Dienstag, 2. August 2016

Lektürefehler

Als passionierter Teetrinker, der auch grünen Tee seit vielen Jahren schon konsumiert, nutze ich Aufgüsse drei bis viermal. Das ist keinem Sparfetisch geschuldet, sondern dem Genuss. Der zweite Aufguss schmeckt mir am besten. Es gibt sogar Teetrinker, die den ersten Aufguss wegschütten und einen zweiten machen. Der vierte Aufguss schmeckt häufig nicht mehr sehr gut.

Und mit den Büchern ist es oft wie mit dem grünen Tee. Das Erstlingswerk ist selten das beste und mit zunehmenden Alter des Autors werden die Bücher in der Regel schlechter. Und wieder einmal habe ich ein schwaches Buch gelesen. Es handelt sich um "Kapitalfehler" von Marc Friedrich und Matthias Weik, den Erfolgsautoren aus dem Bereich Crashtainment.

Ich kündigte es bereits an, dass ich das Buch lesen werde. Es war so, wie ich erwartete. Es ist ein Gepolter gegen den Kapitalismus im Allgemeinen und gegen den "neoliberalen Finanzkapitalismus" im Speziellen: "Sowohl der neoliberale Kapitalismus des Westens als auch der chinesische Staatskapitalismus sind antidemokratisch und destruktiv. Beide Systeme kreieren eine Blase nach der anderen."

Damit haben die Autoren das Einmaleins der Ökonomie nicht verstanden. Grundlage aller ökonomischen Betrachtungen ist das handelnde Individuum, das durchaus in der Lage ist, im überschaubaren Rahmen vernünftige Entscheidungen zu treffen, aber auch nicht immer. Fehler werden gemacht. Viele Fehler werden von vielen Menschen zugleich gemacht. Das führt dann zu Blasen, zu Fehlinvestitionen auf breiter Basis. Und das ist unabhängig von der Wirtschaftsform. Im Sozialismus gab es genauso wirtschaftliche Fehlentwicklung, nur spach man nicht von Blasen.

Welches Geschäftsmodell, welche Technologie und welche Branche sich als zukunftsweisend herausstellt, weiß man ja vorher nicht. Hat schon einmal jemand untersucht, auf wie viele Blasen eine erfolgreiche Etablierung einer neuer Branche und neuer Unternehmen kommt? Ich bin der Meinung: Soll man doch Blasen zulassen und platzen lassen, wenn es doch gleichzeitig berechtigtes Wachstum in bestimmten Branchen gibt. Was Blase ist und was nicht, merken wir doch erst, wenn es platzt. Wenn die Autoren ein Problem mit Blasenbildung haben, dann haben sie ein Problem mit der Zukunft, mit der Ungewissheit, mit dem Risiko.

"Obwohl der Neoliberalismus total versagt hat, bleibt man dem gescheiterten Kamakazikurs treu." und "Krisen sind gewollt und erwünscht." sind zwei weitere Formeln der Autoren. Matthias Weik wird als "Querdenker" vorgestellt. Ist es ihm nicht zu peinlich, mit Wörter und Gedanken aus der linken Mottenkiste hausieren zu gehen, und sich gleichzeitig als Querdenker auszugeben? Ich höre und lese den Unsinn aus der linken Mottenkiste, seitdem ich mich für Politik interessiere, als seit 15 Jahren. Und in den 15 Jahren davor wird man bestimmt nicht anders geredet haben.

Ein Beispiel aus der linken Mottenkiste ist das Herumhacken auf der Privatisierung der Bahn in Großbritannien. Der Fehler lag nicht in der Privatisierung als solche, sondern um die Art und Weise, weil Politiker auch Menschen sind und Fehler machen können. Die Privatisierung ist aber schon lange korrigiert worden. Zudem existieren viele positive Beispiele für die Privatisierung staatlicher Unternehmen, gerade in Deutschland mit Post, Telekom und Bahn. Stattdessen hauen die Autoren kräftig auf den Putz und tun gerade so, als ob Privatisierung an sich was schlechtes wäre. Der Bahnverkehr in Großbritannien ist heute effizienter als zu Zeiten, als die Bahn noch ein Staatsbetrieb war. Die Anzahl der Fahrgäste hat zugenommen. Und verheerende Unfälle gab es in Staatsbetriebszeiten genauso, nur hat damals niemand nach einer Verstaatlichung rufen können.

