steigenden Ausschüttungen doch als die bessere Idee.

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    3. 1. Ich fahre keine Dividendenstrategie. Markos Wunram betreibt eine. Die sollte man kritisch sehen, weil er es auf 6 % Nettodividendenrendite anlegt. Ich aber hole mir aber auch 3 % Bruttodividende und weniger ins Depot.

      2. Hohe Dividenden werden mitnichten nur von Unternehmen ausgeschüttet, die nicht mehr wachsen.

      3. Dividenden sind ein guter Indikator, wie potent das Unternehmen ist. Dividenden erlauben es mir, weiter zu diversifizieren. Wenn alles im Unternehmen bleibt, erhöht sich mein persönlicher Cashflow nicht, d.h. ich wäre auf aktives Einkommen angewiesen, um Aktien anderer Unternehmen zu kaufen.

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  4. Wurde die Dividendenstrategie nicht schon zur Jahrtausendwende totgesagt?
    Naja, Danke für dein Beitrag Coupenschneider, ich bin gerade in der Ansparphase und schau gerne mal bei dir vorbei.

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  5. Hallo Cuponschneider,
    komme durch Finanzwesir auf dich. So richtig logisch sind mir deine oben angegebenen Zahlen nicht. Wie kannst du bei einem Depotwert von 160.000 eine Dividende von 37.000 in 2016 erwirtschaften. Das sind 22%. Kannst du mir die Zahlen etwas erläutern? Viele Grüsse

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    1. Von 37.000 € Dividende ist nirgends die Rede. Wie ich das verstehe, hat CS 20000 in 2016 bisher in Aktien 9investiert, etwas die Hälfte davon (auf's ganze Jahr gesehen) dürfte aus Dividenden kommen, al 10.000 €, das sind so 6 %, ein gute Wert.

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    2. Fit und Gesund / Annabella10. Juli 2016 um 15:05

      hm, also ich les nur was von 3767, 01 Euro brutto....tolle Leistung des Couponschneiders!

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  6. Hi,
    Deine ASS-Strategie kann ich voll und ganz nachvollziehen.
    Als Vater zweier Kinder kann ich Dir aber sagen, dass ich die beiden noch NIE als Armutsrisiko gesehen habe und hoffentlich auch nie sehen werde. Vielmehr sind die beiden eine größere als jede finanzielle Bereicherung!
    Ich bin auch mit Kindern gern am Weg zur finanziellen Freiheit unterwegs und bin davon überzeugt, dass er auch so erreichbar ist!
    Schau gern auf meinem Blog https://meinefinanziellefreiheit.com/ mal vorbei, würde mich freuen!
    Viele Grüße,
    FF

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  7. Die Metaphern sind erfrischend anders als die, die ich normalerweise verwenden würde. Eher so etwas wie der Marathonlauf eines Faultiers. Aggressivität? Nun ja, das sieht dem Faultier gar nicht ähnlich. Es hat ja schließlich noch etwas vor: nämlich einen 25jährigen Marathonlauf zu gewinnen. Die Zeitintervalle um mit Aktien reich zu werden sind so riesig, dass man sich vorkommt, wie der Plattentektonik zuzusehen.

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