Wie man sein Geld anlegt, erfährt man in dem Buch nicht, stattdessen spielt man Weltökonomie und liefert gleich eine politische Agenda, wie man Staat und Wirtschaft organisieren sollte. "Erneuerbare Energien" werden von unseren Querdenkern als zukunftsweisend gepriesen. Das ist ziemlicher Mainstream. Ich hoffe, niemand versenkt nach der Lektüre sein Geld in diese Branche. Und was "Omanis" und "Kataris" sein sollen, müssen die Autoren uns auch noch erklären. Ich kenne nur Omaner und Katarer.

Und obwohl sie auf vielen Seiten auch noch die Planwirtschaft geißeln, und das vollkommen zurecht, können sie sich denn noch nicht mit der Marktwirtschaft anfreunden. Eine freie Wirtschaft ist nicht nur stärker und robuster, sondern auch ethischer, weil sie viele Entscheidungsträger zulässt, Fehler erlaubt und auch schneller korrigiert. In einer Kommandowirtschaft kann eine Fehlentscheidung einer oberen Charge eine Hungersnot auslösen. Und wirtschaftliche Fehlentwicklung führt in der Planwirtschaft oft zur Kollabierung des politischen Systems.

"Kapitalfehler" ist ein Pamphlet, in denen sich die Autoren anschicken, selber so eine obere Charge zu werden. Daher erzählen sie, was dem vornehmlich linken und verschwörungstheoretischem Publikum gefällt. Ein Seitenhieb auf Mengenrabatte beim Strom für die Industrie durfte nicht fehlen. Sie finden den Mengenrabatt unrechtmäßig. Dass er aber die freie Entscheidung des Stromlieferanten ist, wird übersehen. Man weiß es besser. Wer sich als obere Charge anschickt, muss es ja besser wissen.

Das Buch enthielt keinerlei interessanten Denkanstöße. Ich schrieb es bereits: Ich habe den Unsinn schon in vielerlei Konstellationen gehört und gelesen. Das mit der britischen Eisenbahn ist mittlerweile so ausgelutscht, dass es selbst SED-Politikern peinlich ist, wenn sie damit in einer Talkshow aufwarten. Friedrich und Weik präsentieren kalten Kaffee als brühwarm für 19,99 €.

Seine Zeit sollte man mit besseren Büchern verbringen, von David Ricardo, John Stuart Mill, Alfred Marshall oder Milton Friedman. Jüngst las ich Friedmans Buch "Kapitalismus und Freiheit". Das möchte ich ausdrücklich empfehlen und vielleicht schreibe ich auch noch mal darüber.

Kommentare:

  1. Warum Friedrich und Weik "Erfolgsautoren" sind erfährt man am besten wenn man sich die Kommentare bei Spiegel-Online durchliest. Da wird genau das gefordert und genau die Ideologie vertreten, die Friedrich und Weik in ihren Büchern fordern. Kapitalismus ist böse, mehr Umverteilung, "Wir müssen die Reichen endlich zur Kasse bitten", mehr grünen Strom, die Eliten halten uns dumm, an der Börse können nur Reiche investieren, der kleine Mann hat dafür kein Geld usw...

    Ich glaube schon das es Friedrich und Weik besser wissen, jedoch kannst du den leuten kein Buch für 19,99 verkaufen und "Erfolgsautor" werden wenn du schreibst: "Ein ETF Sparplan gibt es schon ab 25€/Monatlich und die Börse steigt, auf lange Sicht betrachtet immer und die Blasen gehören halt dazu. Es gibt kein geheimes Wissen und Chemtrails existieren auch nicht".

    Auf die Idee, zu Investieren wenn die Blasen platzen, kommen die "Erfolgsautoren" natürlich gar nicht.

    Mfg Bukki

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  2. Was den nu?
    Links oder Rechts?
    Einmal schreiben Sie Pepidaner (was den beiden völlig ungerecht wird und genau in die Richtung geht die Sie bei den beiden anprangern) und jetzt sind die beiden linke Vögel.
    Ich verabschiede mich hiermit von dieser Seite, weil ich Sie nicht mehr Ernst nehmen kann.

    Ciao

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    1. Linke und Rechte sind sich ziemlich ähnlich. Dennoch hab ich die Bezeichnung "Finanzpegidianer" benutzt, um den Stil der beiden zu charakterisieren, nicht ihren Inhalt.

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  3. Hallo Anonym,

    diese Seite kann man auch nicht ernst nehmen, denn sie ist eine reine Satire-Seite. Ja wirklich! Manchmal fällt es etwas schwer, das gebe ich zu aber der obige Artikel macht es dann doch sehr schnell deutlich.
    Auf der anderen Seite muss es auch Finanzblogs geben die nicht durch Qualität sondern durch feinsinnigen Unsinn auffallen. Diese Rolle erfüllt der H. Couponschneider perfekt!

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    1. Hehe, das stimmt. Sehe ich auch so ChrisS.

      Jan

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  4. "Erneuerbare Energien" ist mein Lieblings-Nonsense-Begriff.

    Sämtliche im Universum vorkommende Energie ist bereits beim Urknall "entstanden". Seitdem findet allüberall nur noch die Umwandlung von Energie statt.

    "Grün" oder "erneuerbar" ist also im Bereich der Energiepolitik ein ideologischer Kampfbegriff. Fachlich richtig wäre "Wetterabhängige Energieumwandlung". Aber könnte man damit dem Steuerzahler die Subventionen aus der Tasche räubern!?

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  5. "Ich bin schon gespannt auf "Kapitalfehler", dem nächsten Buch. Ich habe es mir in der Bibliothek vormerken lassen. Ich habe schon eine böse Ahnung, was mich da erwartet."

    Wenn die letzten 2 Bücher dir schon nicht nur nicht gefallen haben, sondern du sie regelrecht abstoßend fandest, warum ließt du dann noch eines?

    Hast du ernsthaft gedacht es könnte besser werden, oder du könntest was daraus lernen?

    Mir kommt es bei dir immer so vor, als bräuchtest du ein Feindbild/ Gegner oder was in der Richtung. Wie mal ein bekannter Kabarettist sagte: Wenn der Feind bekannt ist hat der Tag Struktur.

    Wobei die Art des 2ten Artikel deutlich besser war, da nicht halb so reißerisch wie z.B. der erste.

    Schreib lieber über Aktien, da finde ich deine Artikel haben einen Mehrwert.

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  6. Ihr persönlicher Rachefeldzug ist witzig. Wie Sie sich ereifern und die beiden dissen. Was ist Ihre Intention? Neid, Frust, Angst, Einsamkeit, kein Sinn?
    Wenn Sie das erste Buch schon schlecht fanden, wieso lesen sie dann das 2. und 3. und schreiben dazu noch ellenlange, einseitige Artikel dazu? Pure Zeitverschwendung und auch kontraproduktiv. Ich werde die Bücher von Friedrich und Weik nun kaufen und mir reinpfeifen. So schlecht können die gar nicht sein. Ihnen alles Gute.

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  7. Lieber Couponschneider, bitte nimm dir die Kommentare der obigen user zu herzen und denk mal darüber nach. Diese sprechen mir aus der Seele. Bloggen Sie bitte über Aktien und sparen Sie sich ihren furchtbar schlechten Populismus.

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    1. Ich blogge über Politik, Finanzen und Wirtschaft. Was ist schlimm daran, wenn ich ein Buch kritisiere? Warum soll ich neidisch sein? Ich schicke mich nicht an, Buchautor zu werden. Ich kritisiere die Personen Friedrich und Weik, genauso wie ich Gewerkschafts- und SED-Bonzen kritisiere.

      Der Erfolg dieser beiden Autoren ist mir tatsächlich ein Ärgernis, weil ihre Bücher dümmlich sind. Ich erhebe ja auch mein Wort gegen Koko Petkov und gegen das Daytrading. Wenn ich jemanden kritisieren, dann will ich das qualifiziert tun und dann lese ich auch schon einmal drei Bücher.

      Als ich Dirk Müller kritisierte, hieß es, ich solle doch mal eines seiner Bücher lesen. Daraufhin las ich sein erstes Buch und er kam nicht gut weg.

      Ich habe auch schon "Die Abwracker (Henkel), "Die Target-Falle" (Sinn) und mit einigen Jahren Verspätung "Der Crash kommt" (Otte). Das ist schon ein ganz anderes Niveau. Selbst das leichteste und sehr anekdotische Buch von Henkel mag ich eher empfehlen als Friedrich und Weik.

      Über die Abwracker schrieb ich auch schon was: http://couponschneider.blogspot.de/2012/10/buchempfehlung-die-abwracker-wie-zocker.html

      Weitere Bücher, die positive bewertet habe:

      http://couponschneider.blogspot.de/2014/08/buchempfehlung-schnelles-denken.html

      http://couponschneider.blogspot.de/2015/08/buchempfehlung-gier-von-jason-zweig.html

      Das sind aber schon einige Rezensionen. Um ein natürliches Gleichgewicht zu halten, sollte ich mal wieder etwas über Antisemitismus schreiben. Wenn ich die Kommentare hier so lese, bekomme ich richtig Bock darauf.

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    2. Trotzdem finde auch ich solche Rezensionen eher sinnlos, unabhängig davon wie sie ausfallen. So sinnlos wie die rezensierten Bücher. Diese enthalten schlicht kein für den Leser anwendbares ökonomisches Wissen und sind daher - mangels herausstechender Unterhaltsamkeit - reine Zeitverschwendung. Da möchte ich Henkel und Otte hinzu zählen, auch wenn ich keinen davon gelesen habe. Ich kenne die Autoren aus den Medien, das Buch kann nur die Langform dessen sein.
      Ich denke, die Leserschaft hier liest eher Bücher über Aktienbewertung, Kennzahlenanalyse etc., also etwas Substanzielles anstatt ideologische Manifeste und Stimmungsbilder, nach deren Lektüre man so schlau ist wie zuvor oder noch dümmer.

      Was das Daytrading angeht, ist es ein ebenfalls sinnloses Sich-Abarbeiten an dem Thema, dies am Beispiel von Koko Petkov zu kritisieren. Das ist nicht mal qualifizierte Kritik, denn Koko Petkov ist - wie offensichtlich sein sollte - kein Daytrader sondern ein Trickbetrüger, nur ohne Trick. Daytrader findest du halt kaum auf Youtube, weil sie keine Zeit haben, den ganzen Tag Videos zu produzieren, Webseiten und "Seminare" aufzusetzen. Es gibt kaum ein Argument gegen Daytrading, außer dass es die meisten, die es tun, nicht können. Damit wäre das Thema eigentlich erledigt. Nach deiner Logik wäre aber auch der Gebrauchtwagenhandel als Weg zum Ruin zu kritisieren, weil Koko Petkov Lieschen Müller dort hinein lockt:
      http://www.kfz-business.com/autos-handeln-video-2/ (Das Video bekommt man normalerweise nur gegen eine E-Mail-Adresse und enthält die geheime Strategie des Gebrauchtwagenhandels von Koko Petkov - die hat es in sich!). Meines Wissens befinden sich ebenfalls keine Gebrauchtwagenhändler in der Forbes-Liste. Was nicht heißt, dass man davon nicht gut leben könnte.

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  8. Dass dir die Bücher nicht gefallen und du sie kritisiert ist vollkommen ok. Da sind die meisten Leser denke ich sogar bei dir. Es ist egal ob du in der Vergangenheit auch mal ein paar Bücher positiv bewertest hast. Das ist ein völlig anderes Thema, um das es in den Kommentaren nicht geht.

    Die Art und Weise in der das geschieht ist das Thema. Denn diese ist stellenweise auf Bildniveau und zeigt, dass es nicht wirklich um den Inhalt, sondern eher um ein Feindbild geht, welches bekämpft werden muss.

    Hier stellt sich die Frage nach der Intension deinerseits.
    Wie einer der Vorredner schrieb: "Wie Sie sich ereifern und die beiden dissen. Was ist Ihre Intention? Neid, Frust, Angst, Einsamkeit, kein Sinn?"

    Hoffe dir die Thematik verständlich näher gebracht zu haben. Falls nicht fürchte ich kann Ich nicht zu dir durchdringen.

    Tu mir bitte nur einen Gefallen: Steh morgen mit einem Lachen auf oder lächle einem anderen Menschen in Gesicht - es wird dir gut tun.

    Gute Nacht

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  9. Meiner Ansicht nach verteilt der Herr Couponschneider schon ein paar Seitenhiebe, die es in sich haben ("Einmaleins der Ökonomie", "SED", "Pegida"). Das entspricht vielleicht nicht unbedingt dem Stil eines klassischen Debattierclus und eine rein rationale Argumentation sieht vielleicht auch anders aus.

    Dennoch finde ich seine Polemik im Großen und Ganzen angemessen. Übertreibung und Parodie sind nunmal Stilmittel. Und die setzt er ein (mit der einen oder anderen Spitze), ohne die sachliche Ebene komplett zu verlassen.

    Man muss ja nicht immer einer Meinung sein mit ihm (Ich bin's nicht ;-)) und streckenweise wirken seine Texte verbissen und angriffslustig (Stichwort "Linken-Bashing").

    Aber amüsant zu lesen ist seine Schreibweise allemal und es regt dazu an, sich mit diversen Themen aus einem anderen Blickwinkel auseinanderzusetzen. Und vielleicht darf man wirklich nicht alles allzu ernst nehmen (s. Kommentar von ChrisS).

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  10. Ich finde die beiden Klasse und bereichernd. Aber jeder Jeck ist anders.

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  11. Ich finde deine Blogs sehr Lesenswert, sie motivieren mich richtig! Sie haben mich sogar so stark motiviert das ich ebenfalls einen Blog angefangen habe :-) Ich bin zwar noch lange nicht soweit wie du, aber ich gebe mir Mühe um zu lernen!

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  12. CS, was ist los? Zwei Monate kein Post mehr, muss man sich Sorgen machen?

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